DVD-Quickies (1)

Minireviews zu unlängst gesehenen DVDs, in komprimierter Kurzform:

Zodiac von David Fincher ist ein Serienthriller-Film, basierend auf einem wahren (bis heute ungelösten) Fall, der sich vor allem auf die Ermittlungsarbeit konzentriert. Neben dem zuständigen Polizisten konzentriert sich der Film auf zwei Presseleute: Einen alkoholabhängigen Journalisten (glänzend gespielt von Robert Downey Jr.) und einen Karikaturisten (Jake Gyllenhall) vom San Francisco Chronicle. Im Mittelpunkt steht die Ermittlungsarbeit, nicht der Mörder und seine Taten. Ein für Fincher sehr untypischer, klassisch erzählter, erwachsener Krimi, der sich sehr viel Zeit nimmt und mit zweieinhalb Stunden etwas zu lang ist. Das nötige Sitzfleisch bringt man aber gerne auf, weil Fincher es versteht, von Anfang an sehr viel Spannung zu erzeugen. Außerdem erzeugt der Film eine tolle Atmosphäre und versteht es sehr gut, die 70er Jahre in der Gegend um San Francisco zum Leben zu erwecken.

 

The Queen von Stephen Frears erzählt von der Reaktion des britischen Königshauses auf den Unfalltod von Diana. Queen Elizabeth, die zu der Zeit gerade auf ihrem schottischen Landsitz weilte, begegnete dem Thema zunächst mit Indifferenz. Was geht’s uns an, die gehört doch eh nicht mehr zur Familie. Doch Di war immerhin die Mutter ihrer Enkel und Thronfolger, und außerdem reagierte das britische Folk ganz anders als die Queen erwartet hätte. Es ist letztlich Tony Blair, damals frisch gewählter Prime Minister, der die Queen sanft aber bestimmt in eine Richtung schubst, die er für die bessere hält. The Queen bietet faszinierende Einblicke ins Privatleben sowohl der Queen als auch von Blair (auch wenn die natürlich inszeniert sind, sie wirken aber sehr glaubhaft) und schöne Effekte, die sich ergeben, wenn Blair als totaler Gegenpol zur Königin dargestellt wird. Man könnte The Queen als Doku-Drama bezeichnen, wenn das nicht so sehr nach Guido Knopp klänge. Im Endeffekt ist der Film, nicht zuletzt wegen der fantastischen Helen Mirren als Queen, einfach großes Kino. Auf eine ganz eigene Weise fesselnd, stellenweise sogar recht witzig, und durch und durch britisch.

 

Flirting with Disaster von David O. Russell stammt aus dem Jahr 1996. Ich kannte den Film noch nicht, da er aber immer wieder bei diversen Fernseh-Tipps empfohlen wurde, hab ich mir mal die DVD besorgt. Ben Stiller gibt einen Woody-Allenesken neurotischen Charakter, der auf der Suche nach seinen leiblichen Eltern ist, und natürlich erst mal bei ein paar Versuchen an die falschen gerät. Daraus entspinnt sich eine turbulente Reise voller Missverständnisse und Missgeschicke und Beinahe-Seitensprünge. Der Film beginnt sehr charmant mit viel Dialogwitz, driftet aber am Ende immer mehr ins inszenierte Chaos ab, das für meinen Geschmack etwas zu überdreht war. Mancher Gag wurde ein bisschen totgeritten (Ja, Mrs. Schlichting klingt wie Shitking, wir haben’s kapiert). Außerdem hätte es das plötzliche Happy End nicht gebraucht. Durchgehend toll sind dafür die Schauspielerleistungen, besonders Patricia Arquette als Jung-Mami und der alte M.A.S.H.-Haudegen Alan Alda als Stillers Vater. Nette Unterhaltung.

 

Nicht auf DVD gesehen, sondern vor etlichen Wochen beim Münchner Europafilmfest: Big Nothing vom Kanadier Jean-Baptiste Andrea. Eine schwarze Komödie, die das Genre nicht neu erfindet, aber einigen Spaß macht: Es geht um einen vermeintlich todsicheren Deal, der natürlich von Anfang an Quatsch war und fürchterlich schief geht, die Protagonisten reiten sich immer tiefer in die Scheiße und den ein oder anderen kostet das das Leben. Filmen wie Very Bad Things nicht unähnlich, lebt Big Nothing von seinem makabren Humor und dem Gefühl, dass jederzeit alles passieren kann. Weiterer Pluspunkt: Simon Pegg, der hier erstmals im Gespann mit Friends-Star David Schwimmer auftritt (später führte Schwimmer Regie beim Pegg-Film Run, Fatboy Run, der bald in unsere Kinos kommt). Big Nothing hat nicht die Klasse der Komödien, die Pegg mit Edgar Wright gemacht hat, ist aber für Freunde schwarzen Humors sehr zu empfehlen.