Im Kino: Sukiyaki Western Django

Gesehen auf den Fantasy Filmfest Nights

Ein Italowestern. Aus Japan. Also kein Spaghetti- sondern ein Sukiyaki-Western. Der neue Film von Japans überproduktivem Vielfilmer Takashi Miike ist gleichzeitig Liebeserklärung, Hommage und Parodie auf ein Genre, ist aber ebenso auch ein wilder, poppiger Stilmix aus östlichen und westlichen Traditionen, aus Drama, Tragödie, Action und Klamauk. So wie Sukiyaki eben auch ein Eintopf ist, in den man ziemlich viel reinwirft, alles gut würzt, mischt und durchkocht.

Das Endergebnis schmeckt wirklich lecker, denn Sukiyaki Western Django ist ein äußerst unterhaltsamer Film geworden, der trotz ein paar Längen großen Spaß macht und einiges an Schauwerten fürs Auge bietet. Der Film beginnt mit einem Gastauftritt von Quentin Tarantino als Poncho-tragender Loner, der mit maßlos übertriebenem Coolness-Getue gleich mal den Regler auf 11 stellt, ebenso wie die knalligen Pappkulissen (die es aber nur in der Eröffnungssequenz gibt) und die extrem cheesy Dialoge. Letztere werden über die komplette Filmlänge in englisch vorgetragen, zusätzlich gibt’s auch noch englische Untertitel (wofür man ganz dankbar sein kann, denn die Darsteller sprechen genüsslich mit extrem japanischem Akzent).

Die Story ist nicht wirklich die Rede wert — es geht um einen Kampf zwischen zwei Clans in dem japanischen Dörfchen Nevada (!). Die Roten gegen die Weißen, beide haben es auf einen Goldschatz abgesehen, und es steht unentschieden. Bis der schwarze Reiter, ein schweigsamer Lonesome Cowboy der alten Schule, ins Dorf kommt und die Dinge in Bewegung kommen. Zu sehen gibt es eine Menge, angefangen bei Saloons im Pagodenstil über die irren Kostüme der Clanmitglieder (Tokio Hotel meets Die Toten Hosen) bis hin zu aufwendig gedrehten und rasant geschnittenen Duellen mit Waffen aller Art. Das Samuraischwert kommt ebenso zum Einsatz wie der Colt (der nie, wirklich nie! ohne cooles Um-den-Finger-Wirbeln weggesteckt wird) und schließlich das ultimative Maschinengewehr, das im Sarg transportiert wird und noch ein bis zwei Nummern größer ist als das von Franco Nero im Original-Django.

Miike variiert zwischen gnadenlos übersteigerten, comichaften Szenen (honorable mention: der schizophrene Sheriff, der Selbstgespräche im Gollum-Style führt) und ernsthaften, an Shakespeare-Dramen erinnernden Abschnitten. Nicht immer passt das nahtlos zusammen, stört aber auch nicht allzusehr. Insgesamt überwiegt klar der komödiantische Aspekt, das postmoderne Spiel mit dem Trash und mit Zitaten, so dass Sukiyaki Western Django über weite Strecken einfach ein herrlicher Schmarrn von Filmfreaks für Filmfreaks ist. Als solcher würde er sich sicher auch prima als dritter Film zum Grindhouse-Doppelpack passen, nicht nur wegen Tarantinos Gastrolle.

 

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