Im Kino: Juno

Juno ist sechzehn, hat zum ersten Mal mit einem Jungen geschlafen und ist schwanger. Und schon wendet sich ein Teil des Publikums wieder ab, weil es entweder ein sentimentales Rührstück, ein hochmoralisches Zeigefingerdrama oder eine zotige Teeniekomödie erwartet. Dieser Film aber zeichnet sich vor allem durch das aus, was er nicht ist. Stattdessen unterläuft Juno immer mal wieder die Erwartungen und schlägt unerwartete Haken.

Juno plant zuerst eine Abtreibung, beschließt dann aber, das Kind zur Adoption freizugeben und sucht aus den Annoncen im Anzeigenblättchen ein interessiertes Paar. Dieses Paar, gespielt von Jennifer Garner und Jason Bateman, wirkt zuerst wie der Prototyp der ekligen Yuppie-Kotzbrocken, ehe sich zumindest der männliche Teil als sympathischer Kerl entpuppt — aber auch hier gibt es nochmal eine unverhoffte Wende.

Was Juno so unterhaltsam macht, ist zum einen die sehr lässige, sympathische Indie-Attitüde, die den kompletten Film durchzieht, vom Vorspann über den Soundtrack bis zu den Klamotten (weniger Wohlmeinende können das natürlich alles als kühles Kalkül sehen und haben damit vielleicht sogar recht, aber mich kriegt man mit sowas einfach gut rum), zum anderen die tollen Schauspieler, allen voran Ellen Page in der Titelrolle. Und zum dritten die Dialoge: Drehbuchautorin Diablo Cody, die dafür den Oscar gewann, legt ihren Protagonisten rhetorische Wasserfälle in den Mund, die gleichermaßen smart, zeitgeistig und witzig sind. Schon klar, echte Teenager reden nicht so, aber das macht nichts. Ich habe einfach eine Riesenfreude an dieser Sprache, die vor originellen Einfällen nur so sprüht. Ich war ganz dankbar für die Originalversion mit Untertiteln, denn ohne Untertitel hätte ich doch so manches verpasst, und auf deutsch dürfte auf der Sprach-Ebene einiges verloren gehen.

Regisseur Ivan Reitman (Thank You For Smoking) hat hier ein heikles Thema in einer sehr vergnüglichen Komödie verpackt. Die Vorwürfe, der Film verbreite ein reaktionäres Weltbild und sei praktisch ein U-Boot der Pro-Life-Bewegung, halte ich für verfehlt. Zwar entscheidet sich Juno sehr schnell gegen eine Abtreibung und ihre Schwangerschaft kommt ähnlich unproblematisch rüber wie ein Schnupfen, aber der Film schlägt in meinen Augen zu viele Haken und hat ein zu ambivalentes Ende, so dass ein solcher Vorwurf genau die Schwarz-Weiß-Malerei enthält, die er dem Film vorhält.

 

3 Gedanken zu „Im Kino: Juno

  1. Ich kann mich dieser ausführlichen, positiven Würdigung von Juno nur anschließen. Wie behutsam, differenziert und dennoch überaus witzig der Film mit dem Thema ungewollte Schwangerschaft umgeht, wird insbesondere deutlich, wenn man ihn mit „Knocked Up“ (Beim ersten Mal) vergleicht.

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