Live: José Gonzales

Wer einmal bei der Musikexpress-Akustik-Konzertreihe Schweine am Samstag war, die man vielleicht besser in „Perlen vor die Säue“ umbenennen sollte, kennt das: ein netter Club, nette Leute, nette Gespräche, nette Getränke. Und irgendwo auf ner Bühne sitzt ein introvertierter Typ mit Gitarre und versucht, leise Lieder zu spielen. Nur hört ihm fast keiner zu. Es geht aber auch ganz anders, und das hängt ganz entscheidend mit der Location zusammen.

In der Dachauer Pfarrkirche St. Jakob, wo es vor kurzem schon ein feines Gastspiel von Iron & Wine gab, fand gestern erneut ein schönes Akustik-Konzert statt. Zu Gast war José Gonzales, der, wie man am Namen schon eindeutig feststellen kann, aus Schweden kommt. Am bekanntesten ist er ausgerechnet für zwei Coverversionen: für die des Knife-Songs „Heartbeats“ (Ihr erinnert euch an den Werbespot mit den bunten Bällen?) und für seine großartige Version von Massive Attacks „Teardrop“. Beide brachte er natürlich in der vollbesetzten Kirche zu Gehör, aber auch viele Stücke aus eigener Feder, die sich dahinter nicht verstecken müssen. Beeindruckend an der Musik von José Gonzales ist vor allem der Klangteppich, den er mit einer einzigen Akustikklampfe zu erzeugen in der Lage ist.

Feine, leise Musik also, nur gelegentlich mal unterstützt von zurückhaltender Percussion oder auch mal einer Melodika. Und die Kirche ist der perfekte Ort dafür. Hier sitzt man (leider sehr unbequem, der Kirchenbestuhler hatte wohl kein Interesse an Ergonomie), und wenn die Musik beginnt, wird andächtig geschwiegen und zugehört. Was für alle Beteiligten sicher eine angenehme Abwechslung bedeutet und das musikalische Erlebnis intensiver macht. Wenn’s nach mir geht, kann das gerne so weiter gehen mit Konzerten in St. Jakob.

 

3 Gedanken zu „Live: José Gonzales

  1. Ah, der Neid. Erst Iron & Wine, und dann das… Gonzales hat in meinem Buch ein dickes Plus hinter dem Namen stehen. Mit Singer/Songwritern tue ich mich manchmal schwer – viele kann ich über längere Zeit nicht hören, ohne skippen zu wollen. Gonzales aber geht immer.

  2. das dachauer kulturamt trumpft weiter auf. im sommer: the national in open air. deren album „the boxer“ sei sehr ans herz gelegt.

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