Der erste Superheldenfilm, für den Marvel nicht die Lizenz an ein Hollywoodstudio verkauft, sondern die Produktion selbst übernommen hat, ist ein absolut gelungenes Unterfangen. Iron Man funktioniert hervorragend als das was es ist: Popcorn-Genreunterhaltung, ein Sommerblockbuster eben. Der Film ist in sich stimmig, hat vernünftige Dialoge, gute Action und vor allem Schauspieler, die ihren Figuren eine Seele geben. Robert Downey Jr. in der Hauptrolle ist eine goldrichtige Wahl, er verkörpert den Rüstungsmillionär Tony Stark, der sich eine Hightech-Rüstung baut, als hätte er nie was anderes gemacht. Jeff Bridges als Antagonist ist ein Genuss, und sogar Gwyneth Paltrow kann als sommersprossige Assistentin Pepper Potts zeigen, dass sie sehr viel Charme haben kann.
Iron Man ist Kino-Entertainment, wie es sein sollte. Man muss eben nicht das vielzitierte Gehirn an der vielzitierten Kasse abgeben, Denken ist nicht verboten. Natürlich ist das hier kein Oscar-verdächtiges Drama und keine subtile Erörterung über Waffenhandel. Aber es ist durch und durch solide, unlangweilige Hollywood-Unterhaltung, bei der man nie das Gefühl hat, als Zuschauer nach Strich und Faden verarscht zu werden. Und das will heutzutage ja schonmal was heißen. Außerdem findet der Film eine wunderbare Balance zwischen Spaß und Ernst: Man streut immer wieder augenzwinkernde Momente ein, die der Sache wirklich gut tun, ohne die Geschichte zum Klamauk verkommen zu lassen. Die Kinoumsätze des Films sind ein klarer Erfolg, eine Fortsetzung wird wohl unvermeidlich sein. Man darf sich drauf freuen.
Abspann: Comicfans im allgemeinen und Marvel-Fanboys im besonderen werden ganz feucht: Was sich in der kurzen Szene ganz am Schluss abspielt, deutet nicht nur auf einen zweiten Teil hin, er deutet auch auf einen Avengers-Film hin und obendrein deutet er die Möglichkeit an, dass die Marvel-Filme in einem gemeinsamen Universum spielen könnten. Und außerdem ist die Szene ein toller Insider-Gag für alle, die den Ultimates-Comic gelesen haben.
Auf die DVD warten: Interview: Steve Buscemi! Als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller. Er gibt einen uninteressierten Journalisten, der eine uninteressante Schauspielerin (Sienna Miller) zum Interview trifft.
Things We Lost in the Fire: Ein Film über Verlust: Halle Berrys Mann stirbt plötzlich, sie bleibt zurück, ebenso wie ein guter Freund des Mannes, der schwer drogensüchtig ist. Der Film lohnt sich wahrscheinlich schon allein deshalb, weil letzterer von Benicio Del Toro gespielt wird.
Standard Operating Procedure: Doku über die Untaten im Folterknast von Abu Ghraib, die nicht nur nüchtern berichtet, sondern auch interessante Bilder zu finden versucht. Was nicht das schlechteste sein muss.
Esperanza: Gut besetzter deutscher Film, der auf einem Dampfschiff spielt und irgendwie eine zirkushafte Komödie sein will. Die Aufgesetztheit und Manieriertheit des ganzen geht mir schon im Trailer auf die Nerven.
Flamenco mi Vida: Dokumentarfilm mit reichlich Klapperklapperklapper.
The Eye: Und wieder mal ein Hollywood-Remake eines Ostasien-Gruslers mit einer mittelmäßig begabten Blondine in der Hauptrolle. Das Original hab ich vor einigen Jahren mal auf dem Fantasy Filmfest gesehen, war ganz annehmbar.
Funny Games (Funny Games U.S.): Mal ganz davon abgesehen, ob man Michael Hanekes Film zum Thema Gewalt im Film für eine brillante Medienkritik oder für doppelmoralischen Quark hält: Ein 1:1-Remake seines österreichischen Films für den US-Markt kann man ja noch akzeptieren, wenn die Amis schon partout keine ausländischen Filme gucken wollen. Dass man aber diesen Film dann quasi nochmal reimportiert und in die ursprüngliche Sprache zurückübersetzt, ist so überflüssig wie ein Furunkel am Gesäß. Außerdem klingt dieses Titel-Anhängsel “U.S.” saublöd.
12:01, SWR, Landesschau
Hier läuft grade ein Beitrag über den Aufstieg der TSG Hoffenheim. Was dort passiert, finde ich ja ziemlich spannend. Da steckt jedenfalls mehr dahinter als eine simple “Geld schießt Tore”-Logik.
12:04, Kabel Eins, King of Queens
Mit Sitcoms habe ich es generell nicht so sehr, und diese hier scheint ja eine sehr treue Fangemeinde zu haben. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht.
12:06, BR alpha, Das Tagesgespräch
Abgefilmtes Radio, eigentlich eine Hörfunksendung. Der Studiogast scheint zu wissen, dass sie auch im Fernsehen läuft: Kleidung und Frisur sind TV-tauglich. Beim Moderator ist das nicht der Fall.
12:10, RTL, Punkt 12
Eine der Sendungen, die ich nur aus Switch kenne. Thüth.
12:12, VOX, Werbung
What? Ein Schnitzel für den Toaster? Wer sowas herstellt, ist durch und durch böse.
12:16, Kabel Eins, Bill Cosby Show
Ha, Adam Sandler in jungen Jahren! Er ist es wirklich!
12:25
Suche verzweifelt nach irgendetwas halbwegs interessantem, über das man zumindest einen halbwegs interessanten Satz schreiben könnte. Da ist nicht viel. Und mit Zattoo habe ich schlimme Bandbreitenprobleme.
12:31, GIGA, GIGA Classics
Dafür bin ich eindeutig zu alt. Drei junge Leute reden auf der Straße durcheinander, eine Wackelkamera filmt das und man versteht überhaupt nicht, worum’s eigentlich geht.
12:39, HR; Wissen macht Ah!
Kinderprogramm ist wohl letztlich doch das genießbarste um diese Uhrzeit. Wissen macht Ah! mag ich wirklich gerne, vor allem die dezent durchgeknallte Moderation von Shary Reeves und Ralf Caspers ist toll. Und die Beiträge taugen auch was. Grade wird erklärt, warum man Kartoffeln, Bohnen und andere Gemüsesorten nicht roh essen sollte.
12:42, MDR, Fakt ist…!
Talkshow zum Thema Ehe und Heiraten. Eva Herman darf mal wieder Müll reden. Will ich nicht hören.
12:45, VIVA, Comet 2007
Konservenfernsehen mit einer total spannenden Preisverleihungsshow aus dem letzten Jahr. Tokio Hotel und kreischende Teenies. Wie ergreifend. Direkt danach kommt Herbert Grönemeyer, und die Kids kreischen einfach weiter.
12:52, Pro Sieben, SAM
Der eine Boulevardschrott begleitet flirtwillige Menschen beim Ausflug ins Singlehotel.
12:55, RTL, Punkt 12
Der andere Boulevardschrott berichtet hochinvestigativ über Mütter und Töchter im Partnerlook.
12:58, Kabel Eins, Bill Cosby Show
Mit den besten Wollpullis der Fernsehgeschichte.
12:59, ARD, ARD-Buffet
Betuliches Senioren-Fernsehen mit Kochen, Quizfragen und dauergrinsenden Moderatoren. Zum Schluss wird gemeinsam gegessen — und ich krieg auch langsam Hunger.
Kaum Filmstarts diese Woche, weil Christl Skall sowieso fast alle Leinwände belegt.
Im Kino sehen: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels): Benutze Peitsche mit Henry. Natürlich sind wir skeptisch. Aber natürlich sehen wir uns das an.
Auf die DVD warten: La sconosciuta (Die Unbekannte): Psychothriller von Giuseppe Tornatore, dessen Bilder im Trailer und dessen Musik (Ennio Morricone) etwas sehr anziehendes haben. Die Werbung für den Film kommt direkt mit den obligatorischen Hitchcock- und Lynch-Vergleichen, mal sehen, ob der Film das einhält.
Vielleicht mal im Fernsehen: True North: Britisches Drama über einen schottischen Fischkutter, der aus Geldnot eine Gruppe illegaler Immigranten aus China transportiert.
Falafel: Urbanes Liebesdrama aus Beirut, ohne orientalischen Kitsch.
Es ist eine Mischung aus Popkultur-Festival, Klassentreffen, Fachmesse, Sammlermecka, Geek-Parade, Kongress, Kunst-Event und Party. Der Comic-Salon Erlangen ist von allem etwas. Alle zwei Jahre findet er statt und ist die Comic-Veranstaltung in Deutschland. Das schöne daran ist, dass er wirklich alle Facetten des Mediums abdeckt. Vom cosplayenden Manga-Girlie bis zum klassischen Klischee-Nerd, vom Distinktionsgewinn suchenden Independent-Typen bis zum elitären Kunstschnösel kann in Erlangen jeder auf seine Kosten kommen. Vor allem aber ist Erlangen ein Fest des Comics, weil nirgendwo sonst so viele Macher und Liebhaber dieses Mediums für ein paar Tage auf einem Haufen sind und die kleine Stadt tatsächlich vier Tage lang im Zeichen dieser Veranstaltung steht.
Ich fahre morgen zum vierten Mal hin und bin erstmals über die vollen vier Tage dabei. Gemeinsam mit meinen lieben Comicgate-Freunden werde ich dort unser drittes Printmagazin vorstellen, an dem wir die letzten Wochen intensiv gewerkelt haben. Wir sind mit einem Stand auf der Comicmesse vertreten und berichten natürlich auf comicgate.de vom Salon. Am Sonntag werde ich an der Diskussionsrunde “Wozu noch Verlage? Comics online” teilnehmen. Schlaf und gesunde Ernährung werden wieder zu kurz kommen, aber da muss man durch. Ich freu mich drauf!
In fast jedem Blog gibt es Beiträge, die wurden mal angefangen, dann als Entwurf zwischengespeichert, aber nie beendet und veröffentlicht. So wie dieser Text zu Manderlay. Ich hole ihn aus der Entwurfs-Versenkung, weil der Film heute abend auf Arte als Alternative zum Champions-League-Finale läuft. Ich habe den Film vor ca. einem Jahr auf DVD gesehen, der Text bricht unvermittelt mitten im Satz ab. Der Beitrag ist unverändert, so wie er im Entwurfszustand aussah.
Alle mitlesenden Blogger sind hiermit aufgefordert, ebenfalls unvollendete Fragmente aus ihrem Entwurfsordner zu holen und zu veröffentlichen! Mal sehen, was da so zutage tritt …
Auf DVD: Manderlay
Lars von Triers Fortsetzung von Dogville, in dem Nicole Kidman in einem kleinen amerikanischen Dorf landete und von der Dorfgemeinschaft zuerst freundlich aufgenommen, später dann aufs übelste behandelt wurde.
Manderlay knüpft direkt an Dogville an (wobei man dem Film auch problemlos folgen kann, wenn man Dogville nicht kennt): Grace, diesmal gespielt von Bryce Dallas Howard, fährt mit ihrem Vater und seinen Gangstern durch die Lande und kommt zufällig an einer Baumwollfarm vorbei, in der gerade ein Schwarzer ausgepeitscht werden soll. Es stellt sich heraus, dass in dieser Farm noch Sklaven gehalten werden, obwohl die Skaverei schon seit 70 Jahren abgeschafft ist.
Grace entdeckt nun ihr Helfersyndrom. Sie bittet den Vater um ein paar seiner Gangster und bleibt mit diesen auf der Farm. Dort will sie die Sklaven befreien und ein Leben nach Gesetz und Ordnung aufbauen. Da die Matriarchin der Farm gerade gestorben ist, übernimmt Grace kurzerhand diese Rolle. Die ehemaligen Sklaven erhalten die Freiheit und werden als normale Bedienstete angestellt. Außerdem gibt Grace Demokratieunterricht, untersützt und bewacht von den bewaffnete Schergen ihres Vaters. Schon bald stellt sich heraus, dass die neue Freiheit für die Sklaven nicht nur Vorteile bringt, und alles nicht so einfach ist, wie Grace sich das vorgestellt hat.
Lars von Trier benutzt für Manderlay wieder das gleiche optische Versuchslabor wie in Dogville. Gespielt wird auf einer großen Bühne, auf der ein paar Grundrisse eingezeichnet sind. Außer ein paar Requisiten gibt es keine Kulissen, was zu so eigenartigen Effekten führt wie dem Öffnen und Schließen einer unsichtbaren Tür. Ich kann nicht recht ausdrücken, was genau dieses Stilmittel beim Zuschauen bewirkt, aber es bewirkt definitiv etwas. Es ist eine extreme Reduzierung aufs Wesentliche, gleichzeitig eine Verfremdung, die alles etwas künstlicher wirken lässt. Dazu kommt der eigentlich unpassende Einsatz einer Erzählstimme aus dem Off, die (zumindest in der englischen Fassung) sehr märchenonkelhaft klingt. Normalerweise finde ich solche Off-Erzähler unnötig und störend, hier aber passt es sehr gut.
Natürlich erzählt Lars von Trier ein Gleichnis, der erhobene Zeigefinger ist durchaus zu spüren und
Gestern abend habe ich die letzten beiden Heroes-Folgen gesehen. Heute weiß ich schon nicht mehr so richtig, wie’s denn genau ausging, so egal war’s mir am Ende. Mit Heroes, der von so ziemlich allen Seiten hochgelobten TV-Serie von Tim Kring, bin ich nie richtig warm geworden. Ich habe mich letztlich trotzdem durch alle Folgen gequält, denn leidlich spannend ist die Serie allemal und es gibt weißgott schlechteres Fernsehen. Die großen Lobeshymnen aber kann ich nicht nachvollziehen.
Ja, Heroes ist aufwendig produziert, sieht teuer und edel aus und erzählt eine durchgehende Geschichte, die (zumindest fürs Fernsehen) neu und innovativ ist, Es geht um Menschen, die entdecken, dass sie besondere Fähigkeiten haben, es geht um eine große Katastrophe, die es abzuwenden gilt. Die X-Men und ihre Superhelden-Kollegen lassen grüßen, Heroes verzichtet allerdings bewusst auf bunte Kostüme, alberne Heldennamen und aberwitzige Superschurken.
Trotzdem verdankt Heroes den (Superhelden-) Comics eine Menge und die Serie sucht auch bewusst die Bindung zum Comic-Markt. Die Comic-Veteranen Jeph Loeb und Tim Sale gehören zum Kreativteam, eine der Figuren ist Comiczeichner, und zu jeder Folge gibt es online eine kurze Comicgeschichte zum Download.
Dass mich Heroes nicht so recht begeistert hat, liegt vielleicht grade daran, dass mir das Superhelden-Szenario der Comics gut vertraut ist. All die Elemente in Heroes konnte man so ähnlich schon mal in dem einen oder anderen Comic finden. Was Heroes leider gerne außer Acht lässt: gute Comics machen Spaß, sie haben Witz und Selbstironie. Bei Heroes gibt es zwar mit dem Japaner Hiro (guter Name!) einen Charakter, der eher für die komischen Momente zuständig ist, aber sonst setzt die Serie viel zu sehr auf Drama und Pathos und einen Pseudo-Tiefgang, den sie letztlich nicht hat. Über die predigtgleichen Einleitungs- und Schlusssätze der Stimme aus dem Off musste ich mich regelmäßig kaputtlachen.
Dass die Serie keine klare Hauptfigur, sondern einen ziemlich großen Stamm von Figuren hat, muss nichts schlechtes sein. Aber die Vielzahl der daraus entstehenden Handlungsfäden wird bei Heroes schon mal problematisch. Es gibt Episoden, da laufen acht, neun Handlungsstränge parallel — irgendwann wird’s einfach unübersichtlich, nicht nur für den Zuschauer, auch für die Autoren.
Vielleicht hätte mir Heroes besser gefallen, wenn ich mit den Charakteren besser klar gekommen wäre, denn die sind für mich die größte Enttäuschung an der Serie. Mit wenigen Ausnahmen sind die Helden ziemlich flache Persönlichkeiten, die meisten obendrein nicht allzu sympathisch, oder sie gehen einem nach ein paar Folgen ziemlich auf die Nerven. Auch schauspielerisch fehlt es: der Großteil der Figuren wird eher plump dargestellt, kaum ein Schauspieler gewinnt seiner Rolle mehr als eine Facette ab. Besonders das Blondinchen Hayden Panettiere als Cheerleader-Girl Claire und Ali Larter als gespaltene Persönlichkeit Nicky/Jessica agieren auf einem Niveau, mit dem man beim Lindenstraßen-Casting durchfallen würde.
Okay, dieser Eindruck mag auch an der Synchronisation liegen (ich habe die deutsche Variante auf RTL2 geguckt), die wirklich keine, haha, Heldentat ist. Die zweite Staffel jedenfalls (die in den USA im Gegensatz zur ersten auch ziemlich kritisiert wurde) muss ich nicht mehr sehen. Ich geh dann mal ‘nen Comic lesen …
Im Kino sehen: In Bruges (Brügge sehen … und sterben?): Scheint ein sehr vergnügliches und sehenswertes Gangsterfilmchen mit viel britischem Humor zu sein. Tipp!
Auf die DVD warten: Brave Story: Aufwändiger Fantasy-Anime, in dem mal wieder ein Kind durch ein Portal in eine magische Welt kommt. Der erste Film eines neuen japanisch-amerikanischen Joint Ventures, das nach eigener Aussage dem großen Studio Ghibli Konkurrenz machen will. Ob’s klappt? Die Bilder sehen immerhin ziemlich gut aus.
Vielleicht mal im Fernsehen: Jesus Christus Erlöser: Klaus Kinskis legendäre Performance war ja schon lange mal als Film fällig. Muss ich aber nicht unbedingt im Kino haben, zumal bei mir zuhause noch immer die Hörbuchbuchfassung ungehört daliegt, weil ich mich nie so recht an dieses Monster herantraue.
Mio fratello è figlio unico (Mein Bruder ist ein Einzelkind): Dreiecksgeschichte aus Italien um zwei Brüder, die sich in die gleiche Frau verlieben — der eine Kommunist, der andere Neofaschist. Hier ist der Fascho mal nicht der dumpfe Glatzkopf, sondern ein hübscher Lockenkopf mit großen Augen. Der Film spielt in den 60er Jahren, hat in Italien viele Preise gewonnen und sieht angenehm klischeearm aus.
Paranoid Park: Gus Van Sants Porträt eines jungen Skaters, an dessen Schule in einem Mordfall ermittelt wird, strahlt schon im Trailer irgendwie eine gepflegte Langeweile aus.
Muss nicht sein: Drillbit Taylor (Ein Mann für alle Unfälle): Owen Wilson, ein schwerer Fall. Man will ihn mögen, man liebt jeden seiner Auftritte in Wes-Anderson-Filmen, aber dazwischen dreht er reihenweise Quatsch. Hinter diesem hier stecken zwar die vielgelobten Judd Apatow (Produzent) und Seth Rogen (Drehbuch), aber ich glaube nicht, dass der Film noch Spaß macht, wenn man die Pubertät hinter sich hat.
Shutter (Shutter - Sie sehen dich): Zum umpfzigsten Male wird asiatischer Geisterhorror in einem Hollywood-Mainstream-Remake verbraten.
Es geht um alles: Sportler-Doku über den armenischstämmigen Boxer Arthur Abraham. Couldn’t care less.
Made of Honor (Verliebt in die Braut): AAARGH, schon wieder eine Hochzeits-RomCom! Hilfe.
Kurze Reviews zu mehr oder weniger dokumentarischen Filmen, die neulich auf meinem Festplattenrekorder liefen.
München - Geheimnisse einer Stadt ist weniger eine echte Doku als vielmehr ein Film-Essay über das Wesen der Großstadt München und darüber wie es ist, dort zu leben. Filmkritiker Michael Althen und Regisseur Dominik Graf mischen Archivaufnahmen, neue Bilder, Interviews und mit Schauspielern gedrehte fiktive Szenen zu einem sehr eigenwilligen Film. Der ist teilweise sehr spannend und interessant und findet neuartige Bilder und Gedanken zum Leben in Städten (die auch nicht zwingend München heißen müssen). Leider ist der Film auch anstrengend angestrengt — besonders dann, wenn Althen und Graf sich einzelne Personen vornehmen, und deren fiktive Geschichten (die titelgebenden “Geheimnisse” erzählen). Diese sind im Stil von Fotoromanen umgesetzt, in Folgen von Einzelbildern, die vom Off-Sprecher wortreich kommentiert werden. Diese Episoden sind nicht die Bohne interessant und ermüdend — aber immer dann, wenn ich fast abschalten wollte, kam dann doch wieder was Interessantes, wie z.B. die Bilder aus einem ehemaligen, überwucherten Freibad oder die Erwähnung von kurzzeitig erwogenen Plänen, in München eine Kabinenbahn zu bauen. Alles in allem ein Film für die, die es gerne ein bisschen feuilletonistisch-verquast haben, und natürlich besonders für Münchner.
Monks - The Transatlantic Feedback von Dietmar Post und Lucia Palacios erzählt von einer Band, die von der Musikgeschichtsschreibung beinahe vergessen worden wäre. Die Monks bestanden aus fünf in Deutschland stationierten GIs, waren zu Beginn eine stinknormale Rock’n'Roll-Tanzkapelle, ehe sie von zwei deutschen Designstudenten zu einer avantgardistischen Krachkapelle aufgemöbelt wurden, die eine Art Punkrock avant la lettre machten. Erfolgreich war das nicht — sie waren einfach zu früh dran — aber einflussreich.
Dass es aus der aktiven Monks-Zeit wenig Bildmaterial gibt, ist ein bisschen schade für den Film, der sich visuell kaum von Standard-Rockumentaries unterscheidet: ein paar alte Filmaufnahmen, viele alte Fotos und dazu jede Menge “talking heads”. Die gealterten Monks führen heute brave Bürgerleben in amerikanischen Suburbs, und was sie so erzählen, ist einerseits desillusionierend aber auch liebenswert ehrlich: Die Monks wollten einfach nur Musik machen und ein bisschen Geld verdienen, eine künstlerische Agenda hatten sie nicht. Für ihre musikalische Ausrichtung inklusive Erscheinungsbild war das Duo im Hintergrund — Karl-H. Remy und Walther Niemann — verantwortlich. Just another Boyband also?
Jammerschade, dass sich Remy und Niemann nicht äußern wollten, mit ihren Kommentaren hätte der Film noch deutlich erhellender werden können. So zeichnet er immerhin ein interessantes Bild von der Subkultur der US-Soldaten im Nachkriegsdeutschland und hat hinreißende Bilder aus dem Beat-Club, wo eine hilflos zappelnde deutsche Vorzeigejugend versucht, zum Krachsound der Monks das Tanzbein zu schwingen.
The Yes Men von Dan Ollman, Sarah Price und Chris Smith begleitet ein paar Mitglieder der Aktivistengruppe The Yes Men bei der Vorbereitung und Durchführung ihrer globalisierungskritischen Aktionen. Gleichermaßen subversiv wie witzig, erinnern diese aufwendig geplanten satirischen Einsätze ein wenig an die ein oder andere Titanic-Aktion. Mit Hilfe einer täuschend echten Fake-Website geraten die Yes Men an Einladungen zu hochkarätigen Wirtschaftstreffen oder Fernsehinterviews, wo sie dann im seriösen Outfit haarsträubende Vorträge halten können und so die Schwächen der globalen Wirtschaftspolitik aufzudecken versuchen. Bis auf ein paar Längen gegen Ende macht das sehr viel Spaß und lädt dazu ein, hier oder da zu stöbern und mehr Yes-Men-Aktionen nachzuverfolgen.