Im TV: Drei Dokus

Kurze Reviews zu mehr oder weniger dokumentarischen Filmen, die neulich auf meinem Festplattenrekorder liefen.

München – Geheimnisse einer Stadt ist weniger eine echte Doku als vielmehr ein Film-Essay über das Wesen der Großstadt München und darüber wie es ist, dort zu leben. Filmkritiker Michael Althen und Regisseur Dominik Graf mischen Archivaufnahmen, neue Bilder, Interviews und mit Schauspielern gedrehte fiktive Szenen zu einem sehr eigenwilligen Film. Der ist teilweise sehr spannend und interessant und findet neuartige Bilder und Gedanken zum Leben in Städten (die auch nicht zwingend München heißen müssen). Leider ist der Film auch anstrengend angestrengt — besonders dann, wenn Althen und Graf sich einzelne Personen vornehmen, und deren fiktive Geschichten (die titelgebenden „Geheimnisse“ erzählen). Diese sind im Stil von Fotoromanen umgesetzt, in Folgen von Einzelbildern, die vom Off-Sprecher wortreich kommentiert werden. Diese Episoden sind nicht die Bohne interessant und ermüdend — aber immer dann, wenn ich fast abschalten wollte, kam dann doch wieder was Interessantes, wie z.B. die Bilder aus einem ehemaligen, überwucherten Freibad oder die Erwähnung von kurzzeitig erwogenen Plänen, in München eine Kabinenbahn zu bauen. Alles in allem ein Film für die, die es gerne ein bisschen feuilletonistisch-verquast haben, und natürlich besonders für Münchner.
 
 

Monks – The Transatlantic Feedback von Dietmar Post und Lucia Palacios erzählt von einer Band, die von der Musikgeschichtsschreibung beinahe vergessen worden wäre. Die Monks bestanden aus fünf in Deutschland stationierten GIs, waren zu Beginn eine stinknormale Rock’n’Roll-Tanzkapelle, ehe sie von zwei deutschen Designstudenten zu einer avantgardistischen Krachkapelle aufgemöbelt wurden, die eine Art Punkrock avant la lettre machten. Erfolgreich war das nicht — sie waren einfach zu früh dran — aber einflussreich.

Dass es aus der aktiven Monks-Zeit wenig Bildmaterial gibt, ist ein bisschen schade für den Film, der sich visuell kaum von Standard-Rockumentaries unterscheidet: ein paar alte Filmaufnahmen, viele alte Fotos und dazu jede Menge „talking heads“. Die gealterten Monks führen heute brave Bürgerleben in amerikanischen Suburbs, und was sie so erzählen, ist einerseits desillusionierend aber auch liebenswert ehrlich: Die Monks wollten einfach nur Musik machen und ein bisschen Geld verdienen, eine künstlerische Agenda hatten sie nicht. Für ihre musikalische Ausrichtung inklusive Erscheinungsbild war das Duo im Hintergrund — Karl-H. Remy und Walther Niemann — verantwortlich. Just another Boyband also?

Jammerschade, dass sich Remy und Niemann nicht äußern wollten, mit ihren Kommentaren hätte der Film noch deutlich erhellender werden können. So zeichnet er immerhin ein interessantes Bild von der Subkultur der US-Soldaten im Nachkriegsdeutschland und hat hinreißende Bilder aus dem Beat-Club, wo eine hilflos zappelnde deutsche Vorzeigejugend versucht, zum Krachsound der Monks das Tanzbein zu schwingen.
 
 

The Yes Men von Dan Ollman, Sarah Price und Chris Smith begleitet ein paar Mitglieder der Aktivistengruppe The Yes Men bei der Vorbereitung und Durchführung ihrer globalisierungskritischen Aktionen. Gleichermaßen subversiv wie witzig, erinnern diese aufwendig geplanten satirischen Einsätze ein wenig an die ein oder andere Titanic-Aktion. Mit Hilfe einer täuschend echten Fake-Website geraten die Yes Men an Einladungen zu hochkarätigen Wirtschaftstreffen oder Fernsehinterviews, wo sie dann im seriösen Outfit haarsträubende Vorträge halten können und so die Schwächen der globalen Wirtschaftspolitik aufzudecken versuchen. Bis auf ein paar Längen gegen Ende macht das sehr viel Spaß und lädt dazu ein, hier oder da zu stöbern und mehr Yes-Men-Aktionen nachzuverfolgen.

 

Ein Gedanke zu „Im TV: Drei Dokus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.