Im TV: Heroes, Staffel 1

Gestern abend habe ich die letzten beiden Heroes-Folgen gesehen. Heute weiß ich schon nicht mehr so richtig, wie’s denn genau ausging, so egal war’s mir am Ende. Mit Heroes, der von so ziemlich allen Seiten hochgelobten TV-Serie von Tim Kring, bin ich nie richtig warm geworden. Ich habe mich letztlich trotzdem durch alle Folgen gequält, denn leidlich spannend ist die Serie allemal und es gibt weißgott schlechteres Fernsehen. Die großen Lobeshymnen aber kann ich nicht nachvollziehen.

Ja, Heroes ist aufwendig produziert, sieht teuer und edel aus und erzählt eine durchgehende Geschichte, die (zumindest fürs Fernsehen) neu und innovativ ist, Es geht um Menschen, die entdecken, dass sie besondere Fähigkeiten haben, es geht um eine große Katastrophe, die es abzuwenden gilt. Die X-Men und ihre Superhelden-Kollegen lassen grüßen, Heroes verzichtet allerdings bewusst auf bunte Kostüme, alberne Heldennamen und aberwitzige Superschurken.

Trotzdem verdankt Heroes den (Superhelden-) Comics eine Menge und die Serie sucht auch bewusst die Bindung zum Comic-Markt. Die Comic-Veteranen Jeph Loeb und Tim Sale gehören zum Kreativteam, eine der Figuren ist Comiczeichner, und zu jeder Folge gibt es online eine kurze Comicgeschichte zum Download.

Dass mich Heroes nicht so recht begeistert hat, liegt vielleicht grade daran, dass mir das Superhelden-Szenario der Comics gut vertraut ist. All die Elemente in Heroes konnte man so ähnlich schon mal in dem einen oder anderen Comic finden. Was Heroes leider gerne außer Acht lässt: gute Comics machen Spaß, sie haben Witz und Selbstironie. Bei Heroes gibt es zwar mit dem Japaner Hiro (guter Name!) einen Charakter, der eher für die komischen Momente zuständig ist, aber sonst setzt die Serie viel zu sehr auf Drama und Pathos und einen Pseudo-Tiefgang, den sie letztlich nicht hat. Über die predigtgleichen Einleitungs- und Schlusssätze der Stimme aus dem Off musste ich mich regelmäßig kaputtlachen.

Dass die Serie keine klare Hauptfigur, sondern einen ziemlich großen Stamm von Figuren hat, muss nichts schlechtes sein. Aber die Vielzahl der daraus entstehenden Handlungsfäden wird bei Heroes schon mal problematisch. Es gibt Episoden, da laufen acht, neun Handlungsstränge parallel — irgendwann wird’s einfach unübersichtlich, nicht nur für den Zuschauer, auch für die Autoren.

Vielleicht hätte mir Heroes besser gefallen, wenn ich mit den Charakteren besser klar gekommen wäre, denn die sind für mich die größte Enttäuschung an der Serie. Mit wenigen Ausnahmen sind die Helden ziemlich flache Persönlichkeiten, die meisten obendrein nicht allzu sympathisch, oder sie gehen einem nach ein paar Folgen ziemlich auf die Nerven. Auch schauspielerisch fehlt es: der Großteil der Figuren wird eher plump dargestellt, kaum ein Schauspieler gewinnt seiner Rolle mehr als eine Facette ab. Besonders das Blondinchen Hayden Panettiere als Cheerleader-Girl Claire und Ali Larter als gespaltene Persönlichkeit Nicky/Jessica agieren auf einem Niveau, mit dem man beim Lindenstraßen-Casting durchfallen würde.

Okay, dieser Eindruck mag auch an der Synchronisation liegen (ich habe die deutsche Variante auf RTL2 geguckt), die wirklich keine, haha, Heldentat ist. Die zweite Staffel jedenfalls (die in den USA im Gegensatz zur ersten auch ziemlich kritisiert wurde) muss ich nicht mehr sehen. Ich geh dann mal ’nen Comic lesen …

 

5 Gedanken zu „Im TV: Heroes, Staffel 1

  1. Da frag ich mich ja, ob Du dieselbe Serie gesehen hast. Mir hat „Heroes“ sehr viel Spaß gemacht: Superhelden mit Alltagsproblemen, auf professionellstem Niveau produziert, und immer spielen die Comiczeichnungen eine große Rolle für die Handlung. Und ein Spitzen-Score. Aber ich habe die Serie auch auf DVD genossen, Du hast sie auf RTL2 – von Damenhygiene-Werbespots zerstückelt – durchlitten. Mein Beileid. Aber so – fürchte ich mittlerweile – kriegt man jede Serie kaputt. Oder kannst Du Dir vorstellen „Deadwood“ zu sehen und alle zehn Minuten klotzt Dir das Privatfernsehen dann BMWs, Altersvorsorge und Joghurts rein? Das geb ich mir nicht mehr. Entweder ungestört oder gar nicht.

  2. Generell schaue ich sowas auch lieber auf DVD. In dem Fall war ich aber nicht bereit dafür soviel Geld zu zahlen (und fühle mich rückblickend auch bestätigt), außerdem gehört die üble Praxis, Staffeln auf zwei Boxen zu verteilen, im Grunde genauso boykottiert wie zerhackte Privat-TV-Ausstrahlungen. Die Werbung ist nicht sosehr das Problem, die spul ich vor. Nerviger sind die Einblendungen während der Sendung.

  3. Hey Thomas, wusste gar nicht, dass du der Abspannsitzenbleiber bist. ;)

    Fand gar nicht mal so, dass es am schauspielerischem lag(fiel mir zumindest nicht so auf – hab die originalfassung gesehen), mich haben eher die Dialoge gestört.
    Habe Heroes immer dann gesehen, wenn die story ins rollen kam. Durcheinander oder nicht, spannend und damit unterhaltend fand ichs allemal. Nur wenns zulange im persönlichen rumdümpelt oder wie du schon sagst (viel zu oft)ins Pathos driftet, funzt es nicht mehr.(das gelaber am Anfang und am Ende sind echt der Hammer) Heisst, da tuts echt weh. Spätestens dem Blagen von der Blonden will man für seine durchblick-Moralkommentare (extra für den Zuschauer, damit der auch weiss was er von wem zu halten hat) eins um Ohren hauen.

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