Fragment

In fast jedem Blog gibt es Beiträge, die wurden mal angefangen, dann als Entwurf zwischengespeichert, aber nie beendet und veröffentlicht. So wie dieser Text zu Manderlay. Ich hole ihn aus der Entwurfs-Versenkung, weil der Film heute abend auf Arte als Alternative zum Champions-League-Finale läuft. Ich habe den Film vor ca. einem Jahr auf DVD gesehen, der Text bricht unvermittelt mitten im Satz ab. Der Beitrag ist unverändert, so wie er im Entwurfszustand aussah.

Alle mitlesenden Blogger sind hiermit aufgefordert, ebenfalls unvollendete Fragmente aus ihrem Entwurfsordner zu holen und zu veröffentlichen! Mal sehen, was da so zutage tritt …

Auf DVD: Manderlay

Lars von Triers Fortsetzung von Dogville, in dem Nicole Kidman in einem kleinen amerikanischen Dorf landete und von der Dorfgemeinschaft zuerst freundlich aufgenommen, später dann aufs übelste behandelt wurde.

Manderlay knüpft direkt an Dogville an (wobei man dem Film auch problemlos folgen kann, wenn man Dogville nicht kennt): Grace, diesmal gespielt von Bryce Dallas Howard, fährt mit ihrem Vater und seinen Gangstern durch die Lande und kommt zufällig an einer Baumwollfarm vorbei, in der gerade ein Schwarzer ausgepeitscht werden soll. Es stellt sich heraus, dass in dieser Farm noch Sklaven gehalten werden, obwohl die Skaverei schon seit 70 Jahren abgeschafft ist.

Grace entdeckt nun ihr Helfersyndrom. Sie bittet den Vater um ein paar seiner Gangster und bleibt mit diesen auf der Farm. Dort will sie die Sklaven befreien und ein Leben nach Gesetz und Ordnung aufbauen. Da die Matriarchin der Farm gerade gestorben ist, übernimmt Grace kurzerhand diese Rolle. Die ehemaligen Sklaven erhalten die Freiheit und werden als normale Bedienstete angestellt. Außerdem gibt Grace Demokratieunterricht, untersützt und bewacht von den bewaffnete Schergen ihres Vaters. Schon bald stellt sich heraus, dass die neue Freiheit für die Sklaven nicht nur Vorteile bringt, und alles nicht so einfach ist, wie Grace sich das vorgestellt hat.

Lars von Trier benutzt für Manderlay wieder das gleiche optische Versuchslabor wie in Dogville. Gespielt wird auf einer großen Bühne, auf der ein paar Grundrisse eingezeichnet sind. Außer ein paar Requisiten gibt es keine Kulissen, was zu so eigenartigen Effekten führt wie dem Öffnen und Schließen einer unsichtbaren Tür. Ich kann nicht recht ausdrücken, was genau dieses Stilmittel beim Zuschauen bewirkt, aber es bewirkt definitiv etwas. Es ist eine extreme Reduzierung aufs Wesentliche, gleichzeitig eine Verfremdung, die alles etwas künstlicher wirken lässt. Dazu kommt der eigentlich unpassende Einsatz einer Erzählstimme aus dem Off, die (zumindest in der englischen Fassung) sehr märchenonkelhaft klingt. Normalerweise finde ich solche Off-Erzähler unnötig und störend, hier aber passt es sehr gut.

Natürlich erzählt Lars von Trier ein Gleichnis, der erhobene Zeigefinger ist durchaus zu spüren und

 

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