Grant Morrison: The Invisibles

Manchmal dauert es eben etwas länger. 18 Jahre ist es her, dass in den USA das erste Heft der Vertigo-Serie The Invisibles erschien, und erst jetzt erscheint sie erstmals auf Deutsch. Dieser Schritt von Panini überrascht, denn die Invisibles sind ein sperriger, ungewöhnlicher und schwer vermarktbarer Comic.

In insgesamt 59 Heften in sieben Jahren durte sich der Brite Grant Morrison kreativ austoben. Morrison, der sich mit Reihen wie Animal Man und Doom Patrol schon einen Ruf als Autor sehr unkonventioneller Superheldencomics erarbeitet hatte, erschuf für The Invisibles eine Welt, in der ungefähr alle Verschwörungstheorien, die es jemals gab, wahr sind. Vordergründig geht es um den immerwährenden Kampf von Gut gegen Böse: Finstere Mächte haben Konzerne und Regierungen unterwandert, ein kleines Häuflein von Aufrechten, genannt das „Unsichtbare College“, bekämpft sie. Die Titelhelden der Serie sind eine fünfköpfige Einheit des College, die von London aus operiert und aus ziemlich schrägen Vögeln besteht. In den ersten Kapiteln rekrutiert diese Gruppe ein neues Mitglied, den Liverpooler Schuljungen Dane. Dem geht es zu Beginn erstmal ähnlich wie dem Leser: Er versteht nicht recht, was er hier soll, wer mit welchen Mitteln gegen wen spielt und zu welchem Zweck. Wir bekommen es unter anderem mit Zeitreisen, Meditation und magischen Ritualen zu tun, aber auch mit Bombenbau und rasanten Verfolgungsjagden.

Invisibles –- die deutsche Version (ohne „The“) erscheint als sogenannte „Monster Edition“ in fünf dicken Sammelbänden bei Panini — ist ein wilder, durchgeknallter, absolut eigenständiger und faszinierender Mystery­comic, angereichert mit Gastauftritten von John Lennon bis zum Marquis de Sade, mit Popkulturzitaten, Außerirdischen, Sex und Magie, mit surrealen Elementen und einem sehr anarchischen Humor. Morrison sprengt alle Konventionen, bleibt dabei aber immer ein sehr guter Erzähler. Gut, dass er inzwischen durch Arbeiten wie New X-Men oder All Star Superman bekannt genug ist, um auch bei uns mit seinem Opus Magnum eine Chance zu bekommen. Schwer zu erklären, schwer zu verstehen, aber schwer zu empfehlen!

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Dieser Text entstand für das eben erschienene Comicgate-Magazin Nr. 3, das ich euch hiermit herzlich empfehlen möchte. Die neue Ausgabe hat mit 128 Seiten mehr als 50% mehr Umfang als die ersten beiden, enthält einige feine Comic-Kurzgeschichten sowie ausführliche redaktionelle Artikel. Obiger Text stammt aus der Rubrik „Comics für die Insel“, in der die Redaktion ihre aktuellen Favoriten empfiehlt. Außer dieser und zwei weiteren Empfehlungen aus meiner Feder findet man im Heft noch den von mir verfassten Artikel „Piraten? Diebe? Engagierte Fans? – Comics jenseits des Urheberrechts“. Mehr Infos zum Heft, Leseproben und Bestellmöglichkeiten auf comicgate.de.

 

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