Auf DVD: Futurama – Bender’s Big Score

Die Zeichentrickserie Futurama, gestartet 1999, trägt von Anbeginn den Vergleich mit den Simpsons mit sich herum. Kein Wunder, ist ihr Schöpfer doch der gleiche, Matt Groening. Dieser Vergleich war und ist für Futurama vielleicht Fluch und Segen zugleich. Segen, weil ein bestimmter Teil der Simpons-Zielgruppe (die Popkultur-Freaks, die Nerds, generell die älteren Zuschauer) bald merkten, dass hier die kreativere, witzigere und subversivere Trickserie läuft, während die Simpsons ihren qualitativen Zenit deutlich überschritten hatten. Ein Fluch aber auch, weil Futurama (vielleicht schon durch das Science-Fiction-Setting) nie den Massen-Appeal der Simpsons erzielte und damit einen schweren Stand bei den quotenfixierten TV-Sendern hatte. Für Deutschland gilt das genauso wie für die USA, wo die Serie zwar immerhin vier Staffeln überlebte, dann aber von Fox Networks gekippt wurde.

Das Fandom von Futurama war jedoch groß und zahlungskräftig genug, um die DVD-Boxen zu einem Bestseller zu machen, und auch die Wiederholungsschleifen im Fernsehen liefen gut. Und so kam es zu einer Wiederauferstehung. Das Futurama-Team bekam den Auftrag, vier 90minütige Filme zu entwickeln. Diese sollten zuerst als DVDs veröffentlicht werden und später, in Häppchen aufgeteilt, wieder in TV-Serienform gezeigt werden. Aus vier Filmen wird so eine 16teilige Serienstaffel. Der erste dieser Filme heißt Bender’s Big Score und erschien in Europa mit der unanständigen Verspätung von einem halben Jahr.

Nach dieser viel zu langen Einleitung endlich mal zum Film: Der Beginn ist ziemlich großartig; in den ersten Minuten ziehen die Figuren erstmal frech gegen die Chefetage von Fox vom Leder. Die Handlung dreht sich um Nudisten-Aliens, die als spammende Internetbetrüger irgendwie dazu kommen, ein Tattoo auf Frys Hintern zu finden, das ihnen als Eintrittscode für ein Zeitreiseportal dient. Das ist so wirr wie es klingt, aber Plots sind bei Serien wie dieser ohnehin zweitrangig. Bender’s Big Score hat eher ein anderes Problem. Man merkt ihm an, dass er zwar als 90-Minüter eine durchgehende Story erzählen, möglichst aber auch in Form von vier Episoden funktionieren soll. Dadurch entsteht ein eigenartiges Zwischending. Einiges wirkt zu ausgewalzt — von den Alien-Bösewichten zum Beispiel hat man nach etwa einer Stunde die Nase voll — anderes kommt eher hektisch daher, vor allem der Drang der Macher, möglichst jede Futurama-Figur der ersten Staffeln irgendwie unterzubringen.

So richtig großartig ist Bender’s Big Score also nicht geworden, das Niveau der Originalserie erreicht er nicht. Aber ein mäßiger Futurama-Film ist immer noch deutlich spaßiger als vieles andere, und für Fans ist die DVD ohnehin Pflicht: Der Film ist voll mit Referenzen an die alten Folgen, und wer die richtig gut kennt, wird daran viel Freude haben. Es gibt einige gute und sehr gute Gags, nur eben auch viele mittelmäßge. Dazu kommen die Probleme mit der 90-Minuten-Struktur. Letztlich sollte man jedoch froh sein, dass Futurama wieder da ist und die Daumen drücken, dass der nächste Film (der in den USA schon in gut zwei Wochen erscheint) noch einen Tick besser wird.

Rundum gelungen ist allerdings das üppige Bonusmaterial. Neben Standards wie Charakterentwürfen, Storyboards und Trailern gibt es wunderbares Nerd-Futter: Eine Comic-Lesung von der San Diego Comic Con, eine halbstündige(!) Folge der Hypnotoad-TV-Serie (herrlich!) und eine sehr vergnügliche Mathe-Vorlesung der Professorin Sarah Greenwald, die die Website Futurama Math betreibt.

 

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