
Mit Verspätung nun auch gesehen. Zum Inhalt muss ich hier ja nicht viel erzählen, das Netz ist voll davon. Trotzdem: SPOILERWARNUNG!
In der Bewertung schließe ich mich dem Tenor der meisten anderen Kritiken an: Es hätte schlimmer kommen können. Indy IV ist ein solider Abenteuer-Actionfilm, der sich durchaus nach Indy anfühlt und nicht die komplette Reihe kaputtmacht. Der Film bietet zwei Stunden annehmbare Unterhaltung. Ein großer Wurf aber ist er nicht geworden.
In erster Line ist der vierte Film ein “more of the same”. Die Autoren müssen eine Checkliste gehabt haben, auf der sie sämtliche essentiellen Indy-Zutaten abzuhaken hatten. Rasante Verfolgungsjagden, wertvolle Artefakte, eklige Viecher sonder Zahl, reißende Wasserfälle, uralte Gemäuer mit lustigen Mechanismen (drücke Stein A, dann bewegt sich Stein B), mystisches Mumbo-Jumbo, und noch mehr mystisches Mumbo-Jumbo zum großen Showdown. All das ist enthalten, und all das ist auch recht spaßig anzuschauen.
Was dagegen die meiste Zeit fehlt, sind die kleinen, viel schwieriger zu erzeugenden Momente. Funkensprühende Dialogzeilen, lässige One-Liner, interessante Charaktere — davon hat Indy IV zu wenig. Wenn man mal davon absieht, dass statt den Nazis jetzt die Russen die Bösen sind (wir sind in den 50ern) und es ein bisschen Atom-Paranoia gibt (wir sind in den 50ern) fügt der Film dem Franchise nichts neues hinzu, es gibt keinerlei echte Überraschungen, der Film hat nicht einen Moment, bei dem man staunen möchte und sich denkt: “Damit hätte ich jetzt aber nicht gerechnet”.
Von Steven Spielberg wurde der Film als positiv altmodisch angekündigt, das stimmt aber nur teilweise. Ja, man verzichtet auf hektische Schnittgewitter, man verzichtet aber leider nicht auf den massiven Einsatz von CGI. Allzuviel ist hier am Rechner entstanden und leider sieht man diesen Szenen ihre Künstlichkeit an. Millionen von Riesenameisen wirken kein bisschen gruselig, wenn man sofort erkennt, dass sie nur ein digitaler Effekt sind. Ob dieses komische Licht, in dem ständig alles glänzt, auch auf die 80er verweist, weiß ich nicht, jedenfalls trägt auch dies zu dem Eindruck von Künstlichkeit bei, den der Film nur selten loswird.
Und die Schauspieler? Harrison Ford ist top, ihm nimmt man den Dr. Jones wieder sofort ab, keine Frage. Shia LaBeouf als junger Sidekick hat’s schwer, ihm fehlen einfach Ecken und Kanten. Er nervt ein bisschen, aber das liegt weniger an ihm als Schauspieler, sondern einfach an der überflüssigen und doofen Rolle, die sich so anfühlt, als hätten die Hollywoodbosse Angst gehabt, dass Indy IV ein Nostalgie-Senioren-Event wird und deshalb krampfhaft eine Figur für die junge Zielgruppe gefordert. Eher schwach ist auch Cate Blanchett als Russen-Domina mit Topf-Haarschnitt. Gut kommt dagegen John Hurt als Oxley, ein alter Freund der Familie.
Mit der eigentlichen Geschichte übrigens, die hier und da gerne mal als hanebüchen, unglaubwürdig und allzu trashig empfunden wird, hatte ich überhaupt kein Problem. Indiana Jones ist eine astreine Pulp-Hommage und was wäre pulpiger als atombombensichere Kühlschränke und ein UFO im Mayatempel? Das passt schon. Trotzdem, George, Steven und Harrison: Danke, ihr habt uns einen genießbaren Nachtisch kredenzt, aber damit ist auch gut. Wir sind satt und möchten das Menü gerne als beendet ansehen. Kommt ja nicht auf die Idee, irgendwelche Sequels ohne Harrison Ford und mit Shia LaBeouf als Nachfolger zu drehen. Versteigert Hut und Peitsche für einen guten Zweck, macht den Buchdeckel zu und widmet euch anderen Dingen. Ruht euch aus, spielt Golf, lest euren Enkeln Geschichten vor oder geht mit Ally McBeal ordentlich essen.
Mit Verspätung nun auch gesehen. Zum Inhalt muss ich hier ja nicht viel erzählen, das Netz ist voll davon. Trotzdem: SPOILERWARNUNG!
In der Bewertung schließe ich mich dem Tenor der meisten anderen Kritiken an: Es hätte schlimmer kommen können. Indy IV ist ein solider Abenteuer-Actionfilm, der sich durchaus nach Indy anfühlt und nicht die ...