Gesichtsmagazin

Neulich am Flughafen fiel mir in einem Kiosk die Nr. 1 einer neuen Zeitschrift ins Auge, das Facemagazin (Ja, die wollen das zusammengeschrieben haben). Gut, dachte ich mir, kannste ja mal kaufen, kannste ja mal lesen, kannste dann ja auch vielleicht was drüber bloggen.

Viel fällt mir dazu allerdings nicht ein. Das ist alles so beliebig, langweilig, egal und inhaltsleer, dass mir die Worte fehlen. Facemagazin möchte ein Heft für „Literatur, Lifestyle und Popkultur“ sein und erscheint erst mal vierteljährlich. Aufmacher des ersten Hefts ist eine Story über Daniel Brühl, die dank Fotostrecke auf 16 Seiten aufgeblasen wurde, die aber inhaltlich nicht sehr tiefgehend ist. Das Interview mit Brühl ist nett, brav und überraschungsarm. So wie auch die anderen Interviews, z.B. eins mit Christina Stürmer voller belangloser Fragen, die auch die Bravo hätte stellen können.

Und so geht es auch weiter. Eine Fotostrecke imitiert bekannte Zeitschriftencover (kennt man schon von der ein oder anderen Schülerzeitung oder seit Jahrzehnten von der Titanic), ein halbengagierter Artikel warnt vor überzogenem Sicherheitswahn, Nils Bokelberg erzählt in einer Kolumne einen Schwankaus seiner Jugend, und eine Seite gibt Veranstaltungstipps für London. Dazu viele große Fotos und viele große Überschriften, unter denen aber meist nur kleine Texte stehen.

Eingeheftet in die Mitte dann das exakte Gegenteil: 16 Seiten aus billigem, holzigen Papier, ein extrem schlichtes Layout und keinerlei Bilder. Text pur. Das, muss ich sagen, hat mir gefallen. Hier findet man dann auch die interessanteren Texte, ein bisschen Literatur, ein paar Rezensionen. Und ein paar überflüssige Top-Ten-Listen.

Okay, das alles ist nicht wirklich furchtbar, nicht direkt schlecht oder ärgerlich. Was aber fast völlig fehlt, sind überraschende Einblicke, Leidenschaft, neue Perspektiven und Entdeckungen, kurz: guter Journalismus. Ich habe nach 108 Seiten noch immer keine Idee, was die Macher mit diesem Heft eigentlich wollen.

Das alles wäre halb so schlimm und nicht der Rede wert, wenn Chefredakteur Johannes Finke im Editorial nicht so große Töne spucken würde. Er zitiert Maxim Biller, der sich beklagt, „dass man immer nur mit den alten Herren über Deutschland redet“, und keiner die Jungen und Mitteljungen „über den politischen, moralischen Zustand dieser Gesellschaft“ reden lässt. Wollte Facemagazin diese Lücke füllen? Wenn ja, ist das misslungen.

Auf der Website bezeichnet man sich als Heft für Leute, die Neon nicht mehr lesen wollen und die gute alte Tempo vermissen. Wenn das der Maßstab ist, muss man sich in Heft 2 gewaltig steigern.

PS: Mit dem legendären The Face hat das Facemagazin natürlich nichts zu tun, aber spekuliert hat man möglicherweise schon darauf, dass ein bisschen was vom Glamour dieser Marke auf das neue Blatt abstrahlt.

 

Ein Gedanke zu „Gesichtsmagazin

  1. Ich fand das Teil auch erschreckend langweilig und nichtssagend. So typisch pseudo-intelligenter Müll, wo man genau merkt, dass die Autoren selber ihre Texte zwar gerne lesen, aber mit keinem Gedanken daran gedacht haben, was den „normalen“ Leser interessieren könnte.

    Die erste Ausgabe soll aber laut Aussage eines Kommilitonen, der dort demnächst n Praktikum macht, angeblich extrem gut gelaufen sein und darum wird das Heft jetzt auch häufiger, als vierteljährlich erscheinen. Verstehe das wer will. :(

    Ich find es auf jeden Fall schade drum, denn von der Idee her ist das Magazin eigentlich nicht schlecht und die Nische, die man besetzen will, ist ja auch durchaus vorhanden.

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