Im Kino: The Incredible Hulk (Der unglaubliche Hulk)

Als 2003 der erste große Hulk-Spielfilm mit dem schlichten Titel Hulk ins Kino kam, überraschte vor allem der Name des Regisseurs: Der aus Taiwan stammende Ang Lee war mit anspruchsvollen Familiendramen wie Eat Drink Man Woman oder Der Eissturm bekannt geworden – mit Popcorn-Action verband man seinen Namen nicht. Sein Hulk war ein Versuch, Mainstream-Unterhaltung mit einer tiefgründigen Charakterstudie zu vereinen. Ang Lee legte besonders viel Gewicht auf das Verhältnis zwischen Bruce Banner und seinem Vater und gab dem Film eine eigenwillige Optik, bei der er die Leinwand immer wieder in kleine Einzelbilder aufspaltete und damit einen Look erzielte, der an Comicseiten erinnerte. Am Ende jedoch waren fast alle unzufrieden: den Comicfans, die den Hulk smashen sehen wollten, war der Film zu intellektuell und zu experimentell, den anspruchsvollen Zusehern gefiel zwar die erste Hälfte, sie mussten aber im zweiten Teil mitansehen, wie ein mittelmäßig animierter CGI-Hulk als grüner Gummiball durch die Wüste hüpfte und auf Panzer eindrosch.

Fünf Jahre später gibt es nun also einen neuen Film mit dem Hulk. Dieses Mal fungiert Marvel selbst als Produktionsfirma (wie schon bei Iron Man) und beschloss, nochmal neu anzufangen. Dies ist ausdrücklich nicht Hulk 2, sondern ein Neubeginn, mit neuem Titel, neuem Regisseur (Louis Leterrier, The Transporter) und komplett neuer Besetzung. Künstlerische Experimente sollte es nicht mehr geben, stattdessen sollte The Incredible Hulk ein actiongeladener, straighter Popcornfilm werden, näher an den Comics und näher an der Fernsehserie, die von 1978 bis 1982 entstanden war.

Dieses Ziel hat Marvel erreicht: Der unglaubliche Hulk leidet nicht wie sein Vorgänger an der Schere zwischen Anspruch und unterhaltsamer Klopperei. Die Story ist betont einfach gehalten: Nachdem in einer rasanten Titelsequenz nochmal Hulks Origin ohne Worte im Zeitraffer zusammengefasst wurde, sehen wir Bruce Banner (Edward Norton), der sich in Brasilien versteckt hält und dort in einer Limonadenfabrik jobbt. Zum einen hält er sich dort vor der US-Armee versteckt, die die Kräfte, die in ihm schlummern, für ihre Zwecke nutzen möchte. Zum anderen trainiert er, sich selbst unter Kontrolle zu halten, denn eines möchte er nie wieder: wütend werden und damit zum Hulk mutieren, zu jenem grünen Monster, das alles zu Brei schlägt, was ihm in die Quere kommt. Außerdem hält er Kontakt zu einem Wissenschaftler-Kollegen, von dem er sich endgültige Heilung verspricht.

Natürlich macht Banner irgendwann einen Fehler, so dass die Army seine Spur wieder aufnehmen kann und ihn gnadenlos verfolgt. Ihre Spezialwaffe ist der knallharte Emil Blonsky (Tim Roth). Als er zum ersten Mal den Hulk in Aktion sieht, ist er so faszinniert von dessen Wucht, dass er selbst auch so werden will. Er lässt sich entsprechend behandeln und wird im späteren Verlauf zu Abomination, einem muskelbepackten Koloss, ähnlich wie Hulk, nur nicht grün und viel hässlicher. Klar, dass der Film am Ende in einem großen Zweikampf zwischen den beiden Kreaturen endet, die sich gegenseitig mit Autos bewerfen und sehr viel kaputtmachen. Eine Art Wrestling-Schaukampf in XXL. Was als Höhepunkt des Films gedacht ist, gerät jedoch ziemlich langatmig und langweilig. Der Kampf hat zu wenige originelle Ideen und ist viel zu lang, um wirklich zu unterhalten. Und wer gewinnen wird, ahnt man ja ohnehin.

Bis es zu dem Endkampf kommt, darf Bruce Banner noch seine große Liebe Betty Ross (Liv Tyler) wiedertreffen, die obendrein auch noch die Tochter des Generals ist und ihm bei seiner Flucht helfen will. Liv Tyler ist wie üblich hübsch anzusehen, mehr als schmückendes Beiwerk ist sie aber nicht. Damit ist sie wieder da angekommen, wo sie zu Beginn ihrer Karriere in Armageddon stand. Immerhin gibt es einen sehr schönen, beinahe anrührenden Moment der Zweisamkeit zwischen Betty und dem Hulk in einer Höhle. Das ist zwar auch nur King Kong in grün, gibt dem Film aber einen dringend notwendigen Zwischenton.

Edward Norton, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, macht seine Sache als Bruce Banner ziemlich gut. Den schüchternen, unsicheren Wissenschaftler, der schwer an seinem Handicap trägt, nimmt man ihm jederzeit ab.

Die große Stärke des Films ist nicht die Geschichte, die er erzählt, sondern die kleinen, augenzwinkernden Insider-Gags, die vor allem den Comic-Fans Freude machen werden. Bruce Banner lernt portugiesisch mit Grobi (einem Monster!) aus der Sesamstraße, es gibt einen Gastauftritt von Lou Ferrigno (dem Hulk aus der Fernsehserie) und natürlich einen von Stan Lee. Außerdem wird endlich mal erklärt, warum es dem Hulk beim rasanten Wachsen zwar das Hemd zerreißt, aber nie die Hosen. Diese haben übrigens diesmal nicht die grässliche Farbe lila, und auch darauf wird in einer kleinen Szene eingegangen. Ganz zum Schluss gibt es noch einen weiteren Gastauftritt: Robert Downey Jr. alias Tony Stark alias Iron Man spricht davon, dass man „ein Team zusammenstellen“ wolle und liefert damit (ebenso wie die Schlussszene in Iron Man) einen kleinen Hinweis auf einen möglichen Avengers-Film und auf ein Zusammenwachsen des Marvel-Universums in den verschiedenen Verfilmungen.

Ist der neue Hulk nun also besser als der von Ang Lee? Nunja, er ist zumindest geradliniger und in sich geschlossener. Wo der 2003er-Film in der Mitte, beim Wechsel von griechischem Drama zu Action-Kloppereien, auseinanderbrach, bleibt der neue Film sich von Anfang an treu. Statt eines quietschebunten Flummis ist der neue Hulk ein düsterer Kerl in dunklen Farben. Letztlich ist Der unglaubliche Hulk ein okayer, aber nicht besonders aufregender Actionfilm, eine nicht allzu originelle Auf-der-Flucht-Geschichte mit reichlich Prügeleien – unterhaltsam, aber nichts, was man gesehen haben muss. Ang Lee hat damals das Publikum gespalten, hat für Aufsehen gesorgt und einen interessanten Look ausprobiert, so dass man sich auch Jahre später noch an den Film erinnert. Dem neuen Anlauf wird dies nicht gelingen. Die wahren Highlights in Sachen Comic-Verfilmungen dieses Sommers stehen noch aus.

Zuerst erschienen bei Comicgate.

 

3 Gedanken zu „Im Kino: The Incredible Hulk (Der unglaubliche Hulk)

  1. Ich hatte dann wohl das Glück als einziger in Deutschland die geschnittene 16 Fassung im Kino serviert zu bekommen!?

    Ich habe mich sehr auf den neuen Hulki gefreut, nicht nur weil ich den 2003 auch schon garnicht so „schlecht“ fand (weiss immer net was die leute haben, letztendlich ist es doch eine Comicverfilmung) und Edward Norton nicht erst seit History X einer meine Lieblingsschauspieler ist!
    Der Film war eigentlich ganz großartig aber irgendwie war die FSK und der Editor wohl der Meinung mich am Ende richtig wütend zu machen….

    Da arbeitet Eric Banner so ziemlich cool auf den Finalen Kampf mit dem grauen Hulk hin und dann sieht man nichts! Nur komische Bruchstücke weil zwischendurch alles fehlt? ICh habe schon oft verschnittene Filme gesehen aber so schlecht war es bisher nur beim Anfang von Dusk till Dawn.

    Schade Eigentlich hätte ja was werden können mit Hulk…

  2. Ähm – die 12-Fassung ist geschnitten. Die 16-er soll es nicht sein. Mir egal – wer mit mir solche Spielchen spielt gehört mit der Einbehaltung des Kinoeintritts und dem Nichtkauf der DVD bestraft. (Wie alt bin ich denn? 6?)
    Ad Astra

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