Das Publikum wird von den Sendern verachtet, das ist ein Fakt.
Oliver Kalkofe
Eigentlich wollte ich ein Loblied singen auf die Fernsehserie Dead Like Me. Aber daraus wird wohl nichts. Nicht wegen der Serie, die ist nämlich toll. Sondern wegen des Senders. RTL 2 besitzt seit mehreren Jahren die Rechte an Dead Like Me, wusste aber lange Zeit nichts damit anzufangen. Kann ich verstehen — der Chefredakteur der Glamour wüsste vermutlich auch nicht, wo er ein brillant geschriebenes Essay im Heft platzieren sollte.
Kürzlich hat man die Serie dann doch gestartet — im quotenschwachen Hochsommer, am Samstagnachmittag. Bei einer Serie, deren zentrales Thema der Tod ist und die trotz einer Hauptfigur im Teenageralter keine Teenie-Serie ist. Das ist schon mal bescheuert genug, und man wundert sich nicht, dass RTL 2 schon beim Pilotfilm den ein oder anderen Schnitt ansetzen musste, damit Dead Like Me noch ins Nachmittagsprogramm passt.
Es wurde aber noch deutlich absurder: Eine Woche nach der Pilotfolge mit doppelter Länge liefen auf RTL 2 gleich drei Folgen - und zwar in der Zeit, in der man normalerweise zwei Folgen sendet. Gelungen ist dem Sender dieses Kunststück durch radikales Schnippeln, wie man hier nachlesen kann. Ich muss zugeben, ich habe dieses Schnittmassaker gesehen und habe es nicht gemerkt (auch wenn rückblickend manches doch verdächtig war) — insofern waren die Schnitte wohl nicht ganz dilletantisch. Trotzdem: Sowas gehört sich einfach nicht, da fühle ich mich als Zuschauer tatsächlich nicht nur verarscht, sondern regelrecht verachtet.
Aufmerksam geworden bin ich darauf erst heute, als die Abspannsitzenbleiberin in der Programmzeitschrift entdeckte, dass für heute wieder drei Folgen zum Preis von zweien angekündigt waren.
Liebe Privatsender: Geht’s noch? Mir ist es ja egal, wenn ihr euer Publikum mit billig runtergekurbeltem Scheiß verstrahlen wollt, aber wozu gutes Programm einkaufen, wenn ihr daraus dann doch nur Brei kocht? McDonald’s kauft schließlich auch keine Filets von Kobe-Rindern um damit seine Burger zu braten. Ich habe ehrlich keinen Bock mehr auf diesen Mist. Mit Werbepausen kann ich leben (ich weiß, was eine Vorspultaste ist), deutsche Synchros kann man gelegentlich ertragen. Wenn ihr aber die Sendungen, die eigentlich die Perlen eures Programms sein sollten, dermaßen verunstaltet, dann ist euch nicht mehr zu helfen. Dead Like Me war die letzte US-Serie, die ich im deutschen Privatfernsehen geguckt habe. Schade eigentlich, Californication hätte mich echt interessiert.
Epilog: Das schlimme ist, man kann nix machen. Ob ich jetzt aufhöre, die Serie zu schauen (und damit quasi mein Abo kündige), ist dem Sender scheißegal. Er kriegt es ja nicht mal mit, solange ich nicht am GfK-Quotenmeter hänge. Ich könnte natürlich alle Produkte boykottieren, für die in den Werbepausen geworben wird, aber wäre das nicht auch irgendwie albern? Naja, falls es jemanden interessiert, habe ich nach dem Klick alle Produkte gesammelt, für die in der heutigen Dreierfolge geworben wurde. Weiterlesen…
An Batman Begins haben mich eigentlich nur vier Dinge gestört:
1. Die blöde verstellte Stimme von Batman.
2. Die Performance von Katie Holmes.
3. Der allzu langatmige Aufbau, bis es mal richtig losgeht.
4. Das Fehlen eines wirklich spannenden Gegenspielers für Batman.
Für den zweiten Teil seiner (mutmaßlichen) Batman-Trilogie hat Christopher Nolan immerhin drei dieser Punkte korrigiert. Punkt 1 ist leider immer noch da, Batman spricht nach wie vor wie eine Geisterbahnpuppe auf der Kirmes. Punkt 2: Katie Holmes wurde durch Maggie Gyllenhall ersetzt, die ich deutlich angenehmer finde. Punkt 3: The Dark Knight geht praktisch von der ersten Minute an voll auf die Zwölf. Womit wir schon bei Nummero 4 wären: dem Gegner…
Ja, der Gegner. Er stiehlt allen die Schau. Heath Ledgers Joker ist für mich der beste Schurke, den ein Superheldenfilm je hatte. Diese Figur ist diabolisch, beängstigend, beunruhigend, unberechenbar und auf eine perverse Art witzig. Man wird nach diesem Film wohl nie wieder einen frisch gespitzen Bleistift ganz unschuldig ansehen können. Dazu die geniale äußere Erscheinung: Es ist eine Freude, diesem Joker zuzusehen. Und das liegt vielleicht gar nicht mal so sehr an Heath Ledger. Dies ist eine so dankbare Rolle, dass viele Schauspieler in ihr glänzen könnten. Doch Ledger macht einen hervorragenden Job, keine Frage. Ob gewollt oder nicht, der Joker stiehlt dem Rest des Ensembles die Schau: Christian Bale als Bruce Wayne/Batman steckt viel zu oft unter der Gummimaske, um wirklich glänzen zu können, die (groß)väterlichen Michael Caine und Morgan Freeman haben keine allzu langen Auftritte und Aaron Eckhart ist als Harvey Dent aalglatt. Am ehesten reicht noch Gary Oldman, der wie schon im ersten Teil einen tollen James Gordon gibt, an Ledger heran.
Auf die Handlung will ich gar nicht groß eingehen, ich versuche das mal in zwei Sätzen: Der Joker macht einen Deal mit der Unterwelt von Gotham und verspricht ihr, sie von Batman zu befreien. Dazu setzt er Batman unter Druck, indem er so lange wahllos Menschen töten will, bis Batman sich stellt und seine Identität preisgibt.
Das Skript funktioniert über weite Strecken sehr gut, bietet eine ausgewogene Mischung aus Suspense, Action und Charaktermomenten, so dass The Dark Knight als Popcornfilm wirklich außerordentlich befriedigend ist. Von all den superteuren Mega-Blockbustern der letzten Jahre ist dieser Batman-Film vielleicht der beste. Ihn allerdings (wie durch die Internet-Hypemaschine geschehen) in die Nähe der größten Klassiker der Filmgeschichte zu loben, ist dann aber doch deutlich übertrieben. Denn The Dark Knight hat auch Schwächen: Er ist eine halbe Stunde zu lang, ein bisschen zu überfrachtet mit politischer Bedeutung und 9/11-Verweisen und vielleicht eine Spur zu ernst. Der Abschnitt mit Two-Face wirkte wie drangeklebt, nicht wirklich passend zum Rest des Films. Die Sache mit den Batman-Doubles, aus denen man einiges hätte machen können, wurde total verschenkt. Vor allem aber: Große Actionszenen sind nicht Christopher Nolans Stärke.
Es passierte mir ein bisschen zu oft, dass ich in Actionszenen den Überblick verlor und nicht mehr wusste, wer jetzt eigentlich grade wo steht (bzw. fährt oder fliegt), was er dort tut und warum. Besonders der Abschnitt, als Batman mit dem komischen Hologramm-3D-Sichtgerät durch das Hochhaus rennt, konnte mich so gar nicht überzeugen (die blauen Leucht-Augen haben’s auch nicht gerade besser gemacht).
Trotzdem hat mich The Dark Knight exzellent unterhalten, alles in allem mochte ich den Film. Und der purzelbaumschlagende Truck sah echt geil aus.
Im Kino sehen: Son of Rambow (Der Sohn von Rambow): Englische Knirpse drehen in den 80ern auf VHS-Tape Rambo nach. Freu ich mich schon drauf, seit ich das erste mal von der Idee gehört habe, und der Trailer macht sehr viel Lust auf den Film.
The Dark Knight: Der Blockbuster des Jahres (zumindest bei den Amis - bei uns waren Indy und zweimal Will Smith erfolgreicher) mit der tollen Performance von Heath Ledger als Joker. Pflichttermin für alle Freunde von Superhelden, Thrillern, Action, SF und Popcornkino, aber unterm Strich trotzdem ein Genrefilm, und damit nicht der Überfilm, den wirklich jeder gesehen haben muss.
Räuber Kneißl: Der bayerische Regieliebling Marcus H. Rosenmüller mit einem Crossover aus Heimatfilm und Western über die bayerische Outlaw-Legende Mathias Kneißl. Gut besetzt und konsequent auf bairisch. Werde ich mir wohl ansehen.
Auf die DVD warten: Obsluhoval jsem anglického krále (Ich habe den englischen König bedient): Tschechische Romanverfilmung von Jiří Menzel, über einen kleinen Trickser, der sich in der Nachkriegszeit erfolgreich nach oben durchmogelt. Sieht wahnsinnig altmodisch, aber auch ziemlich witzig aus.
Vielleicht mal im Fernsehen: Non Pensarci (Nicht dran denken): Italienische Familiendramödie um einen Typen, der mit Mitte 30 als mehr oder weniger gescheiterter Punkrocker zurück zu seiner Familie in Rimini kommt. Die Sorte von Film, wo zwischen unendlich langweilig und charmant-unerhaltsam alles drin sein könnte.
Muss nicht sein: Chansons d’amour (Chanson der Liebe): Nicht meine Tasse Tee: Franzosen erzählen von der Liebe und singen zwischendrin Chansons. Hatten wir das nicht schonmal?
Mozart in China: Kinderfilm, der irgendwie mit einer Mozart-Marionette versucht, Völkerverständigung zwischen dem österreichischen und dem chinesischen Nachwuchs herzustellen. Was war nochmal das Gegenteil von “gut gemeint”?
99 Francs basiert auf dem gleichnamigen Roman von Fréderic Beigbeder aus dem Jahr 2001, der damals zu diesem Preis in Frankreich verkauft wurde und konsequenterweise in Deutschland 39,90 hieß (in Frankreich gibt’s das Buch inzwischen als 14,99 euros). Beigbeder, der bis dahin in der Werbebranche gearbeitet hatte, destillierte aus dem, was er dort erlebt hatte, eine zynische Abrechnung mit dem Business und stieg anschließend aus dem Geschäft aus.
Die Verfilmung von Jan Kounen (Dobermann, Blueberry), der selber schon etliche Werbespots gedreht hat, ist genau das, was ich von einer guten Kino-Umsetzung erwarte: Sie erzählt ihre Vorlage nicht sklavisch nach, sondern transportiert deren Essenz mit den Mitteln des Mediums Film. 99 Francs ist vor allem visuell beachtlich: Kounen bombardiert den Zuschauer mit Bildern, er benutzt die aggressive Bildsprache der Werbung und liefert einen Beinahe-Overkill an Effekten und optischem Schnickschnack. Jeden anderen Film hätte das möglicherweise zur Strecke gebracht — hier passt es. Die Geschichte vom erfolgreichen Werber Octave, dem die Gepflogenheiten der Branche zunehmend auf den Sack gehen, verträgt diesen Look. Sie verträgt auch die Überzeichnung der Figuren, die noch deutlich grotesker sind als im Roman: kreative Werber koksen nonstop um die Wette, ihre Vorgesetzten sind speichelleckende Lakaien der auftraggebenden Großindustrie.
In der ersten Hälfte ist 99 Francs höchst unterhaltsam, ironisch, satirisch und spaßig, ganz besonders in der surrealen Szene, in der die Hauptfigur in die Welt eines ekelhaften Heile-Welt-Werbespots für Nicht-Erwachsenen-Schokolade gerät. In der zweiten Hälfte wird der Film dann etwas ernsthafter. Zumindest theoretisch, denn die Sequenz, in der Octave im Drogenrausch wirklich einen Schritt zu weit geht und es Tote gibt, wird von Jan Kounen locker-leicht als knallig-überdrehte Trickfilm-Sequenz inszeniert. Die darin verborgene Tragik geht darin leider völlig unter. Im Anschluss kommt der Film recht schnell zu einem nihilistischen Ende, hängt jedoch ein “alternatives Ende” direkt dahinter. Kein echtes Happy End, aber doch wesentlich versöhnlicher. Dieses ist mit ca. 30 Minuten ein wenig lang geraten.
Am Ende bleibt ein sehenswerter Film, der zwangsläufig in dem gleichen Dilemma stecken bleibt, wie jede andere Kapitalismuskritik im Gewand des Entertainment. Man kritisiert die Industrie, bleibt aber ein Teil davon. Jan Kounen ist sich dieses Dilemmas bewusst. Am Ende des Abspanns wird direkt die anstehende DVD zum Film beworben, und ganz zum Schluss gibt es noch einen Ausschnitt aus der ersten Werbung der Filmgeschichte.
Anachronismus beim Abspannsitzenbleiber: Alle haben schon Dark Knight gesehen, bei mir ist es erst heute abend soweit. Am Abend des Deutschland-Starts habe ich mir nochmal Batman Begins auf DVD verabreicht. Dieser war ja — für die Uneingeweihten sei es nochmal erwähnt — der gelungene “Reboot” des Batman-Franchise, in dem man nach den beiden Tim-Burton-Filmen und den zwei Gurken von Joel Schumacher noch einmal ganz von vorne anfangen wollte.
Christopher Nolan inszenierte diesen Batman als düsteres, realistisches Drama, in dem die Figur des Bruce Wayne und seines Alter Ego Batman ganz klar im Mittelpunkt steht. Keine Sidekicks, keine abgedrehten Superschurken. Nolan wollte der Comicverfilmung das comichafte austreiben. Batman Begins verwendet viel Zeit darauf, auf nachvollziehbare Weise zu erklären, warum dieser junge Millionenerbe Bruce Wayne unbedingt als Einzelkämpfer das Verbrechen in Gotham City bekämpfen muss, warum er sich dabei als Fledermaus verkleidet, wo er kämpfen gelernt hat und wo er all die coolen Gadgets herhat. Für die “Origin” seines Helden lässt er sich viel Zeit, es dauert fast eine Stunde, bis wir zum ersten Mal den Batman sehen können (eine Krankheit, an der fast jeder erste Teil von Superhelden-Verfilmungen leidet). Aber es lohnt sich: Dieser Batman ist eine ernstzunehmende Figur. Sie will nicht nur einfach für Recht und Ordnung sorgen, sie will den Verbrechern Angst einjagen, sie will zu einem Mythos werden, zu einer urbanen Legende. Und Katie Holmes stellt am Schluss ganz richtig fest, dass nicht Batman die Maske von Bruce Wayne ist, sondern umgekehrt.
Natürlich muss auch Christopher Nolan irgendwann den Regeln des Genres Genüge leisten, braucht also einen Schurken und einen actionreichen Kampf mit Verfolgungsjagd, Explosionen und fliegenden Fäusten. Zwar wird auch die Motivation des Schurken Scarecrow, ein Psychologe, der sich als Vogelscheuche verkleidet, ordentlich erklärt, doch die Figur bleibt blass und unspektakulär, kein Gegner von Format für jemanden wie Batman. Diesen Gegner hat sich Nolan für die Fortsetzung aufgehoben - der wunderschöne Epilog deutet es an, wenn Polizist Gordon über den Dächern von Gotham dem Flattermann eine Spielkarte in die Hand drückt.
Wie man an den euphorischen Reaktionen auf Dark Knight merkt, war Batman Begins nur das Vorspiel. Hier setzte Nolan den Ton. Der Film beeindruckt besonders durch seine überzeugende Atmosphäre und die düsteren Settings. Und nicht zuletzt durch die hervorragende Besetzung mit Christopher Nolan Christian Bale als Wayne, dem wunderbaren Michael Caine als Butler Alfred, Gary Oldman als Sergeant Gordon und Morgan Freeman als Mr. Q Lucius Fox. Ich bin gespannt auf heute abend.
… sei hier mal eben der Artikel “Warum wir Filmkritik brauchen” verlinkt, der letzten Donnerstag in der Berliner Zeitung erschien und für ein paar Wellen gesorgt hat. Josef Schnelle, Filmkritiker, zieht dort polemisch vom Leder, schon der Untertitel raunt: “Die Internet-Blogs zersetzen das informierte und unabhängige Urteil” und nach allerlei apokalyptischen Szenarien vom Untergang der Filmkritik folgt das Fazit: “Das Kino braucht die Filmkritik. Auf Blogs kann es verzichten.”
Auf die DVD warten: Dr. Alemán: August Diehl spielt einen deutschen Arzt, der voller Ideale und Träume nach Kolumbien kommt und sich dort erstmal mit der Realität anfreunden muss. Könnte ein interessanter Film sein, aber dann doch bitte nicht in deutscher Synchronisation, in der alle ganz selbstverständlich die gleiche Sprache sprechen. Einige Kinos zeigen auch die auf Spanisch gedrehte Originalfassung.
Vielleicht mal im Fernsehen: The Nanny Diaries (Nanny Diaries): Scarlett Johansson als Kindermädchen bei einem verzogenen Söhnchen reicher Eltern in New York. Ist natürlich klischeereich und vorhersehbar, scheint mir aber eine Spur bekömmlicher und origineller zu sein als der sonstige Hollywood-Komödien-Mainstream. Immerhin haben wir Laury Linney als böse reiche Mutter und die Regie stammt von Shari Springer Berman und Robert Pulcini, die den wunderbaren American Splendor gemacht haben.
Star Wars: The Clone Wars: Der egalste aller je dagewesenen Star-Wars-Filme. Und der verwirrendste: Es gab vor ein paar Jahren eine 2D-Zeichentrickserie namens Star Wars: Clone Wars. Die Wikipedia dazu: “Sinn dieser Serie besteht darin, dem Zuschauer zu erklären, was zwischen Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger und Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith genau geschehen ist.” Jetzt kommt The Clone Wars, und Wikipedia erklärt abermals: “Sinn dieser Serie besteht darin, dem Zuschauer zu erklären, was zwischen Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger und Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith genau geschehen ist.” Ah ja. Und dieser Kinofilm ist praktisch der Pilot zur neuen Fernsehserie. Was noch halbwegs Sinn ergeben würde, wenn diese Serie kurz danach starten würde. In Deutschland ist davon aber noch nichts in Sicht.
You Don’t Mess with the Zohan (Leg dich nicht mit Zohan an): Ein supertougher Mossad-Agent will Friseur in New York werden. Als Trailer durchaus recht witzig, und Julian war vom Film sogar ziemlich begeistert. Aber unterm Strich ist es dann halt doch eine Adam-Sandler-Comedy.
Beautiful Bitch: Bica ist ein rumänisches Mädchen, das nach Düsseldorf gekommen ist und dort für einen Auftraggeber Klauen geht. Der Film erzählt von Biacas Freundschaft zu einem deutschen Mädchen, deren Lebenswelt natürlich eine ganz andere ist. Pädagogisch wertvoller Culture-Clash für eine junge Zielgruppe.
Back to Africa: Seit einigen Jahren schickt André Heller in seinem Ethno-Zirkus Afrika! Afrika! afrikanische Künstler und Artisten erfolgreich auf Tournee durch Europa. Der Film begleitet und porträtiert einige dieser Künstler in ihrer afrikanischen Heimat.
Die Eisbombe: (Nachgereicht von letzter Woche) Abschlussfilm von Oliver Jahn (Ijon Tichy: Raumpilot), der als “erste deutsche Bio-Komödie” beworben wird. Es geht um den Sohn einer neurotischen Öko-Familie. Ob das eine gelungene Satire ist oder doch eher schenkelklopfendes Sich-Lustig-Machen, ich weiß es nicht. Die Kritiken sind wohlwollend, aber nicht begeistert.
Muss nicht sein: Elegy (Elegy oder die Kunst zu lieben): Philip-Roth-Verfilmung mit Ben Kingsley und Penelope Cruz: Alter Professor verliebt sich ernsthaft in junge Frau. Sehr hübsch zu lesen ist die SZ-Rezension von Willi Winkler:
Die Regisseurin Isabel Coixet hat aus dem “Sterbenden Tier” von Philip Roth eine Elegie gemacht, schlimmer noch, einen Frauenfilm, Rosamunde Pilcher für die Opernabonnenten. (…) “Elegy” ist reizvoll wie eine Sammlung aufgespießter Schmetterlinge.
Never Back Down (The Fighters): Es lebe die Oberfläche: Prügelporno mit schönen Körpern und zahllosen Kampfszenen.
Kennen Sie vielleicht auch solche Sender, die immernurMist bauen und sich dann fragen, wieso ihr Image so beschissen ist? Tja, genau so einer bin ich auch. Immer wenn bei mir mal was gutes passiert, lässt das böseEnde nicht lange auf sich warten. Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich ‘ne Liste mit all meinen üblen Gaunereien aufgestellt, um sie dann eine nach der anderen wieder gut zu machen. Ich versuche nur, ‘n besserer Sender zu sein. Mein Name ist Ör-Te-El.
Aber dann hab ich gemerkt, dass die Liste so lang ist, dass das alles gar keinen Zweck hat und dass das alles viel zu anstrengend ist. Also hab ich’s wieder gelassen. Mir doch egal, werd’ ich halt doch kein besserer Sender und bleib so trashig wie ich immer war.
Das hat mich selbst überrascht: Die erste Folge der “Trailerschau”-Rubrik in diesem Blog ist bereits zwei Jahre alt. Ich habe also nun schon ungefähr hundertmal (einmal gab’s eine Pause von ein paar Wochen) alle verfügbaren Trailer zu den Kinostarts der Woche geguckt, kommentiert und eingeordnet.
Bisweilen ist das mühsam und wird mit der Zeit auch ein wenig langweilig, weil es immer wieder Filme gibt, zu denen einem wenig einfällt und bei denen man immer das gleiche schreiben will. Nach zwei Jahren wäre jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, diese Rubrik zu beerdigen.
Auf der anderen Seite: Seit ich mich mit der Trailerschau quasi zwinge, zu jedem Filmstart wenigstens minimale Informationen einzuholen, fühle ich mich bestens informiert und kann behaupten, einen sehr guten Überblick darüber zu haben, was gerade im Kino läuft. Auch wenn ich immer seltener hingehe. Und meistens macht’s ja doch Spaß, sich über Filme, die man nicht kennt, zwei Sätze aus den Fingern zu saugen. Der werte Kollege in der Kinoprovinz nennt das “Vorurteile statt Filmkritik”. Genau so ist es. Wir machen also erstmal noch ‘ne Weile weiter damit.
Musik kaufen ist gar nicht so leicht. Viel seltener als früher, aber immer noch ab und zu, kaufe ich CDs. Entweder beim Online-Giganten mit A, oder beim Elektrosupermarkt 1, der dem gleichen Konzern angehört wie Elektrosupermarkt 2. Dann gibt’s in München auch noch sehr sympathische Plattenläden wie Resonanz und Optimal. Die sind toll, total indie und kredibel bis zum Anschlag, Publikum und Personal lieben Musik und verstehen was davon. Allerdings wird dort vor allem Vinyl verkauft, die CD-Bestände sind eher klein.
Aber warum eigentlich noch CDs? Nach dem Kauf lege ich die CD sowieso ins CD-Laufwerk meines Rechners und ziehe mir die eben gekaufte Musik auf die Festplatte und von dort auf den MP3-Player. Denn damit höre ich inzwischen am meisten. Konsequent wäre also, die Musik gleich auf MP3 zu kaufen (ja, klar, kein Booklet, kein Artwork usw. — Finde ich auch schade, aber das ist ein anderes Thema). Ich war einige Monate Kunde bei eMusic. Ein ziemlich guter Download-Store mit einem eigentlich cleveren Prinzip: Man bezahlt einen Monatsbeitrag und darf dafür pro Monat eine bestimmte Zahl von Tracks herunterladen. Das Angebot ist preislich recht attraktiv, so dass man bei Ausschöpfen des Download-Limits einen sehr günstigen Preis pro Song zahlt (deutlich unter den sonst üblichen 99ct pro Titel). Der Katalog von eMusic ist sehr umfangreich, man bekommt wirklich viel Musik. Aber: Keine Major-Labels.
Das klingt erstmal gar nicht schlimm, wenn man sich sowieso eher in den Gefilden jenseits der Charts bewegen möchte. Aber es gibt eben doch inzwischen erstaunlich viele sog. “Indie”-Acts, die sich direkt oder indirekt an ein Major-Label gebunden haben. Und darum enden viele Suchen erfolglos. Oder man bekommt zwar ältere Alben angeboten, aber nicht die aktuellen (z.B. bei Arcade Fire oder The Decemberists). Oder, noch doofer, das Album ist zwar verfügbar, aber nicht in Deutschland. Am allerblödesten: nach 30 Tagen läuft eine Monatsfrist ab, und wenn man in dieser Zeit nicht ans Downloaden gedacht hat, hat man einen Monatsbeitrag für nix ausgegeben. Immerhin kann man ohne lange Fristen kündigen, und das habe ich dann auch nach etwas mehr als einem Jahr gemacht.
Wenn ich mich nun also für ein neues Album interessiere, schaue ich nicht mehr zuerst bei eMusic. Aber wo schaue ich jetzt? Der iTunes Music Store mag vielleicht in Ordnung sein, aber wenn die mich als Linux-User ausschließen möchten, dann bitte. Musicload und Konsorten habe ich bisher gemieden, weil die bis vor kurzem nur DRM-verseuchte Musik angeboten haben. Inzwischen sieht es etwas anders aus, ein Teil der Major-Labels hat seine Blockadehaltung aufgegeben und lässt nun auch Musik im MP3-Format ohne Einschränkungen verkaufen. Leider noch nicht alle, bzw. nicht in allen Ländern und nicht auf allen Plattformen. Es ist also immer noch Glückssache, ob man beim Downloadshop XY ein Album von A, B oder C bekommt. Die Antwort lautet immer: Kommt drauf an. Selbst wenn jedes Album bei wenigstens einem Shop verfügbar wäre, müsste man sich als Kunde immer noch bei viel zu vielen Seiten registrieren (und natürlich jedesmal hübsch ganz viele persönliche Daten hinterlassen).
Einen digitalen MP3-Download-Shop, der (für deutsche Kunden) ein mehr oder weniger lückenloses Angebot bereithält, wird man also noch nicht so schnell bekommen. Eine erste Abhilfe und Annäherung sind Dienste wie kix.de (das kürzlich vom Musikportal laut.de gestartet wurde): Hier kann ich nach Künstlern und Titeln suchen und sehe, wo ich den Song zu welchem Preis und in welchem Format bekomme. Feine Sache*. So bin ich auch auf den mir bislang unbekannten Dienst 7digital gestoßen. Dort gibt’s eine recht ordentliche Auswahl von MP3s in guter Qualität zu einem fairen Preis. Es gibt einen sogenannten “Locker”, aus dem man die einmal gekauften Files bis zu fünfmal downlaoden kann. Und — für mich auch sehr wichtig: Für den Download benötigt man keinen proprietären Download-Manager, den man extra runterladen und installieren müsste (und den es ja meistens sowieso nur für Windows gibt). Alles klappt im Browser oder ganz simpel mit wget. Und hey, außer meiner e-Mail-Adresse wollten die noch nichtmal persönliche Daten von mir. Fast wie ein richtiger Oflline-Laden. Was ich vermisse: Eine Vormerk-Funktion à la “Jetzt nicht kaufen, aber vielleicht später”: Aber fürs erste bin ich zufrieden. Während ich dies schreibe, pluckert im Hintergrund das frisch gekaufte neue Sigur-Rós-Album.
Trotzdem, liebe Musikindustrie: Da muss noch was gehen. Mit mir könntest du nämlich Umsatz machen. Mit schönen Hörproben bin ich leicht zu ködern, und wenn ich dann mit wenigen Klicks einkaufen kann, dann kann man mit mir tatsächlich Geld verdienen. Und ich bin da bestimmt nicht der einzige. Also, wo bekomme ich das Fleet-Foxes-Album als MP3, bitte?
* Allerdings kann man im Moment noch nicht so recht drauf vertrauen, dass die Angaben von kix.de vollständig sind. Das Hellsongs-Album z.B. gibt’s bei 7digital, aber kix weiß davon nix.
Noch ein passender Link dazu: Stars on MP3 — der Tonspion testet anhand der Alben-Top-10, was man wo zum Download bekommt — und was nicht.