Im Kino: The Dark Knight

An Batman Begins haben mich eigentlich nur vier Dinge gestört:
1. Die blöde verstellte Stimme von Batman.
2. Die Performance von Katie Holmes.
3. Der allzu langatmige Aufbau, bis es mal richtig losgeht.
4. Das Fehlen eines wirklich spannenden Gegenspielers für Batman.

Für den zweiten Teil seiner (mutmaßlichen) Batman-Trilogie hat Christopher Nolan immerhin drei dieser Punkte korrigiert. Punkt 1 ist leider immer noch da, Batman spricht nach wie vor wie eine Geisterbahnpuppe auf der Kirmes. Punkt 2: Katie Holmes wurde durch Maggie Gyllenhall ersetzt, die ich deutlich angenehmer finde. Punkt 3: The Dark Knight geht praktisch von der ersten Minute an voll auf die Zwölf. Womit wir schon bei Nummero 4 wären: dem Gegner…

Ja, der Gegner. Er stiehlt allen die Schau. Heath Ledgers Joker ist für mich der beste Schurke, den ein Superheldenfilm je hatte. Diese Figur ist diabolisch, beängstigend, beunruhigend, unberechenbar und auf eine perverse Art witzig. Man wird nach diesem Film wohl nie wieder einen frisch gespitzen Bleistift ganz unschuldig ansehen können. Dazu die geniale äußere Erscheinung: Es ist eine Freude, diesem Joker zuzusehen. Und das liegt vielleicht gar nicht mal so sehr an Heath Ledger. Dies ist eine so dankbare Rolle, dass viele Schauspieler in ihr glänzen könnten. Doch Ledger macht einen hervorragenden Job, keine Frage. Ob gewollt oder nicht, der Joker stiehlt dem Rest des Ensembles die Schau: Christian Bale als Bruce Wayne/Batman steckt viel zu oft unter der Gummimaske, um wirklich glänzen zu können, die (groß)väterlichen Michael Caine und Morgan Freeman haben keine allzu langen Auftritte und Aaron Eckhart ist als Harvey Dent aalglatt. Am ehesten reicht noch Gary Oldman, der wie schon im ersten Teil einen tollen James Gordon gibt, an Ledger heran.

Auf die Handlung will ich gar nicht groß eingehen, ich versuche das mal in zwei Sätzen: Der Joker macht einen Deal mit der Unterwelt von Gotham und verspricht ihr, sie von Batman zu befreien. Dazu setzt er Batman unter Druck, indem er so lange wahllos Menschen töten will, bis Batman sich stellt und seine Identität preisgibt.

Das Skript funktioniert über weite Strecken sehr gut, bietet eine ausgewogene Mischung aus Suspense, Action und Charaktermomenten, so dass The Dark Knight als Popcornfilm wirklich außerordentlich befriedigend ist. Von all den superteuren Mega-Blockbustern der letzten Jahre ist dieser Batman-Film vielleicht der beste. Ihn allerdings (wie durch die Internet-Hypemaschine geschehen) in die Nähe der größten Klassiker der Filmgeschichte zu loben, ist dann aber doch deutlich übertrieben. Denn The Dark Knight hat auch Schwächen: Er ist eine halbe Stunde zu lang, ein bisschen zu überfrachtet mit politischer Bedeutung und 9/11-Verweisen und vielleicht eine Spur zu ernst. Der Abschnitt mit Two-Face wirkte wie drangeklebt, nicht wirklich passend zum Rest des Films. Die Sache mit den Batman-Doubles, aus denen man einiges hätte machen können, wurde total verschenkt. Vor allem aber: Große Actionszenen sind nicht Christopher Nolans Stärke.

Es passierte mir ein bisschen zu oft, dass ich in Actionszenen den Überblick verlor und nicht mehr wusste, wer jetzt eigentlich grade wo steht (bzw. fährt oder fliegt), was er dort tut und warum. Besonders der Abschnitt, als Batman mit dem komischen Hologramm-3D-Sichtgerät durch das Hochhaus rennt, konnte mich so gar nicht überzeugen (die blauen Leucht-Augen haben’s auch nicht gerade besser gemacht).

Trotzdem hat mich The Dark Knight exzellent unterhalten, alles in allem mochte ich den Film. Und der purzelbaumschlagende Truck sah echt geil aus.

 

8 Gedanken zu „Im Kino: The Dark Knight

  1. Naja, angesichts der Tatsache, dass sich in der Oberliga der IMDB auch Filme wie The Shawshank Redemption, The Usual Suspects und diverse Star-Wars-Teile tummeln (alles gute Filme aber keine legendären Klassiker), finde ich das schon legitim…

  2. Der Film hat sicherlich seine Schwächen, ist hier und da auch zu lang, aber hat mich insgesamt bestens unterhalten. Heath Ledger wird wohl mit seiner Rolle in die Filmgeschichte eingehen.

  3. Komisch, warum finden den alle nur zu lang? Ich nicht. Da ich das aber schon in einem längerem Artikel für das Corona-Magain – kleine Werbeeinblendung, hüstel – detailliert geschildert habe verzichte ich hier mal drauf. Wenn die mal erscheint… Demnächst so…

  4. Wenn man sich mal ein wenig intensiver mit der Konzeption des Films beschäftigt (und vor allem mit dem Selstverständnis des Films) bleiben doch eine Ungereimtheiten zurück, die eine Erwähnung wert wären. Habe hierzu eine ganz gute Kritk gefunden Kritik Dark Knight

  5. Pingback: classless Kulla

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