Auf DVD: Ratatouille

Bevor ich mir Wall-E ansehe, wollte ich noch meine letzte bestehende Pixar-Lücke schließen. Worum es bei Ratatouille geht, dürfte weitgehend bekannt sein: Eine in Paris lebende Ratte mit sehr feiner Nase und sehr feinem Gaumen entdeckt ihr Talent fürs Kochen und arbeitet unerkannt in einem Gourmet-Restaurant mit — indem sie sich unter die Kochmütze eines Küchenjungen setzt und diesen mittels Haareziehen wie eine Marionette fernsteuert. Natürlich werden Küchenjunge und Ratte Freunde, der Junge steigt langsam zum Starkoch auf, bekommt es aber mit einem missgünstigen Widersacher zu tun.

Regisseur Brad Bird erzählt das alles mit großer Routine und auch viel Charme. Die digitalen Ratten, sonst ja eher unsympathische Gesellen, sind uns auf Anhieb sympathisch, und sie sind niedlich, ohne zu grotesken Diddlmäusen verunstaltet zu werden — eigentlich sehen sie schon noch recht stark nach Ratte aus. Ratatouille ist, wie immer bei Pixar, großartig animiert, technisch auf dem allerneuesten Stand und optisch nahezu perfekt. Das gilt nicht nicht zuletzt für das Essen, das hier ja eine zentrale Rolle spielt. Selten sahen Pixel so lecker aus.

Leider merkt man Ratatouille auch sehr stark an, dass Pixar-Filme eben auch Disney-Filme sind. Handlung und Figuren sind auf den ersten Blick originell, bleiben aber immer auf einer sehr konventionellen Spur, um ja keinen Zuschauer zu verprellen. Das Paris, das hier gezeigt wird, speist sich aus gängigen Klischees, und natürlich hat der Film auch eine Botschaft, sogar mehrere. Diese sind auch unterstützenswert und richtig: „Iss nicht einfach jeden Dreck“ und „Jeder kann kochen“. Kann man unterschreiben. Allerdings haben es die Autoren hier zu gut gemeint — vor allem die zweite Botschaft wird dem Publikum mit einer Penetranz aufs Brot geschmiert, dass es am Ende wirklich nervt. Schade auch, dass der Film allgemein recht brav und betulich bleibt. Ironische Seitenhiebe oder kleine überraschende Widerhaken gibt es viel zu selten. Einzig der hochnäsige Restaurantkritiker Anton Ego, der mit seinen Kolumnen über Aufstieg und Fall der Sterneköche mitentscheidet, bildet hier eine Ausnahme. Dieser Edelsnob ist wirklich sehr gut gelungen und lässt sich natürlich auch als Anspielung auf Filmkritiker lesen.

Ja, der Film macht Spaß, ist niedlich und nett, aber das ist es dann auch schon. Definitiv ein Film für Kinder, in den die Kleinen ruhig auch die Eltern mitnehmen können, und nicht umgekehrt. The Incredibles vom gleichen Regisseur hatte da fürs erwachsene Publikum deutlich mehr zu bieten. Und wenn ich mir überlege, dass Ratatouille bei den Oscars Persepolis geschlagen hat, dann ist das einfach nur traurig.

 

2 Gedanken zu „Auf DVD: Ratatouille

  1. Zu erwähnen noch die geniale Szene der titelgebenden Speise.

    Aber als vorbereitung auf Wall-E beweisst du fast shon hellseherische Fähigkeiten.

    Wer bei Eliott das Schmuzelmonster schreiend aus dem Kino laufen wollte,
    hat bei Wall-E zwei/dreimal das entsprechende zucken.

    Das ganze ist sehr schade, weil die Animation wirklich überragend ist.

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