Im TV: Charlotte Roche unter …

Es ist schon interessant zu beobachten, wo die interessanteren der ehemaligen MTV- und Viva-Moderatoren inzwischen ihre Nischen suchen und finden. Markus Kavka hält man sich dort noch als Maskottchen, der Rest macht andere Dinge. Ähnlich wie ihre Kollegin Sarah Kuttner, die neulich in dem (eher langweiligen) Format Kuttners Kleinanzeigen Ausflüge in den deutschen Alltag machte, versucht es nun auch Charlotte Roche. Diese allerdings dürfte für die Mehrheit der Fernsehzuschauer nicht unter „Ex-Viva-Moderatorin“ laufen, sondern vielmehr als Autorin dieses Ekel-Bestsellers.

Wie auch immer, ich freue mich jedenfalls immer, wenn Frau Roche in irgendeiner Form auf den Bildschirm zurückkehrt. Und ihre neue Sendung (5x jeweils eine halbe Stunde, Mittwochs um 23.15 bei 3sat) scheint auch ein sehr passendes Format zu für sie zu sein. Das Prinzip: Charlotte schaut sich einen bestimmten Beruf an und begleitet einen Vertreter dieses Berufes für einen Tag — ähnlich wie das oft für Schüler angeboten wird, die mal einen Tag in einen Beruf hineinschnuppern dürfen. Nur dass die kein Kamerateam dabei haben.

Herausgepickt hat man sich dabei Berufe, die allgemein bekannt sind (also keine völlig exotischen Beschäftigungen), deren Realtität den meisten Menschen aber halt doch unbekannt sein dürfte. Bestatter, Müllmann, Trucker — Berufe, über die man einiges zu wissen glaubt, aber meist sind das nur Klischees und Allgemeinplätze. Die Reportagen aus dem Berufsalltag laufen laut 3sat sehr spontan, ohne jedes Drehbuch und komplett improvisiert ab, Charlotte lernt die jeweiligen Protagonisten erst am jeweiligen Tag kennen. Diese Spontanität und Frische, ohnehin ein Markenzeichen von Frau Roche, wird dann in der Sendung auch spürbar. Nicht im Sinne von Chaos, sondern eher durch eine gewisse Lockerheit. Das Format ähnelt ja durchaus pädagogischem Kinderfernsehen wie Willi wills wissen, wirkt aber entspannter, weil eben kein Lehrplan abgearbeitet werden muss. Trotzdem lernt man etwas und wird gut unterhalten — Infotainment im besten Sinne.

Die erste Folge, in der Charlotte ein Minipraktikum bei einem rheinischen Bestatter machte, hat mir jedenfalls gut gefallen. Neben einigen erwartbaren Szenen ist immer auch Platz für kleine Überraschungen wie das bunte Schaufenster zum Thema Fußball-EM oder der Moment im Auto, in dem der Bestatter recht unvermittelt sehr Persönliches von sich Preis gibt. Natürlich lebt die Sendung auch von der Person Charlotte Roche, ihrer immer etwas kindlich-naiven Art und ihrem Hang zum Giggeln. Wen sowas nervt, lässt lieber die Finger von der Sendung. Ich persönlich mag das aber ganz gerne. Die nächsten Folgen sind hiermit vorgemerkt.

Sehr löblich: Auf 3sat.de kann man bereits jetzt alle fünf Folgen komplett online ansehen.

 

4 Gedanken zu „Im TV: Charlotte Roche unter …

  1. Leider die erste Folge verpasst und online ansehen ist dank schwachbrüstigem DSL1000 auch nicht. Aber die nächsten Folgen sind definitiv vorgemerkt. Danke für den Tipp!

  2. fast forward war ja damals auf viva2 wohl die beste musiksendung des deutschen fernsehens ever! für das heutige programm der sogennanten „musiksender“ läuft ja mal voll daneben…

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