Im Kino: Tropic Thunder

Der Anfang: Großartig. Der Schluss: Fantastisch. Dazwischen: Eine okaye Komödie, die durchaus Spaß macht, die aber nicht ganz so witzig geworden ist, wie ich es mir erhofft hätte. Tropic Thunder ist eine Parodie aufs Filmbusiness à la Hollywood und besonders auf (Vietnam-) Kriegsfilme. Der Humor, den Regisseur und Co-Autor Ben Stiller abliefert, variiert dabei zwischen dämlich-unlustig über rabenschwarz bis zu wunderbar ironisch. Die Story: Drei Filmstars drehen zusammen einen Kriegsfilm: Der ultimative Action-Hero (Ben Stiller), der durch Furzwitze berühmt gewordene Proleten-Comedian (Jack Black) und der zigfach Oscar-gekrönte Method Actor (Robert Downey Jr).

Vorgestellt wird das Trio mit drei gefakten Kinotrailern, die dann auch gleich mal den Höhepunkt des Films darstellen (noch garniert mit einem Fake-Werbespot für die Cola des Rappers Alpa Chino, der auch eine Rolle im zu drehenden Kriegsfilm hat). Das Versprechen, das Tropic Thunder mit diesem Auftakt gibt, kann der Film leider nicht ganz einlösen. Der mit einem Budget von 92 Mio Dollar für eine Komödie ziemlich teure Spaß ist zu lang und schleppt sich stellenweise mit viel zu wenig Gags durch seine zähe Handlung. Die besteht darin, dass zu Beginn der Dreharbeiten alles schief geht, so dass der Regisseur das Konzept ändert und seine Hauptdarsteller allein im Dschungel aussetzt, um sie fortan im quasi-dokumentarischen Stil zu filmen. Geht natürlich erst recht schief — der Regisseur tritt auf eine Mine und ist tot, die Schauspieler tapsen allein durch den Dschungel und geraten in die Fänge eines Drogenkartells.

Die Handlung ist aber ohnehin nicht wichtig in dieser Art Film. Am besten ist Tropic Thunder immer dann, wenn er die Scheinwelt des Film-Biz aufs Korn nimmt. Toll sind Matthew McConaughey als schmieriger Agent des Actionhelden, der angenehm tumbe Sprengmeister vom Special-Effects-Team (mit Universal-Soldier-T-Shirt), und ganz besonders Robert Downey Jr., der hier abermals eine glänzende Leistung abliefert. Der von ihm gespielte Super-Charakterdarsteller Kirk Lazarus will so sehr in seiner Rolle als schwarzer GI aufgehen, dass er sich die Haut pigmentieren lässt und ständig in einem Jargon spricht, den er für die übliche Sprache von Afroamerikanern hält (so sehr, dass ich in der englischen Fassung nur die Hälfte seines Texts verstanden habe). Und wie sich das gehört, bleibt er während der kompletten Dreharbeiten „in character“. Ein Schelm, wer hier an Daniel Day-Lewis denkt …

Eher enttäuschend sind dagegen Jack Black, der eher so mitläuft, ohne dem Film seinen Stempel aufzudrücken und auch Ben Stiller, der vielleicht einfach nicht gut genug schauspielern kann, um einen schauspielernden Schauspieler darzustellen. Zudem reitet das Drehbuch viel zu lange und ausführlich auf dem an sich ja ganz witzigen Gag mit Simple Jack herum, einem großen Erfolg aus der Filmographie des von Stiller verkörperten Tugg Speedman. Simple Jack ist ein Seitenhieb auf Filme wie Forrest Gump, Rain Man und ähnliche Behinderten-Exploitation, wurde aber von den entsprechenden Lobbygruppen prompt missverstanden.

So wird aus einer sehr vielversprechenden Idee ein eher mittelprächtiger Film, der aber trotzdem jedem empfohlen sei, der gerne über Hollywood-Insider-Gags und kleine Cameo-Auftritte lacht, denn diese gibt es hier sonder Zahl. Nicht versäumen möchte ich auch den Hinweis auf die liebvoll gestalteten Fake-Websites für die Hauptdarsteller, die extra zu Promo-Zwecken gebaut wurden: Tugg Speedman, Kirk Lazarus, Jeff Portnoy und Alpa Chino. Außerdem gibt’s Homepages der Panda Relocation Foundation und der Make Pretty Skin Clinic.

Und dann war da noch: Tom Cruise. Leider wusste ich schon vorab, dass er im Film vorkommt, andernfalls wäre der Effekt noch viel größer gewesen. Man erkennt ihn nämlich kaum wieder — er spielt ein Ekelpack von Filmproduzent, mit Glatze, Bauch und übermäßiger Behaarung und einem sehr cholerischen Wesen. Und er tanzt. Ja, er tanzt. Vergesst einfach alles, was ich oben geschrieben habe, der Film lohnt sich allein schon für die Szenen mit Tom Cruise in seiner besten Rolle seit Magnolia.

 

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