Im Kino: Son of Rambow (Der Sohn von Rambow)

Meine Sichtung ist schon wieder ein paar Wochen her, und er wird nur noch in ganz wenigen Kinos zu finden sein, aber dieser Film darf auf keinen Fall unter den Tisch fallen. Zumal er leider unverdientermaßen ziemlich untergegangen ist, und das lag nicht nur am unglücklichen Starttermin, parallel zu The Dark Knight. Nein, der Film wurde in Deutschland auch primär als Kinder- und Jugendfilm vermarktet, was zu verdooften Trailern und ungünstigen Kino-Uhrzeiten führte.

Dabei funktioniert Son of Rambow durchaus als gelungene Kinounterhaltung für jüngere Zuschauer, aber eben nicht nur. Denn der Film ist nicht nur die Geschichte einer Jungs-Freundschaft, sondern auch eine ironische Hommage an die 80er Jahre, eine Liebeserklärung ans Filmemachen, ein Stückchen Religionskritik und natürlich ein Gruß an Silvester Stallones Rambo — alles Dinge, die dem durchschnittlichen 10jährigen nicht besonders am Herzen liegen dürften.

Der Film spielt Anfang der 80er Jahre und handelt von zwei Schulbuben, die unterschiedllicher nicht sein könnten: Will wächst sehr behütet auf, seine (alleinerziehende) Mutter ist Mitglied bei der konservativen Religionsgemeinschaft der Plymouth-Brüder. Film und Fernsehen sind dort nicht geduldet — sogar, wenn in der Schule ein Lehrfilm gezeigt wird, muss Will das Klassenzimmer verlassen und auf dem Flur warten. Das ist dann auch der Ort, wo er auf Lee Carter trifft — der freilich ist deshalb so oft auf dem Flur, weil er der größte und frechste Rotzlöffel der ganzen Schule ist und ständig aus dem Unterricht fliegt.

Lee Carter, der allein mit seinem Bruder lebt, gehört zu den frühesten Videopiraten, er schleicht sich nachmittags ins Kino, um mit seiner VHS-Kamera den aktuellen Actionheuler First Blood (bei uns besser bekannt als Rambo) abzufilmen. Außerdem träumt er davon, beim Kinderfilmwettbewerb der BBC mitzumachen und will gerne ein Remake von First Blood drehen. Sein neuer Kumpel Will kommt ihm da gerade recht, schließlich braucht er einen Dummen, der für all die gefährlichen Stunts den Kopf hinhält. Doch Will, für den Lees Rambo-Aufzeichnung der erste Film ist, den er in seinem Leben gesehen hat, ist geflasht von diesem Erlebnis und spinnt in seiner Phantasie ein fantastisches Märchen um den Sohn von Rambo. So kommt es, dass die beiden beginnen, Son of Rambow zu drehen (das W wird in der Geschichte erklärt, dürfte aber vor allem aus Selbstschutz vor gierigen Copyright-Anwälten angefügt worden sein).

Mehr und mehr freundet sich das ungleiche Paar während der Dreharbeiten an, und plötzlich interessieren sich auch die Mitschüler für die beiden Außenseiter. An der Schule sind gerade französische Austauschsschüler zu Gast und selbst der blasierte, obercoole Didier („Bonjour, l’Angleterre!“), der von den englischen Kids bewundert wird wie ein Rockstar vom anderen Stern, hat Interesse, mitzumachen. Der Rest der Handlung ist ein bisschen vorhersehbar, es kommt zum Filmdrehverbot durch Wills Mutter, die beiden Jungs zerstreiten sich, es gibt eine große Klimax und ein versöhnliches Ende und am Ende haben die Jungen eine wichtige Lektion fürs Leben gelernt.

Die konventionelle Schiene des Drehbuchs verzeiht man dem Film aber sofort, weil er unglaublich charmant und liebenswert, mit viel Witz und Ironie daherkommt. Das beginnt bei den liebevollen Zeichnungen, mit denen Will seine Bibel ebenso verziert wie das Schulklo, und aus denen er auch tolle Daumenkinos machen kann, es geht weiter mit der herrlichen Schuldisko-Szene, in der zum Sound von Depeche Mode 80er-Peinlichkeiten abgefeiert werden und findet seinen Höhepunkt in den von Will und Lee inszenierten Szenen. Wie sie aus einfachsten Mitteln ihre Actionsequenzen bauen, erinnert stark an Gondrys Be Kind Rewind, nur mit dem Unterschied, dass diese Kids eben keinen bekannten Film „schweden“, sondern ihr eigenes Ding drehen.

Dem britischen Regieduo Hammer & Tongs (Garth Jennings und Nick Goldsmith), von dem auch die (eher missratene) Verfilmung des Hitchhiker’s Guide to the Galaxy stammt, hat hier wirklich ein bezauberndes Stück Kino hingelegt. Am Schluss wird der fertige Son of Rambow-Film im örtlichen Filmtheater gezeigt und allein diese Szene ist so rührend und wunderbar, dass ich ins Schwärmen gerate und es traurig finde, dass den Film viel zu wenig Leute gesehen haben. In Bloody England gibt es den Film übrigens bereits auf DVD, ein Releasedatum für eine deutsche Version konnte ich noch nicht finden.

 

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