Im Kino: Hellboy II: The Golden Army (Hellboy II – Die goldene Armee)

Schon der erste Hellboy-Film aus dem Jahr 2004 war eine sehr gelungene Comic-Verfilmung: Den Geist der Vorlage treffend und doch eigenständig, reich an Action und Schauwerten, aber trotzdem konzentriert auf seine Hauptfiguren mit ihren Stärken und Schwächen. Nun legt Regisseur Guillermo del Toro nach, und man muss sagen: Er hat sich selbst übertroffen.

Für das Skript zum neuen Hellboy-Film wurden diesmal nicht bestehende Comics von Mike Mignola aufgegriffen, sondern del Toro entwickelte gemeinsam mit dem Hellboy-Schöpfer Mignola eine neue Story. Dies tut dem Film sehr gut – während der erste Film mit seinen Zutaten aus verschiedenen Hellboy-Kurzgeschichten ein bisschen zusammengestückelt wirkte, ist die Geschichte von Die goldene Armee aus einem Guss und funktioniert perfekt über die Laufzeit von zwei Stunden.

Der Film beginnt mit einer Szene mit Hellboy als Kind, adoptiert vom Professor Bruttenholm (John Hurt), der seinem Ziehsohn eine alte Legende erzählt: Demnach soll in den Tiefen der Erde eine Goldene Armee schlummern, die einst von Trollen und Orks als unschlagbare Waffe im Kampf gegen die Menschen erschaffen wurde. Ein friedliebender Elbenkönig soll die Armee später stillgelegt haben. Erweckt werden können die 70 mal 70 stählernen Krieger nur dann, wenn eine aus drei Teilen bestehende Krone wieder zusammengebracht werden kann. Diese Legende, die wichtiges Backgroundwissen für den Film enthält, wird als digital animierter Trickfilm auf die Leinwand gebracht, der in seinem Look an alte Holzpuppen erinnert.

Mit diesem Auftakt macht Guillermo del Toro schon mal unmissverständlich klar: Wir sind auf Fantasy-Terrain. Spielte der erste Film noch sehr stark mit Elementen der Pulp-Literatur (Nazi-Bösewichter, Rasputin, eine sprechende Mumie), ist Hellboy II sehr viel märchenhafter geraten. Wer del Toros vorletzten Film, den großartigen Pans Labyrinth gesehen hat, bemerkt eine deutliche visuelle Verwandtschaft zwischen diesen beiden Filmen.

Zunächst aber weiter in der Handlung: Nach der einleitenden Legende folgt ein Schnitt in die Gegenwart: In einem Auktionshaus werden archäologische Funde versteigert, darunter auch eines der drei Teile des oben erwähnten magischen Artefakts. Auftritt Prinz Nuada (Luke Goss – ja, tatsächlich einer der Brüder der 80er-Boyband Bros.!), der von einem sehr ungemütlichen Monster und einer Horde kleiner geflügelter Fieslinge begleitet wird. Die Action beginnt, und es ist klar: Hier muss die B.U.A.P. eingreifen, die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen (im englischen Original: B.P.R.D.). Hellboy und seine Kollegen haben den Auftrag, Prinz Nuada zu stoppen und seinen Plan zu verhindern, die Goldene Armee wieder auferstehen zu lassen um die Menschheit zu vernichten.

Es entspinnt sich ein ziemlich klassischer Fantasyplot, der teilweise nicht in der realen Welt der Menschen spielt, sondern in einer versteckten Unterwelt, die von allerlei Fabelwesen bevölkert wird. In diesem Teil des Films, wenn die B.U.A.P.-Mitglieder den sogenannten „Trollmarkt“ besuchen, lässt Guillermo del Toro seiner Vorliebe für fantastische Geschöpfe freien Lauf. Hier wimmelt es nur so von unglaublichen Kreaturen, die Leinwand wird beinahe gesprengt von der Fülle an fremdartigen Gestalten. Großartiges Figurendesign trifft auf großartige Animationskunst – die Trollmarkt-Szene stellt die Sequenz im Raumflughafen Mos Eisley aus dem ersten Star-Wars-Film locker in den Schatten.

Doch Hellboy II verlässt sich nicht allein auf seine Kreaturen und seine Spezialeffekte, auch Hellboy selbst, der rote Dämon aus der Hölle, der auf der Seite der Menschen kämpft, spielt natürlich eine wichtige Rolle. Abermals genial verkörpert von Ron Perlman ist diese eigentlich vollkommen absurde Figur mit der überdimensionalen Steinhand das Herz und die Seele des Films. Hellboy hat Liebeskummer in seiner Beziehung zur B.U.A.P.-Kollegin Liz Sherman, er ist unsicher, weil er nicht recht weiß, was Frauen von Männern wollen. Das macht ihn sauer und unberechenbar, aber auch wunderbar melancholisch. Ein herrlicher Moment ist die Szene, in der Hellboy seinen Kummer bei einem Sixpack Bier gemeinsam mit dem Fischmenschen Abe Sapien (der ebenfalls verliebt ist) ertränkt und die beiden gemeinsam „Can’t Smile Without You“ von Barry Manilow singen.

So wird die Fantasy- und Action-Handlung immer wieder humorvoll gebrochen, dazu dient auch die neu eingeführte Figur des Johann Kraus. Dieser ist Deutscher und obendrein ein Medium ohne physischen Körper. Sein „Ektoplasma“ hält sich in einer Art Astronautenanzug auf. Kraus kommt neu ins B.U.A.P.-Team und spielt sich gleich als dessen Anführer auf – ein Umstand, der dem cholerischen Hellboy nicht gefallen kann.

Ein weiteres Element, das für zusätzliche Tiefe sorgt: Mehrfach stellt sich für Hellboy die Frage, ob er wirklich das richtige tut, wenn er auf Seiten der Menschen gegen allerlei Monstren kämpft, oder ob er nicht eigentlich selbst auf die andere Seite gehört. Besonders die Szene, in der es die B.U.A.P. mit einem Baumgeist zu tun bekommt, zeigt deutlich, dass die Zerstörung des vermeintlich Bösen auch immer die Zerstörung eines einzigartigen Wesens bedeutet.

Mit The Golden Army ist Guillermo del Toro ein wirklich toller Film gelungen, der den Vorgänger in allen Belangen übertrifft. Zudem hat es der Regisseur geschafft, ein Stück Mainstream-Popcorn-Kino abzuliefern, das zu einem international vermarkteten Franchise gehört, das aber trotzdem seine ganz persönliche Handschrift trägt. Hellboy II ist erstklassige Unterhaltung in Form einer wilden Genremixtur, die Elemente aus Mystery, Fantasy, Horror, Komödie und Superheldenstory enthält. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Die goldene Armee ist die beste Comicverfilmung des Jahres. Und jawohl, ich habe The Dark Knight gesehen …


Zuerst erschienen bei Comicgate. Dort gibt es im Moment auch ein Hellboy-Gewinnspiel mit hübschen Preisen.

 

3 Gedanken zu „Im Kino: Hellboy II: The Golden Army (Hellboy II – Die goldene Armee)

  1. Ging mir ganz genauso. Erst Dark Knight gesehen, beeindruckt gewesen, aber auch unbestimmt unzufrieden. Dann Hellboy II gesehen und ich war mit dem Genre der Comicverfilmung versöhnt. Die Szene auf diesem Markt ist toll (wie viele Figuren es da gibt, man *muss* die DVD kaufen, um da noch mal genauer hinzusehen), und die betrunkene Liebeskummer-Szene in der Bibliothek – ganz großartig (obwohl es, wenn ich mich recht erinnere, eine ähnliche Szene auch schon im ersten Teil gab, das Milchtrinken mit dem kleinen Jungen auf dem Dach. Auch Hellboy ist in der Wiederverwertungs-Vorhölle gelandet, aber trotzdem noch sehr originell).

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  3. Ein weiteres Element, das für zusätzliche Tiefe sorgt: Mehrfach stellt sich für Hellboy die Frage, ob er wirklich das richtige tut, wenn er auf Seiten der Menschen gegen allerlei Monstren kämpft, oder ob er nicht eigentlich selbst auf die andere Seite gehört. Besonders die Szene, in der es die B.U.A.P. mit einem Baumgeist zu tun bekommt, zeigt deutlich, dass die Zerstörung des vermeintlich Bösen auch immer die Zerstörung eines einzigartigen Wesens bedeutet.

    Die Szene mochte ich… aber in der Gesamtheit ging mir dieses „Protecting a mankind that hates them“ schon irgendwie auf den Sack. Das war mir zu sehr X-Men und zu kräftig „wir bereiten Teil 3 vor“. Und ich muss auch gestehen, dass mir der „by the book“ C3P0-Johann-Krauss irgendwie nicht so recht gefallen hat. Da spielt aber natürlich wieder mit rein, dass ich den Comic-Johann-Kraus (ein „s“) sehr sympathisch fand.

    Und, absolute Fridge Logic: Ist ja nett das Frau Prinzessin sich am Ende dramatisch opfert um Hellboy zu retten, aber ich fragte mich die ganze Zeit warum sie nicht einfach mal mit Schmackes gegen ’ne Wand rennt oder warum Liz sie nicht KO schlägt.

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