Live: PeterLicht

Schon mein drittes Kirchenkonzert in Dachau. Diesmal war die evangelische Kirche der Ort des Geschehens, zu Gast war PeterLicht mit seiner kleinen, dreiköpfigen Begleitband, die erfreulicherweise bei einem Song („Heimkehrerlied“) auch die Kirchenorgel einsetzte. Der Künstler ist ja bekanntermaßen fotoscheu, und so war es nicht mal überraschend, dass die Bühne beim ersten Lied erstmal komplett dunkel blieb. Sollte es hier ein Konzert in Dunkelheit geben? Das dann doch nicht. Von Song zu Song wurde ein bisschen heller gedimmt, bis der Altarraum dann irgendwann voll erleuchtet war, und man auch das Transparent lesen konnte, das jemand an die Empore gehängt hatte: „Und Gott sprach: Es werde Licht!“ Fieser Kalauer, der aber angesichts der Location schon in Ordnung ging, und irgendwie auch passte. Denn PeterLicht, der sich anfangs nur von einem blauen Bürostuhl verköpern ließ und sein Gesicht immer noch nicht in der Zeitung oder im Fernsehen sehen will, zeigt sich seit kurzem offen und unverstellt auf der Bühne – Fotografieren ist aber verboten (ebenso wie das Mitreinnehmen der vor der Kirche verkauften Bierflaschen — Wein ging dagegen auch drinnen).

A propos Kalauer: auch PeterLicht ist ihm bisweilen nicht abgeneigt. Je länger das Konzert dauerte, desto lockerer und witziger wurden Sänger und Gesungenes. Der Humor kann bei PeterLicht subtil oder schräg, gerne auch mal einfach ein bisschen albern sein. Stellenweise wirkte das dann wie die intellektuelle Version von Helge Schneider, wurde aber niemals platt. Eingestreut zwischen das Liedprogramm (das die beiden letzten Alben fast komplett umfasste, dazu noch ein paar ältere Hits wie „Die transsylvanische Verwandte ist da“, „Lied gegen die Schwerkraft“ und natürlich „Sonnendeck“) gab der Mann, der laut Welt „nichts gegen die Stellenbeschreibung Liedermacher einzuwenden hat“, auch noch zwei gesprochene Texte zum Besten (großartig: der olympische Wettkampf im Entspannen). Ansonsten wurde nicht viel palavert, im Mittelpunkt stand die Musik. Die ist auf dem aktuellen Album „Melancholie und Gesellschaft“ noch hymnischer als auf dem Vorgänger und live gar nicht so leicht zu reproduzieren. Um Perfektion aber ging es hier nicht, es durften auch mal Einsätze vergeigt, der Text vergessen oder die Tonlage nicht gefunden werden. Es ging um die Freude an Musik und an Worten und Texten, mit denen PeterLicht so wunderbar smart und verspielt umgehen kann wie nur wenig andere Popmusiker. Das darf Spaß machen und lustig sein, aber auch melancholisch und nachdenklich. Und enthält zwischen den Zeilen sehr viel Wahres und Schlaues über unser Dasein.

 

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