Jaja, alles Mist im Fernsehen, nur noch doof und idiotisch, jaddajaddajadda. Stimmt gar nicht. Wer Rosinen picken kann, findet auch was. Die neueste Rosine im Programm läuft auf Pro Sieben und ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Sie startet schon ein Jahr nach dem US-Start, sie bekommt einen vernünftigen Sendeplatz und sie ist ordentlich synchronisiert. Und dann holt die erste Folge auch noch sehr gute Quoten. Irgendwas stimmt da nicht …

Aber auch sonst ist die Serie, entwickelt vom Dead Like Me-Erfinder Bryan Fuller und produziert von Barry Sonnenfeld (Men In Black), der auch bei den ersten beiden Folgen Regie geführt hat, etwas anders als der Durchschnitt. Das beginnt schon bei der Grundkonstellation, die man einfach erstmal schlucken muss, wenn man Spaß an der Serie haben will. Hauptfigur Ned kann Tote durch Berührung erwecken. Wenn er sie ein zweites Mal berührt, sind sie wieder tot. Wenn er sie aber länger als eine Minute leben lässt, stirbt jemand anders, der grade in der Nähe ist. Dumm nur, dass Ned in der ersten Folge seine Jugendliebe Chuck erweckt, sie aber jetzt niemals mehr berühren darf.

Die Ausgangsprämisse hier mal in 45 Sekunden zusammengefasst:

Was Fuller und Kollegen hieraus machen, ist ein stark überzeichnetes modernes Märchen, das nie den Anspruch erweckt, realistisch zu sein. Das wird schon am Look erkennbar: quietschebunt und absichtlich künstlich sehen Kulissen, Gegenstände und Kostüme aus, immer hart an der Grenze zum Kitsch. Mehr als einmal fühlt man sich an Tim Burton erinnert (allerdings an einen Tim Burton, der in einen Farbtopf gefallen ist). Zur Märchenhaftigkeit passt auch, dass es einen Märchenonkel gibt, der aus dem Off erzählt. Und erzählt und erzählt. Hier wäre weniger mehr gewesen, denn oft kommentiert der Sprecher nur das, was man ohnehin sieht. Dafür sind die Dialoge und die Handlung sehr temporeich und flott und ergeben genau jene Mischung, die die Amis Dramedy nennen.

Die Synchro fällt, wie schon gesagt, nicht negativ auf (wobei ich die Originalfassung nicht kenne). Verloren gehen allerdings so schöne Wortspiele wie der Titel der Pilotfolge, die in den USA “Pie-lette” hieß (Ned bäckt hauptberuflich Obstkuchen). Ich hatte jedenfalls viel Spaß an der ersten Folge. Wenn jetzt alles so läuft wie üblich, dann gehen die Quoten ab Folge 2 massiv in den Keller, Pro Sieben pausiert drei Wochen, legt dann den Sendeplatz auf Sonntag mittag und setzt die Serie wenig später nach fünf von neun Folgen ab.