Archive for Oktober, 2008

Fußball live in der Mediathek

oder: Warum Geotargeting ein Irrweg ist.

Das ZDF macht da irgendwas verkehrt. Andere Websites ordnen mich klar in Deutschland ein.

Im Kino: Son of Rambow (Der Sohn von Rambow)

Meine Sichtung ist schon wieder ein paar Wochen her, und er wird nur noch in ganz wenigen Kinos zu finden sein, aber dieser Film darf auf keinen Fall unter den Tisch fallen. Zumal er leider unverdientermaßen ziemlich untergegangen ist, und das lag nicht nur am unglücklichen Starttermin, parallel zu The Dark Knight. Nein, der Film wurde in Deutschland auch primär als Kinder- und Jugendfilm vermarktet, was zu verdooften Trailern und ungünstigen Kino-Uhrzeiten führte.

Dabei funktioniert Son of Rambow durchaus als gelungene Kinounterhaltung für jüngere Zuschauer, aber eben nicht nur. Denn der Film ist nicht nur die Geschichte einer Jungs-Freundschaft, sondern auch eine ironische Hommage an die 80er Jahre, eine Liebeserklärung ans Filmemachen, ein Stückchen Religionskritik und natürlich ein Gruß an Silvester Stallones Rambo — alles Dinge, die dem durchschnittlichen 10jährigen nicht besonders am Herzen liegen dürften.

Der Film spielt Anfang der 80er Jahre und handelt von zwei Schulbuben, die unterschiedllicher nicht sein könnten: Will wächst sehr behütet auf, seine (alleinerziehende) Mutter ist Mitglied bei der konservativen Religionsgemeinschaft der Plymouth-Brüder. Film und Fernsehen sind dort nicht geduldet — sogar, wenn in der Schule ein Lehrfilm gezeigt wird, muss Will das Klassenzimmer verlassen und auf dem Flur warten. Das ist dann auch der Ort, wo er auf Lee Carter trifft — der freilich ist deshalb so oft auf dem Flur, weil er der größte und frechste Rotzlöffel der ganzen Schule ist und ständig aus dem Unterricht fliegt.

Lee Carter, der allein mit seinem Bruder lebt, gehört zu den frühesten Videopiraten, er schleicht sich nachmittags ins Kino, um mit seiner VHS-Kamera den aktuellen Actionheuler First Blood (bei uns besser bekannt als Rambo) abzufilmen. Außerdem träumt er davon, beim Kinderfilmwettbewerb der BBC mitzumachen und will gerne ein Remake von First Blood drehen. Sein neuer Kumpel Will kommt ihm da gerade recht, schließlich braucht er einen Dummen, der für all die gefährlichen Stunts den Kopf hinhält. Doch Will, für den Lees Rambo-Aufzeichnung der erste Film ist, den er in seinem Leben gesehen hat, ist geflasht von diesem Erlebnis und spinnt in seiner Phantasie ein fantastisches Märchen um den Sohn von Rambo. So kommt es, dass die beiden beginnen, Son of Rambow zu drehen (das W wird in der Geschichte erklärt, dürfte aber vor allem aus Selbstschutz vor gierigen Copyright-Anwälten angefügt worden sein).

Mehr und mehr freundet sich das ungleiche Paar während der Dreharbeiten an, und plötzlich interessieren sich auch die Mitschüler für die beiden Außenseiter. An der Schule sind gerade französische Austauschsschüler zu Gast und selbst der blasierte, obercoole Didier (“Bonjour, l’Angleterre!”), der von den englischen Kids bewundert wird wie ein Rockstar vom anderen Stern, hat Interesse, mitzumachen. Der Rest der Handlung ist ein bisschen vorhersehbar, es kommt zum Filmdrehverbot durch Wills Mutter, die beiden Jungs zerstreiten sich, es gibt eine große Klimax und ein versöhnliches Ende und am Ende haben die Jungen eine wichtige Lektion fürs Leben gelernt.

Die konventionelle Schiene des Drehbuchs verzeiht man dem Film aber sofort, weil er unglaublich charmant und liebenswert, mit viel Witz und Ironie daherkommt. Das beginnt bei den liebevollen Zeichnungen, mit denen Will seine Bibel ebenso verziert wie das Schulklo, und aus denen er auch tolle Daumenkinos machen kann, es geht weiter mit der herrlichen Schuldisko-Szene, in der zum Sound von Depeche Mode 80er-Peinlichkeiten abgefeiert werden und findet seinen Höhepunkt in den von Will und Lee inszenierten Szenen. Wie sie aus einfachsten Mitteln ihre Actionsequenzen bauen, erinnert stark an Gondrys Be Kind Rewind, nur mit dem Unterschied, dass diese Kids eben keinen bekannten Film “schweden”, sondern ihr eigenes Ding drehen.

Dem britischen Regieduo Hammer & Tongs (Garth Jennings und Nick Goldsmith), von dem auch die (eher missratene) Verfilmung des Hitchhiker’s Guide to the Galaxy stammt, hat hier wirklich ein bezauberndes Stück Kino hingelegt. Am Schluss wird der fertige Son of Rambow-Film im örtlichen Filmtheater gezeigt und allein diese Szene ist so rührend und wunderbar, dass ich ins Schwärmen gerate und es traurig finde, dass den Film viel zu wenig Leute gesehen haben. In Bloody England gibt es den Film übrigens bereits auf DVD, ein Releasedatum für eine deutsche Version konnte ich noch nicht finden.

Trailerschau für Filmstarts vom 9.10.

Auf die DVD warten:
Krabat: Genrekino aus Deutschland, die aufwendige Verfilmung von Otfried Preußlers Jugendroman. Hatte mich sehr drauf gefreut, die Kritiken sind aber fast durchgehend mittelmäßig bis vernichtend.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Le Silence de Lorna (Le Silence de Lorna – Lornas Schweigen): Vielgelobtes, anspruchsvolles Charakterdrama der Dardenne-Brüder. Im Mittelpunkt steht eine albanische Einwanderin in Belgien, die eine Scheinehe eingeht. So begeistert, wie die Kritiker sind, scheint das wirklich gut zu sein.

Autistic Disco: Der neue Film von Hans Steinbichler, (Winterreise, Hierankl) der als Erfinder eines “neuen Heimatfilms” gilt. Auch diesmal gibt’s eine Alpenkulisse: Sieben junge Psychiatriepatienten machen einen gruppendynamischen Trip auf eine Berghütte. Scheint eher schwere Kost zu sein, aber vielleicht eine, die sich lohnt: “Definitiv kein Film für die breite Masse, aber ein beeindruckendes und verstörendes Kinoabenteuer voller emotionaler Wucht, das noch lange im Kopf nachwirkt”, schreibt Joachim Kurz bei kino-zeit.de.
Zu diesem Film gibt’s übrigens auch ein Trailer Puzzle, bei dem man seinen Trailer selbst zusammenbauen kann.

Giorni e Nuvole (Tage und Wolken): Der Italiener Silvio Soldini (Brot und Tulpen) erzählt eine Geschichte über ein mittelaltes Mittelschichten-Ehepaar, das damit fertig werden muss, dass der Mann plötzlich arbeitslos wird. Tendiert zum Glück wohl eher in Richtung charmante Tragikomödie als in Richtung schweres Sozialdrama.

Eagle Eye (Eagle Eye – Außer Kontrolle): Action-Thriller vom gleichen Team, das uns schon den Hitchcock-Ripoff Disturbia brachte (Regie: DJ Caruso: Produzent: Steven Spielberg, Hauptrolle: Shia LaBeouf). Hier bedient man sich stellenweise schon wieder bei Spielberg, Parallelen zum Dritten Mann sind unverkennbar.

Muss nicht sein:
The House Bunny (House Bunny): Eine vollkommen jugendfreie Komödie mit offizieller Unterstützung des Playboy-Konzerns. Ein Playboy-Bunny muss aus Hugh Hefners Hütte ausziehen und landet in einer College-Verbindung, wo sie auf lauter Nerd-Mädchen trifft. Man kann sich ja denken, wie das ausgeht.

U-900: Ach du Scheiße, was für ein Müll. Privatfernseh-Spaßvogel Atze Schröder versucht sowas ähnliches wie eine Parodie von Das Boot und dem Trailer gelingt das Kunststück, ohne einen einzigen auch nur halbwitzigen Gag auszukommen. Wer eine witzigere Boot-Parodie sehen will, braucht nur 44 Sekunden Zeit und einen YouTube-Link.

Die neue Trailerschau kommt bald

An alle Besucher, die aus der Kinoprovinz hierher gelangt sind: Ich wurde eiskalt davon erwischt, dass mich Gunnar quasi zur Urlaubsvertretung ernannt hat. Ich fühle mich geschmeichelt und bitte die Leserschaft noch um etwas Geduld. Die Trailerschau für alle Filmstarts vom 9.10. erscheint heute im Laufe des Abends.

Im Kino: Tropic Thunder

Der Anfang: Großartig. Der Schluss: Fantastisch. Dazwischen: Eine okaye Komödie, die durchaus Spaß macht, die aber nicht ganz so witzig geworden ist, wie ich es mir erhofft hätte. Tropic Thunder ist eine Parodie aufs Filmbusiness à la Hollywood und besonders auf (Vietnam-) Kriegsfilme. Der Humor, den Regisseur und Co-Autor Ben Stiller abliefert, variiert dabei zwischen dämlich-unlustig über rabenschwarz bis zu wunderbar ironisch. Die Story: Drei Filmstars drehen zusammen einen Kriegsfilm: Der ultimative Action-Hero (Ben Stiller), der durch Furzwitze berühmt gewordene Proleten-Comedian (Jack Black) und der zigfach Oscar-gekrönte Method Actor (Robert Downey Jr).

Vorgestellt wird das Trio mit drei gefakten Kinotrailern, die dann auch gleich mal den Höhepunkt des Films darstellen (noch garniert mit einem Fake-Werbespot für die Cola des Rappers Alpa Chino, der auch eine Rolle im zu drehenden Kriegsfilm hat). Das Versprechen, das Tropic Thunder mit diesem Auftakt gibt, kann der Film leider nicht ganz einlösen. Der mit einem Budget von 92 Mio Dollar für eine Komödie ziemlich teure Spaß ist zu lang und schleppt sich stellenweise mit viel zu wenig Gags durch seine zähe Handlung. Die besteht darin, dass zu Beginn der Dreharbeiten alles schief geht, so dass der Regisseur das Konzept ändert und seine Hauptdarsteller allein im Dschungel aussetzt, um sie fortan im quasi-dokumentarischen Stil zu filmen. Geht natürlich erst recht schief — der Regisseur tritt auf eine Mine und ist tot, die Schauspieler tapsen allein durch den Dschungel und geraten in die Fänge eines Drogenkartells.

Die Handlung ist aber ohnehin nicht wichtig in dieser Art Film. Am besten ist Tropic Thunder immer dann, wenn er die Scheinwelt des Film-Biz aufs Korn nimmt. Toll sind Matthew McConaughey als schmieriger Agent des Actionhelden, der angenehm tumbe Sprengmeister vom Special-Effects-Team (mit Universal-Soldier-T-Shirt), und ganz besonders Robert Downey Jr., der hier abermals eine glänzende Leistung abliefert. Der von ihm gespielte Super-Charakterdarsteller Kirk Lazarus will so sehr in seiner Rolle als schwarzer GI aufgehen, dass er sich die Haut pigmentieren lässt und ständig in einem Jargon spricht, den er für die übliche Sprache von Afroamerikanern hält (so sehr, dass ich in der englischen Fassung nur die Hälfte seines Texts verstanden habe). Und wie sich das gehört, bleibt er während der kompletten Dreharbeiten “in character”. Ein Schelm, wer hier an Daniel Day-Lewis denkt …

Eher enttäuschend sind dagegen Jack Black, der eher so mitläuft, ohne dem Film seinen Stempel aufzudrücken und auch Ben Stiller, der vielleicht einfach nicht gut genug schauspielern kann, um einen schauspielernden Schauspieler darzustellen. Zudem reitet das Drehbuch viel zu lange und ausführlich auf dem an sich ja ganz witzigen Gag mit Simple Jack herum, einem großen Erfolg aus der Filmographie des von Stiller verkörperten Tugg Speedman. Simple Jack ist ein Seitenhieb auf Filme wie Forrest Gump, Rain Man und ähnliche Behinderten-Exploitation, wurde aber von den entsprechenden Lobbygruppen prompt missverstanden.

So wird aus einer sehr vielversprechenden Idee ein eher mittelprächtiger Film, der aber trotzdem jedem empfohlen sei, der gerne über Hollywood-Insider-Gags und kleine Cameo-Auftritte lacht, denn diese gibt es hier sonder Zahl. Nicht versäumen möchte ich auch den Hinweis auf die liebvoll gestalteten Fake-Websites für die Hauptdarsteller, die extra zu Promo-Zwecken gebaut wurden: Tugg Speedman, Kirk Lazarus, Jeff Portnoy und Alpa Chino. Außerdem gibt’s Homepages der Panda Relocation Foundation und der Make Pretty Skin Clinic.

Und dann war da noch: Tom Cruise. Leider wusste ich schon vorab, dass er im Film vorkommt, andernfalls wäre der Effekt noch viel größer gewesen. Man erkennt ihn nämlich kaum wieder — er spielt ein Ekelpack von Filmproduzent, mit Glatze, Bauch und übermäßiger Behaarung und einem sehr cholerischen Wesen. Und er tanzt. Ja, er tanzt. Vergesst einfach alles, was ich oben geschrieben habe, der Film lohnt sich allein schon für die Szenen mit Tom Cruise in seiner besten Rolle seit Magnolia.

Im TV: Charlotte Roche unter …

Es ist schon interessant zu beobachten, wo die interessanteren der ehemaligen MTV- und Viva-Moderatoren inzwischen ihre Nischen suchen und finden. Markus Kavka hält man sich dort noch als Maskottchen, der Rest macht andere Dinge. Ähnlich wie ihre Kollegin Sarah Kuttner, die neulich in dem (eher langweiligen) Format Kuttners Kleinanzeigen Ausflüge in den deutschen Alltag machte, versucht es nun auch Charlotte Roche. Diese allerdings dürfte für die Mehrheit der Fernsehzuschauer nicht unter “Ex-Viva-Moderatorin” laufen, sondern vielmehr als Autorin dieses Ekel-Bestsellers.

Wie auch immer, ich freue mich jedenfalls immer, wenn Frau Roche in irgendeiner Form auf den Bildschirm zurückkehrt. Und ihre neue Sendung (5x jeweils eine halbe Stunde, Mittwochs um 23.15 bei 3sat) scheint auch ein sehr passendes Format zu für sie zu sein. Das Prinzip: Charlotte schaut sich einen bestimmten Beruf an und begleitet einen Vertreter dieses Berufes für einen Tag — ähnlich wie das oft für Schüler angeboten wird, die mal einen Tag in einen Beruf hineinschnuppern dürfen. Nur dass die kein Kamerateam dabei haben.

Herausgepickt hat man sich dabei Berufe, die allgemein bekannt sind (also keine völlig exotischen Beschäftigungen), deren Realtität den meisten Menschen aber halt doch unbekannt sein dürfte. Bestatter, Müllmann, Trucker — Berufe, über die man einiges zu wissen glaubt, aber meist sind das nur Klischees und Allgemeinplätze. Die Reportagen aus dem Berufsalltag laufen laut 3sat sehr spontan, ohne jedes Drehbuch und komplett improvisiert ab, Charlotte lernt die jeweiligen Protagonisten erst am jeweiligen Tag kennen. Diese Spontanität und Frische, ohnehin ein Markenzeichen von Frau Roche, wird dann in der Sendung auch spürbar. Nicht im Sinne von Chaos, sondern eher durch eine gewisse Lockerheit. Das Format ähnelt ja durchaus pädagogischem Kinderfernsehen wie Willi wills wissen, wirkt aber entspannter, weil eben kein Lehrplan abgearbeitet werden muss. Trotzdem lernt man etwas und wird gut unterhalten — Infotainment im besten Sinne.

Die erste Folge, in der Charlotte ein Minipraktikum bei einem rheinischen Bestatter machte, hat mir jedenfalls gut gefallen. Neben einigen erwartbaren Szenen ist immer auch Platz für kleine Überraschungen wie das bunte Schaufenster zum Thema Fußball-EM oder der Moment im Auto, in dem der Bestatter recht unvermittelt sehr Persönliches von sich Preis gibt. Natürlich lebt die Sendung auch von der Person Charlotte Roche, ihrer immer etwas kindlich-naiven Art und ihrem Hang zum Giggeln. Wen sowas nervt, lässt lieber die Finger von der Sendung. Ich persönlich mag das aber ganz gerne. Die nächsten Folgen sind hiermit vorgemerkt.

Sehr löblich: Auf 3sat.de kann man bereits jetzt alle fünf Folgen komplett online ansehen.

Trailerschau für Filmstarts vom 2.10.

Im Kino sehen:
Burn After Reading (Burn after Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?): Hurra, nach nur wenigen Monaten schon wieder ein neuer Coen-Film, diesmal wieder eher was Lustiges. Mit großartiger Bestzung und einem staubtrockenen Trailer, der richtig Lust auf den Film macht, auch wenn man keine Ahnung hat, worum’s eigentlich geht.

Young@Heart: Doku über den tollen Seniorenchor, der mit einer Rock’n'Roll-Show auf Tour geht. Stellenweise akute Kitschgefahr, aber hey: 90jährige singen “I wanna be sedated” — wen sowas nicht anrührt, der hat kein Herz.

Heimatkunde: Die Titanic kommt ins Kino! Martin Sonneborn auf Entdeckungsreise in der Zone. Das Projekt begann als Videokolumne in der SpOn-Satireecke SPAM.

Auf die DVD warten:
Etz Limon (Lemon Tree): Ein israelischer Film, der sich dem Nahostkonflikt auf satirische Weise nähert und dem das auch ganz gut zu gelingen scheint.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Ea’adat Khalq (Recycle): Dokumentarfilm aus Jordanien, der einen gläubigen Moslem in der Stadt Sarka in seinem Alltag begleitet.

Berlin Calling: Berühmter DJ landet in der Drogenklinik und sinnt über sein extremes Leben nach. Warum nicht, aber vielleicht doch eher was fürs Fernsehen.

Muss nicht sein:
Barakat!: Algerischer, nunja, Frauenfilm, der vor dem Hintergrund des algerischen Bürgerkriegs spielt. Für Freunde des engagierten Politkinos (zu denen ich mich nicht so sehr zähle).

10 Sekunden: Gut besetztes Episodendrama, das fiktional durchspielt, was nach dem Flugzeugzusammenprall am Bodensee 2002 mit den Beteiligten passiert sein könnte. Der film-dienst spricht in seinem Verriss von einem “als großes Gefühlskino angelegten TV-Movie”.

The Love Guru (Der Love Guru): Mike Myers, der früher eigentlich mal recht witzig war, erspielt sich als indischer Guru für Liebesangelegenheiten sagenhafte 14% auf dem Tomatometer. Dem film-dienst hat der Film allerdings gut gefallen.

Süper-Ajan K9 (Super-Agent K9): Myers’ Zoten sind jedoch subtil und feinfühlig gegen das, was diese türkische Agenten-”Parodie” im Trailer auffährt. Himmel, ist das der türkische Humor?

Far Cry: Die nächste Videospiel-Verfilmung von Fließband-Trash-Regisseur Uwe Boll. Diesmal noch schlimmer: Die Hauptrolle spielt Til Schweiger. Ich empfehle den Verriss des Wortvogels.

Auf DVD: Ratatouille

Bevor ich mir Wall-E ansehe, wollte ich noch meine letzte bestehende Pixar-Lücke schließen. Worum es bei Ratatouille geht, dürfte weitgehend bekannt sein: Eine in Paris lebende Ratte mit sehr feiner Nase und sehr feinem Gaumen entdeckt ihr Talent fürs Kochen und arbeitet unerkannt in einem Gourmet-Restaurant mit — indem sie sich unter die Kochmütze eines Küchenjungen setzt und diesen mittels Haareziehen wie eine Marionette fernsteuert. Natürlich werden Küchenjunge und Ratte Freunde, der Junge steigt langsam zum Starkoch auf, bekommt es aber mit einem missgünstigen Widersacher zu tun.

Regisseur Brad Bird erzählt das alles mit großer Routine und auch viel Charme. Die digitalen Ratten, sonst ja eher unsympathische Gesellen, sind uns auf Anhieb sympathisch, und sie sind niedlich, ohne zu grotesken Diddlmäusen verunstaltet zu werden — eigentlich sehen sie schon noch recht stark nach Ratte aus. Ratatouille ist, wie immer bei Pixar, großartig animiert, technisch auf dem allerneuesten Stand und optisch nahezu perfekt. Das gilt nicht nicht zuletzt für das Essen, das hier ja eine zentrale Rolle spielt. Selten sahen Pixel so lecker aus.

Leider merkt man Ratatouille auch sehr stark an, dass Pixar-Filme eben auch Disney-Filme sind. Handlung und Figuren sind auf den ersten Blick originell, bleiben aber immer auf einer sehr konventionellen Spur, um ja keinen Zuschauer zu verprellen. Das Paris, das hier gezeigt wird, speist sich aus gängigen Klischees, und natürlich hat der Film auch eine Botschaft, sogar mehrere. Diese sind auch unterstützenswert und richtig: “Iss nicht einfach jeden Dreck” und “Jeder kann kochen”. Kann man unterschreiben. Allerdings haben es die Autoren hier zu gut gemeint — vor allem die zweite Botschaft wird dem Publikum mit einer Penetranz aufs Brot geschmiert, dass es am Ende wirklich nervt. Schade auch, dass der Film allgemein recht brav und betulich bleibt. Ironische Seitenhiebe oder kleine überraschende Widerhaken gibt es viel zu selten. Einzig der hochnäsige Restaurantkritiker Anton Ego, der mit seinen Kolumnen über Aufstieg und Fall der Sterneköche mitentscheidet, bildet hier eine Ausnahme. Dieser Edelsnob ist wirklich sehr gut gelungen und lässt sich natürlich auch als Anspielung auf Filmkritiker lesen.

Ja, der Film macht Spaß, ist niedlich und nett, aber das ist es dann auch schon. Definitiv ein Film für Kinder, in den die Kleinen ruhig auch die Eltern mitnehmen können, und nicht umgekehrt. The Incredibles vom gleichen Regisseur hatte da fürs erwachsene Publikum deutlich mehr zu bieten. Und wenn ich mir überlege, dass Ratatouille bei den Oscars Persepolis geschlagen hat, dann ist das einfach nur traurig.