Nachdem kürzlich der Pilotfilm in die Kinos kam (und ein rechter Flop wurde), startete letzten Sonntag die TV-Serie im deutschen Fernsehen, die angeblich zeigen soll, was zwischen Episode II und III der Star-Wars-Prequels geschah. Als ob das jemanden interessieren würde.
George Lucas, der ja mit seiner Prequel-Trilogie ohnehin schon viel kaputt gemacht hat, scheint jedenfalls noch nicht genug zu haben und schickt eine auf 100 (!) Episoden angelegte digital animierte Trickserie in die Wohnzimmer. Und im Grunde braucht man sich darüber nicht großartig aufzuregen, denn wenn die erste Folge repräsentativ ist, dann ist Star Wars: The Clone Wars so belanglos wie uninteressant.
Die (einschließlich Werbung) halbstündige Serienfolge erzählt eine Handlung, die locker auf einen Bierdeckel passen würde (auf dem danach immer noch viel Platz übrig wäre) und besteht im Grunde nur aus einem einzigen Kampf der Guten (Runzeljedi Yoda und seine Jungs) gegen die Bösen (die Typen von Count Dooku). Dreimal dürfen wir raten, wer gewinnt.
Okay, kann man machen, warum nicht? Bemerkenswert ist allerdings, wie wenig Liebe hinter diesem Machwerk steckt. Nicht nur der Plot ist lieblos, auch die Dialoge, die (praktisch nicht vorhandene) Charakterisierung der Figuren und auch die kantige Animation: Das ist alles völlig kalt, es fühlt sich nicht so an, als würde es irgendeinem der Macher wirklich am Herzen liegen, Geschichten aus dem Star-Wars-Mythos zu erzählen. Kein Esprit, kein Humor, keine Ideen.
Nein, Clone Wars ist wohl genau das, wonach es aussieht: Ein aufwendig erstellter, halbstündiger Werbespot für das (natürlich bereits erhältliche) Spielzeug gleichen Namens. Für Prä-Teenager könnte die Serie womöglich ganz unterhaltsam sein, und vielleicht ist das auch wieder nur konsequent. George Lucas ist endlich wieder bei der Zielgruppe angelangt, die er mit seinem allerersten Star-Wars-Film ansprechen wollte: Kleine Jungs. Dass die kleinen Jungs von damals dachten, sie könnten auch mit dreißig oder vierzig noch gute neue Geschichten von Jedis und Wookies undsoweiter bekommen, war einfach nur ein Missverständnis.
Die Serie läuft Sonntags gegen 17:30 bei Pro Sieben,
Vielleicht mal im Fernsehen: Caótica Ana: Wow, ich habe den Trailer gesehen, ohne vorher irgendwas von dem Film zu wissen, und ich muss sagen, das macht mich erstmal sprachlos. Könnte allerdings sein, dass Julio Medem hier ein bisschen zu viel will. Langweilig ist dieser Mix aus Poesie, Esoterik, Surrealismus und Künstler-Story bestimmt nicht, eventuell aber anstrengend, überladen und wirr. Möglicherweise der sehenswerteste Film der Woche, vielleicht aber auch das Gegenteil.
It’s a Free World: Kapitalismuskritik von Ken Loach: Eine Frau aus der Arbeiterklasse gründet eine Arbeitsvermittlung und hat vor allem damit Erfolg, dass sie illegale EInwanderer ausbeutet. Die Filmkritiker spenden viel Lob.
Heinz und Fred: Heinz und Fred, das sind ein Vater und sein Sohn, die in ländlicher Umgebung im Harz leben und ihr Leben dem Basteln und Herumschrauben an allem widmen, was einen Motor hat und aus Blech ist. Sieht nach einer sehr warmherzigen und netten Doku aus.
How to Lose Friends & Alienate People (New York für Anfänger): Komödie mit Simon Pegg, Jeff Bridges und Kirsten Dunst, die auf den Memoiren von Toby Young basiert, einem Engländer, der nach New York ging und dort bei der Vanity Fair arbeitete. Wird manchmal als die “männliche Ausgabe” von The Devil Wears Prada beschrieben, scheint aber nicht besonders gelungen und vor allem viel zu zahm zu sein. Auf dem Tomatometer jedenfalls reichte es nur für 38%. Der deutsche Titel hat mal wieder eine kräftige Watschn verdient.
Der Weg nach Mekka — Die Reise des Muhammad Asad: Ein Portrait von Muhammad Asad, 1900 in Lemberg als Jude geboren und später in Wien lebend, der in den 20er Jahren zum Islam konvertierte und nach Indien ging. Eher Spurensuche als klassische Biographie - vermutlich nicht uninteressant.
Pazar - Bir Ticaret Masali (Pazar - Der Markt): Eine “tragische Handelskomödie” aus der Türkei, die eigentlich ziemlich symapthisch aussieht, in der aber leider auch viel gesungen wird, wie es scheint.
Muss nicht sein: Wonderful Town: Einer dieser Trailer, die um keinen Preis der Welt auch nur ein Fitzelchen davon verraten, worum es im Film eigentlich gehen soll. Damit auch direkt weiß: Kunst. Es handelt sich wohl um eine thailändische Liebesgeschichte, die kurz nach dem Tsunami von 2004 spielt.
Death Race: Jason Statham in einem Remake der alten Trashgranate mit dem schönen deutschen Titel Frankensteins Todesrennen. Regie führt Paul W.S. Anderson, der schon Heuler wie AVP, Resident Evil und Mortal Kombat fabriziert hat. Ein Fäuste-Waffen-und-Auto-Porno für heranwachsende Jungmänner, die sowas bestimmt endgeil finden.
Faubourg 36 (Paris, Paris - Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück): Mit Die Kinder des Monsieur Mathieu landete Christophe Barratier einen Hit beim gesetzten Arthouse-Publikum. Das freut sich vielleicht auch über seinen neuen Film, der die gute alte Zeit des Pariser Varietés beschwört und in dem auch gesungen und getanzt wird.
Ein kleines Nest unweit von London, unteres Mittelstands-Milieu. Eine junge Familie hat einen kleinen Sohn, der an einer schweren Krankheit leidet. Diese Krankheit zehrt nicht nur an den Nerven, sondern auch am Geldbeutel. Die letzte Rettung für den kleinen Ollie verspricht eine Behandlung in Australien, das kann sich die Familie aber nicht leisten. Ollies Großmutter Maggie, die schon ihr Häuschen viel zu billig verkauft hat, sucht in London nach einem Job, mit dem sie etwas Geld verdienen kann. Und eher aus Versehen landet sie dabei in einem Sex-Club, der gerade eine “Hostess” sucht, die mänlichen Kunden durch ein Loch in der Wand Erleichterung verschafft (”to wank men off”, wie der Clubbesitzer sagt).
Irina Palm von Sam Garbarski hätte ein sentimentales Rührstück um die Rettung eines armen kranken Jungen werden können, oder eine zotige “Spießer meets Sexindustrie”-Komödie. Der Film ist jedoch ganz anders, denn er konzentriert sich ganz auf seine Hauptfigur Maggie. Marianne Faithfull ist großartig als ältere verwitwete Dame, die ziemlich naiv im Sexgewerbe landet, aber trotz ihres inneren Widerwillens die Sache durchziehen will, denn es geht schließlich ums Geld. Wie sie nach anfänglichem Zögern versucht, das Beste aus ihrem (Hand-) Job zu machen und am Ende sogar ein kleines bisschen stolz darauf ist, das ist wunderbar und absolut glaubwürdig gespielt.
Der sehr ruhig erzählte Plot spielt sich auf zwei Ebenen ab: Zum einen ist da der fast märchenhafte Aufstieg von Maggie, deren unglaublich zarte Hände zur Attraktion von Soho werden, lange Warteschlangen inklusive. Unter dem Künstlernamen Irina Palm wird sie zu einer Art Rotlicht-Star. Gabarski erzählt diesen Handlungsfaden mit einem Augenzwinkern, das klarmacht, dass es hier nicht unbedingt um eine realistische Milieustudie geht. Die Rotlichtszene und ihre Figuren werden weder als skrupellose Ausbeuter und Kriminelle diffamiert, noch als geheimnisvoll-verruchter Sündenpfuhl voll schillernder Gestalten glorifiziert (beide Extreme sieht man z.B. gerne mal in deutschen Krimis). Hier ist ein Nachtclub ein vollkommen unglamouröser Ort, ein Arbeitsplatz, wo Dienstleistungen verrichtet werden, über die man nicht so gerne spricht.
Der andere Handlungsfaden zeigt Maggie zuhause in ihrem Vorort: Bei der langsam misstrauischen Bridge-Runde mit den Nachbarinnen, die sich ihr Leben längst als Rentnerinnen eingerichtet haben, und beim ebenso misstrauisch werdenden Sohn, der seiner Mutter hinterherschnüffelt, weil er wissen möchte, wo auf einmal all das Geld herkommt. Hier kommt es zum unvermeidlichen Konflikt, eine Stelle, an der der Film etwas zu sehr auf theatralisches Drama setzt. Ansonsten überwiegen zum Glück die kleinen Gesten, die beiläufig gespielten, aber wichtigen Details, der immer wieder eingesetzte leise Humor, der den Film sehr unterhaltsam macht, ohne dass direkt eine Komödie daraus wird. Schön ist auch, dass der Film zwar eine Art Happy End hat, dieses jedoch nicht triumphierend ausgespielt, sondern nur dezent angedeutet wird.
Die kleine, nette Geschichte wird aber erst so richtig sehenswert durch die Leistung von Marianne Faithfull, die hierfür ruhig ein paar Preise hätte bekommen dürfen. Beim Europäischen Filmpreis war sie zwar nominiert, musste sich aber Helen The Queen Mirren geschlagen geben.
Auf die DVD warten: The Strangers: Altmodischer Horrorfilm mit Liv Tyler, der das Genre weiß Gott nicht neu erfindet, mit etwas Glück aber ein solider Grusler sein könnte. Beim Fantasy Filmfest kam er ganz gut an. Noch besser soll aber der französische Ils sein, der hier wohl mehr oder weniger lose als Inspiration diente.
Body of Lies (Der Mann, der niemals lebte ): Der neue Ridley Scott, mit Leo Di Caprio und Russell Crowe. Ein Politthriller im “War on Terror”. Sieht an sich recht schick aus, die Kritiker sehen den Film eher skeptisch. Pöni zum Beispiel fand ihn nicht gut.
Vielleicht mal im Fernsehen: Novemberkind: Eine junge Frau (Anna-Maria Mühe) sucht nach ihrer totgeglaubten Mutter und arbeitet dabei sowohl ihre persönliche als auch deutsch-deutsche Vergangenheit auf. Wird vom Feuilleton gelobt, sieht aber, wie so viele deutsche Filme, mächtig spröde aus.
Palermo Shooting: Was an Wim Wenders eigentlich so toll sein soll, muss mir auch mal jemand erklären. In seinem neuen Film darf Hosen-Sänger Campino einen Fotografen spielen und Dennis Hopper den Tod.
Ich gehe jetzt rein: Aysun Bademsoy hat in den 90ern zwei Filme über ein türkisches Mädchenfußballteam in Berlin gemacht und besucht 10 Jahre später die Mädchen von damals wieder.
Muss nicht sein: Brideshead Revisited (Wiedersehen mit Brideshead): Britische Literaturverfilmung mit üppigen Bildern aus der Upper Class der 20er Jahre. Nicht meine Tasse Bier.
Baby Mama: Schwangerschaftskomödie über Leihmutterschaft. Für alle denen der (wirklich gute) Handlungsstrang zu diesem Thema bei Six Feet Under zu intellektuell war.
The Meerkats (Wächter der Wüste): Die niiiieedlichen Erdmännchen! Tolle Tieraufnahmen, die leider von einem Off-Kommentar zugetextet werden und eine menschelnde Pseudo-Story erzählen müssen, was schon bei der Reise der Pinguine ärgerlicherweise gut funktioniert hat.
Max Payne: Waffenporno mit Mark Wahlberg, die Verfilmung des sehr erfolgreichen Videospiels. Satte 18 % auf dem Tomatometer.
Comeback: Die Doku begleitet einen nicht mehr ganz jungen Boxer aus München beim Versuch eines Comebacks und kann nicht drauf verzichten, ihn beim Training in den USA eine gewisse berühmte Treppe hochjoggen zu lassen. Anyway, die andauernde Faszination des Kinos für den Boxsport wird mir auf ewig fremd bleiben.
Buddhistische Stille: Hat mal jemand mitgezählt, wie viele Filme es in den letzten Monaten gab, in denen der Dalai Lama zumindest am Rande auftauchte? Das wird langsam ein eigenes Genre.
Osmanli Cumhuriyeti (Die Osmanische Republik): Ziemlich alberne türkische Politsatire, die von der Frage ausgeht, was geschehen wäre, wenn Kemal Atatürk als Kind vom Baum gefallen wäre.
For 3 years you YouTubers have been ripping us off, taking tens of thousands of our videos and putting them on YouTube. Now the tables are turned. It’s time for us to take matters into our own hands.
[…]
No more of those crap quality videos you’ve been posting. We’re giving you the real thing - HQ videos delivered straight from our vault.
Ab sofort gibt’s Monty-Python-Clips mit dem offiziellen Segen des Hauses: The Monty Python Channel on YouTube. Natürlich nicht das komplette Oeuvre, sondern erst mal nur ein paar ausgesuchte Stücke. Bitte alle mitsingen:
Schon rein formal ist Waltz with Bashir etwas sehr außergewöhnliches: Ein Zeichentrickfilm, der mehr oder weniger dokumentarisch von wahren Begebenheiten berichtet, und zwar vom Krieg. Dokumentation und Kriegsfilm, beides nichts, was man mit einem Animationsfilm in Verbindung bringen würde. Und dann auch noch aus Israel.
Es geht um den Libanonkrieg im Jahr 1982, in dem die israelische Armee einen Teil des Libanon besetzte. Der im Titel walzertanzende Bashir ist Bashir Gemayel, der zu jener Zeit frisch gewählter Präsident des Libanon war, bis er wenige Tage vor Amtsantritt am 14.9.82 ermordet wurde. Zu Gemayels Getreuen gehörte die christliche Phalangiten-Miliz, die hinter dem Attentat die Palästinenser vermutete. Als eine Art Racheaktion marschierten Kämpfer der Miliz zwei Tage später in zwei palästinensische Flüchtlingslager in der Nähe von Beirut ein, wo sie ein brutales Massaker verübten, dem zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen. Von der israelischen Armee wurde diese Aktion geduldet, ihre Soldaten sahen zu ohne einzuschreiten, vielmehr soll Israel die Miliz unterstützt haben, z.B. durch Waffen und Material.
Es ist dieses Massaker, um das Waltz with Bashir kreist. Der Film ist quasi autobiographisch, denn Filmemacher Ari Folman war damals als junger israelischer Soldat beteiligt. Allerdings weiß er praktisch nichts mehr davon, sein Bewusstsein hat seine Erinnerungen an die Zeit systematisch verdrängt. Als ihm ein Freund von seinen Alpträumen erzählt, ist das für Folman der Auslöser, das Gespräch mit ehemaligen Kameraden und einem befreundeten Psychologen zu suchen und auf diese Weise seine Erinnerungslücken zu schließen.
Der Film beschreibt also Folmans Suche nach seiner eigenen Vergangenheit. Abwechselnd sehen wir die von ihm geführten Gespräche, Szenen, an die sich die Protagonisten erinnern, und auch surreale Traumsequenzen. Stück für Stück enthüllt der Film die Erinnerung an jenen Krieg, setzt Erinnerungsbausteine zusammen und steuert auf den grausamen Höhepunkt, das Massaker, zu. Die Zeichentrickbilder, die in ihrer zweidimensionalen Flachheit bisweilen an Flash-Animationen erinnern, erweisen sich schon nach wenigen Minuten als ideal geeignet, um den Inhalt zu transportieren. Auf der einen Seite wird so das Gezeigte abstrahiert, ermöglicht gerade dadurch aber erst die ungeschönte Darstellung des Kriegsgeschehens. Wären die gleichen Bilder als Realfilm auf der Leinwand, man würde sie kaum ertragen. Erst ganz am Ende, wenn Folman sozusagen alle Schichten, die seine Erinnerungen verdeckten, freigelegt hat, sieht man für einige Minuten Originalbilder aus einem der Flüchtlingslager.
Die Perspektive des Films ist eine ganz klar subjektive, auch wenn unterschiedliche Personen zu Wort kommen. Die gezeichneten Bilder machen unmissverständlich klar, dass es sich hier um persönliche Erinnerungen und nicht um eine absolute Wahrheit handelt. Es sind keine kühlen Nachrichtenbilder, sondern farbige Szenen, die durchaus nicht nur vom Schrecken des Krieges erzählen, sondern auch positive Erinnerungen an eine Jugendzeit in den 80ern enthalten. Dass diese Erinnerungen jedoch auf ein furchtbares, traumatisches, tatsächliches Ereignis hinauslaufen, zeigt sich spätestens in den Realbildern am Schluss. Selten sieht man Menschen so leise auf ihren Plätzen sitzen bleiben und schweigsam den Kinosaal verlassen.
Durch die ungewöhnliche Präsentationsform des Zeichentrickfilms, die nicht davor zurückscheut, ihre Zuschauer auch unterhalten zu wollen, eröffnet Folman seine Geschichte auch einem Publikum, das sie wahrscheinlich kaum wahrgenommen hätte, wenn er sie als gewöhnliche Doku gedreht hätte. Ein historisches Ereignis, von dem viele (mich eingeschlossen) nie etwas gehört haben, gelangt (wieder) ins öffentliche Bewusstsein. Außerdem erzählt der Film auch auf interessante Weise vom Verdrängen und vom Erinnern, vom Umgang mit Schuld und Verantwortung und, wie viele andere Filme über Krieg, von den seelischen Narben, die blutjunge Soldaten im Krieg davontragen.
Auf die DVD warten: Il y a longtemps que je t’aime (So viele Jahre liebe ich Dich): Puh, das sieht anstrengend und alles andere als spaßig aus, dürfte aber sehenswert sein: Kristin Scott Thomas als eine Frau, die nach vielen Jahren Gefängnis bei ihrer Schwester einzieht und einige dunkle Geheimnisse mit sich herumträgt. Vom Feuilleton schwer gelobt.
Vielleicht mal im Fernsehen: Im Winter ein Jahr: Der neue Film von Caroline Link mit interessanter Besetzung (Josef Bierbichler!). Bei mir hält sich jedoch die Lust auf “das Psychogramm einer komplexen Familie” (Selbstbeschreibung) in Grenzen.
Der Generalmanager oder How to sell a Tit Wonder: Doku über den Typen, der das Silkonungetüm Lolo Ferrari vermarktet hat und sich nach deren Tod ein neues Busenwunder suchen musste. Der Film mag als Einblick in die schmierige Welt der Boulevard-Erotik ganz interessant sein, gewinnt aber, wenn man den wenigen Rezensionen glaubt, zu wenig Abstand zu diesem Milieu und bedient letztlich den gleichen Voyeurismus wie seine Protagonisten.
Gargandi Snilld (Screaming Masterpiece): Ein Porträt der (Indie-) Popmusikszene von Island, mit ziemlich viel großartiger Musik. Hierzulande mit arger Verspätung in ein paar Kinos zu sehen. Der Film stammt aus dem Jahr 2005 und ist längst auf DVD zu haben.
Frohe Zukunft: Die Doku porträtiert mehrere Familien aus der Ex-DDR und zeigt, wie die Wende deren Leben verändert hat. Auch kein ganz neues Konzept. Dem Trailer nach zu urteilen ein sehr leiser, langsamer und trauriger Film.
Muss nicht sein: 33 sceny z zycia (33 Szenen aus dem Leben): Polnisch-deutscher Film mit Julia Jentsch in der Hauptrolle. Die Sorte von Film, in der immer besonders intensiv gelebt, also die ganze Zeit abwechselnd geliebt, gestritten, getrauert, geschrien, gelitten, getanzt, geschlagen und gefeiert wird. Wenn man sowas mag, bestimmt keine schlechte Wahl.
Egoïste - Lotti Latrous: Lotti Latrous stammt aus der Schweiz und lebt in den Slums von Abidjan (Elfenbeinküste), wo sie mehrere wohltätige Einrichtungen gegründet hat. Sicher sehr ehren- und bewundenswert, aber der pathetische Tonfall des Trailers und die Sprache auf der Website (”Die Liebe ihres Lebens, eine Liebe, die in ihrer Großzügigkeit und ihrem Respekt füreinander wohl einzigartig ist.”) geht mir trotzdem auf den Sack.
De Brief voor de Koning (Der Brief für den König): Jugendbuchverfilmung aus den Niederlanden, mit Rittern und Reitern, Schwertern und Schwüren, aber ohne Drachen, Zauberer und Elfen. Hätte mir also circa 10jähriger bestimmt gut gefallen.
Sounds of Fear: Very-Low-Budget-Produktion aus Deutschland, ein Thriller, der nach sehr billigen TV-Filmen aussieht. Irgendwie freut man sich ja immer, wenn es solche Selbstgemacht-Produktionen ins Kino schaffen. Wirklich gut ist das dann aber meistens nicht.
88 - Pilgern auf japanisch: Der deutsche Gerald Koll ist einen japanischen Pilgerweg gegangen und hatte eine Kamera dabei. Das wid die Esoterik-Freunde freuen: Das Sinnsucher-Trendthema Pilgern trifft das Sinnsucher-Trendthema Buddhismus.
The Accidental Husband (Zufällig verheiratet): RomCom vom Reißbrett, mit Uma Thurman und Colin Firth.
1968 Tunnel Rats: Der Mann, der schneller filmt als sein Schatten: Schon wieder ein Uwe-Boll-Film. Erstaunlich finde ich nur, dass die Filme tatsächlich alle ins Kino kommen. Diesmal dient kein Videospiel als Vorlage, dies ist vielmehr Bolls Version eines Vietnam-Kriegsfilms.
Mann, was bin ich froh, den nicht für teures Geld im Kino gesehen zu haben. Das Sequel zum keineswegs genialen, aber immerhin recht unterhaltsamen Fantastic Four ist ein überaus belangloses, extrem glattes Stück Popcornkino, dem man in jeder Minute anmerkt, dass es für eine Zielgruppe um die 10 Jahre geschrieben wurde und peinlich darauf bedacht ist, nur ja niemanden zu überfordern.
Die Digitalanimation des Silver Surfers ist gut gelungen, der Quecksilbertyp sieht ganz schick aus. Das war aber auch das einzige, wo man sich hier Mühe gegeben hat. Die Fantastischen Vier hampeln sich durch einen lieblos heruntergeschriebenen Plot, in dem ein bisschen geheiratet werden darf, der Silver Surfer die Welt bedroht, der wahre Fiesling aber eben dann doch wieder Dr. Doom ist. Ansonsten gibt es die aus Teil 1 bekannten Soap-Elemente, die zwar ganz nett, aber doch auch unendlich flach ausgefallen sind. Originelles, Überraschendes oder etwas, was auch nur ein klein bisschen an der Oberfläche kratzt, sucht man hier vergeblich.
Für den Comic-Geek bleibt hier immerhin der obligatorische Gastauftritt von Stan Lee, der diesmal keinen Gärtner, Pförtner oder Hausmeister spielt, sondern einfach Stan Lee. Dass sich die Macher entschieden haben, Galaktus, den Weltenverschlinger, nicht als konkrete Figur darzustellen, sondern als diffuses Wolkengebilde, ist einerseits verständlich (ein riesenhafter Typ mit einer quietschrosa Gieskanne auf dem Kopf würde ja doch irgendwie seltsam aussehen), andererseits ist es doch auch jammerschade. Ich geh mir jetzt nochmal den original Lee/Kirby-Comic um den Silver Surfer durchlesen, der macht deutlich mehr Spaß als dieser Film.
Die Sendung Durch die Nacht mit…, in der Arte regelmäßig zwei Kulturschaffende aufeinndertreffen und sie eine Nacht lang um die Häuser ziehen lässt, gehört immer wieder zu den Highlights des mit unseren Gebühren gemachten Fernsehens. Als ich dann davon hörte, dass eine Sendung mit der kruden Paarung Heinz Strunk (Großhumorist und Bestsellerautor) und H.P. Baxxter (König des Proll-Techno als Sänger von Scooter) ansteht, freute ich mich darauf wie ein Schnitzel.
Ich wurde nicht enttäuscht, die Sendung war prima. Weniger ein Feuerwerk an Gags und guter Laune, sondern voll von überraschend tief gehenden Einsichten in diese beiden grundverschiedenen Karrieren und ihr Verhältnis zum Erfolg.
Besonderes Schmankerl: Wenn Heinz Strunk im Scooter-Studio die Querflöte auspackt und mal eben einen auf einen Scooter-Loop improvisiert. Jethro Tull meets Großraumdisco, danke Arte!
Eine Wiederholung in der Glotze gibt es nochmal in der Nacht von Samstag, 15.11. auf Sonntag, 16.11. um 03.50. Man bekommt die Sendung aber auch eine Woche lang im Netz gestreamt. Entweder bei intro.de oder bei arte+7.
Im Kino sehen: Waltz with Bashir: Zeichentrickfilm aus Israel, der halb-autobiographisch und halb-dokumentarisch den Libanonkrieg im Jahr 1982 aufarbeitet. Ernsthaftes Animationskino für Erwachsene — da bin ich sehr drauf gespannt.
Auf die DVD warten: Rumba: Das hier sieht tatsächlich sehr hübsch aus, eine etwas andere Romantic Comedy aus Frankreich, die vor allem mit ihrem sehr artifiziellen, knallbunten Look ins Auge springt und viele Filmkritiker an Varieté und Kleinkunst erinnert hat.
Vielleicht mal im Fernsehen: Die Tränen meiner Mutter: Semi-autobiographischer Film über eine Familie, die in den 80ern aus Argentinien nach Berlin kommt. Irgendwo zwischen Sozialdrama, Coming-of-Age-Geschichte und nostalgischer Komödie angesiedelt.
Die Eylandt Recherche: Eine sogenannte Mystery-Doku, die irgendwie beweisen will, dass 2006 in halb Europa der Strom deshalb ausgefallen ist, weil in einem Duisburger Keller seit 60 Jahren eine Familie versteckt wurde. Ayman Abdallah, übernehmen sie? Eher nicht, denn das hier ist eine Mockumentary, die Schrott-Fomate wie Galileo Mystery auf den Arm nimmt. Ob diese Parodie gelungen ist? Hier ein Telepolis-Artikel dazu.
Gerdas Schweigen: Diese Doku basiert auf einem Buch von Knut Elstermann, das dieser über seine Tante Gerda geschrieben hat. Er kannte sie nur als die Tante aus Amerika. Über ihre Vergangenheit als Jüdin in Nazi-Deutschland hatte sie nie gesprochen, bis Knut sie darauf angesprochen hatte.
The Chaser: Cop-Thriller aus Korea, dessen US-Remake bereits angekündigt ist. Sieht nicht ganz schlecht aus.
Quantum of Solace (Ein Quantum Trost): Ein Quantum Gleichgültigkeit habe ich für James Bond, seit mir die Filme mit Pierce Brosnan die Freude daran nahmen. Ja klar, seit Daniel Craig ist alles anders, ich weiß schon. Aber frankly, my dears, I don’t give a damn.