Archive for November, 2008

TV-Tipp: Hamburg mit Heinzer und Scooter

Die Sendung Durch die Nacht mit…, in der Arte regelmäßig zwei Kulturschaffende aufeinndertreffen und sie eine Nacht lang um die Häuser ziehen lässt, gehört immer wieder zu den Highlights des mit unseren Gebühren gemachten Fernsehens. Als ich dann davon hörte, dass eine Sendung mit der kruden Paarung Heinz Strunk (Großhumorist und Bestsellerautor) und H.P. Baxxter (König des Proll-Techno als Sänger von Scooter) ansteht, freute ich mich darauf wie ein Schnitzel.

Ich wurde nicht enttäuscht, die Sendung war prima. Weniger ein Feuerwerk an Gags und guter Laune, sondern voll von überraschend tief gehenden Einsichten in diese beiden grundverschiedenen Karrieren und ihr Verhältnis zum Erfolg.

Besonderes Schmankerl: Wenn Heinz Strunk im Scooter-Studio die Querflöte auspackt und mal eben einen auf einen Scooter-Loop improvisiert. Jethro Tull meets Großraumdisco, danke Arte!

Eine Wiederholung in der Glotze gibt es nochmal in der Nacht von Samstag, 15.11. auf Sonntag, 16.11. um 03.50. Man bekommt die Sendung aber auch eine Woche lang im Netz gestreamt. Entweder bei intro.de oder bei arte+7.

Trailerschau für Filmstarts vom 6.11.

Im Kino sehen:
Waltz with Bashir: Zeichentrickfilm aus Israel, der halb-autobiographisch und halb-dokumentarisch den Libanonkrieg im Jahr 1982 aufarbeitet. Ernsthaftes Animationskino für Erwachsene — da bin ich sehr drauf gespannt.

Auf die DVD warten:
Rumba: Das hier sieht tatsächlich sehr hübsch aus, eine etwas andere Romantic Comedy aus Frankreich, die vor allem mit ihrem sehr artifiziellen, knallbunten Look ins Auge springt und viele Filmkritiker an Varieté und Kleinkunst erinnert hat.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Die Tränen meiner Mutter: Semi-autobiographischer Film über eine Familie, die in den 80ern aus Argentinien nach Berlin kommt. Irgendwo zwischen Sozialdrama, Coming-of-Age-Geschichte und nostalgischer Komödie angesiedelt.

Die Eylandt Recherche: Eine sogenannte Mystery-Doku, die irgendwie beweisen will, dass 2006 in halb Europa der Strom deshalb ausgefallen ist, weil in einem Duisburger Keller seit 60 Jahren eine Familie versteckt wurde. Ayman Abdallah, übernehmen sie? Eher nicht, denn das hier ist eine Mockumentary, die Schrott-Fomate wie Galileo Mystery auf den Arm nimmt. Ob diese Parodie gelungen ist? Hier ein Telepolis-Artikel dazu.

Gerdas Schweigen: Diese Doku basiert auf einem Buch von Knut Elstermann, das dieser über seine Tante Gerda geschrieben hat. Er kannte sie nur als die Tante aus Amerika. Über ihre Vergangenheit als Jüdin in Nazi-Deutschland hatte sie nie gesprochen, bis Knut sie darauf angesprochen hatte.

The Chaser: Cop-Thriller aus Korea, dessen US-Remake bereits angekündigt ist. Sieht nicht ganz schlecht aus.

Quantum of Solace (Ein Quantum Trost): Ein Quantum Gleichgültigkeit habe ich für James Bond, seit mir die Filme mit Pierce Brosnan die Freude daran nahmen. Ja klar, seit Daniel Craig ist alles anders, ich weiß schon. Aber frankly, my dears, I don’t give a damn.

Muss nicht sein:
Another Gay Sequel – Gays gone wild!: Tja. Warum sollten hirn- und humorlose Teenie-Sex-Komödien den Heteros vorbehalten sein?

Film-Quickies (2)

Kurze Worte zu fünf Filmen, die ich kürzlich gesehen habe.

Hotel von Jessica Hausner ist eine Art Arthouse-Thriller aus Österreich. Er erzählt von einem jungen Mädchen, das eine Ausbildung in einem einsam gelegenen Hotel anfängt und statt alpenländischer Gemütlichkeit eine unsagbare Kälte vorfindet. Handlung gibt es wenig, umso mehr wird Stimmung erzeugt, und zwar eine sehr unbehagliche. Mindestens so wichtig wie die Schauspieler sind auch die exquisit fotografierten Räume. Hotel erzeugt keinen Horror oder Grusel, sondern ein starkes Gefühl von Unbehagen und Beklemmung, bis hin zum Ende, das viele Fragen offen lässt. Kein leichter Film, aber ein guter.
 

Aaltra ist eine ganz und gar wunderbare, sarkastische Komödie aus Frankreich. Das Gespann Gustave de Kervern und Benoît Delépine fungiert als Autoren, Regisseure und Hauptdarsteller des kleinen, in schwarz-weiß gedrehten Roadmovies. Zwei Typen, beide namenlos, sind Nachbarn und hassen sich. Der eine ist Bauer, und bei einem Streit geraten beide unter einen Landmaschinen-Anhänger und sind anschließend gelähmt. Gemeinsam brechen die beiden in ihren Rollstühlen auf nach Finnland, wo sie sich Schmerzensgeld vom Hersteller des Anhängers, der Firma Aaltra holen wollen.

Ein großartiger, wortkarger, schwarzhumoriger Spaß, bei dem die Behinderten weder die bemitleidenswerten Underdogs noch die starken, edelmütigen “besseren Menschen” sind, sondern egoistische Arschlöcher wie du und ich. Super.
 

21 von Robert Luketic klingt auf dem Papier nach einem unterhaltsamen und spannenden Thema: Kevin Spacey gibt einen Matheprofessor, der mit seinen Studenten systematisch das Blackjack-Spielen übt und mit ihnen in Las Vegas absahnt — durch Zählen, nicht durch Betrügen, natürlich “based on a true story”. Leider ist das ganze sehr konventionell inszeniert und erzählt die Geschichte aus der Perspektive eines blassen Bübleins, der einem die ganze Zeit ziemlich egal bleibt.
 

Der neue Coen-Film ist sicher nicht der beste des Duos, aber allemal ein sehr gelungener und vergnüglicher. Ausnahmslos alle Figuren sind Idioten, und die Hollywoodstars nutzen diese Einladung zum gnadenlosen Chargieren, allen voran John Malkovich und Brad Pitt. Burn After Reading ist ein Film, in dem es ständig um ein riesengroßes Nichts geht, was im genialen Schlussdialog auch wunderbar auf den Punkt gebracht wird.
 

Ein wirklich toller Film, mit dem sich Pixar selbst übertroffen hat. Auch wenn’s langsam langweilt, der Animationsfilm-Oscar ist dem Studio mal wieder gewiss. Bisschen schade, dass Wall·E in der zweiten Hälfte weg vom wortlosen Endzeitszenario geht und in Richtung herkömmliche Familienunterhaltung driftet, trotzdem absolut sehenswert. Und jetzt warte ich auf den Tag, an dem man bei Pixar mal richtig mutig ist und sich traut, einen Film zu machen, bei dem die Kinder draußen bleiben müssen.