Geist ist geil

Kino 2008, rückblickend.

Mittwoch, 31.12.2008

Wie schon im Vorjahr und im Vorvorjahr: Ein Fragebogen, diesmal ergänzt um die Kategorie “Abspann des Jahres”.

Anzahl Kinobesuche 2008: 29. Exakt die gleiche Zahl wie im Jahr zuvor!

Den hätte ich gerne im Kino gesehen: Dr. Horrible’s Sing-Along Blog von Joss Whedon. Herrliches Filmchen, eigentlich viel zu schade für das kleine Fenster aufm PC.

Den hätte ich lieber nicht gesehen: Eine komplett ungenießbare Gurke blieb mir dieses Jahr erspart, so ziemlich am miesesten war wahrscheinlich doch Indy IV.

Quälendste Filmminute: Die abschließende Realfilm-Sequenz in Waltz With Bashir. Schluck.

Entzückendste Filmminute: Einige entzückende Minuten gab es in Be Kind, Rewind. Immer dann, wenn man die geschwedeten Filme sah. Entzückende Stellen hatten auch Wall-E, Hellboy II, Once, Sweeney Todd und O’Horten.

Freudigste Entdeckung: Juno. Indie kann auch Mainstream sein, das Publikum ist nicht zu blöd für smarte Dialoge. Bin gespannt, was wir von Diablo Cody noch zu sehen bekommen.

Abspann des Jahres: Tropic Thunder mit dem tanzenden Tom Cruise:

… übrigens kongenial imitiert neulich bei Switch Reloaded:

Die DVD-Veröffentlichung des Jahres: Nicht der ganz große Reißer, aber schön, dass es wieder da ist: Futurama mit Direct-to-DVD-Filmen.

Leider hierzulande ziemlich untergegangen: Son of Rambow. Wundervolle Liebeserklärung ans Filmemachen. Kam leider zwischen die Räder von Spätsommerwetter, Dark Knight und einer ungeschickten Vermarktung als Kinderfilm.

Überraschend gut: Iron Man. Mit der richtigen Mischung aus Augenzwinkern und Ernsthaftigkeit, getragen von einem grandiosen Haupt- und guten Nebendarstellern kann man aus einem Mittelklasse-Superhelden einen tollen Film machen. Neben Dark Knight der Actionfilm des Jahres.

Völlig überflüssig: Die Verfilmung von Fleisch ist mein Gemüse. TV-Ästhetik und ein blöder, aufgepfropfter Schluss. Schade.

Why the fucking Hype? All die Filme, die als quasi nationales Anliegen durch den Medienwald rauschen. Baader Meinhof und die Buddenbrooks, als nächstes dann Valkyrie.

Aus dem Film bin ich gegangen: Wie fast immer: aus keinem.

Aus dem Film hätte ich gehen sollen: Wie gesagt, im Kino hab ich keine totale Gurke gesehen. Der persönliche Shit-Sensor funktioniert.

Hier hätte ich gerne mitgewirkt: The Darjeeling Limited. In bunten Gewändern mit dem Zug durch Indien, stell ich mir ganz spaßig vor.

Knutschen würde ich gerne mit: Barcelona, äh nee, Cristina. Nein, eigentlich am liebsten mit Vicky.

Schönster Filmsatz: Der Schlussdialog in Burn After Reading:

CIA Superior: What did we learn, Palmer?
CIA Officer: I don’t know, sir.
CIA Superior: I don’t fuckin’ know either. I guess we learned not to do it again.
CIA Officer: Yes, sir.
CIA Superior: I’m fucked if I know what we did.
CIA Officer: Yes, sir, it’s, uh, hard to say
CIA Superior: Jesus Fucking Christ.

Liebste Filmkritik: Mark Kermode erklärt, warum Mamma Mia! so schlecht ist, dass er schon wieder gut ist:

Verfilmt werden sollte mal: Die Bartimaeus-Trilogie von Jonathan Stroud würde ich mir gerne im Kino ansehen. Aber vermutlich hat Hollywood (zu Recht) die Schnauze voll davon, immer wieder neue Fantasy-Franchises auszuprobieren, die in die Fußtapfen von LOTR und Harry P. treten sollen und kläglich scheitern.

Ich fürchte mich vor: Watchmen von Zack Snyder. Wird bestimmt schönes Augenfutter, wird der Comicvorlage aber niemals das Wasser reichen können. Es gibt einfach Dinge, die sollte man nicht verfilmen.

Ich freue mich auf: So einiges: zum Beispiel auf The Curious Case of Benjamin Button, Synecdoche, New York, Slumdog Millionaire, The Bruno Movie, Coraline und Monsters vs. Aliens

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Trailerschau für Filmstarts vom 25.12.

Donnerstag, 25.12.2008

Im Kino sehen:
Låt den rätte komma in (So finster die Nacht): Angenehm andersartiger Vampirfilm aus Schweden, der sich weniger auf blutige Schockeffekte als vielmehr auf die Psychologie seiner (minderjährigen) Hauptfiguren konzentriert. Lief beim Fantasy Filmfest und wurde dort von nicht wenigen als bester Film des Festivals gelobt. Für die Kinoauswertung gibt’s leider nur wenige Kopien (in München läuft der Film grade mal in einem Kino).

Australia: Großes Monumentalepos im Australien zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Normalerweise meide ich solche Filme, aber der hier ist von Baz Luhrmann! Der zwar immer scharf an der Grenze zum Kitsch entlangstreift, aber immer sehenswerte Filme abliefert.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Perl oder Pica (Kleine Geheimnisse): Luxemburgisch-österreichische(!) Koproduktion, die Verfilmung eines Romans über eine Jugend in den 60ern in Luxemburg. Sieht gar nicht übel aus.

Buddenbrooks: Opulent ausgestattete deutsche Großverfilmung eines deutschen Großromans. Wird mit großem Medien-Tamtam als Pflichtprogramm verkauft (Premiere in Anwesenheit des Bundespräsidenten), da klingeln die Hype-Alarmglocken. Vermutlich nicht viel mehr als ein aufgemotzter TV-Mehrteiler. Vielleicht doch lieber mal das Buch lesen.

Muss nicht sein:
Stella und der Stern des Orients: Deutscher Kinderfilm, der ein schön altmodisches Abenteuer erzählt. Sieht sehr sympathisch aus. Wer Kinder im richtigen Alter hat, sollte einen Blick riskieren.

Bedtime Stories: Buntes modernes Märchenspektakel für Kids, aus dem Hause Disney. Adam Sandler erzählt Kindern Geschichten, die kurz darauf wirklich geschehen.

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Im TV: The Apartment

Dienstag, 23.12.2008

Es gibt bei mir keinen “Lieblings-Weihnachtsfilm”, den ich mir Jahr für Jahr immer wieder ansehe. Dieser Klassiker jedoch, den ich erst kürzlich zum ersten Mal gesehen habe, hätte durchaus das Zeug dazu. Was vielleicht auch daran liegt, dass es in Billy Wilders The Apartment nicht um das Weihnachtsfest an sich geht — die Feiertage sind nur der zeitliche Hintergrund, vor dem sich das Geschehen abspielt.

Jack Lemmon ist C.C. Baxter, ein allein lebender Junggeselle, der in einer großen Versicherung arbeitet. Regelmäßig stellt er seinen Vorgesetzten sein Appartement zur Verfügung, damit diese dort Schäferstündchen mit ihren Geliebten abhalten können. Das verhilft ihm zum rasanten Aufstieg in der Firma, führt aber auch zu Frust: Dauernd ist seine Wohung belegt, die Nachbarn halten ihn für den unmoralischsten Sauhund der Stadt, und dann stellt er auch noch fest, dass das Liftgirl Fran (Shirley MacLaine), auf die er mehr als nur ein Auge geworfen hat, schon öfter zu Besuch im Appartement war. So auch am Weihnachtsabend, zusammen mit dem Personalchef. Weil der sich weigert, sich von seiner Ehefrau zu trennen, gibt es Streit und Fran bedient sich bei den Schlaftabletten, die sie in Dexters Badezimmer findet. Als Dexter spät nachts nach Hause kommt, findet er Fran in seinem Bett liegend, holt erste Hilfe und verbringt die Feiertage damit, das schöne Liftgirl gesund zu pflegen.

In The Apartment verbinden sich aufs Schönste Dialogwitz, dezenter Slapstick, satirische Gesellschaftskritik, ein bisschen Frivolität und eine große Portion Romantik. Der Film hat 1961 alle möglichen Preise abgesahnt und steht auch heute noch großartig da. Obwohl die Welt sich deutlich verändert hat (Wo gibt es heute noch Liftgirls?) funktioniert der Film als zeitloses komödiantisches Meisterwerk. Dass leitende Angestellte ihre Ehefrauen mit der hübschen Praktikantin betrügen, kennt man heute halt genauso wie vor bald 50 Jahren, ebenso wie unterwürfiges Verhalten von Angestellten gegenüber ihren Vorgesetzten und damit verbundene Abhängigkeits-Verhältnisse. Und Billy Wilder war eben ein Gott, was Präzision und Timing anging, außerdem hatte er eine formidable Besetzung an Bord. Hier stimmt jeder Handgriff und jeder Gesichtsausdruck. Dass der Film obendrein noch romantisch ist, macht ihn zu einem perfekten Weihnachtsfilm. Dem Spiegel war das damals etwas zuviel, in einer Rezension von 1960 heißt es:

… verwendete er auch gängige Rühreffekte in solchem Maße, daß die satirische Schärfe am Ende der überlangen Darbietung (Filmdauer 125 Minuten) aufgeweicht ist.

Und was guckt Ihr an Weihnachten?

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Im Kino: Vicky Cristina Barcelona

Montag, 22.12.2008

Vicky: Jung, gut aussehend, Amerikanerin. Kommt nach Barcelona, um dort für ihre Magisterarbeit (irgendwas über baskische katalanische Kultur) zu recherchieren. Ist verlobt, auf sie wartet eine solide, gutsituierte Ehe ohne große Überraschungen. Gespielt von Rebecca Hall, der Entdeckung des Films.

Cristina: Jung, gut aussehend, Amerikanerin. Vickys beste Freundin, begleitet sie auf dem Trip nach Spanien. Ohne feste Bindung — ihr Liebesleben ist eine emotionale Achterbahn . Weiß nicht was sie will, nur was sie nicht will. Gespielt von Scarlett Johansson.

Barcelona: Alt, gut aussehend, Hauptstadt des Baskenlandes von Katalonien, spanische Vorzeigestadt, Tourismusziel. Das spanische Fremdenverkehrsamt taucht im Abspann auf, hat den Film also wohl finanziell gefördert. Außerdem der Titel eines Songs von Giulia y Los Tellarini, der an sich ganz nett ist, den Woody Allen aber extrem überstrapaziert. Kommt vier- bis fünfmal im Film vor, und im Abspann natürlich gleich nochmal.

Juan Antonio: Nicht mehr ganz jung, gut aussehend. Vor allem weil Javier Bardem jetzt eine andere Frisur trägt als in No Country for Old Men. Künstler, Charmeur, Verführer. Lädt Vicky und Cristina spontan auf ein gemeinsames Wochenende ein, als er sie im Restaurant sitzen sieht.

Maria Elena: Sieht jünger aus als sie ist, natürlich auch gut aussehend. Ex-Frau von Juan Antonio. Extrem launisch, hätte sowohl sich als auch ihren Ex-Mann schon mehrfach beinahe umgebracht. Ebenfalls Künstlerin.

Vicky Cristina Barcelona: Der (je nach Zählweise) 43. Film von Woody Allen, ein sehr leichter, swingender Film ohne tiefschürfende Bedeutung. Mit dem amourösen Viereck aus Vicky und Cristina, dem Maler und seiner Frau erzählt Allen vor allem vom Kontrast zwischen dem unkonventionellen Leben der künstlerischen Bohème und dem gediegenen, wohlhabenden aber langweiligen und von Selbstbetrug geprägten Lifestyle der oberen Mittelschicht. Vicky ist die Figur, die zwischen diesen beiden Lebensentwürfen steht, sich eigentlich schon entschieden hat, nun aber befürchtet, vielleicht den Fehler ihres Lebens zu begehen. Und ist damit auch mit Abstand der interessanteste Charakter des Films.

Das alles ist ganz hübsch und kurzweilig anzusehen, auch wenn das ständige Voice-Over des Erzählers aus dem Off schnell nervt. Die Handlung plätschert gut gelaunt vor sich hin und es gibt ein paar kleine, nicht zu heftige Twists. Aber irgendwas fehlt. Ist VCB nun ein Drama? Dafür ist es zu oberflächlich, und zu klischeebeladen. Ist es eine Komödie? Soll es vermutlich sein, aber ich habe die ganze Zeit gewartet, dass der Film mal komisch wird. Am komischsten ist noch Penelope Cruz als unberechenbare Furie Maria Elena, aber sonst? Es gibt weder smarte, witzige Dialoge noch eine geschickte Brechung der stereotypen Figuren. Dieser Film ist kein großer Sommerurlaub, eher ein Sonntagnachmittags-Ausflug: Angenehm und entspannt, aber schnell abgehakt und vergessen.

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Trailerschau für Filmstarts vom 18.12.

Donnerstag, 18.12.2008

Im Kino sehen:
O’Horten: Neues vom norwegischen Regisseur Bent Hamer, der vor ein paar Jahren den bezaubernden Kitchen Stories gemacht hat. Diesmal erzählt er von einem Lokführer der nach langer Dienstzeit in Rente geht. Skurille Käuze aus Skandinavien, sowas mag ich. Eignet sich bestimmt gut für einen gemütlichen Kinoabend “zwischen den Jahren”.

Auf die DVD warten:
Lakeview Terrace: Böser Nachbar (Samuel L. Jackson) hat was gegen das neu zugezogene Pärchen (sie ist Schwarze, er ist Weißer) und will sie loswerden. Klingt nach einem Standard-Thriller-Plot, gewinnt aber zusätzlichen Reiz durch das Spiel mit Rassen- und Rassismus-Klischees.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Little Paris: Der Pressetext klingt ganz fürchterlich:

Luna träumt vom Tanzen und wird dafür den größten Schritt ihres Lebens machen müssen. […] Als der geheimnisvolle Tänzer G auftaucht, bringt er mit seinen erotischen Vibes und Moves Bewegung in das Leben der kleinen Stadt. […] Gemeinsam beginnen sie für ein Casting im PINK PALACE, einer Großraumdisco, zu trainieren. Gewinn: Die Teilnahme bei einem Dance Contest in Berlin mit Aussicht auf ein Engagement in einem Musikvideo.

Der Look des Trailers ist dann aber doch ganz anders und lässt hoffen, dass es sich hier nicht um ein Rührstück für junge Mädchen handelt. Es ist wohl eher die “Kleines Fernsehspiel”-Variante davon.

Muss nicht sein:
Un Secret (Ein Geheimnis): Französische Romanverfilmung über ein Einzelkind, das sich einen imaginären Bruder erfunden hat und später feststellt, dass es tatsächlich einen Bruder hatte. Der starb, wie seine Mutter, im KZ. So entspinnt sich nach und nach eine tragische Liebesgeschichte im Holocaust. Drama mit Anspruch, von den Kritikern überwiegend gelobt. Nix für mich, aber wer sowas mag, ist hier sicher ganz gut bedient.

Fly Me to the Moon 3D: Computeranimationsfilm aus Belgien: Drei Stubenfliegen als blinde Passagiere bei der Apollo-11-Mondmission. Im Kino ausschließlich in 3D zu sehen. Und in der 3D-Optik dürfte auch der stärkste Reiz des Films liegen, der ansonsten wohl eher ein harmloses Späßchen für Kids ist.

Wild Child: Teeniefilm, das zum x-ten Male das bewährte Fish-out-of-water-Prinzip bemüht: Verzogenes reiches amerikanisches Töchterchen treibt es zu bunt und muss zur Strafe in ein englisches Internat. Verzichtet angenehmerweise auf allzu platten Pubertätshumor, originell ist trotzdem was anderes.

1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde: Mit großer Sicherheit vollkommen unterirdischer Kasperle-Film mit Til Schweiger und ganz vielen sogenannten Promis. Fürchterlich.



Wie filmsüchtig bist du?

Mittwoch, 17.12.2008

Ein kleiner Fragebogen, der abgleicht, wieviele Filme der Top-250-Liste der IMDB man schon gesehen hat. Ich kratze grade mal am 50%-Wert:

Das Ergebnis würde aber besser für mich ausfallen, wenn ich alle Filme mitzählen würde, die noch ungesehen auf DVD (und z.T. sogar auf VHS) in der Wohnung stehen. Es gibt noch einiges zu tun …

(Das merkwürdige ist ja, dass man beim Anklicken ständig denkt: wow, was ich alles gesehen habe, da komm ich ja locker auf 70%, das Ergebnis ist dann aber doch ganz anders …)

(via F5)

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Trailerschau für Filmstarts vom 11.12.

Donnerstag, 11.12.2008

Auf die DVD warten:
Transsiberian: Thriller von Brad Anderson (The Machinist), der die meiste Zeit im Zug spielt und recht spannend zu sein scheint. Muss aber nicht unbedingt im Kino sein, glaub ich.

The Day the Earth Stood Still (Der Tag, an dem die Erde stillstand): Vom Original aus dem Jahr 1951 weiß ich nur, dass Michael Rennie an dem Tag krank war. Jetzt also das Remake mit Keanu Reeves. Scheint ein rechter Scheiß geworden zu sein: Das Tomatometer kommt auf satte 15 Prozent.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Inkheart (Tintenherz): Der deutsche Bestseller von Cornelia Funke, mit reichlich Special Effects verfilmt von Hollywood. Ich hatte das erste Buch gelesen, war aber nicht so begeistert, dass ich scharf auf die Fortsetzung gewesen wäre. Meine ohnehin nicht allzu große Vorfreude auf den Film wurde gekillt, als ich las, dass dem Film nach den Test-Screenings noch ein sonnigeres Ende aufgepropft wurde.

La Zona: “Sozial engagierter Genrefilm” (film-dienst) aus Mexiko. Die titelgebende “Zone” steht für ein Reichenviertel, das von der Armut drumherum sorgfältig abgeriegelt ist.

Muss nicht sein:
In jeder Sekunde: Regiedebüt von Jan Fehse, bisher v.a. als Kameramann aktiv. Sieht (mal wieder) nach einem überambitionierten deutschen Drama aus, dass vor lauter schweren Schicksalen und großen Gefühlen kaum gehen kann.

The Women (The Women - Von großen und kleinen Affären): Noch ein eher missglücktes Remake — das Original von George Cukor stammt aus dem Jahr 1939. Bisschen viel Östrogen für meinen Geschmack. Dieser Film schreit irrsinnig laut “Ich bin ein Frauenfilm!” und wird als solcher bestimmt auch ein Kassenerfolg.

Dream Boy: Romanverfilmung um eine schwule Jugendliebe in den amerikanischen Südstaaten. Lief auf der Berlinale, wo Rajko “eine ungemein abgestandene, einfallslose und beliebige Coming Out- Geschichte, die unübersehbar im Fahrwasser von Brokeback Mountain nach Luft schnappt” sah.

Rab Ne Bana Di Jodi: Bollywood! 3 Stunden singen, tanzen und heiraten mit Shah Rukh Khan. Wer’s mag.

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Weihnachtsmusik für Notfälle

Mittwoch, 10.12.2008

Wie angekündigt, wird heute auf Münchner Blogs gewichtelt. In diesem Rahmen erscheinen auf allen teilnehmenden Blogs Gastbeiträge zum Thema (Vor-) Weihnachtszeit in München. Initiiert und ausgelost wurde die Wichtelei von Markus vom Isarstadt-Blog. Ich freue mich sehr, dass aus diesem Anlass die Kaltmamsell bei mir zu Gast ist, deren Blog Vorspeisenplatte seit langem zu meinen Lieblingsblogs gehört und von Anfang an hier auf der Blogroll stand. Hier ist ihr Beitrag:

Musik und Weihnachten: ein heikles Thema. Wer, wie ich, in der Münchner Innenstadt wohnt, hat spätestens ab Mitte Dezember bei jedem Einkaufsgang klebrige Gehörgänge - Overkill an “White Christmas”, “Let it snow” und “Parampampampam”. Und doch lege ich mir am 24. Dezember Weihnachtsmusik auf, allerdings eine, die ich garantiert weder beim Karstadt noch auf dem Christkindlsmarkt am Sendlinger Tor gehört habe: den Soundtrack von The Muppet Christmas Carol.

Das Weihnachtsfest 1992, als der Film in die Kinos kam, verbrachte ich nämlich in den USA. Ich besuchte einen Freund, der ein Studienjahr in Dayton, Ohio, verbrachte, und fuhr mit ihm und zwei seiner Komilitonen über Weihnachten und Silvester spazieren über die Seen und Chicago, Toronto und New York. Auf jeder Meile umgab uns brutalstmögliche US-amerikanische Weihnachtsatmosphäre, angefangen mit buntblinkender Deko an Eigenheimen bis hin zum singenden Bing Crosby in jedem Diner.

Am 24. Dezember waren wir gerade im ausgesprochen wenig erwähnenswerten Buffalo, New York. Wir suchten uns ein Kino, in dem The Muppet Christmas Carol gezeigt wurde und setzten uns in die überhaupt letzte Vorführung des Tages gegen 15 Uhr. Der Zuschauerraum war fast leer; außer uns saßen darin noch zwei vermutliche Väter mit ihren Kindern. Wir amüsierten uns sehr, was zwar auch an der Mitwirkung von Michael Caine als Scrooge gelegen haben mag, aber durchaus an der Herzerfrischung durch den Film (na gut, man sollte die Muppets mögen).

Anschließend holten wir uns in einem 24-Stunden-Laden Bier sowie ungesunde Leckereien und fuhren in unser Motel. Dort packte ich meine Weihnachtsgeschenke aus, genauer: Die Polaroids, die meine findige Mutter davon aufgenommen und mir mitgegeben hatte.


(Aufs Bild klicken für größere Version)

Anschließend legte sich der Freund mit Bier in die Badewanne, und ich sah, wie es sich für mein Amerikabild gehörte, im Fernsehen It’s a wonderful life an.

Hier mein Lieblingsweihnachtslied aus The Muppet Christmas Carol, kitsch as kitsch can: “It feels like Christmas” (eigentliches Lied beginnt bei 1:55).

Lustiger ist natürlich “Here comes Mr. Scrooge“.

(Auch im CD-Spieler an Weihnachten: Soundtracks von Danny Elfman, angefangen mit Edward Scissorhands, noch lang nicht endend bei Nightmare before Christmas - seine Musik klingt immer ein bisschen weihnachtlich.)

 
 
Meinen Beitrag zum Thema könnt ihr auf dem Tivoli-Blog von Dorin Popa lesen.



Live: Die große Olli Schulz Show

Dienstag, 09.12.2008

Es war eine Art Preview-Abend mit einer umfassenden Vorschau auf das, was man 2009 von Olli Schulz hören und sehen wird. “Die große Olli Schulz Show” überraschte erstmal mit einem ungewöhnlichen Setting: Das Backstage-Werk mit Graben und martialischen Absperrgittern vor der Bühne, darunter dann aber ein vollständig bestuhlter Raum. Schulz versuchte diesen Widerspruch damit aufzulösen, dass er einen Fresskorb herumreichte, aus dem sich jeder Zuschauer ein Teil nehmen durfte (der bei mir aber leider nicht mehr ankam).

Der erste Teil des Abends (und vermutlich der Grund für die Bestuhlung) war eine knapp halbstündige Lesung, in der Schulz ein Kapitel aus seinem in Kürze erscheinenden Buch Rock’n'Roll verzeiht Dir nichts zum Besten gab. Darin erzählt er autobiografisch aus seinen Jahren als Roadie, Stagehand und Türsteher. Der Stoff, der ihm seit Jahren als reicher Anekdotenschatz für seine legendär launigen Bühnenansagen dient, wird nun also zum Buch verdichtet. Ein guter Vorleser ist Olli Schulz zwar nicht, aber ein toller Geschichtenerzähler. Die Kostprobe aus dem Buch (featuring Edo Zanki) machte jedenfalls Lust darauf.

Zwischen den Leseabschnitten gab es Musik, und zwar von Home of the Lame. Felix Gebhardt, bärtiger Singer-Songwriter aus dem Grand-Hotel-van Cleef-Stall und mit einer wunderbar sonoren Gesangsstimme gesegnet, spielte mit seiner Band ein paar Lieder aus dem letzten Album. Und weil die Band, mit der Olli Schulz zuletzt unterwegs war (einschließlich dem Hund Marie) zur Zeit teilweise unter dem Namen “Tomte” auf Tour ist, wird eben Home of the Lame zur neuen Liveband von Olli Schulz. Im zweiten Teil des Abends wechselte Schulz also wieder vom Vorleser zum Sänger. Und abermals gab es einen Ausblick auf 2009: Mit einer Ausnahme spielte er nämlich ausschließlich Songs vom noch nicht veröffentllichten vierten Album,

Zu erwarten hat man da die mittlerweile Schulz-typische Mischung aus ernsthaften und nachdenklichen Texten, gepaart mit Humor und Nonsens. A propos Nonsens: 2009 wird auch das Jahr sein, in dem Olli Schulz die Charts, Skihütten und Großraumdiscos erobern wird! “Mach den Bibo, mach das UFO, mach den Grobi” ist die Schulz’sche Verson von Animations-Wahnsinn auf der Tanzfläche. Wird bestimmt ganz groß. München ist jedenfalls bereits infiziert.



Am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt den ganzen Plunder

Montag, 08.12.2008

Es dürfte der seltsamste Brief sein, der seit langem in meinem Briefkasten lag. “An alle Münchnerinnen und Münchner” war er adressiert, Absender: der Abfallwirtschaftsbetrieb München. Was ist so wichtig, dass man es schriftlich an alle Einwohner verbreiten muss? Das Verbot der Trinkgeldannahme für Müllmänner! Genau, Müllmänner dürfen ab sofort kein Trinkgeld mehr annehmen. Begründet wird das mit der notwendigen Gleichstellung mit anderen Beschäftigten (z.B. auf Wertstoffhöfen) die auch kein Trinkgeld nehmen dürfen. Außerdem soll das Verbot zu dienen, “jeden Anschein von Vorteilsnahme schon im Vorfeld abzuwehren”. Korruptionsbekämpfung also, und Korruption scheint nirgendwo schwerwiegender zu sein als ausgerechnet bei der Müllabfuhr.

Mit der Gründlichkeit, die dem Öffentlichen Dienst zueigen ist, wird dann noch aufgezählt, was erlaubt ist (Getränke und Lebensmittel bis 15 Euro) und was nicht (Lose und Telefonkarten). Die Herren in Orange sind also in Zukunft unbestechlich, da bin ich ja wirklich froh. Und dürfen diese Briefe bei der nächsten Tour in tausendfacher Ausführung wieder mitnehmen, wenn sie die blauen Tonnen leeren.

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