Im Kino: Vicky Cristina Barcelona

Vicky: Jung, gut aussehend, Amerikanerin. Kommt nach Barcelona, um dort für ihre Magisterarbeit (irgendwas über baskische katalanische Kultur) zu recherchieren. Ist verlobt, auf sie wartet eine solide, gutsituierte Ehe ohne große Überraschungen. Gespielt von Rebecca Hall, der Entdeckung des Films.

Cristina: Jung, gut aussehend, Amerikanerin. Vickys beste Freundin, begleitet sie auf dem Trip nach Spanien. Ohne feste Bindung — ihr Liebesleben ist eine emotionale Achterbahn . Weiß nicht was sie will, nur was sie nicht will. Gespielt von Scarlett Johansson.

Barcelona: Alt, gut aussehend, Hauptstadt des Baskenlandes von Katalonien, spanische Vorzeigestadt, Tourismusziel. Das spanische Fremdenverkehrsamt taucht im Abspann auf, hat den Film also wohl finanziell gefördert. Außerdem der Titel eines Songs von Giulia y Los Tellarini, der an sich ganz nett ist, den Woody Allen aber extrem überstrapaziert. Kommt vier- bis fünfmal im Film vor, und im Abspann natürlich gleich nochmal.

Juan Antonio: Nicht mehr ganz jung, gut aussehend. Vor allem weil Javier Bardem jetzt eine andere Frisur trägt als in No Country for Old Men. Künstler, Charmeur, Verführer. Lädt Vicky und Cristina spontan auf ein gemeinsames Wochenende ein, als er sie im Restaurant sitzen sieht.

Maria Elena: Sieht jünger aus als sie ist, natürlich auch gut aussehend. Ex-Frau von Juan Antonio. Extrem launisch, hätte sowohl sich als auch ihren Ex-Mann schon mehrfach beinahe umgebracht. Ebenfalls Künstlerin.

Vicky Cristina Barcelona: Der (je nach Zählweise) 43. Film von Woody Allen, ein sehr leichter, swingender Film ohne tiefschürfende Bedeutung. Mit dem amourösen Viereck aus Vicky und Cristina, dem Maler und seiner Frau erzählt Allen vor allem vom Kontrast zwischen dem unkonventionellen Leben der künstlerischen Bohème und dem gediegenen, wohlhabenden aber langweiligen und von Selbstbetrug geprägten Lifestyle der oberen Mittelschicht. Vicky ist die Figur, die zwischen diesen beiden Lebensentwürfen steht, sich eigentlich schon entschieden hat, nun aber befürchtet, vielleicht den Fehler ihres Lebens zu begehen. Und ist damit auch mit Abstand der interessanteste Charakter des Films.

Das alles ist ganz hübsch und kurzweilig anzusehen, auch wenn das ständige Voice-Over des Erzählers aus dem Off schnell nervt. Die Handlung plätschert gut gelaunt vor sich hin und es gibt ein paar kleine, nicht zu heftige Twists. Aber irgendwas fehlt. Ist VCB nun ein Drama? Dafür ist es zu oberflächlich, und zu klischeebeladen. Ist es eine Komödie? Soll es vermutlich sein, aber ich habe die ganze Zeit gewartet, dass der Film mal komisch wird. Am komischsten ist noch Penelope Cruz als unberechenbare Furie Maria Elena, aber sonst? Es gibt weder smarte, witzige Dialoge noch eine geschickte Brechung der stereotypen Figuren. Dieser Film ist kein großer Sommerurlaub, eher ein Sonntagnachmittags-Ausflug: Angenehm und entspannt, aber schnell abgehakt und vergessen.

 

3 Gedanken zu „Im Kino: Vicky Cristina Barcelona

  1. Barcelona – Hauptstadt des Baskenlandes??

    Die Katalanen werden diesen Eintrag lieben!

  2. … auch, dass sie ihre Magisterarbeit über _katalanisch Literatur_ und nicht über _baskische Kultur_ schreibt… hehe :-) Vorsicht sonst gibt’s noch Ärger mit der ETA ;-)
    Der Film war jedenfalls mal wieder der Hammer, zumal ich auch einfach absoluter Fan von Scarlett Johansson bin. Hab direkt n Flug gebucht und mir meinen Faltplan ausgedruckt: http://skylines.at/skylines/84/index.php

Kommentare sind geschlossen.