Im TV: The Apartment

Es gibt bei mir keinen „Lieblings-Weihnachtsfilm“, den ich mir Jahr für Jahr immer wieder ansehe. Dieser Klassiker jedoch, den ich erst kürzlich zum ersten Mal gesehen habe, hätte durchaus das Zeug dazu. Was vielleicht auch daran liegt, dass es in Billy Wilders The Apartment nicht um das Weihnachtsfest an sich geht — die Feiertage sind nur der zeitliche Hintergrund, vor dem sich das Geschehen abspielt.

Jack Lemmon ist C.C. Baxter, ein allein lebender Junggeselle, der in einer großen Versicherung arbeitet. Regelmäßig stellt er seinen Vorgesetzten sein Appartement zur Verfügung, damit diese dort Schäferstündchen mit ihren Geliebten abhalten können. Das verhilft ihm zum rasanten Aufstieg in der Firma, führt aber auch zu Frust: Dauernd ist seine Wohung belegt, die Nachbarn halten ihn für den unmoralischsten Sauhund der Stadt, und dann stellt er auch noch fest, dass das Liftgirl Fran (Shirley MacLaine), auf die er mehr als nur ein Auge geworfen hat, schon öfter zu Besuch im Appartement war. So auch am Weihnachtsabend, zusammen mit dem Personalchef. Weil der sich weigert, sich von seiner Ehefrau zu trennen, gibt es Streit und Fran bedient sich bei den Schlaftabletten, die sie in Dexters Badezimmer findet. Als Dexter spät nachts nach Hause kommt, findet er Fran in seinem Bett liegend, holt erste Hilfe und verbringt die Feiertage damit, das schöne Liftgirl gesund zu pflegen.

In The Apartment verbinden sich aufs Schönste Dialogwitz, dezenter Slapstick, satirische Gesellschaftskritik, ein bisschen Frivolität und eine große Portion Romantik. Der Film hat 1961 alle möglichen Preise abgesahnt und steht auch heute noch großartig da. Obwohl die Welt sich deutlich verändert hat (Wo gibt es heute noch Liftgirls?) funktioniert der Film als zeitloses komödiantisches Meisterwerk. Dass leitende Angestellte ihre Ehefrauen mit der hübschen Praktikantin betrügen, kennt man heute halt genauso wie vor bald 50 Jahren, ebenso wie unterwürfiges Verhalten von Angestellten gegenüber ihren Vorgesetzten und damit verbundene Abhängigkeits-Verhältnisse. Und Billy Wilder war eben ein Gott, was Präzision und Timing anging, außerdem hatte er eine formidable Besetzung an Bord. Hier stimmt jeder Handgriff und jeder Gesichtsausdruck. Dass der Film obendrein noch romantisch ist, macht ihn zu einem perfekten Weihnachtsfilm. Dem Spiegel war das damals etwas zuviel, in einer Rezension von 1960 heißt es:

… verwendete er auch gängige Rühreffekte in solchem Maße, daß die satirische Schärfe am Ende der überlangen Darbietung (Filmdauer 125 Minuten) aufgeweicht ist.

Und was guckt Ihr an Weihnachten?

 

2 Gedanken zu „Im TV: The Apartment

  1. Mein Lieblingsweihnachtsfilm ist Michael Curtiz‘ Komödie „Wir sind keine Engel“, mit Humphrey Bogart, Peter Ustinov und Aldo Ray als Sträflinge, die an Weihnachten aus dem Gefängnis ausbrechen und einer Familie ein ganz besonderes Fest bereiten. Ohne den ist das Fest nur halb so schön und die Dialoge sind einfach herrlich.

  2. Ungefähr alle drei Jahre gucke ich in der Weihnachtszeit den wunderbaren Film „The Bishop’s Wife“ (dt. „Jede Frau braucht einen Engel“, USA 1947, Regie Henry Koster), mit Cary Grant in einer seiner besten Rollen, als Engel Dudley. Freue mich schon auf Weihnachten 2009! Ach ja: Auf keinen Fall aus Versehen die unsägliche Neuverfilmung mit Whitney Houston ausleihen!

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