Im Kino: O’Horten

O’Horten heißt eigentlich Odd Horten. Was der Vorname auf norwegisch bedeutet, weiß ich nicht, aber die englische Bedeutung passt auch ganz gut. Odd ist ein leicht verschrobener Einzelgänger, lebt allein, schweigt lieber, als ständig zu reden. Von Beruf ist er ist Lokführer und tritt mit 67 Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand an. Die Kollegen mochten ihn, und richten ein kleines Abschiedsfest für ihn aus. Danach hat er noch einen einzigen Diensttag und an dem kommt er zum ersten Mal in seinem Berufsleben zu spät und verpasst seinen eigenen Zug.

Und ab dann lässt Odd Horten sein Leben ein bisschen schleifen. Nicht dass er nur noch rumgammeln würde. Er nutzt die neue Freiheit als Rentner, um sich einfach mal in die Welt zu stellen und zu schauen, was das Leben so mit ihm vorhat. Und er lernt, dass man ganz spannende Dinge erleben kann, wenn man sie nur geschehen lässt.

O’Horten ist ein wunderbar lässiger, angenehmer Film, der in aller Ruhe erzählt: Kein großes Drama, dass von wichtigen Schicksalen berichtet, sondern eine Sammlung von kleinen, lakonischen Szenen. Wir sehen Horten zu, wie er sich treiben lässt und dadurch ein Stückchen glücklicher wird, und wir werden es auch. Regisseur Bent Hamer, der auch den ebenso schönen Kitchen Stories gemacht hat, lässt sehr oft die Bilder sprechen, mit Dialogen wird gerne gespart. O’Horten ist durchdrungen von einer sanften Komik, einem ständigen Augenzwinkern. Hier gibt es keine Gags für große Lacher, sondern viele kleine komische Einfälle: eher Dauerschmunzeln als Schenkelklopfen. Und trotzdem ist nicht alles „Happy-Go-Lucky“ in Hortens Leben. Manchmal erinnert die Stimmung an Kaurismäki-Filme, allerdings ist hier die Laune besser, die Grundstimmung heller und die Depression einen Schritt weiter weg.

Es gibt einige herrliche Szenen im Film, wunderbar skurille Situationen, die v.a. dadurch so komisch werden, dass Horten (gepielt von Baard Owe) die Situation als ganz normal und völlig selbstverständlich annimmt. Als er versehentlich in der Sauna einschläft und erst aufwacht, wenn schon alle weg sind und das Licht aus ist, nutzt er die Gelegenheit für eine einsame Runde im Schwimmbad. Als er merkt, dass er doch nicht ganz allein ist, dann geht er eben auf Tauchstation. Und als dann auch noch seine Schuhe weg sind: auch egal, nimmt er halt die roten Damenstiefel, die noch rumstehen. Es ist diese sehr pragmatische und entspannte Art, mit den Dingen umzugehen, die mir diesen Horten so sympathisch gemacht hat. Und damit auch den Film.

 

2 Gedanken zu „Im Kino: O’Horten

  1. Habe den Film gerade gesehen – ist wirklich sehr sehenwert und Odd Horten ist definitiv ein beachtlicher Charakter… manchmal fanden wir’s aber zu absurd – der Penner/Diplomat, der gar kein Diplomat war sondern nur der Bruder eines Diplomaten z. B…

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