Im TV: Zidane, un portrait du 21e siècle (Zidane, ein Porträt im 21. Jahrhundert)

Ich mag Fußball, ich halte Zidedine Zidane für einen großen Fußballer, ich mag Filme und ich mag die Musik von Mogwai. Beste Voraussetzungen also, auch diesen Film toll zu finden. Hat bei mir aber leider nicht funktioniert. Zidane, un portrait du 21e siècle von Douglas Gordon und Philippe Parreno ist ein filmisches Experiment. Der Weltstar mit der Tonsur wurde bei einem Spiel der spanischen Liga in der Saison 04/05 von 17 Kameras 90 Minuten lang beobachtet. Der Film zeigt mit wenigen Ausnahmen praktisch ausschließlich Zinedine Zidane in Echtzeit: Beim Laufen, beim Schießen, beim Einfach-mal-nebenher-traben. Ab und zu gibt’s Großaufnahmen vom Gesicht oder von den Füßen. Zu hören ist hauptsächlich Original-Stadionton, gelegentlich auch Musik, die von Mogwai extra für den Film eingespielt wurde. Dazu gibt’s dann noch eingeblendete Zitate des Spielers. Könnte eine interessante, faszinierende Studie sein.

Letztlich zeigt der Film aber nur, dass es schon gut und richtig ist, dass man beim Verfolgen eines Fußballspiels vor allem dem Ball folgt und ansonsten versucht, die Mannschaften zu beobachten und weniger einen einzelnen Spieler. Fußball ist eben ein Teamsport. Zidane ist eine ehrenwerte Hommage an einen der ganz Großen seiner Zunft, aber zu experimentell, um wirklich in voller Länge auf dem Sofa genossen zu werden (der Film wurde kürzlich bei Arte ausgestrahlt). Würde wunderbar als Videoinstallation in ein Museum, eine Ausstellung oder meinetwegen auch in einen Real-Madrid-Fanshop passen, aber zum Komplett-Zuhause-Ansehen fehlte mir die Geduld. Per Vorspul-Taste bin ich noch zur Halbzeitpause gekommen, die die Regisseure mit diversen Bildern füllen, von allen möglichen wichtigen und unwichtigen Ereignissen, die zur gleichen Zeit auf dem Globus stattfanden: eine schöne Metapher für die Bedeutung eines einzelnen Fußballspiels. Kurz danach habe ich dann aufgegeben und abgeschaltet, und damit den Moment verpasst, der vielleicht den Höhepunkt des Films darstellt: kurz vor Schluss wurde Zidane nämlich vom Platz gestellt.