Trailerschau für Filmstarts vom 22.1.

Eine gute Woche mit reichlich Auswahl:

Im Kino sehen:
Man on Wire: Die viel umjubelte Doku über einen französischen Hochseilartisten, der 1974 auf einem Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Center spazierte — natürlich illegal. Das Tomatometer kommt auf volle 100 Prozent. Muss unglaublich faszinierend, spannend und unterhaltsam sein. Reingehen!

Changeling (Der fremde Sohn): Oscar-Anwärter: Der neue Clint Eastwood! Leider mit Angelina Jolie, aber so schlimm wird sie schon nicht sein. Sie spielt eine Mutter, deren Sohn verschwindet. Die Polizei gibt ihr kurzerhand einen Ersatzsohn und sagt, das sei der richtige. Tatsächlich geschehen, in Los Angeles 1928. Das Drehbuch stammt übrigens vom Babylon 5-Erfinder und Teilzeit-Comicautor J. Michael Straczynski.

Auf die DVD warten:
Valkyrie (Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat): Der Film, über den sich schon fleißig empört wurde, bevor er überhaupt gedreht war. Nun ist Tom Cruise also endlich da, als Hitler-Attentäter mit Augenklappe. Der Medienbuhei drumrum löst einen natürlichen Abwehrreflex aus, trotzdem dürfte das ein interessanter Film sein, als das was er ist: ein spannender Thriller aus Hollywood. Regie führt immerhin Bryan Singer, Vater der Üblichen Verdächtigen, Schöpfer der guten X-Men-Filme und des schlechten Superman-Films. Rückt wegen des starken Alternativ-Programms in die DVD-Reihe.

Bolt (Bolt – Ein Hund für alle Fälle): Eigentlich auch ein Fall für „Im Kino sehen“, denn dort gibt’s ihn (teilweise) in 3D. Der dritte CGI-Animationsfilm aus den Disney Studios und der erste, seit sie sich mit Pixar den Kreativdirektor John Lasseter teilen. Wie üblich gibt’s im Original Hollywood-Stars (John Travolta und Pop-Starlet Miley Cyrus) und bei uns irgendeine Ansammlung von Comedians als Synchronsprecher.

Vielleicht mal im Fernsehen:
W: Kommt unter Umgehung der üblichen Verwertungskette direkt ins Free-TV. Oliver Stones Satire über die soeben beendete Amtszeit von George W. Bush — dürfte durchaus sehenswert sein. Am Freitag, 22:25 Uhr bei Pro Sieben. Werbefrei und mit Originaltonspur auch als DVD zu haben.

Lulu und Jimi: Eins kann man Oskar Roehler nicht vorwerfen: dass er ein einmal bewährtes Strickmuster immer weiter verfolgt. Nach dem fast überall gelobten Agnes und seine Brüder und dem fast überall verrissenen Elementarteilchen kommt ein buntes, absichtlich künstliches, überdrehtes Gute-Laune-Filmchen über die Liebe eines Mädchens zu einem schwarzen Jungen in den 50ern. Möglicherweise eine deutsche Filmkomödie für Leute, die keine deutschen Filmkomödien mögen.

Muss nicht sein:
Pride and Glory (Das Gesetz der Ehre): Standard-Thrillerkost, die einfach nur gewöhnlich aussieht. Es geht um eine Familie, in der fast alle Männer Cops sind. Immerhin mit Edward Norton und Colin Farrell in den Hauptrollen, aber wohl nicht besonders gelungen. Der Produktionsgeschichte nach zu urteilen, war der Film eine sehr schwere Geburt.

Sof Shavua B’Tel Aviv (Alles für meinen Vater): Deutsch-israelische Koproduktion über einen palästinensischen Selbstmordattentäter, dessen Anschlag misslingt, worauf er sich plötzlich in eine Jüdin verliebt. Klingt als Plot absolut furchtbar, scheint aber nicht ganz so schlimm geworden zu sein, wie man befürchten könnte — zumindest soll auch Humor drinsein. Verrissen wird der Film nicht, aber richtig überzeugt sind die meisten Kritiker auch nicht.

Das Morphus-Geheimnis: Deutscher Kinderfilm, in dem es irgendwie um Beethoven und gestohlene Noten geht und dessen Trailer einen extrem tranigen Eindruck macht, als wäre der Film schon 20 oder 30 Jahre alt. Da werden die Kleinen bestimmt Bolt links liegen lassen und alle hier reinstürmen. Lobenswert immerhin, dass man sich bei der Betitelung noch daran erinnert hat, dass es im Deutschen einen Bindestrich gibt. Ist ja ansonsten leider sehr aus der Mode gekommen (siehe weiter oben bei Valkyrie).

Destere: Türkische Filmparodie, die das Folterporno-Genre auf die Schippe nehmen möchte. Destere ist übrigens türkisch für Säge. Wer türkisch versteht, findet im Netz vielleicht auch mehr Infos als diesen einen Satz.

 

Ein Gedanke zu „Trailerschau für Filmstarts vom 22.1.

  1. Hab letztes WE „Valkyrie“ angeschaut; bin mit niedrigen Erwartungen rein und war positiv überrascht. Ich hatte mich vorher wenig mit Stauffenberg und dem Attentat befasst; das Wissen beschränkte sich auf: „Stauffenberg und Leute um ihn herum haben versucht Hitler zu töten und das ist gescheitert. Daraufhin wurden diese Leute im Bendlerblock in Berlin erschossen.“
    Aus dem Film ganz schön hervor, was um dieses Attentat herum von der Widerstandsgruppe organisiert werden musste; nämlich der (zu erwartende) Staatsstreich plus Machtübernahme. Das war alles andere als einfach und kommt im Film ganz gut raus. Ob das natürlich im Film historisch alles top einwandfrei haltbar und superduper recherchiert ist, kann ich nicht bewerten.

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