“Bist du ein Vampir?”
“Ja.”
“Bist du … alt?”
“Ich bin zwölf. Aber ich bin schon sehr lange zwölf.”

(Dialog sehr ungenau aus dem Gedächtnis zitiert)

Ein Vorort von Schweden, mitten im Winter, späte 70er oder frühe 80er Jahre, es ist düster und verschneit, die Welt sieht nicht besonders fröhlich aus hier. Oskar, 12 Jahre alt, lebt mit seiner Mutter in einer trostlosen Wohnsiedlung, und er hat’s verdammt schwer in der Schule. Denn die Bullies haben es auf ihn abgesehen. Oskar ist der Prügelknabe, der ständig gehänselt und getriezt wird. Wehren kann er sich nur in seiner Fantasie. Wenn er allein ist, stellt er sich vor, wie er sich mit einem Messer an seinen Peinigern rächen würde.

Oskars Leben ändert sich, als nebenan neue Nachbarn einziehen. Ein gleichaltriges Mädchen namens Eli und ein älterer Herr. Sie sind ein bisschen seltsam, die Fenster sind verrammelt, und Eli riecht auch ein bisschen komisch. Aber die beiden mögen sich, sie verstehen sich und schließen Freundschaft.

Gleichzeitig passieren im Ort seltsame Dinge, seit Eli eingezogen ist. Es gibt Tote und Vermisste. Denn Eli ist ein Vampir, ihr älterer Mitbewohner dient ihr als Blutbeschaffer, denn sie selbst will weder Menschen töten noch andere Menschen mit ihrem Biss zu Vampiren machen. All dies wird nicht lang und breit erklärt, es wird einfach gezeigt, und Regisseur Tomas Alfredson setzt voraus, dass der Zuschauer die gängigen Vampir-”Fakten” kennt: (z.B. dass Sonnenlicht tabu ist). Oskar bemerkt die Tatsache, dass Eli ein Vampir ist, erst später — aber geahnt hat er es wohl schon länger, denn als der oben zitierte Dialog stattfindet, reagiert er sehr ruhig und gefasst.

Låt den rätte komma in ist ein Vampirfilm, aber eigentlich kein Horrorfilm. Wer Hochspannung, Action und Gore erwartet, wird wohl enttäuscht sein, denn er bekommt dies zwar, allerdings nur in sehr kleinen Dosen. Vielmehr ist So finster die Nacht ein Coming-of-Age-Film, ein Jugenddrama, das von der Zeit erzählt, in der man kein Kind mehr, aber auch noch kein richtiger Teenager ist. Und das gelingt ihm hervorragend. Die eigentliche Hauptfigur ist nicht der Vampir Eli, sondern Oskar, der schmächtige Bub ohne Selbstbewusstsein, der durch die Freundschaft mit diesem eigenartigen Mädchen endlich einen Weg sieht, aus seinem frustrierenden Schulalltag herauszukommen.

All das ist sehr ruhig inszeniert, meistens langsam und bedächtig, doch immer wieder unterbrochen von kurzen, aber umso wirksameren Ausbrüchen, in denen es auch mal ganz schön blutig werden kann. Alfredson braucht nicht viele Worte, er lässt im richtigen Moment die Bilder sprechen und findet faszinierende Kameraeinstellungen. Schön ist auch, dass der Film trotz seines ernsthaften Grundtons auch immer wieder Humor durchscheinen lässt. Die jungen Hauptdarsteller spielen sehr zurückgenommen und überzeugen in ihren Rollen voll und ganz. Und hinter der puren Handlung schwingen zahlreiche Zwischentöne, die einem genügend Stoff geben um noch lange nach dem Abspann über den Film zu sinnieren oder zu diskutieren.

Ein wirklich toller Film, der leider — ganz im Gegensatz zum thematisch verwandten, aber viel seichteren Twilight — nur mit sehr wenigen Kopien und ohne großen Medienhype in die Kinos kam. Es ist leider zu erwarten, dass in ein paar Jahren ein verwässertes US-Remake erscheint, dass dann von viel mehr Menschen gesehen wird als das Original. Noch aber ist der Film in ausgewählten Kinos zu sehen, und wer die Chance hat, sollte sie sich nicht entgehen lassen.