Archive for Januar, 2009

Trailerschau für Filmstarts vom 15.1.

Im Kino sehen:
Entre les murs (Die Klasse): Der französische Lehrer François Bégaudeau hat ein Buch geschrieben, in dem er über seine Erfahrungen in einer Schule mit hohem Migrantenanteil berichtet. In der Verfilmung spielt er nun sich selbst. Die Schüler werden von “echten” Kids ohne Schauspielerfahrung gespielt, die Kamera bleibt hauptsächlich im Klassenzimmer, wie schon der Originaltitel verrät. Viel Authentizität also, die diesen Spielfilm nah an eine Dokumentation rückt. Wird allerorten sehr gelobt und gewann 2008 die Goldene Palme in Cannes.

Auf die DVD warten:
Revolutionary Road (Zeiten des Aufruhrs): Oscar-Anwärter! Sam Mendes verfilmt den Roman von Richard Yates und bringt das Titanic-Paar Kate Winslet und Leonardo DiCaprio wieder zusammen. Entsprechend läuft der Film in vielen Multiplexen. Mal sehen, was deren Publikum sagt, wenn es keine große Lovestory sieht, sondern ein Drama, das ohne Happy End von der Hölle der amerikanischen Suburbs erzählt.

Vielleicht mal im Fernsehen:
The Boss of It All (Direktøren for det hele): Der neue Film von Lars von Trier: Eine Komödie! Ein Firmenchef, der seinen Mitarbeitern jahrelang erzählt hatte, es gebe noch einen Boss über ihm, muss diesen irgendwann präsentieren, und heuert dafür einen Schauspieler an. Der Film soll recht boshaft geraten sein — so boshaft, dass von Trier vergessen hat, komisch zu sein (meint jedenfalls Tobias Kniebe in der SZ). Ekkehard Knörer dagegen ist begeistert.

Chandni Chowk to China: “Bollywood meets Kung Fu Hustle” prahlt der Verleih Rapid Eye Movies. Das klingt ja so schlecht nicht. Andererseits — die Ravioli mit Weißwurstfüllung, die’s neulich in der Kantine gab, klangen auch gut, schmeckten dann aber allenfalls “interessant”.

Twilight (Twilight – Biss zum Morgengrauen): Die Verfilmung des Bestsellers von Stephenie Meyer ist nicht nur in den Staaten der Teenager-Hype der Stunde. Vor allem die Mädels lieben die romantische Vampirgeschichte. Nebenbei vermittelt der Film wohl ein ziemlich prüdes Weltbild, weil es darum geht, jederzeit jeglichem Verlangen zu widerstehen. In (leider viel weniger) Kinos läuft derzeit die viel bessere Alternative: So finster die Nacht (mein Review dazu folgt in den nächsten Tagen).

Muss nicht sein:
The World Unseen (Die verborgene Welt): “Oberflächliche Dramaturgie und recht hölzerne Charaktere” gibt’s laut film-dienst in diesem südafrikanischen Drama um Apartheid und Frauenrechte, bei dem die Autorin Shamim Sarif ihren eigenen Roman gleich selbst verfilmt hat. Läuft deutschlandweit in genau vier Kinos an.

Saw V: Folterporn, die x-te. Will das echt noch jemand sehen?

Seytanin Pabucu (Teufelswerk): Türkischer Klamauk, der Charleys Tante mit Ladykillers kreuzt.

Im Kino: O’Horten

O’Horten heißt eigentlich Odd Horten. Was der Vorname auf norwegisch bedeutet, weiß ich nicht, aber die englische Bedeutung passt auch ganz gut. Odd ist ein leicht verschrobener Einzelgänger, lebt allein, schweigt lieber, als ständig zu reden. Von Beruf ist er ist Lokführer und tritt mit 67 Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand an. Die Kollegen mochten ihn, und richten ein kleines Abschiedsfest für ihn aus. Danach hat er noch einen einzigen Diensttag und an dem kommt er zum ersten Mal in seinem Berufsleben zu spät und verpasst seinen eigenen Zug.

Und ab dann lässt Odd Horten sein Leben ein bisschen schleifen. Nicht dass er nur noch rumgammeln würde. Er nutzt die neue Freiheit als Rentner, um sich einfach mal in die Welt zu stellen und zu schauen, was das Leben so mit ihm vorhat. Und er lernt, dass man ganz spannende Dinge erleben kann, wenn man sie nur geschehen lässt.

O’Horten ist ein wunderbar lässiger, angenehmer Film, der in aller Ruhe erzählt: Kein großes Drama, dass von wichtigen Schicksalen berichtet, sondern eine Sammlung von kleinen, lakonischen Szenen. Wir sehen Horten zu, wie er sich treiben lässt und dadurch ein Stückchen glücklicher wird, und wir werden es auch. Regisseur Bent Hamer, der auch den ebenso schönen Kitchen Stories gemacht hat, lässt sehr oft die Bilder sprechen, mit Dialogen wird gerne gespart. O’Horten ist durchdrungen von einer sanften Komik, einem ständigen Augenzwinkern. Hier gibt es keine Gags für große Lacher, sondern viele kleine komische Einfälle: eher Dauerschmunzeln als Schenkelklopfen. Und trotzdem ist nicht alles “Happy-Go-Lucky” in Hortens Leben. Manchmal erinnert die Stimmung an Kaurismäki-Filme, allerdings ist hier die Laune besser, die Grundstimmung heller und die Depression einen Schritt weiter weg.

Es gibt einige herrliche Szenen im Film, wunderbar skurille Situationen, die v.a. dadurch so komisch werden, dass Horten (gepielt von Baard Owe) die Situation als ganz normal und völlig selbstverständlich annimmt. Als er versehentlich in der Sauna einschläft und erst aufwacht, wenn schon alle weg sind und das Licht aus ist, nutzt er die Gelegenheit für eine einsame Runde im Schwimmbad. Als er merkt, dass er doch nicht ganz allein ist, dann geht er eben auf Tauchstation. Und als dann auch noch seine Schuhe weg sind: auch egal, nimmt er halt die roten Damenstiefel, die noch rumstehen. Es ist diese sehr pragmatische und entspannte Art, mit den Dingen umzugehen, die mir diesen Horten so sympathisch gemacht hat. Und damit auch den Film.

Letzte Woche gelernt (2)

  • Walt Disney war ein wahrer Großmeister des Verwurstens. Und hat in allen möglichen Bereichen der Kunstgeschichte geklaut sich inspirieren lassen. Die empfehlenswerte Ausstellung “Walt Disneys wunderbare Welt”, die das sehr anschaulich zeigt, läuft noch bis 25.1. in der Hypo-Kunsthalle.
  • ‘s gibt nix, was es net gibt! Die Far side Reenactments-Gruppe bei flickr stellt Cartoons von Gary Larson nach. Danke, Popkultur, du bist super.
  • Nagel bloggt! Oliver Nagel, Titanic-Redakteur und Co-Autor der “Humorkritik” befasst sich auf britcoms.de kenntnisreich mit Humor von der Insel. Well done, chap.
  • Ingwer ist gut für die Stimme. Das hat Josef Hader von Sting gelernt, wie er im SZ-Interview erzählt:

    SZ: Wofür ist denn der ganze Ingwer, der da auf dem Tisch liegt?
     
    Hader: Für die Stimme. Das hab’ ich vom Sting. Ein Konzertveranstalter in Lienz bekam vom Sting eine 20-seitige Cateringliste. Ganz zum Schluss stand: frischer Ingwer. Er dachte, das zum Schluss wird nicht so wichtig sein und hat getrockneten Ingwer besorgt. Da erklärte der Manager von Sting: Wir sagen den Auftritt ab! Der Veranstalter musste die ganzen 180 Kilometer von Lienz nach Innsbruck, um frischen Ingwer zu holen.

  • Trailerschau für Filmstarts vom 8.1.

    Auf die DVD warten:
    Warten auf Angelina: Die Angelina, auf die hier gewartet wird, ist tatsächlich die Jolie. Es geht um zwei Typen, die sich in einer Berliner Wohnung einnisten und darauf warten, dass Frau Jolie und Herr Pitt demnächst in der Nachbarschaft einziehen. Sehr sympathisches kleines Spaßprojekt, das Hans-Christoph Blumenberg (der zuletzt den ZDF-Flop Kanzleramt gemacht hatte), an den üblichen Mechanismen der Filmförderung vorbei, mal eben auf DV heruntergedreht hat. Könnte eine positive Überraschung sein.

    Vielleicht mal im Fernsehen:
    Die Perlmutterfarbe: Das neueste Projekt vom bayerischen Vielfilmer Marcus H. Rosenmüller (sein sechster Film in zweieinhalb Jahren). Verfilmung eines Romans von Anna Maria Jokl aus dem Jahr 1937, der den schönen Untertitel “Ein Kinderroman für fast alle Leute” trägt, wie üblich überwiegend auf bairisch gedreht. Hauptzielgruppe dürften hier eher Kinder und Eltern sein, aber ich sag mal so: Ein Film, in dem Josef Hader mitspielt, kann nicht ganz schlecht sein.

    Alter und Schönheit: Vier Männer um die 50 (alle von prominenten deutschen Schauspielern verkörpert) und eine Frau, die vor langer Zeit gute Freunde waren, treffen sich wieder, als einer von ihnen im Sterben liegt. Wenn meine Generation diejenige ist, die nicht aus der Adoleszenz rauskommt, ist das hier die Generation, die nicht aus der Midlife-Crisis rauskommt. Gut möglich, dass es ganz vergnüglich ist, ihnen dabei zuzusehen.

    Jerichow: Christian Petzold: Liebling des Feuilletons, mit Kritikerpreisen überhäuft. Ich kenne aber kaum jemanden, der seine Filme schaut, und ich gebe zu, ich hab auch erst einen gesehen. Sein neuer Film basiert lose auf The Postman Always Rings Twice und versetzt die Handlung in einen kleinen ostdeutschen Ort der Gegenwart. Anspruchsvolles Kino für Freunde der Berliner Schule.

    Tau ming chong (The Warlords): Hongkong-Schlachtenepos mit Jet Li, das ausnahmsweise mal nicht im Mittlelalter, sondern erst 1870 spielt. Dem Trailer nach ein bisschen zu überladen mit Heroismus und so.

    Muss nicht sein:
    Seven Pounds (Sieben Leben): Der neue Film mit Will Smith, der ja neuerdings der Welt-Kassenmagnet Nr. 1 ist (was ich überhaupt nicht verstehen kann). Smith spielt einen Mann, der sieben Menschenleben auf dem Gewissen hat und das wiedergutmachen will, indem er für sieben andere Menschen Gutes tut. Also irgendwie das Prinzip von My Name is Earl in unlustig, bierernst und hochmoralisch.

    Transporter 3: Ein Action-Franchise, das wohl solide genug läuft, um ein weiteres Sequel aufzulegen. Solange es den Beteiligten Spaß macht und dem Publikum schmeckt, hab ich da kein Problem mit. Interessieren tut’s mich allerdings nicht die Bohne.

    Letzte Woche gelernt

  • Louis Braille war erst 16, als er die Blindenschrift erfand. Seine Erfindung wurde gestern 200 Jahre alt.
  • Man kann aus H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos einen wirklich verdammt witzigen Comic erschaffen.
  • Oliver Kalkofe sitzt undercover im Bezirkstag von Mittelfranken. (via)
  • Das DVD-Label Turbine hat die deutschen Rechte an Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre und versucht seitdem, eine vernünftige Freigabe für den immer noch indizierten Film zu bekommen. Wie das von statten geht, erklärt Turbinist Christian Bartsch in einem aufschlussreichen Podcast zusammen mit Zensur-Experte Roland Seim.
  • Bei den Programmplanern der ARD ist wirklich komplett Hopfen und Malz verloren. Da hat man einen der besten und schönsten Zeichentrickfilme der letzten Jahre und zeigt ihn wann? Nicht zur Primetime, wie Super RTL es machen würde, nicht am Sonntag Nachmittag, wo viele Kinder zusehen könnten. Nein, Das wandelnde Schloss von Hayao Miyazaki läuft in der Nacht zum Donnerstag um 00:35 Uhr. (Bei der Erstausstrahlung am Ostermontag ’08 war’s auch nicht viel besser: Da lief der Film um 8 Uhr morgens.)
  • Es gibt Nachrichten-Websites, die auf sinnvolle Weise multimedialen Content anbieten, jenseits der Klickstrecke. Zum Beispiel die New York Times, die hier ein schönes kleines Feature zur Plakatkampagne von Frank Millers (wohl ziemlich vermurksten) Spirit-Films anbietet. Das ist inhaltlich nicht weit weg von üblichem DVD-Bonus-Material, ist aber ein interessanter formaler Ansatz, den man in vielen Bereichen anwenden könnte. (via)

  • Trailerschau für Filmstarts vom 1.1.

    Vielleicht mal im Fernsehen:
    Righteous Kill (Kurzer Prozess – Righteous Kill): Hurra hurra, jubelt die Werbung, Robert De Niro und Al Pacino in einem Film! Und diesmal sogar so richtig gemeinsam, nicht nur für ein paar Minuten wie in Heat. Leider scheint dieser gemeinsame Film ein ziemlich misslungenes Serienkiller-Machwerk geworden zu sein.

    Zhan. gu (Die Reise des chinesischen Trommlers): Ein Mix aus Hongkong-Gangster-Film und Ostasien-Esoterik: Der Sohn eines Triadenbosses (gespielt vom Sohn von Jackie Chan) schlägt über die Stränge und wird in die Berge Taiwans verbannt, wo er auf eine Gruppe von Zen-Trommlern trifft. Kann mir nicht vorstellen, dass das gut zusammenpasst.

    Fighter (Fightgirl Ayse): Dänischer FIlm über ein türkisches Mädchen, dass Kung Fu lernt und dies natürlich heimlich tun muss, weil die Eltern das nicht gutheißen. Hat immerhin schonmal ein paar schicke Martial-Arts-Szenen zu bieten.

    Muss nicht sein:
    Sagan (Bonjour Sagan): Französisches Biopic über die Autorin Francoise Sagan, die 18jährig mit ihrem Roman Bonjour Tristesse zu Weltruhm kam. Gespielt wird sie von Sylvie Testud, die wir noch aus Jenseits der Stille kennen und die hier ganz viele verschiedene Frisuren (oder Perücken) spazieren tragen darf.