Archive for März, 2009

Mit seinem Debüt-Langfilm Wer früher stirbt, ist länger tot gelang Marcus Hausham Rosenmüller auf Anhieb der Durchbruch, zumindest im süddeutschen Raum. Mit diesem und den folgenden Filmen (u.a. Beste Zeit und Beste Gegend) schaffte “Rosi” das Kunststück, sowohl beim Mainstream als auch beim etwas anspruchsvolleren Publikum anzukommen. Seine Filme sind zugänglich und unterhaltsam, aber nicht blöd. Und das ist im Kino keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht, wenn es um bayerische Produktionen geht.
Rosenmüller ist Oberbayer, behandelt bayerische Themen und lässt seine Figuren ganz selbstverständlich im Dialekt sprechen. Das ist auch beim Räuber Kneißl der Fall, mit dem sich Rosenmüller ins Genre des Historienfilms begibt. Mathias Kneißl (1875-1902) aus der Gegend von Dachau wurde als Räuber bekannt und galt schon zu Lebzeiten als Volksheld. Sein kurzes Leben, das unter der Guillotine endete, wurde in etlichen Büchern, Filmen und Theaterstücken verarbeitet.
Schon als Jugendlicher bekommt es Mathias mit der Polizei zu tun. Die Gendarmen verfolgen seinen Vater wegen Wilderei und ihn und seine Brüder wegen Schulschwänzens. Spätestens als sein Vater bei einer Polizeiaktion stirbt, sind die Sympathien klar verteilt: Die Obrigkeit auf der einen und der rebellische junge Kneißl auf der anderen Seite. Bald schon landen Kneißl und sein Bruder im Zuchthaus. Der Bruder stirbt dort, Mathias wird nach sieben Jahren entlassen. Nach diesem Prolog beginnt der Film seine Haupthandlung: Das Wiedersehen mit der Familie und vor allem mit Mathilde, die er schon als kleines Mädchen kannte. Die beiden verlieben sich auf der Stelle und schmieden Zukunftspläne: Mathias will auf ehrliche Weise Geld verdienen, bis die beiden sich eine Überfahrt nach Amerika leisten können. Doch das mit der ehrlichen Arbeit ist nicht so einfach, bald schon kommt Kneißl wieder vom Pfad der Tugend ab, begeht mehrfach Raub, einmal stirbt ein Polizist. Spätestens jetzt wird er regelrecht verfolgt, bis ihn die Staatsgewalt dann doch erwischt.
Als Zentrum für seinen Film wählt Marcus Rosenmüller die Liebesgeschichte zwischen Mathias und Mathilde. Diese wirkt dank der exzellenten Hauptdarsteller Maximilian Brückner und Brigitte Hobmeier niemals künstlich und aufgesetzt, nicht kitschig oder sentimental, sondern ehrlich und bodenständig. Das gilt eigentlich für den ganzen Film: er achtet sehr darauf, niemals in die bayerische Heimatfilmfalle zu tappen. Dirndl und Lederhosen sind ebenso tabu wie kracherte Volksmusik und ländliche Dorfidylle. Kostüme und Ausstattung verzichten auf bayerisch-katholische Pracht, vermitteln vielmehr das ärmliche Leben auf dem Land. So manches an Räuber Kneißl erinnert mehr an Western als an Heimatfilme; die Geschichte vom Outlaw ebenso wie der ein oder andere Shootout, die Musik, das Filmplakat. Dazu gibt es eine üppige Feierszene in einem Bordell, die jederzeit auch in einem Wildwest-Saloon stattfinden könnte.
Ein bayerischer Western also, und zwar ein gelungener. Das liegt nicht zuletzt an der guten Besetzung. Brückner und Hobmeier, beides hochgelobte junge Schauspieler mit viel Bühnenerfahrung, dazu die Tatort-bekannten Maria Furtwängler und Michael Fitz, bayerische Kleinkunsthelden wie Andreas Giebel und Sigi Zimmerschied oder auch der Wiener Simon Schwarz (bekannt als Berti aus den Brenner-Filmen). Rosenmüller schafft es, den Kneißl zur sympathischen Figur zu machen, die nicht aus Bösartigkeit kriminell wird, sondern aus Mangel an Alternativen. Was allerdings nicht recht beantwortet wird, ist die Frage, warum dieser Kneißl, der ja kein Wohläter à la Robin Hood war, sondern eigennützig handelte, zu einem bayerischen Volkshelden, einem kleinen Mythos wurde. Im Film ist Kneißl ein liebenswerter Gauner mit großem Freiheitswillen, aber warum man über diese Figur 100 Jahre später noch Filme dreht, kann Rosenmüller nicht überzeugend erklären.
Trotzdem ein sehenswerter, aufwendig inszenierter Film, der (obwohl vom Bayerischen Rundfunk produziert) mehr nach Kino als nach Fernsehen aussieht. Die DVD enthält hochdeutsche Untertitel (die für Nicht-Bayern unentbehrlich sein werden!) und ein ordentliches, halbstündiges Making-Of.
Auf die DVD warten:
What Just Happened? (Inside Hollywood): Satire von Barry Levinson, in der Hollywood sein eigenes System selbst auf die Schippe nimmt und die voller Insider-Gags steckt. Die Botschaft ist recht simpel (“Kommerz schlägt Kunst”), dem Film fehlt es wohl ein bisschen an Schärfe und Biss, aber für einen vergnüglichen Abend mit vielen Stars (De Niro, Penn, Willis, Torturro usw.) dürfte das durchaus genügen.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Henners Traum: Ein Kleinstadtbürgermeister aus Hessen träumt von einem gigantischen Hotelprojekt und wirbt weltweit um Investoren. Der Dokumentarfilmer Klaus Stern (der auch den sehr guten Weltmarktführer über den New-Economy-Typen Tan Siekmann gemacht hat) hat ihn dabei begleitet und hat damit in Hofgeismar schon für ziemlichen Wirbel gesorgt, weil das Projekt im Film nicht allzu gut wegkommt. Vielleicht ein schönes Beispiel für kleinbürgerlichen Größenwahn.
Deutschland 09: Kurzfilm-Compilation mit 13 Beiträgen vom Who is Who der deutschen Gegenwartsregisseure (u.a. Fatih Akın, Dominik Graf, Tom Tykwer und Dani Levy), in Anlehnung an Deutschland im Herbst, die berühmte Kurzfilmsammlung “Neuen Deutschen Films”. Dürfte ein Auf und Ab aus großartig, egal und ärgerlich sein.
Notorious (Notorious B.I.G.): Jeder tote Star aus dem Musikbusiness kriegt früher oder später sein Biopic, so auch Rapper Biggie Smalls, der 1997 dem tödlichen Battle zwischen Eastcoast- und Westcoast-Rappern zum Opfer fiel.
Vorstadtkrokodile: Neuverfilmung des Jugendbuchs von Max von der Grün, das in den Siebzigern schonmal verfilmt wurde. Für uns gesetzte Herrschaften, die noch das Original kennen, ist das allzu sehr auf hip und modern getrimmt, könnte aber bei der Zielgruppe gut ankommen. Mal sehen, ob es auch dem Remake gelingt, Political Correctness ohne erhobenen Zeigefinger zu transportieren, wie es im Buch und in der Erstverfilmung der Fall war.
Muss nicht sein:
The Duchess (Die Herzogin): Kostüm- und Perückenschinken mit Hungerhaken Keira Knightley und Betroffen-Gucker Ralph Fiennes. Knightley spielt die Herzogin von Devonshire, Georgiana Cavendish (1757-1806), die eine Celebrity ihrer Zeit war, mit allem was dazugehört: schicke Klamotten, unglückliche Ehen und leidenschaftliche Affären.
Prinzessin Lillifee: Das extrem erfolgreiche rosarote Franchise für kleine Mädchen, bei dem es vom rosa Bademantel über rosa Backmischungen bis zum rosa Bett wirklich alles gibt, kommt als Zeichentrickfilm nun auch ins Kino. Millionen Eltern werden aufstöhnen, Millionen Töchterlein werden es lieben.
Paul Blart: Mall Cop (Der Kaufhaus Cop): Kevin James aus der Sitcom King of Queens spielt einen Polizisten in einem Einkaufszentrum. Die Gags in dieser Action-Komödie beruhen hauptsächlich darauf, dass dieser Paul Blart ziemlich dick ist. Haha.
Sex Drive (Spritztour): Und wem das noch zu anspruchsvoll ist, der schaut halt diese Komödie über die Katastrophen, die einen 18jährigen beim Onlinedating erwarten. Die MPAA fasst zusammen: “Rated R for strong crude and sexual content, nudity, language, some drug and alcohol use – all involving teens.”

Meanwhile City, ein düsterer Großstadtmoloch mit viel Gothic-Flair, irgendwo zwischen Gotham und Alex Proyas’ Dark City. Oberstes Gesetz in Meanwhile City: Jeder muss an etwas glauben. Woran, ist egal, Hauptsache man gehört einer Glaubensgemeinschaft an, und sei sie auch noch so obskur. Ein unbekannter Ich-Erzähler streift sich eine Maske über, er hat einen Rachejob zu erledigen. Er behauptet von sich, der einzige Ungläubige in Meanwhile zu sein. Mit der Maske sieht er ein wenig aus wie Jack Skeleton, fällt damit aber nicht weiter auf, denn in dieser Stadt sieht jeder ein bisschen strange aus.
Szenenwechsel: London, die Gegenwart. Ein gläubiger älterer Herr sucht seinen verschwundenen Sohn. Ein junger Mann (Sam Riley) wird von seiner Freundin verlassen und trifft eine gute Bekannte von früher wieder: die Frau, die früher seine unsichtbare beste Freundin war. Und dann ist da noch Emilia (Eva Green), eine junge exzentrische Künstlerin, die aus Selbstmordversuchen Kunsthappenings macht.
Vier Handlungsstränge verlaufen hier parallel. Anfangs haben sie nichts miteinander zu tun, im Finale werden jedoch alle verknüpft, und bis dahin darf der Zuschauer puzzeln, wie das wohl alles zusammenhängt. Die ganz große Überraschung am Ende bleibt aus, man kann die Auflösung schon recht früh vorausahnen. Die Puzzleteile fügen sich gut zusammen und bilden einen befriedigenden Abschluss, aber so richtig zwingend ist das Ende nicht.
Für einen Debüt-Langfilm hat der britische Regisseur und Autor Gerald McMorrow mit Franklyn ein sehr ambitioniertes Stück abgeliefert. Ein relativ komplexes Skript, gleich vier Hauptpersonen, die alle ihre persönliche Krise zu meistern haben, und obendrein noch eine eigens kreierte Fantasy-Parallelwelt, die auf der Leinwand sehr schick aussieht. All das hat positive Ansätze, bleibt aber auf halbem Wege stecken. McMorrow wollte hier ein bisschen zu viel. Womöglich könnte jede der vier Hauptfiguren einen eigenen Film tragen, aber hier bleibt ihnen zu wenig Zeit, so dass sie alle recht oberflächlich bleiben. Und auch die Stadt Meanwhile City und ihr Verhältnis zum Glauben würde man gerne tiefer ergründen. Hier wurde eine interessante Parallelwelt geschaffen, aber viel von deren Potential verschenkt.
Frankyln ist kein großer Wurf, hat aber einige interessante Ansätze. Wenn Gerald McMorrow sich auf eine Geschichte konzentriert und nicht gleich vier auf einmal erzählen will, darf man auf sein nächstes Werk sehr gespannt sein.
Im Kino sehen:
Slumdog Millionaire (Slumdog Millionär): Der große Oscar-Gewinner von Danny Boyle über einen armen indischen Jungen, der es bei Wer wird Millionär bis zur letzten Frage schafft. Wunderschönes modernes Märchen oder doch “Poverty Porn”? Finden wirs selber raus.
Auf die DVD warten:
RocknRolla: Guy Ritchie kehrt nach einigen herben Flops wieder dahin, wo seine Karriere begann. Zur poppigen Gangsterkomödie. Bei Snatch und Lock, Stock… hatte das sehr gut funktioniert. Tom Wilkinson als Gangsterpate ist schon mal ein Argument für den Film, aber wirklich neues und originelles hat er wohl eher nicht zu bieten.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Üç maymun (Drei Affen – Nichts hören – nichts sehen – nichts sagen): Autorenkino aus der Türkei, für das Nuri Bilge Ceylan in Cannes als Bester Regisseur ausgezeichnet wurde. Die Bilder im Trailer sehen in der Tat exquisit aus, dafür scheinen Figuren und Geschichte nach Aussage einiger Kritiker recht statisch geraten zu sein.
Muss nicht sein:
The Tale of Despereaux (Despereaux – Der kleine Mäuseheld): Ein recht klassisch anmutendes Märchen um eine kleine mutige Maus als 3D-Animationsfilm. Die Kritiker waren nicht übermäßig begeistert, bei Metacritic kommt der Film auf 53 Punkte.
The Three Investigators and the Secret of Terror Castle (Die drei ??? – Das verfluchte Schloss): Der erste Drei-???-Film war wohl erfolgreich genug, um einen zweiten Teil hinterherzuschicken. Die potentielle Zielgruppe der nostalgischen Fans von damals scheint man dabei nicht im Auge zu haben. Das hier ist Indiana Jones für Kids, vom Charme der alten Europa-Hörspiele und der Bücher, die ja bekanntlich (hihi) von Alfred Hitchcock geschrieben waren, ist hier kaum etwas zu spüren.
Männersache: Zwei Worte sollen genügen: Mario Barth.

Der Anfang dieses norwegischen Splatterfilms von Tommy Wirkola ist so klischeehaft, dass es direkt im Film selbst thematisiert wird: Eine Gruppe junger Leute macht einen Ausflug in eine verlassene Gegend, in diesem Fall in eine Skihütte. Dort will man für ein paar Tage mit dem Snowmobil herumheizen und gemütliche Hüttenabende veranstalten. Doch schon recht bald kommt Mr. Basil Exposition ein Einheimischer auf einen Sprung in die Hütte vorbei und warnt die Neuankömmlinge: In dieser Gegend gebe es Spuren des Bösen, seit die Nazis im Zweiten Weltkrieg hier eine Kommandostation unterhalten hätten.
Nach einem etwas gemächlichen Start, in dem erstmal alle Protagonisten eingeführt werden, startet dann bald die Schlachtplatte. Unsere Ausflügler entdecken eine kleine Schatzkiste unter der Hütte und schon taucht der erste Nazizombie auf, der stinksauer ist. Und damit sind wir beim Unique Selling Point von Dead Snow: NAZI-ZOMBIES! Ja, denkt man da, das klingt nach einem witzigen Spaß. Doch leider macht der Film viel zu wenig daraus, stattdessen bleibt er brav in der Genre-Loipe. Es gibt erste Tote, die Gruppe trennt sich und schon bald hat jeder seinen eigenen Arsch zu retten. Die Zombies werden immer mehr, es wird ausgiebig gesplattert und gemetzelt.
Für Splatterfreaks, denen es hauptsächlich um Blut und Innereien geht, mag Dead Snow ein toller Film sein. Denn hier wird tatsächlich mit sehr viel Liebe und raffinierten handgemachten Effekten bei kleinem Budget gesplattert, es gibt einige originelle und witzige Einfälle und wenig Rücksicht auf Geschmacksgrenzen. Aber was ist mit den Nazizombies? Ja mei, es sind halt Zombies, die Stahlhelm, Hakenkreuzbinde und SS-Uniform tragen, aber ansonsten macht der Film fast nichts aus seiner an sich doch vielversprechenden Grundidee. Deutsche Blödsinnsdialoge, gute Gags? Fehlanzeige. Ich habe gerade mal einen Gag gezählt, der sich auf Nazis bezieht. Ansonsten könnten diese Zombies ebenso gut Kanadier, Italiener oder Norweger sein, es würde keinerlei Unterschied machen.
Und genau das ist der Punkt, an dem der Film enttäuscht. Ich erwarte hier keine ausgefeilte psychologische Studie und keine elaborierte Geschichte, aber ich erwarte, dass der Film sein Versprechen, mit dem er mich ins Kino geködert hat, auch einlöst. Scheißegal, ob diese Zombies langsam oder schnell sind (sie sind schnell), aber es haben verdammt nochmal Nazis zu sein!
Schade ist auch, dass der Film sein Personal ziemlich verschenkt. Die Schauspieler machen ihre Sache nicht schlecht, werden aber unter Wert verheizt. Da wird erst umständlich erklärt, dass eine Figur klaustrophobisch ist und die andere kein Blut sehen kann, aber Wirkola macht daraus nichts, er scheint es schnell wieder zu vergessen. Und der Charakter, der für ironische Brechung und lustige One-Liner zuständig ist, muss als erstes dran glauben: Erlend, ein dicklicher Filmgeek mit Braindead-T-Shirt. 95% des Fantasy-Filmfest-Publikums dürften sich hier selbst erkannt haben. Aber Erlend ist leider nur für ein Drittel des Filmes am Leben.
Ich war also eher enttäuscht, freue mich aber jetzt umso mehr auf ein anderes Projekt aus Skandinavien, das Nazis popkulturell verwurstet: In Iron Sky wird es um Nazis auf dem Mond gehen. Das Projekt stammt von den finnischen Star-Wreck-Machern und sieht sehr sehr vielversprechend aus.

“An oriental western” nennt Regisseur Ji-woon Kim seinen Film in den Credits. Ein Italo-Western aus Korea, der in den 30er Jahren in der Mandschurei spielt. Der Titel spielt natürlich überdeutlich auf Sergio Leones Klassiker an, den wir hierzulande unter dem nicht so glorreichen Titel Zwei glorreiche Halunken kennen, ist aber kein Remake oder dergleichen, obwohl es ein paar Ähnlichkeiten in der Handlung gibt. Es geht um eine geheimnisvolle Schatzkarte, hinter der alle her sind: der Gute, der Böse, der Durchgeknallte, und noch ein paar mehr.
Der Durchgeknallte ist ein Dieb, nicht besonders intelligent, aber durchaus gewitzt. Bei einem Eisenbahnraub gerät er eher zufällig an die Schatzkarte und wird damit für den Rest des Films die Maus sein, die von diversen Katzen gejagt wird. Vor allem vom Bösen: dem Auftragskiller Park Chang-yi und seiner skrupellosen Gang, der den offiziellen Auftrag hat, die Karte zu beschaffen. Da auf beide ein Kopfgeld ausgesetzt ist, kommt ein Dritter ins Spiel: der Gute, ein mehr oder weniger rechtschaffener Kopfgeldjäger.
Diese Story ist nicht übermäßig elaboriert, sie dient eher als Gerüst, um den Film von einer irrwitzigen Actionszene zur nächsten zu treiben. Es wird viel geballert und viel gestorben und das sieht von vorne bis hinten sehr gut aus. Ji-woon Kim besitzt einen ausgeprägten Stilwillen, und deshalb macht sein Film vom allerersten Frame bis zum letzten Fitzelchen des Abspanns einen ungemein stylishen Eindruck. Der Film kann zwar als Hommage an alte (Italo-) Western gesehen werden, eifert ihnen aber visuell nicht nach, sondern will eine eigene Optik kreieren. Auffällig sind vor allem die grellen Primärfarben und die Kostüme, bei denen auf Authentizität gepfiffen wurde zugunsten eines hohen Coolness-Faktors. Tempomäßig wird permanent aufs Gas gedrückt, Action und Kinetik spielen die Hauptrolle. Auch Humor kommt nicht zu kurz, driftet aber nicht in albernste Schenkelklopfer ab (wie es bei asiatischen Filmen gerne mal der Fall ist). Höhepunkt des Films ist eine überbordende, beinahe halbstündige Verfolgungsjagd durch die Wüste.
Parallelen zu Takeshi Miikes Sukiyaki Western Django (der im letzten Jahr auf den FFFnights lief) sind unübersehbar, aber The Good, The Bad, The Weird ist noch eine ganze Ecke besser. Der Film (der in Korea der Nummer-1-Blockbuster 2008 war) ist in sich homogen, unterhält über die volle Laufzeit (139 Minuten), ist gut geschauspielert, hat einen tollen Score und die Geschichte funktioniert ohne Ausreißer. Außerordentlich gute, aufwendig produzierte Unterhaltung, nicht nur für Asien- und Western-Freaks.
Den Trailer gibt’s hier.

Jetzt ist schon wieder was passiert. Der Brenner ist wieder da, zum dritten Mal spielt Josef Hader die Rolle des zerknitterten Ex-Polizisten und Privatdetektivs. Diesmal ist er eigentlich gar kein Detektiv, und er ermittelt auch nicht, jedenfalls hat er es nicht vor. Brenner ist ganz harmlos als Schuldeneintreiber für eine Leasingfirma unterwegs, und so verschlägt es ihn in die Provinz der Steiermark. Dort hofft er den Schuldner in einer Pension anzutreffen. Diese Pension ist das Herzstück des Films: ein großer Gasthof mit Fremdenzimmern, Festsaal und angeschlossener Metzgerei — jeder, der mal durch kleinere Ortschaften im Alpenraum gefahren ist, kennt diese Art von Gastronomie. Nicht selten ist der Wirt dann auch noch Bürgermeister, Vorstand der Blasmusikkapelle und Mitglied des Pfarrgemeinderats in Personalunion. In diesem Fall ist der Wirt nebenher Chef der Freiwilligen Feuerwehr.
Gespielt wird der Wirt, der ebenso heißt wie sein Lokal, nämlich Löschenkohl, von Sepp Bierbichler. Eine sehr gute Wahl, denn nicht nur spielt er die Rolle des bärbeißigen Wirts hervorragend, er ist im echten Leben neben der Schauspielerei selbst in dieser Branche tätig. Brenner jedenfalls gerät ohne es zu wollen in ein raffiniertes Intrigenspiel, in dem slowakische Zuhälter sowie Löschenkohl Junior, der mit seinem Vater im Streit liegt, eine Rolle spielen. Eigentlich interessiert sich Brenner nur für dessen Frau Gitti, in die er sich ein bisschen verliebt (was von Josef Hader umwerfend charmant und sehr glaubwürdig gespielt wird), aber die undurchsichtigen Machenschaften dieser Leute, mehrere Leichen und vor allem die mysteriöse Rolle des Gastro-Paten Löschenkohl lassen ihn dann doch nicht los.
Wie schon die Vorgängerfilme Komm, süßer Tod und Silentium besticht auch der neue Brenner-Film durch die einzigartige Mischung aus liebevoller Charakterzeichnung, sarkastischem, bisweilen sehr bösem Humor und einer Krimihandlung voller unerwarteter Wendungen. Eine Mischung, die so wohl nur in Österreich möglich ist und die von Regisseur Wolfgang Murnberger virtuos auf die Leinwand gebracht wird. Murnberger arbeitet viel mit Suggestion: Immer wieder spielen Szenen des Films im Keller des Restaurants, wo der alte Löschenkohl mit Metzgerschürze an der Knochenmühle werkelt. Diese Bilder erinnern teilweise an Horror- oder Splatterfilme, deuten aber mehr an als sie zeigen und führen den Zuschauer letztlich an der Nase herum. Der Horror findet im Kopf statt.
Der Knochenmann wäre eine ganz und gar gruselige und finstere Geschichte, wäre da nicht auch der komische Aspekt, der zwar nie die Hauptrolle übernimmt, aber immer präsent bleibt. Schließlich funktioniert der Film auch als Gesellschaftssatire über die Verhältnisse in der Provinz: wo der reiche Vater dem Sohn mit Schwiegertochter ein Haus hinstellt, wo die Diskos “Tanzbar Schabernack” heißen, und wo sich die ganze Region auf einem Faschingsball trifft, auf dem eine schlechte Band “Live is Life” spielt. Der Faschingsball ist der Höhepunkt des Films, ein Showdown, in dem Murrnberger immer wieder zwischen der Partykulisse und dem Geschehen im Hintergrund wechselt, was eine hypnotische, schon beinahe David-Lyncheske Atmosphäre erzeugt.
Großer Film, sehr zu empfehlen. Wie übrigens auch die Brenner-Bücher von Wolf Haas, die einen ähnlichen, aber doch ganz eigenen Ton anschlagen, so dass Romane und Verfilmungen hier keineswegs redundant sind, sondern jeweils ganz für sich stehen.
