Im Kino: Der Knochenmann

Jetzt ist schon wieder was passiert. Der Brenner ist wieder da, zum dritten Mal spielt Josef Hader die Rolle des zerknitterten Ex-Polizisten und Privatdetektivs. Diesmal ist er eigentlich gar kein Detektiv, und er ermittelt auch nicht, jedenfalls hat er es nicht vor. Brenner ist ganz harmlos als Schuldeneintreiber für eine Leasingfirma unterwegs, und so verschlägt es ihn in die Provinz der Steiermark. Dort hofft er den Schuldner in einer Pension anzutreffen. Diese Pension ist das Herzstück des Films: ein großer Gasthof mit Fremdenzimmern, Festsaal und angeschlossener Metzgerei — jeder, der mal durch kleinere Ortschaften im Alpenraum gefahren ist, kennt diese Art von Gastronomie. Nicht selten ist der Wirt dann auch noch Bürgermeister, Vorstand der Blasmusikkapelle und Mitglied des Pfarrgemeinderats in Personalunion. In diesem Fall ist der Wirt nebenher Chef der Freiwilligen Feuerwehr.

Gespielt wird der Wirt, der ebenso heißt wie sein Lokal, nämlich Löschenkohl, von Sepp Bierbichler. Eine sehr gute Wahl, denn nicht nur spielt er die Rolle des bärbeißigen Wirts hervorragend, er ist im echten Leben neben der Schauspielerei selbst in dieser Branche tätig. Brenner jedenfalls gerät ohne es zu wollen in ein raffiniertes Intrigenspiel, in dem slowakische Zuhälter sowie Löschenkohl Junior, der mit seinem Vater im Streit liegt, eine Rolle spielen. Eigentlich interessiert sich Brenner nur für dessen Frau Gitti, in die er sich ein bisschen verliebt (was von Josef Hader umwerfend charmant und sehr glaubwürdig gespielt wird), aber die undurchsichtigen Machenschaften dieser Leute, mehrere Leichen und vor allem die mysteriöse Rolle des Gastro-Paten Löschenkohl lassen ihn dann doch nicht los.

Wie schon die Vorgängerfilme Komm, süßer Tod und Silentium besticht auch der neue Brenner-Film durch die einzigartige Mischung aus liebevoller Charakterzeichnung, sarkastischem, bisweilen sehr bösem Humor und einer Krimihandlung voller unerwarteter Wendungen. Eine Mischung, die so wohl nur in Österreich möglich ist und die von Regisseur Wolfgang Murnberger virtuos auf die Leinwand gebracht wird. Murnberger arbeitet viel mit Suggestion: Immer wieder spielen Szenen des Films im Keller des Restaurants, wo der alte Löschenkohl mit Metzgerschürze an der Knochenmühle werkelt. Diese Bilder erinnern teilweise an Horror- oder Splatterfilme, deuten aber mehr an als sie zeigen und führen den Zuschauer letztlich an der Nase herum. Der Horror findet im Kopf statt.

Der Knochenmann wäre eine ganz und gar gruselige und finstere Geschichte, wäre da nicht auch der komische Aspekt, der zwar nie die Hauptrolle übernimmt, aber immer präsent bleibt. Schließlich funktioniert der Film auch als Gesellschaftssatire über die Verhältnisse in der Provinz: wo der reiche Vater dem Sohn mit Schwiegertochter ein Haus hinstellt, wo die Diskos „Tanzbar Schabernack“ heißen, und wo sich die ganze Region auf einem Faschingsball trifft, auf dem eine schlechte Band „Live is Life“ spielt. Der Faschingsball ist der Höhepunkt des Films, ein Showdown, in dem Murrnberger immer wieder zwischen der Partykulisse und dem Geschehen im Hintergrund wechselt, was eine hypnotische, schon beinahe David-Lyncheske Atmosphäre erzeugt.

Großer Film, sehr zu empfehlen. Wie übrigens auch die Brenner-Bücher von Wolf Haas, die einen ähnlichen, aber doch ganz eigenen Ton anschlagen, so dass Romane und Verfilmungen hier keineswegs redundant sind, sondern jeweils ganz für sich stehen.

 

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