Im Kino: Død Snø (Dead Snow)

Fantasy Filmfest Nights 2009Der Anfang dieses norwegischen Splatterfilms von Tommy Wirkola ist so klischeehaft, dass es direkt im Film selbst thematisiert wird: Eine Gruppe junger Leute macht einen Ausflug in eine verlassene Gegend, in diesem Fall in eine Skihütte. Dort will man für ein paar Tage mit dem Snowmobil herumheizen und gemütliche Hüttenabende veranstalten. Doch schon recht bald kommt Mr. Basil Exposition ein Einheimischer auf einen Sprung in die Hütte vorbei und warnt die Neuankömmlinge: In dieser Gegend gebe es Spuren des Bösen, seit die Nazis im Zweiten Weltkrieg hier eine Kommandostation unterhalten hätten.

Nach einem etwas gemächlichen Start, in dem erstmal alle Protagonisten eingeführt werden, startet dann bald die Schlachtplatte. Unsere Ausflügler entdecken eine kleine Schatzkiste unter der Hütte und schon taucht der erste Nazizombie auf, der stinksauer ist. Und damit sind wir beim Unique Selling Point von Dead Snow: NAZI-ZOMBIES! Ja, denkt man da, das klingt nach einem witzigen Spaß. Doch leider macht der Film viel zu wenig daraus, stattdessen bleibt er brav in der Genre-Loipe. Es gibt erste Tote, die Gruppe trennt sich und schon bald hat jeder seinen eigenen Arsch zu retten. Die Zombies werden immer mehr, es wird ausgiebig gesplattert und gemetzelt.

Für Splatterfreaks, denen es hauptsächlich um Blut und Innereien geht, mag Dead Snow ein toller Film sein. Denn hier wird tatsächlich mit sehr viel Liebe und raffinierten handgemachten Effekten bei kleinem Budget gesplattert, es gibt einige originelle und witzige Einfälle und wenig Rücksicht auf Geschmacksgrenzen. Aber was ist mit den Nazizombies? Ja mei, es sind halt Zombies, die Stahlhelm, Hakenkreuzbinde und SS-Uniform tragen, aber ansonsten macht der Film fast nichts aus seiner an sich doch vielversprechenden Grundidee. Deutsche Blödsinnsdialoge, gute Gags? Fehlanzeige. Ich habe gerade mal einen Gag gezählt, der sich auf Nazis bezieht. Ansonsten könnten diese Zombies ebenso gut Kanadier, Italiener oder Norweger sein, es würde keinerlei Unterschied machen.

Und genau das ist der Punkt, an dem der Film enttäuscht. Ich erwarte hier keine ausgefeilte psychologische Studie und keine elaborierte Geschichte, aber ich erwarte, dass der Film sein Versprechen, mit dem er mich ins Kino geködert hat, auch einlöst. Scheißegal, ob diese Zombies langsam oder schnell sind (sie sind schnell), aber es haben verdammt nochmal Nazis zu sein!

Schade ist auch, dass der Film sein Personal ziemlich verschenkt. Die Schauspieler machen ihre Sache nicht schlecht, werden aber unter Wert verheizt. Da wird erst umständlich erklärt, dass eine Figur klaustrophobisch ist und die andere kein Blut sehen kann, aber Wirkola macht daraus nichts, er scheint es schnell wieder zu vergessen. Und der Charakter, der für ironische Brechung und lustige One-Liner zuständig ist, muss als erstes dran glauben: Erlend, ein dicklicher Filmgeek mit Braindead-T-Shirt. 95% des Fantasy-Filmfest-Publikums dürften sich hier selbst erkannt haben. Aber Erlend ist leider nur für ein Drittel des Filmes am Leben.

Ich war also eher enttäuscht, freue mich aber jetzt umso mehr auf ein anderes Projekt aus Skandinavien, das Nazis popkulturell verwurstet: In Iron Sky wird es um Nazis auf dem Mond gehen. Das Projekt stammt von den finnischen Star-Wreck-Machern und sieht sehr sehr vielversprechend aus.

 

Ein Gedanke zu „Im Kino: Død Snø (Dead Snow)

  1. Schöne Kritik, kann deine Argumente gut nachvollziehen, insbesondere das verheizen der Charaktere und die sinnlose Einführung ihrer Eigenheiten. Mir hat der Film allerdings trotzdem sehr gut gefallen wenn man ihn einfach als die Splatterkomödie sieht die er ist weiss er auch durchaus zu unterhalten :)

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