Im Kino: Franklyn

Fantasy Filmfest Nights 2009Meanwhile City, ein düsterer Großstadtmoloch mit viel Gothic-Flair, irgendwo zwischen Gotham und Alex Proyas‘ Dark City. Oberstes Gesetz in Meanwhile City: Jeder muss an etwas glauben. Woran, ist egal, Hauptsache man gehört einer Glaubensgemeinschaft an, und sei sie auch noch so obskur. Ein unbekannter Ich-Erzähler streift sich eine Maske über, er hat einen Rachejob zu erledigen. Er behauptet von sich, der einzige Ungläubige in Meanwhile zu sein. Mit der Maske sieht er ein wenig aus wie Jack Skeleton, fällt damit aber nicht weiter auf, denn in dieser Stadt sieht jeder ein bisschen strange aus.

Szenenwechsel: London, die Gegenwart. Ein gläubiger älterer Herr sucht seinen verschwundenen Sohn. Ein junger Mann (Sam Riley) wird von seiner Freundin verlassen und trifft eine gute Bekannte von früher wieder: die Frau, die früher seine unsichtbare beste Freundin war. Und dann ist da noch Emilia (Eva Green), eine junge exzentrische Künstlerin, die aus Selbstmordversuchen Kunsthappenings macht.

Vier Handlungsstränge verlaufen hier parallel. Anfangs haben sie nichts miteinander zu tun, im Finale werden jedoch alle verknüpft, und bis dahin darf der Zuschauer puzzeln, wie das wohl alles zusammenhängt. Die ganz große Überraschung am Ende bleibt aus, man kann die Auflösung schon recht früh vorausahnen. Die Puzzleteile fügen sich gut zusammen und bilden einen befriedigenden Abschluss, aber so richtig zwingend ist das Ende nicht.

Für einen Debüt-Langfilm hat der britische Regisseur und Autor Gerald McMorrow mit Franklyn ein sehr ambitioniertes Stück abgeliefert. Ein relativ komplexes Skript, gleich vier Hauptpersonen, die alle ihre persönliche Krise zu meistern haben, und obendrein noch eine eigens kreierte Fantasy-Parallelwelt, die auf der Leinwand sehr schick aussieht. All das hat positive Ansätze, bleibt aber auf halbem Wege stecken. McMorrow wollte hier ein bisschen zu viel. Womöglich könnte jede der vier Hauptfiguren einen eigenen Film tragen, aber hier bleibt ihnen zu wenig Zeit, so dass sie alle recht oberflächlich bleiben. Und auch die Stadt Meanwhile City und ihr Verhältnis zum Glauben würde man gerne tiefer ergründen. Hier wurde eine interessante Parallelwelt geschaffen, aber viel von deren Potential verschenkt.

Frankyln ist kein großer Wurf, hat aber einige interessante Ansätze. Wenn Gerald McMorrow sich auf eine Geschichte konzentriert und nicht gleich vier auf einmal erzählen will, darf man auf sein nächstes Werk sehr gespannt sein.