Auf DVD: Räuber Kneißl

Mit seinem Debüt-Langfilm Wer früher stirbt, ist länger tot gelang Marcus Hausham Rosenmüller auf Anhieb der Durchbruch, zumindest im süddeutschen Raum. Mit diesem und den folgenden Filmen (u.a. Beste Zeit und Beste Gegend) schaffte „Rosi“ das Kunststück, sowohl beim Mainstream als auch beim etwas anspruchsvolleren Publikum anzukommen. Seine Filme sind zugänglich und unterhaltsam, aber nicht blöd. Und das ist im Kino keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht, wenn es um bayerische Produktionen geht.

Rosenmüller ist Oberbayer, behandelt bayerische Themen und lässt seine Figuren ganz selbstverständlich im Dialekt sprechen. Das ist auch beim Räuber Kneißl der Fall, mit dem sich Rosenmüller ins Genre des Historienfilms begibt. Mathias Kneißl (1875-1902) aus der Gegend von Dachau wurde als Räuber bekannt und galt schon zu Lebzeiten als Volksheld. Sein kurzes Leben, das unter der Guillotine endete, wurde in etlichen Büchern, Filmen und Theaterstücken verarbeitet.

Schon als Jugendlicher bekommt es Mathias mit der Polizei zu tun. Die Gendarmen verfolgen seinen Vater wegen Wilderei und ihn und seine Brüder wegen Schulschwänzens. Spätestens als sein Vater bei einer Polizeiaktion stirbt, sind die Sympathien klar verteilt: Die Obrigkeit auf der einen und der rebellische junge Kneißl auf der anderen Seite. Bald schon landen Kneißl und sein Bruder im Zuchthaus. Der Bruder stirbt dort, Mathias wird nach sieben Jahren entlassen. Nach diesem Prolog beginnt der Film seine Haupthandlung: Das Wiedersehen mit der Familie und vor allem mit Mathilde, die er schon als kleines Mädchen kannte. Die beiden verlieben sich auf der Stelle und schmieden Zukunftspläne: Mathias will auf ehrliche Weise Geld verdienen, bis die beiden sich eine Überfahrt nach Amerika leisten können. Doch das mit der ehrlichen Arbeit ist nicht so einfach, bald schon kommt Kneißl wieder vom Pfad der Tugend ab, begeht mehrfach Raub, einmal stirbt ein Polizist. Spätestens jetzt wird er regelrecht verfolgt, bis ihn die Staatsgewalt dann doch erwischt.

Als Zentrum für seinen Film wählt Marcus Rosenmüller die Liebesgeschichte zwischen Mathias und Mathilde. Diese wirkt dank der exzellenten Hauptdarsteller Maximilian Brückner und Brigitte Hobmeier niemals künstlich und aufgesetzt, nicht kitschig oder sentimental, sondern ehrlich und bodenständig. Das gilt eigentlich für den ganzen Film: er achtet sehr darauf, niemals in die bayerische Heimatfilmfalle zu tappen. Dirndl und Lederhosen sind ebenso tabu wie kracherte Volksmusik und ländliche Dorfidylle. Kostüme und Ausstattung verzichten auf bayerisch-katholische Pracht, vermitteln vielmehr das ärmliche Leben auf dem Land. So manches an Räuber Kneißl erinnert mehr an Western als an Heimatfilme; die Geschichte vom Outlaw ebenso wie der ein oder andere Shootout, die Musik, das Filmplakat. Dazu gibt es eine üppige Feierszene in einem Bordell, die jederzeit auch in einem Wildwest-Saloon stattfinden könnte.

Ein bayerischer Western also, und zwar ein gelungener. Das liegt nicht zuletzt an der guten Besetzung. Brückner und Hobmeier, beides hochgelobte junge Schauspieler mit viel Bühnenerfahrung, dazu die Tatort-bekannten Maria Furtwängler und Michael Fitz, bayerische Kleinkunsthelden wie Andreas Giebel und Sigi Zimmerschied oder auch der Wiener Simon Schwarz (bekannt als Berti aus den Brenner-Filmen). Rosenmüller schafft es, den Kneißl zur sympathischen Figur zu machen, die nicht aus Bösartigkeit kriminell wird, sondern aus Mangel an Alternativen. Was allerdings nicht recht beantwortet wird, ist die Frage, warum dieser Kneißl, der ja kein Wohläter à la Robin Hood war, sondern eigennützig handelte, zu einem bayerischen Volkshelden, einem kleinen Mythos wurde. Im Film ist Kneißl ein liebenswerter Gauner mit großem Freiheitswillen, aber warum man über diese Figur 100 Jahre später noch Filme dreht, kann Rosenmüller nicht überzeugend erklären.

Trotzdem ein sehenswerter, aufwendig inszenierter Film, der (obwohl vom Bayerischen Rundfunk produziert) mehr nach Kino als nach Fernsehen aussieht. Die DVD enthält hochdeutsche Untertitel (die für Nicht-Bayern unentbehrlich sein werden!) und ein ordentliches, halbstündiges Making-Of.

 

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