Archive for März, 2009

Letzte Woche gelernt (9)

Wo Winnenden liegt, musste ich nicht erst lernen, das wusste ich schon. Auch die Art und Weise, wie Medien und Politik inzwischen nach solchen Ereignissen eine gut eingeschliffene Routine anwerfen (bei Hanno’s Blog sehr schön zusammengefasst), überrascht nicht.

Trotzdem gab es in den letzten Tagen einige interessante Erkenntnisse. Vor allem die nicht unbedingt überraschende, aber in diesem Ausmaß dann doch erstaunliche Mischung aus Sensationsgeilheit, Erwartungsdruck und Inkompetenz bei Behörden und Journalisten, die dazu geführt hat, dass ein aus Jux angefertigter Screenshot als Beweis dafür herhalten musste, dass der Amokläufer seine Tat angeblich “im Internet” angekündigt habe.

Ein Innenminister präsentiert einen Screenshot, ein digital erzeugtes Bild, und den meisten genügt dies, um daraus einen Aufmacher zu produzieren. Während in der 20-Uhr-Tagesschau am Donnerstag das Thema als Hauptmeldung flimmerte, wurde in Blogs schon seit Stunden darüber diskutiert, dass das Bild wohl ein Fake sein musste. Und zwar weniger eine hinterlistig und gemeine Irreführung, als vielmehr eine ziemlich offensichtliche Gaudi-Fälschung. Wenn man sich das Bild ansieht und die Hintergründe kennt, dann ist dieses “Chat-Protokoll” genauso plausibel und echt wie das Amok-Fomular der Titanic. Nur fiel es eben auf einen fruchtbaren Boden, der dankbar jede Art von Hinweis aufgreift und dem die Stichworte Internet und Chat nur allzu gut in ihr vorgefertigtes Bild passten.

Interessant ist auch die Reaktion sowohl der Behörden als auch der Medien, nachdem man kleinlaut zugeben musste, einem Hoax aufgesessen zu sein. Man ist beleidigt, der Urheber des Bildes gilt sofort als gefährlicher Spinner, der dingfest zu machen und zu bestrafen ist. Der Sündenbock, auf den man jetzt mit dem Finger zeigen kann, anstatt eigene Fehler einzugestehen. Hier wird jemand zum Täter gemacht, der letztlich nur eine ungeheuerliche Tat auf seine Art verarbeitet hat, und zwar im Umfeld seiner Subkultur, der Imageboards. Einer Subkultur, die (wie es sich für eine junge Subkultur gehört) vom Mainstream nicht verstanden wird. Geschmackvoll ist das sicher nicht, aber im Endeffekt auch nicht verwerflicher als satirische Reaktionen wie die (brillante) von Ahoi Polloi oder die (gar nicht brillante) von der Titanic.

Telepolis-Bonuslinks:
Vee haff wayz to make you feel stoopid
Eine Glaubenssache: Ankündigung des Amoklaufs von Winnenden im Internet

Trailerschau für Filmstarts vom 12.3.

Im Kino sehen:
The Fall: Ein Mann erzählt einem kleinen Mädchen am Krankenbett eine Geschichte, ein Abenteuer mit fünf Protagonisten — ein Wilder, ein Inder, ein Sprengstoffexperte, ein Sklave und: Charles Darwin. Das klingt schonmal nach einem angenehm surrealen Vergnügen. Zusätzlich soll das dann auch noch absolut opulent und überwältigend inszeniert sein. Regisseur Tarsem Singh wusste schon vor einigen Jahren bei The Cell zumindest optisch sehr zu beeindrucken. Ich bin gespannt.

Auf die DVD warten:
The Pervert’s Guide to Cinema: Philosophie-Popstar Slavoj Zizek turnt durch die Filmgeschichte und erklärt Themen aus der Psychoanalyse am Beispiel berühmter Filme. Lief meines Wissens vor einigen Monaten schonmal bei Arte, wo ich ein Stück davon zufällig gesehen habe. Und das war wirklich fein. Spannend, erhellend, witzig und sehr unterhaltsam.

Garage: Arthousekino aus Irland: Das Porträt eines kleinen Tankstellenangestellten, den alle in seinem Kaff ganz nett finden, der aber trotzdem ein Außenseiter geblieben ist. Scheint eine kleine, melancholisch-warmherzige Komödie geworden zu sein. Manchmal sieht man sowas ja sehr gerne.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Baching: “Moderner Heimatfilm” über einen Mittdreißiger, der nach einigen Jahren zurück in sein kleines oberbayrisches Heimatdorf kommt. Ich bin für sowas durchaus zu haben, sieht allerdings mal wieder arg nach Fernsehfilm aus.

Captain Abu Raed: Typischer Festivalfilm aus Jordanien über einen älteren Herrn, den die Kinder aus der Nachbarschaft für einen Piloten halten und an seinen Lippen hängen, wenn er Geschichten aus aller Welt erzählt. Doch eigentlich ist er nur ein Hausmeister. Der film-dienst spricht von einem “Film, der die Kraft und Reife eines Meisterwerks besitzt.”

Muzika: Eine Art Fleisch ist mein Gemüse aus der Slowakei. Ein junger Mann in der CSSR der 70er Jahre sucht die Freiheit in einer Karriere als Musiker. Sieht nicht uncharmant aus, aber die Kritiken sind eher negativ.

Muss nicht sein:
Nur ein Sommer: Schweizer Film mit Anna Loos als Berlinerin, die in der Schweiz ein neues Leben beginnt. Und von weitem schon rieche ich das Uralt-Klischee von den Naturburschen der Bergwelt, die dem weltfremden Stadtmädel beibringen, was Leben heißt.

Hinter Kaifeck: Und nochmal Oberbayern. Hier geht es um einen bis heute ungeklärten sechsfachen Mord aus dem Jahr 1922. Der Film, prominent besetzt mit Herrn Fürmann und Frau Lara, will eher Horror als Krimi sein und wirkt dabei ziemlich trashig und B-Moviemäßig.. Wir ahnen, warum: Es ist eine Pro-Sieben-Produktion.

Hilde: Biopic mit Heike Makatsch als Hildegard Knef. Wenn man Fan von einem dieser drei ist, will man sowas vielleicht sehen. Wenn nicht, kann man gut drauf verzichten.

The Pink Panther 2 (Der rosarote Panther 2): Was ist überflüssiger als ein überflüssiges Remake? Das Sequel zum überflüssigen Remake. Schade um die vielen guten Schauspieler, die da mittun.

The Unborn: Geister-Schrägstrich-Kinder-Horror vom Reißbrett. Alles schon x-mal dagewesen und in diesem Fall wohl auch noch besonders mies.

Confessions of a Shopaholic (Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin): Ich musste den Trailer nach 40 Sekunden ausmachen, ich hab’s nicht ertragen. Möglich, dass der Film die oberflächliche Konsumgier, die hier zelebriert wird, nur karikiert und damit kritisiert. Aber sicher bin ich mir nicht.

Trailerschau für Filmstarts vom 5.3.

Im Kino sehen:
Gran Torino: Der neue Eastwood, diesmal wieder mit ihm selbst als Hauptdarsteller. Er spielt einen miesepetrigen, rassistischen Alten, der feststellt, dass sich in seiner Nachbarschaft mehr verändert hat, als er gerne hätte. Pflicht.

Watchmen (Watchmen – Die Wächter): Schon gesehen, schon besprochen. Ein zwiespältiger Film, der auf hohem Niveau scheitert. Sollte man aber trotz allem gesehen haben, wenn man halbwegs comicaffin und popkulturell interessiert ist.

Auf die DVD warten:
Sieben Tage Sonntag: Filme über Jugendgewalt sind ja immer so ‘ne Sache, meistens wollen die nicht nur zeigen, sondern gleich noch erklären oder, schlimmer, belehren. Hier scheint Regisseur Niels Laupert darauf zu verzichten und stattdessen vieles offen zu lassen. Dass kein TV-Sender mitproduziert hat, tut dem Film wohl ganz gut.

Torpedo: Der Erstling vom Berliner Regie-Wunderkind Helene Hegemann, die mit 14 das Drehbuch geschrieben und mit 15 den Film gedreht hat. Es geht um ein Teenagermädchen, das zu seiner Tante nach Berlin zieht. Der Film dauert nur 42 Minuten und läuft deshalb im Paket mit Kurzfilmen, die interessante Titel tragen. Gibt’s in drei Kinos, allerdings alle in Berlin. Wäre ich dort, ich würde wohl einen Blick wagen.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Joy Division: Nach dem Spielfilm Control im letzten Jahr gibt’s jetzt die Biographie der Band in Form einer klassischen “Rockumentary”. Für Fans wahrscheinlich ganz toll. Ich konnte mit Joy Division aber nie was anfangen.

35 Rhums (35 Rum): Alltagsgeschichten rund um ein paar Einwanderer in Paris, für die Claire Denis allüberall viel Lob bekommt, ohne viel Handlung, dafür mit gelungenen Momentaufnahmen. Im Mittelpunkt steht eine Vater-Tochter-Geschichte.

Willi und die Wunder dieser Welt: Im Fernsehen sehr erfolgreiche BR-Produktion, ein Wissensformat für Kinder. Nach einem (mittlerweile eingestellten) Printmagazin kommt die nächste Line Extension, ein Kinofilm. Thema: Willi reist einmal um den Globus. Wurde mit deutlich mehr Aufwand erstellt als die TV-Serie und verzichtet angenehmerweise darauf, allzu verkrampft pädagogisch sein zu wollen. Hier kommt zwar auch der unvermeidliche Eisbär vor, aber wir dürfen ihm beim Kacken zusehen ….

Muss nicht sein:
On the Rumba River: Französische Doku über den kongolesischen Musiker Papa Wendo. Not my cup of tea.

Journey to the Center of the Earth (Die Reise zum Mittelpunkt der Erde): Sollte man, wenn überhaupt, in einem 3D-Kino sehen, das ist nämlich die einzige Existenzberechtigung für den Film. In anderen Ländern lief der übrigens schon im Sommer 2008.

Marley & Me (Marley & Ich): Feelgood-Familienfilm mit Owen Wilson und Jennifer Aniston. Die Hauptrolle spielt aber ein Hund. Würg, ich kann Köter nicht leiden.

Im Kino: Watchmen (Watchmen – Die Wächter)

New York, 1985, in einer Welt, die der unseren stark ähnelt, aber in Einzelheiten anders ist. Es herrscht der Kalte Krieg, doch die Anspannung zwischen Ost und West ist noch viel stärker, als sie in unserer Realität je wahr. Der Atomkrieg steht praktisch vor der Tür, Richard Nixon geht bereits in seine dritte Amtszeit. Und: Es gibt Superhelden. Die meisten davon sind nicht mehr als gut trainierte, kostümierte Verbrecherjäger, und obendrein sind sie mittlerweile offiziell verboten. Doch einer von ihnen ist ein überaus mächtiges, übermenschliches Wesen: Dr. Manhattan. Für die USA ist er die Versicherung, einen möglichen Krieg gegen die Sowjets gewinnen zu können. Gemeinsam mit ein paar anderen Helden gehörte Dr. Manhattan zum Superheldenteam der “Watchmen”, das inzwischen nicht mehr aktiv ist. Zu der Gruppe gehörte auch der Comedian. Dieser wird eines Tages ermordet aufgefunden. Warum musste er sterben und wer war der Mörder? Der stets maskiert auftretende Rorschach, ebenfalls Ex-Mitglied der Watchmen, vermutet, dass es hier jemand auf (Ex-) Superhelden abgesehen hat. Dass er mit seinen Ermittlungen aber einer gigantischen Verschwörung auf der Spur ist, kann er noch nicht ahnen …

Es ist eine paradoxe Situation: Kaum eine Comicverfilmung haben Comicfans fieberhafter herbeigesehnt als diese. Und gleichzeitig wurde keine andere Comicverfilmung so gefürchtet wie diese, denn die Vorlage galt wegen ihrer umfangreichen und komplexen Handlung als unverfilmbar – zumindest in Form eines abendfüllenden Spielfilms. Für sehr viele Comicleser zählt Watchmen, die Maxiserie von Alan Moore und Dave Gibbons aus dem Jahr 1985/86, nicht nur zu den ganz großen Klassikern des Genres, sondern auch zu ihren persönlichen Lieblingscomics. Nach zahlreichen gescheiterten Anläufen und immer wieder verworfenen Projekten ist das Werk nun also doch noch verfilmt worden, und zwar von jemandem, der sich selber zu den großen Fans des Watchmen-Comics zählt: Regisseur Zack Snyder, bekannt geworden durch ein Remake des Zombiefilms Dawn of the Dead und die Frank-Miller-Verfilmung 300. Snyder wusste um die hohen Erwartungen der Fans und um den Mythos der Unverfilmbarkeit des Comics.

Für Snyder gab es nur einen Weg, Watchmen auf die Leinwand zu bringen: So nahe am Comic zu bleiben wie möglich. Und genau das hat er getan: Watchmen erzählt exakt die Geschichte, die der Comic erzählt, und er erzählt sie auf nahezu identische Weise. Snyder übernimmt alle Hauptfiguren und deren Beziehungsgeflecht, er streicht keine relevanten Handlungsstränge, er versucht nicht, die Story zu vereinfachen und geradliniger zu machen. Die einzige größere Abweichung zur Vorlage erlaubten sich die Drehbuchautoren beim finalen Höhepunkt der Geschichte. Und diese Änderung funktioniert besser als vermutet. Diese Werktreue ist einerseits großartig, denn so entsteht eine komplexe, verschachtelte Erzählung, mit wechselnden Erzählperspektiven und etlichen Zeitsprüngen. Etwas, was man dem großen, teuren Blockbusterkino aus Hollywood gar nicht mehr zugetraut hätte. Verzichtet wird lediglich auf die im Comic eingewobenen Szenen aus einem Piratencomic und damit auf eine weitere Metaebene (im angekündigten Director’s Cut sollen diese Szenen als Zeichentricksequenzen eingebunden werden).

Es ist also fast alles im Film, was auch im Comic ist. Das Problem ist nur: Einen Stoff, den Moore und Gibbons über 380 Seiten episch ausgebreitet haben, quetscht Snyder in gut zweieineinhalb Stunden. Das Resultat: Der Film fühlt sich trotz seiner Länge sehr gehetzt an, er hechelt förmlich von Erzählstrang zu Erzählstrang, ohne einen Moment des Innehaltens. Kaum ein Detail des Comics möchte Snyder auslassen, aber die Fülle dieser Details wird dem Zuschauer derart schnell und geballt präsentiert, dass er nur schwer folgen kann.

Besonders deutlich wird dies am Hintergrund der Superhelden. Bei Alan Moore entfaltet sich, vor allem in den Kapitelanhängen (in Form von Buch- und Zeitungsausschnitten, Akten und anderem fiktiven Textmaterial) eine fein ausgearbeitete Superheldenhistorie. Wir erfahren, wie in den 30er Jahren die ersten Helden entstanden, wie sie erste Teams bildeten, zu Stars wurden, später im offiziellen Auftrag der Regierung arbeiteten, dann jedoch vom Volk verachtet und schließlich verboten wurden. Dieser Background, der für den Plot von Watchmen nicht ganz unwichtig ist, wird von Snyder in wenigen Minuten während des Vorspanns abgefühstückt. Dies ist zwar stilistisch hochinteressant und virtuos gelöst, aber wer hier nicht aufpasst (und die Comicvorlage nicht kennt), dem fehlen einige wichtige Grundlagen.

Watchmen ist, auch hier bleibt er der Vorlage treu, ein sehr erwachsener Film. Es gibt keine strahlenden Helden, alle Figuren sind durchweg moralisch entweder ambivalent oder gleich völlig verkommen. Sie schrecken nicht vor extremer Gewalt zurück und einer von ihnen läuft auch noch ständig nackt herum. Die Gewalt in Watchmen gehört zu den wenigen Punkten, in denen Zack Snyder mal nicht knapper ist als die Vorlage. Im Gegenteil, hier wird ausschweifend ausgeschmückt. Kampfszenen werden zelebriert, und zwar in einer ähnlichen Ästhetik, wie man sie aus Snyders 300 kennt: mit einem Mix aus Superzeitlupen und Zeitraffern und mit blutigen Splattereffekten. Das zeigt die Watchmen-Helden zwar als skrupellos und brutal, überhöht sie aber gleichzeitig auf eine Weise, die nicht im Sinne der Vorlage sein kann.

Ungewöhnlich für einen Film dieser Größenordnung ist, dass praktisch keine bekannten Stars dabei sind. Watchmen ist mit weitgehend unbekannten Schauspielern besetzt, und auch hier wurde schon beim Casting versucht, größtmögliche Nähe zum Comic zu bewahren. Die Ähnlichkeit der Leinwand-Charaktere zu den Zeichnungen von Dave Gibbons ist teilweise frappierend. Einige der Akteure machen ihre Sache sehr gut: Jeffrey Dean Morgan als Comedian und besonders Jackie Earle Haley als Rorschach sind sehr überzeugend, auch Patrick Wilson macht als verunsicherter Nite Owl seine Sache nicht schlecht. Billy Cudrup hatte es als Dr. Manhattan recht schwer, weil seine Erscheinung ständig digital verfremdet ist und damit gewollt unnatürlich wirkt. Schwach ist allerdings Matthew Goode als Ozymandias, der vollkommen oberflächlich wirkt, ein aalglatter Jüngling, dem man niemals abnimmt, ein genialer Unternehmer und “der klügste Mensch der Welt” zu sein. Und auch Malin Akerman (Silk Spectre) ist kaum mehr als ein ansehnliches Pin-Up-Girl.

Aber Watchmen ist kein Schauspielerdrama, sondern ein Film, der mit Kostümen und Effekten beeindrucken will. Was die Optik angeht, ist der Film absolut gelungen. Snyder liefert großes, teilweise überwältigendes Augenfutter und hält sich auch bei Ausstattung und Set-Design extrem eng an die Comicvorlage, bis hin zu kleinsten Details. Optisch ragt besonders die Szene heraus, in der Dr. Manhattan einen Ausflug zum Mars unternimmt und dort einen Glaspalast errichtet. Das Schwelgen in Bildern, das Auf-die-Leinwand-Zaubern von Szenen aus dem Comic ist die große Stärke von Snyders Watchmen.

Weniger glücklich dagegen die Musikauswahl. Hier stand scheinbar der Wunsch Pate, die größten Hits der 60er, 70er und 80er Jahre auf dem Soundtrack zu vereinen. Während 80er-Jahre-Hits wie Nenas “99 Luftballons” noch gut zum zeitlichen Setting der Story passen und Bob Dylans “The Times, They Are A-Changing”, das den Vorspann untermalt, auch im Comic prominent zitiert wird, wirken andere Songs völlig deplatziert. Was hat die Beerdigung des Comedian mit “Sounds of Silence” von Simon & Garfunkel zu tun? Und was zum Teufel hat sich Snyder dabei gedacht, seine Sexszene zwischen Nite Owl und Silk Spectre, die in ihrer Inszenierung an einen Softporno erinnert, ausgerechnet mit Leonard Cohens “Hallelujah” zu untermalen? Auch wenn der Song durchaus sexuell interpretiert werden kann, er passt ganz und gar nicht zu dieser Szene.

Ist Watchmen nun also gelungen oder misslungen? Sowohl als auch, muss man wohl sagen. Zack Snyder hat einen Film gedreht, der seiner Vorlage extrem treu bleibt und dadurch den wohl ernsthaftesten und komplexesten Superheldenfilm geschaffen, den man bisher im Kino sehen durfte. Watchmen ist visuell beeindruckend und schafft es zumindest teilweise, die moralischen Fragen, die Moore und Gibbons in ihrer Graphic Novel verhandeln, zu übertragen.

Doch als eigenständiges Werk funktioniert der Film nur bedingt. Die Vielschichtigkeit und Tiefe der Vorlage, die nicht zuletzt auch ein “Comic über Comics” ist, kann Snyder kaum einfangen. Viele, die den Comic nicht kennen, werden sich nach dem Kinobesuch fragen, was denn an dieser Geschichte so genial sein soll, dass der Comic als einer der allerbesten gilt. Es bleibt dabei: Wer Watchmen komplett erleben und begreifen will, muss zur Comicversion greifen.

Zuerst erschienen bei Comicgate.

Comics im Kino

Weil es ja doch vielleicht ein paar Leser gibt, die Comicgate nicht lesen, und sich aber trotzdem für Comicverfilmungen interessieren, sei hier nochmal auf meinen Überblicksartikel Watchmen & Co. – Comicverfilmungen 2009 verwiesen, der einen Ausblick auf dieses Jahr (und darüber hinaus) bietet.

Persönlich am meisten gespannt bin ich ja auf den Scott-Pilgrim-Film von Edgar Wright. Der Comic ist großartig (wurde hier schon mal ausführlich bebloggt, und auch der frisch erschienene fünfte Band ist wieder klasse) und bei Edgar Wright als Drehbuchautor und Regisseur muss das einfach gut werden. Zur Zeit laufen erste Dreharbeiten in Toronto, Wright postet fast täglich ein Foto auf seinem Blog.

Letzte Woche gelernt (8)

  • Überzeugende Etymologie:

    “Pro7″ is’ ja lateinisch und heißt in deutsch so ähnlich wie “Für datt Sieben” – also kein Wunder, datt die gerne so Castingshows machen.

    (sagt Ingeborch)

  • Der tolle österreichische Karikaturist Manfred Deix war laut eigener Aussage

    mit sieben Jahren schon Pornohändler. Und da ich nicht gewusst hab, wie die Frauen untenrum aussehen, hab ich denen auch Zumpferl dazugemacht. Oben große Dutteln, unten kleine Zumpferl. Ich hab ordentlich verkauft.

    Mit elf Jahren hatte er dann einen Fortsetzungscomic in einer katholischen Kirchenzeitung. Was für ein Lebenslauf. Das und mehr in einem Interview bei SpOn.

  • Exakt dann am Bahnhof sein, wenn der Zug einfährt. Das ist die Kunst.

    sagt Clint Eastwood. Und der muss es ja wohl wissen!

  • Ach ja, und im Münchner Filmmuseum läuft bis in den Sommer hinein eine Eastwood-Retrospektive mit dem schönen Titel “Clintessenz”. Super Gelegenheit zum Bildungslücken-Schließen!