Geist ist geil

Im Kino: X-Men Origins: Wolverine

Mittwoch, 29.04.2009

Als im Jahr 2000 der erste X-Men-Film von Bryan Singer erfolgreich im Kino lief (und damit einen bis heute andauernden Boom von Comic- und Superheldenfilmen lostrat), war Hugh Jackman, der die Rolle des Wolverine spielte, höchstens in Australien und bei Musicalfans bekannt. Mittlerweile zählt er zu Hollywoods Topstars, wurde vom Magazin People zum “Sexiest Man Alive” erklärt und durfte die letzte Oscar-Verleihung moderieren. So genügt mittlerweile schon sein Name, kombiniert mit dem der bekanntesten und beliebtesten X-Men-Figur, um als ordentliches Zugpferd für die Kinokassen zu dienen. Mit X-Men Origins: Wolverine versuchen Marvel und 20th Century Fox, ein im Comicbereich bewährtes Rezept - das Spin-Off - auch im Kino umzusetzen. Statt einer größeren Gruppe von Mutanten steht nun ein einzelner Charakter, dessen Herkunftsgeschichte näher beleuchtet wird, im Mittelpunkt.

In X-Men Origins: Wolverine erfahren wir, woher Logan alias Wolverine stammt, wo er seine extrem scharfen Klauen her hat, und warum der Kanadier schon in früheren X-Men-Filmen (besonders in X2) über seine Vergangenheit nachgrübelte. Die Geschichte spielt zum Großteil in den siebziger Jahren, etwa 20 Jahre vor dem ersten X-Men-Film, beginnt aber schon deutlich früher. Denn Wolverine alias Logan hat schon etliche Jahre auf dem Buckel. Der Prolog zeigt ihn, der ursprüngllich James Howlett heißt, und seinen Halbbruder Victor als etwa 12jährige Jungs Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei einer Familientragödie stellen beide fest, dass ihnen scharfe Krallen wachsen können und dass sie über besondere Selbstheilungskräfte verfügen. Anschließend trägt uns der gelungene Vorspann im Zeitraffer durch die folgenden Jahrzehnte: James und Victor sind mit ihren Kräften wie gemacht fürs Militär und kämpfen in allen Kriegen, vom Sezessionskrieg über die zwei Weltkriege bis zum Vietnamkrieg.

Dort wird ein hoher Militär namens Stryker auf die beiden aufmerksam und rekrutiert sie für seine Spezialtruppe “Team X”, in der auch andere Mutanten aktiv sind. Doch bald trennt sich James von dieser Gruppe, weil er die unmenschlichen Methoden ihres Bosses Stryker ablehnt. Er setzt sich in Kanada zur Ruhe, um dort als Holzfäller zu arbeiten und mit seiner großen Liebe Kayla Silverfox zu leben.

Erst nach diesem recht ausführlichen Vorgeplänkel beginnt die eigentliche Handlung, in der Victor alias Sabretooth zu Wolvies Gegenspieler wird, und die schließlich zum Projekt “Weapon X” führt - hier bekommt James Howlett sein Skelett aus Adamantium und wird schließlich zu der Figur, die wir als Wolverine alias Logan kennen. Nach einer furchtbar schmerzhaften Operation fühlt Logan sich von Stryker als Waffe missbraucht und startet einen Rachefeldzug.

All das ist routiniert inszeniert, mit einem steten Wechsel von Action und ruhigeren Momenten. Recht ordentliche Popcorn-Unterhaltung, aber leider nicht mehr. Ganz im Gegensatz zu den ersten beiden X-Men-Filmen (und mit Abstrichen auch zum dritten) ist Wolverine nichts weiter als durchschnittliches, uninspiriertes Actionkino. Wo die X-Men-Trilogie von ihrer Charaktervielfalt und den interessanten Beziehungen zwischen den verschiedenen Mutanten lebte, wo diese Filme mit einer spannenden Metaebene spielten (Mutanten als gesellschaftliche Außenseiter), gibt es im neuen Wolverine kaum mehr als geradliniges Gut gegen Böse, jede Menge Krach und Kämpfereien, aber kaum Überraschungen oder originelle Dialoge. Auch vom ironischen Humor, den besonders Jackman als Wolverine in die X-Men-Trilogie einbrachte, ist hier kaum etwas zu sehen - X-Men Origins will eher ein hartes Actiondrama sein, das davon erzählt, wie ein Held geschunden wird.

Hugh Jackman, der auch als Produzent im Spiel war, geht erwartungsgemäß in seiner Rolle auf und zeigt sich über weite Strecken als gut trainiertes Muskelpaket im Feinripp-Unterhemd, was sicher viele Zuschauerinnen freuen wird. Die anderen Schauspieler bleiben eher blass, auch Liev Schreiber, der eher als Charakter- denn als Actiondarsteller gilt und hier Wolverines Halbbruder spielt. Warum er im Gegensatz zu Logan ein kaltblütiger Killer ist und warum er seinem Halbbruder nachstellt, wird nie so richtig klar. Auch Nebenfiguren wie Taylor Kitsch als kartenwerfender Mutant Gambit sind schnell vergessen - wobei das vielleicht weniger an der schauspielerischen Leistung liegt, als daran, dass das Drehbuch mit der Figur kaum etwas originelles anzufangen weiß. Und das gilt praktisch für alle Nebenrollen im Film.

In Sachen Action hat der Film einiges zu bieten, kann aber auch hier nicht voll überzeugen. Vieles wirkt blutleer und allzu künstlich. An einigen Stellen ist den Effekten deutlich anzumerken, dass sie aus dem Computer stammen. Das gilt besonders für den Showdown, in dem es Wolverine mit einer fürchterlich nichtssagenden Weapon XI zu tun bekommt: der fühlt sich an, als würde gerade ein Konsolen-Prügelspiel auf der Leinwand übertragen.

Insgesamt enttäuscht Wolverine als sehr mittelmäßiger Action-Blockbuster. Die Latte, die Bryan Singer mit seinen beiden gelungenen X-Men-Filmen sehr hoch gelegt hat, hat bereits Brett Ratner mit X-Men: Der letzte Widerstand gerissen, aber das Spin-Off erfüllt die Erwartungen noch weniger. Regisseur Gavin Hood, der mit dem südafrikanischen Film Tsotsi 2005 den Auslandsoscar gewann, hat bisher keine Erfahrung im Inszenieren großer Blockbuster, was man dem Film leider auch anmerkt. Wolverine ist ein bisschen düster, ohne wirklich finster zu sein, ein bisschen spannend, ohne wirklich mitreißend zu sein, ein bisschen dramatisch, ohne wirklich faszinierend zu sein. Kurz: Man kann sich X-Men Origins durchaus ansehen, aber man wird ihn bald wieder vergessen haben.

Abspann: Angeblich gibt es den Film in verschiedenen Fassungen, die nach den Schlusscredits jeweils unterschiedliche kurze Rauswerfer-Szenen haben. Die, die ich gesehen habe, war so nichtssagend und unspektakulär wie der ganze Film.

Zuerst erschienen bei Comicgate.

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Trailerschau für Filmstarts vom 23.4.

Freitag, 24.04.2009

Im Kino sehen:
Le premier jour du reste de ta vie (C’est la vie - So sind wir, so ist das Leben): Sympathischer französischer Familienfilm, der sich fünf einzelne Tage innerhalb von zwölf Jahren herauspickt, um seine Geschichte zu erzählen. Eine Freundin hat den gestern gesehen und zeigte sich sehr begeistert, nicht zuletzt wegen der guten Musik. Könnte sich lohnen, glaub ich.

Mesrine : L’instinct de Mort (Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt): Tja, “Staatsfeind Nr. 1″ war schon besetzt, da musste dann ein anderer “deutscher” Titel her, weil den Namen Mesrine ja keine Sau kennt (denkt zumindest der Verleih). In Frankreich ist das anders, da ist Jacques Mesrine als Meistergauner und Ausbrecherkönig eine Berühmtheit, die fast zwei Jahrzehnte lang immer wieder die Staatsgewalt narrte, bis sie 1979 von der Polizei getötet wurde. Vincent Cassel spielt Mesrine in diesem Zweiteiler, der in Frankreich ein großer Erfolg war. Teil zwei startet in vier Wochen. Die deutschen Kritiker vergleichen den Film fast alle mit dem Baader Meinhof Komplex, bei den meisten kommt Mesrine etwas besser weg. Ich mag das Genre Gangsterfilm ganz gerne, bin mir nur nicht sicher, ob ich das jetzt im Kino sehen will oder lieber beide Filme am Stück auf DVD schauen soll.

Auf die DVD warten:
Kopf oder Zahl: Hier will mal wieder jemand der deutsche Tarantino werden: Benjamin Eicher und Timo Joh. Mayer mischten bereits bei der berühmt-berüchtigten schwäbischen Trash-Serie Dei Mudder sei Gesicht mit und haben hier immerhin eine recht prominente Besetzung zusammenbekommen. Allzu originell wird’s wohl nicht werden, aber unterhaltsam dürfte der Film durchaus sein.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Dorfpunks: Rocko Schamoni ist einer von den Guten und sein autobiografischer Roman über seine Jugend als Punk vom Land hat mir auch gefallen. Die Verfilmung sieht aber viel zu sehr nach bravem Fernsehpiel aus und viel zu wenig nach Punk. Detlef Kuhlbrodt äußert sich in der taz recht positiv, kommt aber auch nur zum Fazit “Also im Prinzip ganz okay”.

Cadillac Records: Beschwört die gute alte Zeit der Musikindustrie und erzählt die Geschichte von Leonard Chess (Adrien Brody) und seinem Label Chess Records, bei dem viele berühmte Blues-Musiker unter Vertrag standen. Lohnt sich, wenn überhaupt, vielleicht wegen der Musik.

Muss nicht sein:
Defiance (Unbeugsam - Defiance): Daniel Craig spielt den Anführer einer jüdischen Partisanengruppe, die während des Zweiten Weltkriegs in Polen gegen die deutschen Besatzer kämpften. Christian Buß schreibt bei SpOn: “So wenig Trauer, so viel Testosteron war selten in einem Holocaust-Film. […] Das hat die Welt noch nicht gesehen: die Shoah als Shootout.”

I Love You, Man (Trauzeuge gesucht!): Die wievielte Scheiß-Hochzeitskomödie ist das jetzt? Herrgott, wer guckt diesen Käse? Moment, fairerweise muss man sagen, dass es hier weniger um eine Hochzeit geht als um Männerfreundschaften. Was den Film aber nicht besser macht.

The Secret Life of Bees (Die Bienenhüterin): Romanverfilmung mit Queen Latifah über ein weißes Waisenmädchen, das in den 60er Jahren in South Carolina von einer schwarzen Bienzüchterfamilie aufgenommen wird. Sieht nach einem kitschverdächtigen sentimentalen Rührstück aus.

Ein Traum in Erdbeerfolie - Comrade Couture: Ostalgie mal anders — Doku über Mode als subversives Element in der DDR. Nicht unbedingt mein Thema.

Morgen, Ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film: Ich kenne die Figur des “Ausbilder Schmidt” nicht und ich bin froh darüber. Bundeswehr-Humor als Comedyformat im Kommerzradio, das jetzt auch ins Kino schwappt. Wer das noch nicht gruselig genug findet, möge einen Blick auf die Besetzungsliste werfen. Bitte ausmustern.

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Ein ♥ für Blogs, hab ich doch auch

Dienstag, 21.04.2009

Der StyleSpion hat für heute den Aktionstag “Ein Herz für Blogs” ausgerufen. Weil die Tendenz zur gegenseitigen Verlinkung in der Blogosphäre abnehme, solle man doch mal bitte ein paar seiner Lieblingsblogs explizit vorstellen. Eine gute Idee, denn auch ich gehöre zu denjenigen, die zwar mal eine Blogroll angelegt haben, diese aber nicht unbedingt aktuell halten. Tatsächlich wollte ich die Blogroll schon seit langem mal komplett überarbeiten, schiebe das aber ständig vor mir her.

Nun also aus aktuellem Anlass:
Vier Blogs, die ich gerne lese, obwohl sie nicht auf der Blogroll stehen (in no particular order)

In der Kinoprovinz
Hamburg ist Kinoprovinz, weil dort fast nie 100% aller Kinofilme am Startwochenende anlaufen. Gunnar kennt sich dort bestens aus und stellt die Filme vor, die in Hamburg anlaufen. Und zwar ohne sie bereits gesehen zu haben, nach dem Motto “Vorurteile statt Filmkritik”. So ähnlich, wie ich das hier in der Trailerschau-Rubrik auch betreibe, nur mit mehr fundiertem Filmwissen und besserer Formulierungsgabe. Dazu gibt es Fernsehtipps und schöne Rubriken wie “Filme, die wir zum Glück nicht gesehen haben”. Updates gibt es immer pünktlich einmal die Woche, donnerstags.

Fernglas FCB
Ja, mein Gott, ich bin nun mal Bayern-Fan, ich kann’s nicht ändern. Und natürlich braucht man dann auch ein FC-Bayern-Blog in seinem Feedreader. Nur gibt’s da nicht besonders viel Auswahl. Das bekannteste Bayern-Blog kann ich persönlich nicht empfehlen, weil ich es sprachlich-stilistisch für eine Katastrophe halte. Deshalb fällt die Wahl auf Fernglas FCB von André Zechbauer, der für mich genau die richtige Mischung aus Fantum und kritischer Distanz an den Tag legt. Hat gerade in den letzten Wochen seit dem 0:4 in Barcelona ein paar richtig gute Texte geschrieben.

Der Comic-Neurotiker
In Sachen Comic-Blogs ist Deutschland eine Wüste, wenn man die Landschaft mit den USA vergleicht, wo es eine ungemein blühende Comic-Blogosphäre gibt. Aber ein paar gibt’s eben doch. Am liebsten lese ich den Comic-Neurotiker, weil der einen guten Geschmack hat und sich dem Subjekt gerne mal auf andere Weise nähert als mit der klassischen Rezension. Zum Beispiel mit der Rubrik “Was ich diesen Monat aus Comics gelernt habe”.

Cargo Container
Mit dem zur Berlinale gestarteten gedruckten Filmmagazin bin ich nicht warm geworden, das ist mir viel zu verkopft. Das begleitende Blog aber ist sehr schön und enthält einen angenehmen Mix aus Linktipps, Videos, kürzeren und längeren Texten, querbeet von High-Brow bis Low-Brow.

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Podcast: Zettgeist #080 über Watchmen

Sonntag, 19.04.2009

Das Thema ist zwar eigentlich schon mehr oder weniger “durch”, aber vielleicht interessiert’s ja doch den ein oder anderen. Der Zettgeist (einer meiner Lieblings-Podcasts) hat mich eingeladen, an einer Plauderstunde über Watchmen teilzunehmen, was ich gerne getan habe. Da alle Teilnehmer mehr oder weniger schwer auch in diesem Popkulturdings namens “Comic” drinhängen, spielt natürlich auch die Comicvorlage eine Rolle. Mit von der Partie: Zettgeist-Erfinder und -Moderator Sascha Thau, Zuckerfisch-Zeichnerin Naomi Fearn und Stefan Dinter, einer der Menschen, für die das Format “Podcast” erfunden wurde.

Sorry für die unangenehmen Schnaufgeräusche (vor allem am Anfang), die stammen von mir.

ZETTGEIST #080 über Watchmen (ca. 55 Minuten)

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Trailerschau für Filmstarts vom 17.4.

Freitag, 17.04.2009

Auf die DVD warten:
The Boat that Rocked (Radio Rock Revolution): Philip Seymour Hoffman und andere gute Schauspieler sind schonmal ein dicker Pluspunkt, außerdem gute Sixties-Musik. Allerdings scheint diese Komödie um einen Piratensender aber auch allzu gefällig und glatt geraten zu sein. Was auch nicht verwundert, denn Regie führte Richard Curtis, der Autor von RomCom-Heulern wie Bridget Jones und meinem No.-1-Hassfilm Notting Hill.

Crank 2: High Voltage: Ganz schön doof, aber auch ganz schön spaßig. Wer Crank mochte, liegt hier nicht so falsch. Bereits hier besprochen.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Il Divo (Il Divo - Der Göttliche): Film über Giulio Andreotti, eine der schillerndsten Polit-Figuren Italiens. Und zwar nicht als Doku oder Biopic, sondern als satirische Farce. Soll recht toll sein, gewann den Jurypreis in Cannes. Wäre ich Italiener, würde ich das sofort gucken. Oder mit anderen Worten: Ich will so einen Film über Helmut Kohl!

Muss nicht sein:
Secret Sunshine: Koreanisches Arthouse-Drama über die schwierige Trauerarbeit einer Mutter, deren Sohn ermordet wurde. Filmkunst für Leute, die sich nicht abschrecken lassen, wenn Kritiker schreiben, der Film sei “mit zwei Stunden und zwanzig Minuten Zumutung und Herausforderung zugleich”. Ich muss bei sowas passen.

El Sistema: Und wieder eine dieser Dokus, in der sich das Bildungsbürgertum selbst bestätigen kann, dass ein bisschen Hochkultur die armen unterpriviligierten Kinder retten kann. Gab’s schon mit Ballett und mit Simon Rattle, diesmal geht’s um ein Orchester-Projekt in Venezuela.

Last Chance Harvey (Liebe auf den zweiten Blick): Es gibt ja jetzt Kinos, die ein “Ü-50-Programm” anbieten, mit Kaffee und Kuchen oder einem Sektchen. Und damit die was zu spielen haben, gibt es eben auch schlichte Lovestories mit älteren Liebespaaren. Immerhin mit guten Schauspielern: Emma Thompson und Dustin Hoffman.

The Forbidden Kingdom : Die Martial-Arts-Superstars Jet Li und Jackie Chan zum ersten Mal zusammen in einem Film! Fanboys mögen davon evtl. einen Ständer bekommen, der Film sieht aber nach einem rechten Schmarrn aus.

I can’t think straight: Eine Jordanierin verliebt sich in eine Inderin, die in London lebt und gerade ihre Hochzeit vorbereitet. Das könnte möglicherweise interessant sein, wenn das nicht alles in einer todschicken Uperclass-Hochglanz-Welt gedreht wäre und dadurch aussieht wie der nie gedrehte Film “Als Barbie lesbisch wurde”.

Winnetoons - Die Legende vom Schatz im Silbersee: Karl May als weichgespülter Zeichentrickfilm für Kinder. Bäh.

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Im Kino: Crank 2: High Voltage

Donnerstag, 16.04.2009

Am Ende von Crank fällt der Held Chev Chelios vom Himmel. Aus einem Hubschrauber, von sehr weit oben auf sehr harten Beton. Game over, so stand es am Schluss auch auf der Leinwand. Aber weil der Film durch und durch von seiner Videospiel-Logik lebte, war es nur konsequent, dass dem Helden auch nach dessen vermeintlichem Tod ein weiteres Leben gegönnt ist. Und so beginnt Crank 2 genau an jener Stelle, an der der erste Teil endete.

Chev Chelios (Jason Statham) erwacht im Krankenhaus, wo man ihm gerade sein Herz herausgenommen hat. Denn dieses Organ muss wahre Wunderkräfte haben, wenn sein Besitzer so überaus unzerstörbar ist. Also reißen sich irgendwelche Fiesemöpps Chelios’ Pumpe unter den Nagel, worauf dieser stinksauer wird und sein Herz unbedingt wieder zurückholen will. Das Ersatzorgan, dass ihm eingepflanzt wurde, hat allerdings einige Macken: Es läuft mit einer Batterie, die regelmäßig aufgeladen werden will. Chelios ruft also wieder seinen äußerst vertrauenserweckenden Hausarzt an, der ihn schon in Teil 1 so kompetent beraten hatte. Diesmal heißt die Losung: regelmäßig Strom tanken, je stärker, desto besser.

Mehr muss man nicht wissen, denn der Plot ist sowieso egal. Das Regieduo Neveldine/Taylor macht aus der Prämisse genau das, was auch Teil 1 war: Ein wildes, ungestümes, pubertäres, dummdreistes, beklopptes, schnelles, überdrehtes, wahnsinniges Action-Spektakel. Die Stilmittel sind die gleichen wie im Vorgängerfilm (schnelle Schnitte, wilde Kamerafahrten, stylishe Titeleinblendungen, Google-Earth-Zooms usw.), nur dass man die Regler, die in Teil 1 schon weitgehend auf 11 standen, noch etwas weiter aufgerissen hat. Hier ist alles nochmal eine Ecke härter, krasser, ekliger, hektischer, alberner und bunter. Das Ergebnis ist ein Film, der eine FSK-18-Freigabe hat, der aber aussieht, als hätten ihn sich zwei 15jährige Jungs im Hormonrausch ausgedacht. Und ebenjene dürften auch die Zielgruppe sein, die am meisten Spaß mit dem Film hat. Viel Geballer, geschmacklose Gags, ein paar Splatterszenen, Action mit Autos und jede Menge äußerst spärlich bekleidete Frauen.

Crank 2 lässt einem in 96 Minuten kaum einen Moment zum Luftholen, ist also durchaus sehr kurzweilig. Nur darf man halt auch keine Minute lang nachdenken, was man da eigentlich grade sieht. Sonst könnte man nämlich drauf kommen, dass man es hier vielleicht mit einem frauenfeindlichen, rassistischen, blöden Machwerk zu tun hat. Wer es schafft, dieses Nachdenken zu unterdrücken, sieht ein rasantes, schwer unterhaltsames Pop-Spektaktel, in dem allerdings die Dinge, die im ersten Teil noch neu und überraschend waren, nurmehr ein zweiter Aufguss dessen sind, was man schon mal gesehen hat. Kein lauer Aufguss immerhin, dazu ist alles viel zu überdreht, aber wirklich originell ist Crank 2 nicht mehr. Außer vielleicht in der einen Szene, in der man das Beklopptheitsrad bis ganz zum Anschlag gedreht hat und die mir dann auch am Besten gefallen hat: Statham bekämpft in einem Umspannwerk einen Gegner und der Film und seine Ästhetik kippen in eine trashige Godzilla-Hommage, die wirklich herrlich ist.

Ansonsten muss man sich ein wenig dafür fürchten, wo das noch hinführen soll. Denn Neveldine/Taylor planen angeblich einen dritten Teil.

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Bei der Geburt getrennt? (6)

Mittwoch, 15.04.2009

  

Klaus Lemke und The Goon

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Keine Trailerschau für Filmstarts vom 9.4.

Dienstag, 14.04.2009

Tut mir leid, ich habe zu viel anderen Kram um die Ohren. Die Trailerschau fällt diesmal aus. Aber es gibt in dieser Woche sowieso nichts, was man dringend sehen müsste. Am interessantesten erscheint mir noch Bedingungslos von Ole Bornedal, und der deutsche Film So glücklich war ich noch nie könnte ganz nett sein.

Ende der Woche kehren wir hier wieder zum regulären Betrieb zurück, bis dahin empfehle ich (erneut) das schöne Kinoprovinz-Blog.



Letzte Woche gelernt (11)

Montag, 06.04.2009
  • Ein Multiplex-Betreiber greift eigenmächtig zur Schere und zensiert Filme? Schwer zu glauben, aber wahr. Im Cineblog wird dies berichtet und gefragt, ob man das für übertrieben hält. Ich halte es nicht für übertrieben, sondern für einen Skandal. Und dem Verleih dürfte das vermutlich auch nicht gefallen.

  • Die taz, der man vielleicht etwas mehr Integrität zutraut als anderen Zeitungen, schafft es, Texte von freien Journalisten sinnentstellend umzuschreiben. So sehr, dass sich Autorin Lisa Rank zu einer Klarstellung auf ihrem Blog veranlasst sieht.
  • Die verschwunden geglaubte ehemalige Netzeitungs-Kolumne “Altpapier”, die eine schöne tägliche Presseschau der Medienseiten zusammenstellt, ist gar nicht verschwunden. Sie lebt weiter auf dem (laut Impressum niederländischen) Portälchen dnews.de. Und drübergestolpert bin ich bei einer Twitter-Suche.
  • Neue Blog-Projekte aus München: bessermuenchen.de kommt aus der jetzt.de-Redaktion und hat bis dato vor allem Veranstaltungstipps zu bieten. Vielleicht geht da ja noch ein bisschen mehr. Und dem westendblog scheint nach einem vielversprechenden Start schon wieder die Puste ausgegangen zu sein?

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  • Trailerschau für Filmstarts vom 2.4.

    Donnerstag, 02.04.2009

    Im Kino sehen:
    Monsters vs. Aliens: Animationsfilm aus dem Hause Dreamworks, gespickt mit etlichen Referenzen auf Monsterfilme der 50er Jahre. Ich erwarte spaßige, rasante Unterhaltung für Jung und Alt. Sollte man, wenn möglich, dort ansehen, wo der Film in 3D gezeigt wird. Das US-Original hat mal wieder einen beeindruckenden Voicecast (Reese Witherspoon, Hugh Laurie, Kiefer Sutherland), bei uns reicht’s nur für Kalkofe und den Bodybuilder aus Recklinghausen.

    Auf die DVD warten:
    Religulous (Religulous - Man wird doch wohl fragen dürfen): US-Comedian Bill Maher reist in Michael-Moore-Manier durch die Welt, um aufzuzeigen, wie lächerlich Religionen und ihre Anhänger sind. Dabei sind die Leute, über die er sich lustig macht, wohl ziemlich leichte Opfer und der Film ist nicht so aufklärerisch, wie er sich gibt. Aber schwer unterhaltsam und ziemlich komisch dürfte es eben doch sein, wenn Maher verbohrte Fundamentalisten einfach dadurch entlarvt, dass er sie reden lässt. Hans Mentz jedenfalls kann den Film mit Einschränkungen empfehlen. Ich würde allerdings stark von der deutschen Fassung abraten: Diese ist nicht etwa untertitelt oder, wie bei Dokus oft üblich, mit darübergelegtem Ton übersetzt, sondern lippensynchron, was den Film extrem geschauspielert wirken lässt. Und dass er das nicht ist, ist ja gerade der Witz dran.

    Vielleicht mal im Fernsehen:
    Stellet Licht: Herausragende Besonderheit dieses Films: Er ist in Plautdietsch gedreht. Es geht um einen Mennoniten in Mexiko, der neben seiner Ehefrau noch eine andere Frau liebt. Zumindest das exotische Setting klingt interessant, aber der Film scheint noch mehr Qualitäten zu haben. Die Rezensenten sind voll des Lobes und in Cannes teilte sich der Film 2007 den Jurypreis mit Persepolis.

    Rachel Getting Married (Rachels Hochzeit): Familiendrama von Jonathan Demme, in dem es weniger um die heiratende Rachel geht, sondern um deren Schwester, das schwarze Schaf der Familie, die die familiäre Idylle ins Wackeln bringt. Erinnert ein bisschen an Das Fest.

    John Rabe: John Rabe war einer der “guten Deutschen” der Nazizeit, rettete als Siemens-Geschäftsführer in Nanjing zahlreiche Chinesen vor den Japanern. Mal wieder einer der sogenannten Amphibienfilme, der in einer anderen Schnittfassung als Zweiteiler im Fernsehen zu sehen sein wird. Die Hauptolle hätte eigentlich Ulrich Mühe spielen sollen, der ja leider nicht mehr lebt. Jetzt macht’s der andere Ulrich, Herr Tukur. Und Steve Buscemi spielt auch mit.

    Muss nicht sein:
    Nuit de Chien (Diese Nacht): Filmkunst, die arg nach Theater aussieht. Das mag ganz toll sein, es ist aber garantiert nichts für mich.

    Fast & Furious (Fast & Furious - Neues Modell. Originalteile.): Vierter Teil der Kfz-Pornos mit Vin Diesel. Applaus für den herrlichen deutschen TItel.

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