Im Kino: Crank 2: High Voltage

Am Ende von Crank fällt der Held Chev Chelios vom Himmel. Aus einem Hubschrauber, von sehr weit oben auf sehr harten Beton. Game over, so stand es am Schluss auch auf der Leinwand. Aber weil der Film durch und durch von seiner Videospiel-Logik lebte, war es nur konsequent, dass dem Helden auch nach dessen vermeintlichem Tod ein weiteres Leben gegönnt ist. Und so beginnt Crank 2 genau an jener Stelle, an der der erste Teil endete.

Chev Chelios (Jason Statham) erwacht im Krankenhaus, wo man ihm gerade sein Herz herausgenommen hat. Denn dieses Organ muss wahre Wunderkräfte haben, wenn sein Besitzer so überaus unzerstörbar ist. Also reißen sich irgendwelche Fiesemöpps Chelios‘ Pumpe unter den Nagel, worauf dieser stinksauer wird und sein Herz unbedingt wieder zurückholen will. Das Ersatzorgan, dass ihm eingepflanzt wurde, hat allerdings einige Macken: Es läuft mit einer Batterie, die regelmäßig aufgeladen werden will. Chelios ruft also wieder seinen äußerst vertrauenserweckenden Hausarzt an, der ihn schon in Teil 1 so kompetent beraten hatte. Diesmal heißt die Losung: regelmäßig Strom tanken, je stärker, desto besser.

Mehr muss man nicht wissen, denn der Plot ist sowieso egal. Das Regieduo Neveldine/Taylor macht aus der Prämisse genau das, was auch Teil 1 war: Ein wildes, ungestümes, pubertäres, dummdreistes, beklopptes, schnelles, überdrehtes, wahnsinniges Action-Spektakel. Die Stilmittel sind die gleichen wie im Vorgängerfilm (schnelle Schnitte, wilde Kamerafahrten, stylishe Titeleinblendungen, Google-Earth-Zooms usw.), nur dass man die Regler, die in Teil 1 schon weitgehend auf 11 standen, noch etwas weiter aufgerissen hat. Hier ist alles nochmal eine Ecke härter, krasser, ekliger, hektischer, alberner und bunter. Das Ergebnis ist ein Film, der eine FSK-18-Freigabe hat, der aber aussieht, als hätten ihn sich zwei 15jährige Jungs im Hormonrausch ausgedacht. Und ebenjene dürften auch die Zielgruppe sein, die am meisten Spaß mit dem Film hat. Viel Geballer, geschmacklose Gags, ein paar Splatterszenen, Action mit Autos und jede Menge äußerst spärlich bekleidete Frauen.

Crank 2 lässt einem in 96 Minuten kaum einen Moment zum Luftholen, ist also durchaus sehr kurzweilig. Nur darf man halt auch keine Minute lang nachdenken, was man da eigentlich grade sieht. Sonst könnte man nämlich drauf kommen, dass man es hier vielleicht mit einem frauenfeindlichen, rassistischen, blöden Machwerk zu tun hat. Wer es schafft, dieses Nachdenken zu unterdrücken, sieht ein rasantes, schwer unterhaltsames Pop-Spektaktel, in dem allerdings die Dinge, die im ersten Teil noch neu und überraschend waren, nurmehr ein zweiter Aufguss dessen sind, was man schon mal gesehen hat. Kein lauer Aufguss immerhin, dazu ist alles viel zu überdreht, aber wirklich originell ist Crank 2 nicht mehr. Außer vielleicht in der einen Szene, in der man das Beklopptheitsrad bis ganz zum Anschlag gedreht hat und die mir dann auch am Besten gefallen hat: Statham bekämpft in einem Umspannwerk einen Gegner und der Film und seine Ästhetik kippen in eine trashige Godzilla-Hommage, die wirklich herrlich ist.

Ansonsten muss man sich ein wenig dafür fürchten, wo das noch hinführen soll. Denn Neveldine/Taylor planen angeblich einen dritten Teil.

 

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