Samstag, 30.05.2009
Diese Woche wieder in der regulären Form, so wie sich das gehört.
Im Kino sehen:
The Limits of Control: Der neue Jim Jarmusch. Nach allem was man so hört (und wie man Jarmusch eben so kennt) passiert hier wieder mehr oder weniger gar nichts. Das aber auf hohem künstlerischen Niveau und mit guter Besetzung. Ich finde Jarmusch teilweise großartig (Ghost Dog, Coffee and Cigarettes), manchmal aber ganz schön langweilig (Down by Law). Hier könnte wieder letzteres der Fall sein — SZ-Kritiker Tobias Kniebe spricht von einem “fast vollständigen Verzicht auf Plot, Handlungslogik und Figurenentwicklung”. Wenn man sowas sehen will, funktioniert es bestimmt am besten im ablenkungsarmen Kinosaal.
Vielleicht mal im Fernsehen:
In die Welt: Dokumentarfilm, der in einer Wiener Geburtsklink entstand und die dortigen Abläufe zeigt. Hier gibt’s wohl kein sentimentales, auf Drama getrimmtes Rührstück, wie es TV-Dokus über das Thema Geburt gerne vorführen, sondern “ein wohltuend nüchternes und reflektiertes Gegenbild”, wie Daniel Nehm bei critic.de schreibt.
Im nächsten Leben: Edgar Selge spielt einen ostdeutschen Reporter in einer Lebenskrise. Klingt für mich nicht allzu attraktiv, aber Selge ist eigentlich meist sehenswert und soll auch hier wieder sehr gut sein.
Muss nicht sein:
Elektrokohle (Von Wegen): Wie die Einstürzenden Neubauten im Dezember ‘89 in Ost-Berlin auftraten (präsentiert von Heiner Müller). Als Zeit- und Subkulturdokument sicher nicht uninteressant, aber persönlich kann ich mit den Neubauten nichts anfangen.
Hannah Montana - The Movie (Hannah Montana - Der Film): Und hier das exakte Gegenteil zu den Einstürzenden Neubauten: Dass es zu dem weltweit erfolgreichen Mix aus TV-Serie und Pre-Teen-Gesangssternchen irgendwann auch mal einen Spielfilm geben wird, war eigentlich klar. Wer auf aalglatten, durchdesignten Disney-Stoff und ebensolche Popmusik steht, bekommt hier genau die Konfektionsware, die er erwartet.
The Uninvited (Der Fluch der zwei Schwestern): Und wieder mal ein US-Remake eines asiatischen Horrorfilms. Zwei Schwestern sind überzeugt, dass Papas neue Freundin eine Mörderin und vielleicht Schuld am Tod ihrer Mutter ist. Das beste an dem Film ist wahrscheinlich, dass sein Start auf das koreanische Original aufmerksam macht, das soll nämlich richtig gut sein.
12 Rounds (Zwölf Runden): Ein Kidnapper spielt ein tödliches Spielchen mit einem Cop, mit dem er noch eine Rechnung offen hat. Durchschnittsthriller mit Durchschnittsaction, Durchschnittsschauspielern und unterdurchschnittlichen Kritiken. Vom Regisseur von Cliffhanger und dem total verkorksten Exorcist-Sequel.
Ghosts of Girlfriends Past (Der Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen): Matthew McConaughey als frauenverbrauchender Playboy, dem die Geister aller seiner Ex-Freundinnen erscheinen und der geläutert werden muss. Klischeereiche Variante des Christmas Carol, vermutlich mit einem ekelhaft moralischen Ende. Mir ist jetzt schon schlecht.
So.
Normalerweise geht mein Weg immer dann, wenn ich die Trailerschau fertig habe, zur Kinoprovinz, um zu sehen, wie dort die vorurteilsbehafteten Kinoempfehlungen ausgefallen sind (oft ziemlich ähnlich, manchmal auch ganz anders). Das geht jetzt leider nicht mehr, die Kinoprovinz will Schluss machen, was sehr schade ist. Vielleicht schaffen wir es ja, Gunnar umzustimmen, wenn wir alle seinen RSS-Feed abonnieren, auch wenn da jetzt erstmal nix Neues mehr kommt.
Freitag, 29.05.2009
Björn vom Agitpopblog ist genau wie ich FC-Bayern-Anhänger. Deshalb haben wir uns diese Woche mal über unseren Verein und seine merkwürdige Saison 2008/09 unterhalten. Ein echtes Streitgespräch ist es leider nicht geworden, dazu waren wir uns dann doch viel zu einig. Aber vielleicht möchte ja jemand in den Kommentaren für Kontroversen sorgen. Das Chat-Protokoll gibt es sowohl hier als auch bei Agitpop.
Abspannsitzenbleiber: Ich gehöre ja zu denen, die den Klinsmann von Anfang an ganz gut fanden.
Agitpop: Ich stand dem Experiment Klinsmann offen gegenüber, fand es gut, dass der FCB etwas Neues wagen wollte, habe dem Braten aber nicht so Recht getraut aus drei Gründen: Klinsmanns Abgang als Bayern-Spieler, die negative Grundstimmung der Fans wegen der Kahn-tastrophe 2006 und die Aussage, dass man nicht sofort Meister werden muss. Der Letzte der das beim FCB als Trainer gesagt hat war Erich Ribbeck.
Abspannsitzenbleiber: Ich glaube jedenfalls nicht, dass Klinsmann als Trainer total gescheitert ist. Er und der FCB sind aneinander gescheitert. Das passte einfach nicht zusammen.
Agitpop: Damit ist er aber als Trainer des FCB dann doch total gescheitert. Und scheinbar schon an Tag 1, wenn er wirklich neue Spieler wollte und sich damit nicht dem Präsidium gegenüber durchsetzen konnte.
Die Frage ist, ob es überhaupt einen Trainer gibt, der mit einem eigenen Konzept beim FC Bayern klar kommen könnte.
Abspannsitzenbleiber: Jedenfalls nicht, solange Hoeneß und Rummenigge das sagen haben. Das sieht man ja im Moment auch schon wieder sehr schön. Da wird fleißig eingekauft, und der Trainer wird, wie es scheint, erst später dazugeholt.
Agitpop: Ich bin inzwischen nicht sicher, ob Hoeneß (der den FC Bayern ja erst zu dem gemacht hat, was er heute ist) nicht derzeit auf dem Wege ist auch Totengräber des FCB zu werden.
Abspannsitzenbleiber: Ja, man fragt sich schon, ob die Bayern-Bosse auch mal überlegt haben, ob sie nicht vielleicht auch was aus der Klinsmann-Kiste lernen sollten.
Agitpop: Gut dass wir nicht Meister geworden sind, sonst hätte am Ende dieser “Wieso? Reicht doch.“-Effekt eingesetzt. Es war kriminell fahrlässig sich vor der Saison nicht sinnvoll zu verstärken, gerade da in der letzten Saison schon die ein oder andere Schwachstelle offenbar wurde.
Abspannsitzenbleiber: Sich nicht zu verstärken, wäre ja gerade noch gegangen, aber dann auch noch in der laufenden Saison zwei Spieler abzugeben…
Der Verkauf von Jansen war vielleicht der größte Fehler der Saison.
Agitpop: Einer der größten Fehler. Der andere Fehler war es, auf den Trichter zu kommen, dass man mit nur drei Stürmern auf drei Hochzeiten tanzen könnte. Hätte man einen vernünftigen Ersatzmann gehabt, dann hätte Toni diese Saison deutlich weniger Spielminuten bekommen.
Abspannsitzenbleiber: Die Frage beim Sturm ist: Wie stellt man das richtig an? Du brauchst vier gute Leute, aber von denen musst du zwei auf die Bank setzen.
Agitpop: Vier gute Leute wäre toll, aber insgesamt vier Leute hätten mir ja in dieser Saison erstmal gereicht.
Du brauchst ja keine vier Topstars. Nimm zwei Spitzenstürmer und zwei Stürmer, die sich mit einer Rolle auf der Bank zufrieden geben, aber heiß darauf sind, es Allen zu beweisen. Wichtig ist, dass jemand da ist, auf den du setzen kannst wenn sich jemand verletzt. Oder wie Podolski oder Toni die ganze Saison hinter der Form herläuft.
Abspannsitzenbleiber: Bei Podolski hatten halt alle die Hoffnung, dass Klinsmann ihn “heilen” kann. War wohl nix. Aber da haben wir schon das Grundproblem: Drei Spieler, die alle einen Stammplatz wollen. Und jedes Bankdrücken von Nationalstürmer P. ist eine BILD-Schlagzeile wert.
Wenn der Sturm 2009/10 tatsächlich Toni-Klose-Gomez-Olic heißt, dann wird es dieses Problem genauso wieder geben.
Agitpop: Da musst du als Trainer und Verein aber die Eier haben um das durchzuziehen. Wenn ein Spieler seine Leistung nicht bringt, gehört er auf die Bank. Unabhängig vom Namen. Und dann brauchst du eben jemanden, der die Lücke auf dem Platz füllen kann.
Aber du schneidest einen anderen Grund an, aus dem ich Klinsmann als Trainer des FCB doch für gescheitert halte: Die groß angekündigte Jugendoffensive war ein Totalflop. Schweini+Poldi blieben eine weitere Spielzeit weit unter ihrer Form, Lell spielte regelmäßig aber eben auch regelmäßig beschissen, für einen Toni Kroos fand sich im Kader kein Platz. Dafür hätten wir auch Hitzfeld behalten können.
Abspannsitzenbleiber: So gerne ich hier etwas Kontroverse reinbringen würde: Volle Zustimmung. Da ging überhaupt nichts. Klinsmann hat sich ja nichtmal getraut, als keine Stürmer mehr da waren, den Müller aufzustellen. Stattdessen hieß die einzige Sturmspitze in den letzten 10 Minuten gegen den KSC: Daniel van Buyten!
Agitpop: Was ich mich allerdings auch frage in dieser Spielzeit: Was war mit der Mannschaft los? Hat die zum Ende hin gezielt gegen Klinsmann gespielt oder müsste wirklich der halbe Kader achtkantig rausgeworfen werden?
Abspannsitzenbleiber: Ich weiß es auch nicht. Hat vielleicht auch wirklich mit dem fehlenden “hungrigen” Nachwuchs zu tun. Es kam nix Junges nach und die arrivierten waren bräsig und mit sich selbst zufrieden. Im Mittelfeld war es ja noch ganz okay. Aber die sogenannte Abwehr, meine Herren.
Agitpop: Fraglich ob das in der nächsten Saison besser wird: Ribery zeigt in der Bundesliga schon nach zwei Spielzeiten deutlich Abnutzungserscheinungen, hinten wird die Mannschaft bisher nur dadurch verstärkt, dass Oddo endlich geht und die Jugendoffensive besteht aus Alexander Baumjohann. Wo für den im Team Platz sein soll, wo es schon keinen Platz für Kroos gibt weiß ich natürlich nicht.
Abspannsitzenbleiber: Baumjohann! Haha, ich ich glaube, da hat sich das Team aus der Günter-Hetzer-Kolumne der 11 Freunde einen betrunkenen Telefonspaß erlaubt und mit verstellter Stimme irgendwie diesen Vertrag eingefädelt.
Wie ist deine Prognose für die nächste Saison?
Agitpop: Ganz ehrlich? Wenn sich während der Sommerpause nicht einiges tut, befürchte ich eine Wiederholung dieser Katastrophensaison. Anzeichen gibt es genug: Eine sinnige Transferpolitik findet bisher nicht statt, die Rumpelfußballer bleiben uns weitgehend erhalten und der neue Trainer scheint nicht in die Transferpolitik eingebunden zu sein. Scheinbar hat man aus der Klinsmann-Kiste wirklich nichts gelernt.
Meine Prognose ist daher nicht übermäßig positiv. In der Liga werden wir um die Meisterschaft mitspielen, aber nicht so dominieren wie in der vorletzten Saison. International sind wir auch weiterhin nicht konkurrenzfähig: Das Halbfinale werden wir nicht erreichen. Und der DFB-Pokal hat eh seine eigenen Gesetze. (Fünf Paypal-Euro ins Phrasenschwein.) Deine Prognose?
Abspannsitzenbleiber: Ich wünsche mir, dass van Gaal es schafft, sich vom Einfluss von Hoeneß & Co. ein wenig freizumachen. Der Schlüssel dazu ist klar: Punkte. Wenn er die holt, kann sich Hoeneß wie geplant ein bisschen zurückziehen und die Presse wird kein Theater veranstalten. Bleiben die Punkte aus, haben wir wieder ein Problem. Bei Bayern ist man eben zum Erfolg verdammt, das ist schon ein Kreuz.
Ich bin ja Optimist. Die bisherigen Zukäufe weisen in die richtige Richtung. Wenn wir jetzt noch einen Abnehmer für Lell und Ottl finden würden, dann wäre ich sehr zufrieden.
Und davon abgesehen: Ich bin zwar Fan, aber das Ligafinale dieser Saison hat mir doch deutlich besser gefallen als der langweilige Bayern-Alleingang im Vorjahr. 34 Spieltage Spitzenreiter langweilt doch auch.
Agitpop: Schönes Schlusswort.
Mittwoch, 27.05.2009
Kinder haben hier nichts zu suchen!
Die Seite abspannsitzenbleiber.de ist bereits in unserem Filter enthalten und wird als ‘Standard gesperrt’ eingestuft.
…sagt das Jugendschutzprogramm (präsentiert von der deutschen Pornoindustrie). Und damit befinden wir uns in richtig guter Gesellschaft.
Bei amazon.com gibt’s auch Wolfs-Urin zu kaufen. Und dazu gibt es wirklich sehr witzige Kundenrezensionen.
(via Bryan Lee O’Malleys Getwitter)
Tolles neues Blog: Bei Plakatwelten geht es um Filmplakate, vor allem um deren gestalterische Aspekte, aus der Sicht einer Mediendesignerin.
Mit Lego kann man hervorragend Lücken in Gemäuern füllen. Ein sehenswertes Kunstprojekt von Jan Vormann.
(via Hirnwichse)
Donnerstag, 21.05.2009

Der kanadische Slasher My Bloody Valentine von 1981 (Blutiger Valentinstag) war laut Lexikon des internationalen Films ein “billig gemachter Horrorschocker voller blutrünstiger Effekte”. Für das 2009er Remake kann man das wohl auch sagen. Die ziemlich belanglose Story vom mysteriösen Killer, der im Minenarbeiter-Outfit mit der Spitzhacke sein blutiges Unwesen treibt, wäre eigentlich ein typischer Fall für ein kleines Direct-to-DVD-Release, wo es sich zwischen all die anderen B- und C-Horrormovies einreihen könnte. Mit seinem unoriginellen Plot, seinem hanebüchenen Twist und den mittelprächtig agierenden Durchschnittsgesichtern passt My Bloody Valentine 3D da auch sehr gut hin.
Wäre da nicht der eine Spezialeffekt, der den Film von seinen Kollegen abhebt, und den das Marketing schlauerweise auch als “Unique Selling Point” hervorhebt: Er ist in der neuen digitalen 3D-Technik produziert, die (vor allem in den USA) als das große Ding gehandelt wird, das die Leute wieder in die Kinos ziehen soll und nicht zuletzt auch als Waffe gegen Filmpiraterie gedacht ist. Kam die Technik bisher vor allem bei Animationsfilmen (Monsters vs. Aliens, Blot) oder kindgerechten Abenteuerspektakeln (Reise zum Mittelpunkt der Erde) zum Einsatz, ist dies der erste Film des Horrorgenres, “the first R-rated film to be projected in Real D technology”.
Dreidimensional also (zumindest in den, hierzulande noch wenigen, Kinos, die mit dieser Technik ausgestattet sind), räumliche Tiefe auf der Leinwand — und was macht der Film daraus? Nicht viel. Im Grunde genommen hatten die Macher genau eine Idee: Wir picken mit der Spitzhacke ins Publikum. Und beim ersten Mal zuckt man tatsächlich zusammen, wenn der Pickel direkt auf einen zusaust, denn rein technisch funktioniert dieses 3D tatsächlich erstaunlich gut. Leider wird dieser eine Effekt in My Bloody Valentine 3D immer und immer wieder variiert und wiederholt — statt der Spitzhacke fliegt dann halt mal ein Unterkiefer oder eine Blutfontäne ins Parkett –, viel mehr weiß der Film mit der Dreidimensionalität nicht anzufangen.
Außerdem bemerkenswert: Anders als man vielleicht erwarten würde, wirkt das Geschehen auf der Leinwand in 3D eher künstlicher als realistischer als bei der herkömmlichen 2D-Projektion. Man hat das Gefühl, eine Guckkastenbühne zu betrachten, auf der diverse Scherenschnittfiguren agieren — die einen weiter vorne, die anderen weiter hinten.
My Bloody Valentine 3D funktioniert leidlich als moderne (aber überlange) Geisterbahnfahrt und wäre damit auf einer Kirmes ganz gut aufgehoben. Das Slasher-Genre wird hier aber nicht neu erfunden, sondern recht uninspiriert fortgeführt. Bleibt zu hoffen, dass die demnächst anlaufenden 3D-Filme mehr mit der Technik anzufangen wissen. Coraline, ich zähle auf dich!
Donnerstag, 14.05.2009
Im Kino sehen:
Eldorado: Mein erster Gedanke beim Trailer: Das KANN kein französischer Film sein, sieht viel zu kauzig aus. Ist es auch nicht, es ist ein belgischer Film, ein lakonisch-schräges Roadmovie. Dieser Film könnte ihnen gefallen, wenn Sie Kaurismäki- und Jarmusch-Filme mögen.
Auf die DVD warten:
Ricky (Ricky - Wunder geschehen): François Ozons neuer Film lief schon auf der Berlinale und schon in der damaligen Berichterstattung klang ziemlich viel Ratlosigkeit durch über einen Film, der als realistisches Sozialdrama anfängt, bis mit dem Baby Ricky was ganz Besonderes passiert. Die meisten — nicht alle — Rezensionen verraten den speziellen Gag dieses Films, der Trailer tut es leider auch. Keine Ahnung, ob der Film was taugt, angenehm anders dürfte er auf jeden Fall sein.
Vielleicht mal im Fernsehen:
WIR sind Papst!: Einen erstmal rein bayerischen Kinostart bekommt diese Doku über das Dorf Marktl am Inn und seine kollektive Papstbegeisterung. Der Titel klingt ja furchtbar ranschmeißerisch, er wirft zum Glück aber einen durchaus kritischen Blick auf Ratzinger-Bratwurst und ähnliche Kuriositäten. Außerdem beruhigend: Der Bayerische Rundfunk, seit der Papstwahl zum zweiten Radio Vatikan mutiert, hat mit dem Film nichts zu tun.
Nach der Musik: Otmar Suitner ist ein berühmter österreichischer Dirigent, der lange auch in der DDR lebte und in dieser Zeit zwei Familien hatte, eine im Westen und eine im Osten. Sein Sohn hat ihn nun in einem Film porträtiert. Sowas interessiert mich normalerweise kein Stück, aber der Trailer hat mich dann doch gepackt, weil das ein hochinteressanter Mensch zu sein scheint.
Im Sog der Nacht: Deutsch-schweizerischer Film über ein Trio junger Leute, die einen Bankraub begehen, bei dem einiges schiefgeht. “Junges, wildes Kino” behauptet der Trailer, und die Presse spendet viel Lob.
Ichi (Ichi - Die blinde Schwertkämpferin): Japans Popkultur-Ikone Zatoichi, der blinde Samurai, diesmal in einer weiblichen Variante. Der Trailer haut mich nicht vom Hocker, sieht nach durchschnittlicher Genrekost aus.
Tangerine: Ein deutsches Paar auf Reisen in Marokko trifft auf eine marokkanische Frau, woraus sich ein Dreiecks-Drama entwickelt. Ob der Film das Klischee der verführerischen Orientalin jetzt eher bedient oder es bricht, kann ich nicht sagen.
Muss nicht sein:
Were the world mine (Wäre die Welt mein): Musical, das eine schwule Liebesgeschichte erzählt. Wer Musicals mag, wird hier bestimmt ganz gut unterhalten. Für mich ist das aber nix. Die Kinoauswertung findet wohl nur auf sehr kleiner Flamme statt, in zwei Wochen erscheint schon die DVD.
The Last House on the Left: Und schon wieder ein Remake eines 70er-Jahre-Slashers, wie üblich nochmal eine Ecke drastischer, diesmal von Wes Cravens erstem Erfolg, der bei uns damals Das letzte Haus links hieß. Das Original kenne ich nicht. Das Remake reizt mich nicht.
Die Besucherin: Eine Frau landet eher zufällig in einer fremden Wohnung, wo sie die Blumen gießen soll, bleibt dort aber länger als ihr gut tut. Deutsches Charakterdrama, nicht meine Tasse Tee.
17 Again: Teenie-Superstar Zac Efron in einer Körpertausch-und-Zeitreise-Comedy. Für uns Alte, die wir Back to the Future und Big gesehen haben, ist das uninteressant. Aber für uns ist es auch nicht gemacht.
In Berlin: Der weltgrößte Kamera-im-Kreis-fahren-lasser Michael Ballhaus dreht eine Doku über Berlin und seine Bewohner und hat überraschend wenig überraschende Bilder gefunden. Der Trailer jedenfalls könnte auch ein Imagespot des Berliner Städtemarketings sein.
Angels & Demons (Illuminati): Frankly, my dears, I don’t give a damn.
Freitag, 08.05.2009
Im Kino sehen:
Star Trek (Star Trek): Die Meinungen gehen ja ziemlich auseinander: Von “Dieser Film ist so schlecht, dass es sich nicht einmal lohnen würde, ihn gratis herunterzuladen” (Die Schweizer WOZ) bis zu “Eine hochtourige, über Strecken begeisternde sentimental journey in die Vergangenheit der Zukunft” (SpOn). Ich fand ihn toll.
Auf die DVD warten:
Boy A: Britisches Drama über einen Jugendlichen, der nach einem schweren Verbrechen als 10jähriger in Jugendhaft kam und 14 Jahre später nach seiner Entlassung versucht, ein normales Leben zu führen. Von den F5 sehr gelobt, bestimmt sehenswert, in München allerdings (noch) in keinem Kino.
Les Grandes Personnes (Wir sind alle erwachsen): Irgendwo in Frankreich gibt es ein geheimes Reservoir für bezaubernde Nachwuchsschauspielerinnen. Wie z.B. Anaïs Demoustier (allein schon der Name!), die in diesem Debütfilm von Anne Novion mit ihrem Vater in einem Ferienhaus in Schweden Urlaub macht, welches sie sich mit zwei fremden Damen teilen müssen. Bestimmt nix umwerfend großes, aber so ein fluffig-leichtes Sommerfilmchen kann auch viel Spaß machen.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Die wundersame Welt der Waschkraft: Von Hans-Christian Schmid hat mir bisher noch jeder Film gefallen, für mich einer der besten deutschen Regisseure. Seine erste Doku dreht sich um Großwäschereien in Polen, die für Berliner Luxushotels die Wäsche waschen. Sicher interessant, muss aber nicht im Kino.
Machan (Spiel der Träume - Die wahre Geschichte eines falschen Teams): Eine Gruppe armer Leute aus Sri Lanka gibt sich als Handball-Nationalmannschaft aus, um auf diesem Weg nach Deutschland zu kommen, zu einem Turnier in der bayerisch-schwäbischen Provinz. Basiert auf einer wahren Geschichte. Könnte ganz charmant sein, klingt für mich aber auch ein bisschen nach klebriger Außenseiter-Romantik. Bei YouTube gibt’s übrigens Originalaufnahmen vom Turnier.
Muss nicht sein:
Spraymasters: Ehemalige New Yorker Graffiti-Sprayer der 70er Jahre erzählen von früher.
The Boy in the Striped Pajamas (Der Junge im gestreiften Pyjama): Britische Verfilmung eines Jugendbuchs, das von einer Freundschaft zwischen dem kleinen Sohn eines KZ-Kommandanten und einem gleichaltrigen jüdischen Gefangenen erzählt. Schon wieder ein Holocaustfilm also, diesmal aus der Sicht eines kleinen Jungen. Die Kritik ist in Deutschland deutlich reservierter als in England oder den USA, wo der Film recht positiv aufgenommen wurde. Ich wittere vor allem extreme Kitschgefahr.
The Heart of Jenin (Das Herz von Jenin): Doku über einen Palästinenser, dessen Sohn von israelischen Soldaten getötet wurde, und der anschließend Organe des Sohnes für zwei jüdische Kinder zur Verfügung gestellt hat. Klingt nach einer arg rührseligen Menschelei, die obendrein auch noch einen recht einseitigen Standpunkt einnimmt, wie Birte Lüdeking bei critic.de schreibt.
Mittwoch, 06.05.2009

Eins gleich vorweg: Ich bin kein Trekkie. Ich habe vor Jahren diverse Folgen der alten Serie gesehen, dazu eine Handvoll Next-Generation-Episoden, und das wars dann auch. Die Kinofilme kenne ich alle nicht. Ich ging also sehr unvorbelastet ins Kino — und kam begeistert wieder heraus.
Denn Star Trek ist ein Popcornfilm, wie er sein muss: Er ist spannend, mitreißend, witzig und bietet reichlich Schauwerte. Kurz gesagt: Dieser Film macht Spaß! Dabei gab es genug Anlass zur Skepsis, als bekannt wurde, dass man dem altehrwürdigen Science-Fiction-Franchise einen Reboot verpassen würde und in einem Prequel die Vorgeschichte von Captain Kirk, Mr. Spock und all den anderen erzählen wolle. Wie man so etwas nicht macht, davon singen Legionen von Star-Wars-Fans seit Jahren wehklagende Trauerlieder. Kirk und Spock als Teenager, würde sowas wirklich funktionieren?
Als Filmtitel wählte man die puristischste alle denkbaren Varianten, die Regie gab man in die Hände von J.J. Abrams, Erfinder von Alias, Lost und Cloverfield, die Hauptrollen besetzte man mit jungen, eher unbekannten Schauspielern, dazu gibt es ein paar bekanntere Stars in kleineren Rollen (Winona Ryder, Eric Bana) und als Zuckerl einen Gastauftritt von Leonard Nimoy. Und die Geschichte beginnt tatsächlich in der Nacht, in der James Tiberius Kirk zur Welt kommt (und in der gleichzeitig sein Vater stirbt). Wir sehen dann ein paar kurze Kindheitsszenen und sind bald in der Akademie der Sternenflotte, wo Kirk und seine künftige Crew ausgebildet werden. Ein “Beverly Hills 90210 im Weltraum” braucht hier keiner zu befürchten, denn schon bald geht’s an Bord der U.S.S. Enterprise. Es folgt ein actionreiches Weltraumspektakel mit den fiesen Romulanern und ihren großen Space-Bohrern als Antagonisten, dessen Details bestimmt andere Leute beflissen aufgeschrieben haben.
Zwei Aspekte sind es, die Star Trek so gelungen machen: Zum einen stehen neben viel Rumms und Wumms immer die Figuren im Mittelpunkt, die Crew der Enterprise, vor allem natürlich Kirk und Spock. Der Film interessiert sich für diese Charaktere, ihre Emotionen und die Beziehungen zwischen ihnen. Zum anderen ist es eine ordentliche Portion Humor. Reichlich Ironie und Augenzwinkern geben dem Film jenen Charme, der anderen Prequels (wie gerade eben Wolverine) so schmerzlich fehlt. Für “Comic Relief” sorgen vor allem Englands Comedy-Held Simon Pegg als Scotty und Anton Yelchin, den ich (zumindest in der englischen Originalfassung) als Chekov ganz umwerfend fand.
Man fühlt sich perfekt unterhalten, so dass man auch die Logiklöcher in Kauf nimmt, die wohl kaum zu vermeiden sind, sobald eine Story mit Zeitreisen und parallelen Realitäten daherkommt. Geschenkt. Dieser Film ist so, wie ich meine Sommer-Blockbuster haben will, ich würde ihm großen Erfolg gönnen. Und das könnte auch klappen, denn da es “ganz von vorne” losgeht, braucht man keinerlei Vorwissen und kann den Film auch als absoluter Star-Trek-Neuling genießen. Der jung-dynamische Ansatz dürfte auch jene Zuschauer locken, die die Crew bestenfalls aus der Bullyparade kennt. Und langjährige Fans werden genug Anspielungen und Referenzen finden, um ebenfalls zufrieden zu sein. Es sei denn, sie sind überpenible Hardcore-Fanboys wie Peter Mühlbauer von Telepolis, die sich allen ernstes darüber beklagen, dass im neuen Film die Form der Windschutzscheibe nicht stimmt.
Dienstag, 05.05.2009
Im Kino sehen:
Duplicity (Duplicity — Gemeinsame Geheimsache): Julia Roberts und Clive Owen als (Ex-) Geheimagenten, die sich ständig gegenseitig austricksen — genau wie der Film seine Zuschauer. Ein Spionagefilm mit Humor, für sowas bin ich immer zu haben — erst recht, wenn auch noch Paul Giamatti und Tom Wilkinson als Chef-Arschlöcher mit dabei sind.
Wasser und Seife: Sehr sympathisch wirkende Doku über ein paar mittelalte Damen, die in einer Hamburger Wäscherei arbeiten und sich nicht unterkriegen lassen. Macht vermutlich mehr Spaß als die demnächst startende, thematisch verwandte Wunderbare Welt der Waschkraft. Dazu Musik von Nils Koppruch (Fink), der an einzelnen Abenden auch live im Kino musiziert. In München am kommenden Sonntag, vielleicht geh ich da ja hin.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga: Nachklapp zu einer in Österreich populären TV-Serie aus den Siebziger Jahren, von der ich noch nie gehört habe, die damals aber ein Riesenhit bei Nachbars war. Hat Schmäh, hat Charme. Könnte mir gefallen.
Die Helden aus der Nachbarschaft: Episodenfilm aus Berlin, der laut Berliner Zeitung “auch Die Lindenstraße vom Prenzlberg heißen könnte”. Auch andere Rezensenten sind eher enttäuscht, aber direkt unsympathisch sieht das nicht aus. Klassischer Fall für “vielleicht mal im Fernsehen”. Vielleicht.
X-Men Origins: Wolverine: Bereits gesehen und besprochen. Der Start in die Sommer-Blockbustersaison ist leider ziemlich misslungen.
Pranzo di Ferragosto (Das Festmahl im August): Ein älterer Herr kocht groß auf für ein paar ältere Damen. Gediegenes europäisches Wohlfühl-Arthouse-Kino, das wir alle unseren Eltern empfehlen können, wenn sie nach einem Filmtipp fragen.
Muss nicht sein:
Ghosted: Die deutsch-taiwanische Koproduktion erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einer deutschen Künstlerin und einer Chinesin mit anschließendem Todesfall und dessen Bewältigung in Taipeh. Klingt anstrengend.
Ob ihr wollt oder nicht: Wenn ich auf den Pausenknopf des Trailers klicke, öffnet sich (ob ich will oder nicht) brigitte.de in einem neuen Tab. Womit auch die Zielgruppe des Films klar definiert wäre. Und genau so sieht der Trailer dann auch aus.
Die Frau des Anarchisten: Melodram im spanischen Bürgerkrieg, das genauso aussieht, wie all die anderen aufwendigen Mainstream-Kriegsdramen auch. Hach, würde es doch nur mehr Guillermo del Toros geben.
Phantomschmerz: Til Schweiger hat einen Wischmop auf dem Kopf und spielt einen begeisterten Radfahrer, dem nach einem Unfall ein Bein abgenommen werden muss, was natürlich zu einer großen Lebenskrise inklusive Läuterung undsoweiter undsofort …
Beverly Hills Chihuahua: Disneys neueste Attacke auf den Geschmack der Kinder dieser Welt: Chihuahuas sind in Wirklichkeit gar keine vergrößerten Ratten an Hundeleinen, sondern singende und tanzende Nachfahren aztekischer Helden. Komplett betrunken könnte so ein Film vielleicht sogar Spaß machen … Sehr schön sind die bei YouTube eingestellten Videos, die die Reaktion von Leuten zeigen, die grade den Trailer sehen.