Im Kino: Star Trek

Eins gleich vorweg: Ich bin kein Trekkie. Ich habe vor Jahren diverse Folgen der alten Serie gesehen, dazu eine Handvoll Next-Generation-Episoden, und das wars dann auch. Die Kinofilme kenne ich alle nicht. Ich ging also sehr unvorbelastet ins Kino — und kam begeistert wieder heraus.

Denn Star Trek ist ein Popcornfilm, wie er sein muss: Er ist spannend, mitreißend, witzig und bietet reichlich Schauwerte. Kurz gesagt: Dieser Film macht Spaß! Dabei gab es genug Anlass zur Skepsis, als bekannt wurde, dass man dem altehrwürdigen Science-Fiction-Franchise einen Reboot verpassen würde und in einem Prequel die Vorgeschichte von Captain Kirk, Mr. Spock und all den anderen erzählen wolle. Wie man so etwas nicht macht, davon singen Legionen von Star-Wars-Fans seit Jahren wehklagende Trauerlieder. Kirk und Spock als Teenager, würde sowas wirklich funktionieren?

Als Filmtitel wählte man die puristischste alle denkbaren Varianten, die Regie gab man in die Hände von J.J. Abrams, Erfinder von Alias, Lost und Cloverfield, die Hauptrollen besetzte man mit jungen, eher unbekannten Schauspielern, dazu gibt es ein paar bekanntere Stars in kleineren Rollen (Winona Ryder, Eric Bana) und als Zuckerl einen Gastauftritt von Leonard Nimoy. Und die Geschichte beginnt tatsächlich in der Nacht, in der James Tiberius Kirk zur Welt kommt (und in der gleichzeitig sein Vater stirbt). Wir sehen dann ein paar kurze Kindheitsszenen und sind bald in der Akademie der Sternenflotte, wo Kirk und seine künftige Crew ausgebildet werden. Ein „Beverly Hills 90210 im Weltraum“ braucht hier keiner zu befürchten, denn schon bald geht’s an Bord der U.S.S. Enterprise. Es folgt ein actionreiches Weltraumspektakel mit den fiesen Romulanern und ihren großen Space-Bohrern als Antagonisten, dessen Details bestimmt andere Leute beflissen aufgeschrieben haben.

Zwei Aspekte sind es, die Star Trek so gelungen machen: Zum einen stehen neben viel Rumms und Wumms immer die Figuren im Mittelpunkt, die Crew der Enterprise, vor allem natürlich Kirk und Spock. Der Film interessiert sich für diese Charaktere, ihre Emotionen und die Beziehungen zwischen ihnen. Zum anderen ist es eine ordentliche Portion Humor. Reichlich Ironie und Augenzwinkern geben dem Film jenen Charme, der anderen Prequels (wie gerade eben Wolverine) so schmerzlich fehlt. Für „Comic Relief“ sorgen vor allem Englands Comedy-Held Simon Pegg als Scotty und Anton Yelchin, den ich (zumindest in der englischen Originalfassung) als Chekov ganz umwerfend fand.

Man fühlt sich perfekt unterhalten, so dass man auch die Logiklöcher in Kauf nimmt, die wohl kaum zu vermeiden sind, sobald eine Story mit Zeitreisen und parallelen Realitäten daherkommt. Geschenkt. Dieser Film ist so, wie ich meine Sommer-Blockbuster haben will, ich würde ihm großen Erfolg gönnen. Und das könnte auch klappen, denn da es „ganz von vorne“ losgeht, braucht man keinerlei Vorwissen und kann den Film auch als absoluter Star-Trek-Neuling genießen. Der jung-dynamische Ansatz dürfte auch jene Zuschauer locken, die die Crew bestenfalls aus der Bullyparade kennt. Und langjährige Fans werden genug Anspielungen und Referenzen finden, um ebenfalls zufrieden zu sein. Es sei denn, sie sind überpenible Hardcore-Fanboys wie Peter Mühlbauer von Telepolis, die sich allen ernstes darüber beklagen, dass im neuen Film die Form der Windschutzscheibe nicht stimmt.

 

5 Gedanken zu „Im Kino: Star Trek

  1. Schöne Kritik! Ich bin ähnlich begeistert von dem Film. Wirklich ein schöner Neustart der Star Trek Reihe.

    Kleiner Tip: Auch als Nicht-Trekkie machen die alten Filme Spaß. Ist einfach guter Science Fiction. :-)

  2. Pingback: u1amo01
  3. Leider kann ich euch nicht zustimmen.
    Der Film war nicht witzig. An einigen raren Stellen konnte man vielleicht so etwas wie Humor erahnen, mehr aber auch nicht. Der ganze Film fiel Klamauk-artigen Szenen à la Dick und Doof zum Opfer. Verstärkt wurde dies noch, als „Shaun of the Dead“ als Scotty dazustieß. Einfach nur peinlich.
    Am meisten verarscht dürften sich die echten Trekkies fühlen.
    Von der Physik war dieser Streifen wohl noch unglaubwürdiger als die 1. Serie und selbst da musste man die Logik schon suchen.

    Alles in Allem: Unausgegorener Mumpitz, teils bemühte(Kirk, Spock), teils lächerlich nervige(Scotty, Chekov) Schauspieler und ein öder Kinderplot.

    Vertane Zeit, vergeudetes Geld…

    …Und was bitte sollten diese abgefahrenen Rohr- und Stahlträgerkonstruktionen auf dem Maschinendeck? Da sieht’s ja auf jedem Flugzeugträger aufgeräumter aus.

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