Archive for Mai, 2009

Im Kino: Star Trek

Eins gleich vorweg: Ich bin kein Trekkie. Ich habe vor Jahren diverse Folgen der alten Serie gesehen, dazu eine Handvoll Next-Generation-Episoden, und das wars dann auch. Die Kinofilme kenne ich alle nicht. Ich ging also sehr unvorbelastet ins Kino — und kam begeistert wieder heraus.

Denn Star Trek ist ein Popcornfilm, wie er sein muss: Er ist spannend, mitreißend, witzig und bietet reichlich Schauwerte. Kurz gesagt: Dieser Film macht Spaß! Dabei gab es genug Anlass zur Skepsis, als bekannt wurde, dass man dem altehrwürdigen Science-Fiction-Franchise einen Reboot verpassen würde und in einem Prequel die Vorgeschichte von Captain Kirk, Mr. Spock und all den anderen erzählen wolle. Wie man so etwas nicht macht, davon singen Legionen von Star-Wars-Fans seit Jahren wehklagende Trauerlieder. Kirk und Spock als Teenager, würde sowas wirklich funktionieren?

Als Filmtitel wählte man die puristischste alle denkbaren Varianten, die Regie gab man in die Hände von J.J. Abrams, Erfinder von Alias, Lost und Cloverfield, die Hauptrollen besetzte man mit jungen, eher unbekannten Schauspielern, dazu gibt es ein paar bekanntere Stars in kleineren Rollen (Winona Ryder, Eric Bana) und als Zuckerl einen Gastauftritt von Leonard Nimoy. Und die Geschichte beginnt tatsächlich in der Nacht, in der James Tiberius Kirk zur Welt kommt (und in der gleichzeitig sein Vater stirbt). Wir sehen dann ein paar kurze Kindheitsszenen und sind bald in der Akademie der Sternenflotte, wo Kirk und seine künftige Crew ausgebildet werden. Ein “Beverly Hills 90210 im Weltraum” braucht hier keiner zu befürchten, denn schon bald geht’s an Bord der U.S.S. Enterprise. Es folgt ein actionreiches Weltraumspektakel mit den fiesen Romulanern und ihren großen Space-Bohrern als Antagonisten, dessen Details bestimmt andere Leute beflissen aufgeschrieben haben.

Zwei Aspekte sind es, die Star Trek so gelungen machen: Zum einen stehen neben viel Rumms und Wumms immer die Figuren im Mittelpunkt, die Crew der Enterprise, vor allem natürlich Kirk und Spock. Der Film interessiert sich für diese Charaktere, ihre Emotionen und die Beziehungen zwischen ihnen. Zum anderen ist es eine ordentliche Portion Humor. Reichlich Ironie und Augenzwinkern geben dem Film jenen Charme, der anderen Prequels (wie gerade eben Wolverine) so schmerzlich fehlt. Für “Comic Relief” sorgen vor allem Englands Comedy-Held Simon Pegg als Scotty und Anton Yelchin, den ich (zumindest in der englischen Originalfassung) als Chekov ganz umwerfend fand.

Man fühlt sich perfekt unterhalten, so dass man auch die Logiklöcher in Kauf nimmt, die wohl kaum zu vermeiden sind, sobald eine Story mit Zeitreisen und parallelen Realitäten daherkommt. Geschenkt. Dieser Film ist so, wie ich meine Sommer-Blockbuster haben will, ich würde ihm großen Erfolg gönnen. Und das könnte auch klappen, denn da es “ganz von vorne” losgeht, braucht man keinerlei Vorwissen und kann den Film auch als absoluter Star-Trek-Neuling genießen. Der jung-dynamische Ansatz dürfte auch jene Zuschauer locken, die die Crew bestenfalls aus der Bullyparade kennt. Und langjährige Fans werden genug Anspielungen und Referenzen finden, um ebenfalls zufrieden zu sein. Es sei denn, sie sind überpenible Hardcore-Fanboys wie Peter Mühlbauer von Telepolis, die sich allen ernstes darüber beklagen, dass im neuen Film die Form der Windschutzscheibe nicht stimmt.

Trailerschau für Filmstarts vom 30.4.

Im Kino sehen:
Duplicity (Duplicity — Gemeinsame Geheimsache): Julia Roberts und Clive Owen als (Ex-) Geheimagenten, die sich ständig gegenseitig austricksen — genau wie der Film seine Zuschauer. Ein Spionagefilm mit Humor, für sowas bin ich immer zu haben — erst recht, wenn auch noch Paul Giamatti und Tom Wilkinson als Chef-Arschlöcher mit dabei sind.

Wasser und Seife: Sehr sympathisch wirkende Doku über ein paar mittelalte Damen, die in einer Hamburger Wäscherei arbeiten und sich nicht unterkriegen lassen. Macht vermutlich mehr Spaß als die demnächst startende, thematisch verwandte Wunderbare Welt der Waschkraft. Dazu Musik von Nils Koppruch (Fink), der an einzelnen Abenden auch live im Kino musiziert. In München am kommenden Sonntag, vielleicht geh ich da ja hin.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga: Nachklapp zu einer in Österreich populären TV-Serie aus den Siebziger Jahren, von der ich noch nie gehört habe, die damals aber ein Riesenhit bei Nachbars war. Hat Schmäh, hat Charme. Könnte mir gefallen.

Die Helden aus der Nachbarschaft: Episodenfilm aus Berlin, der laut Berliner Zeitung “auch Die Lindenstraße vom Prenzlberg heißen könnte”. Auch andere Rezensenten sind eher enttäuscht, aber direkt unsympathisch sieht das nicht aus. Klassischer Fall für “vielleicht mal im Fernsehen”. Vielleicht.

X-Men Origins: Wolverine: Bereits gesehen und besprochen. Der Start in die Sommer-Blockbustersaison ist leider ziemlich misslungen.

Pranzo di Ferragosto (Das Festmahl im August): Ein älterer Herr kocht groß auf für ein paar ältere Damen. Gediegenes europäisches Wohlfühl-Arthouse-Kino, das wir alle unseren Eltern empfehlen können, wenn sie nach einem Filmtipp fragen.

Muss nicht sein:
Ghosted: Die deutsch-taiwanische Koproduktion erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einer deutschen Künstlerin und einer Chinesin mit anschließendem Todesfall und dessen Bewältigung in Taipeh. Klingt anstrengend.

Ob ihr wollt oder nicht: Wenn ich auf den Pausenknopf des Trailers klicke, öffnet sich (ob ich will oder nicht) brigitte.de in einem neuen Tab. Womit auch die Zielgruppe des Films klar definiert wäre. Und genau so sieht der Trailer dann auch aus.

Die Frau des Anarchisten: Melodram im spanischen Bürgerkrieg, das genauso aussieht, wie all die anderen aufwendigen Mainstream-Kriegsdramen auch. Hach, würde es doch nur mehr Guillermo del Toros geben.

Phantomschmerz: Til Schweiger hat einen Wischmop auf dem Kopf und spielt einen begeisterten Radfahrer, dem nach einem Unfall ein Bein abgenommen werden muss, was natürlich zu einer großen Lebenskrise inklusive Läuterung undsoweiter undsofort …

Beverly Hills Chihuahua: Disneys neueste Attacke auf den Geschmack der Kinder dieser Welt: Chihuahuas sind in Wirklichkeit gar keine vergrößerten Ratten an Hundeleinen, sondern singende und tanzende Nachfahren aztekischer Helden. Komplett betrunken könnte so ein Film vielleicht sogar Spaß machen … Sehr schön sind die bei YouTube eingestellten Videos, die die Reaktion von Leuten zeigen, die grade den Trailer sehen.