Freitag, 31.07.2009
Im Kino sehen:
Joheunnom nabbeunnom isanghannom (The Good, the Bad, the Weird): Wunderbar überdrehte koreanische Pop-Version eines Italowesterns. Ein großer Spaß, den ich bereits auf den Fantasy Filmfest Nights gesehen und besprochen habe.
Fanboys: Ein Nerdfilm von Nerds über Nerds für Nerds: Vier absolute Star-Wars-Fanboys unternehmen 1998 einen Trip, um in der Skywalker Ranch eine Kopie der noch nicht veröffentlichten Episode I zu stehlen, weil einer von ihnen den offiziellen Premierentag vielleicht nicht mehr erleben wird. Der Film hat eine bewegte Produktionsgeschichte, mal wieder mit Harvey Scissorhands als Bösewicht. Auch wenn die Kritiken eher verhalten bis schlecht sind: Mein Geek-Herz fühlt sich viel zu sehr angesprochen, um das nicht sehen zu wollen.
Auf die DVD warten:
Adventureland: Superbad-Regisseur Greg Mottola mit einer neuen Coming-of-Age-Komödie, die in den 80er Jahren spielt, sehr, sehr charmant aussieht und wohl weitgehend ohne zotigen Pennälerhumor auskommt. Dazu noch zwei Zahlen, eine gute und eine schlechte. Tomatometer: 88 Prozent. Anzahl der deutschen Kinos, die den Film zeigen: 5.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Mitte Ende August: Paar im Sommerurlaub auf Selbstfindung, das gab es im deutschen Kino gefühlt auch schon ein Dutzend Mal in letzter Zeit. Hier basiert es lose auf Goethes Wahlverwandtschaften, und die Feuilletons sind überwiegend recht angetan davon.
With Gilbert & George: Unglaublich, wie viele Dokus über bildende Künstler in die Kinos kommen. Hier ist schon wieder eine, diesmal mit dem sympathisch kauzigen Pärchen Gilbert & George.
Muss nicht sein:
Parlez-moi de la pluie (Erzähl mir was vom Regen): Französische Tragikomödie um eine Gruppe von Midlife-Crisis-geplagten Damen und Herren, die sich im Sommer in Südfrankreich treffen. Ce n’est pas ma tasse de thé.
Je l’aimais (Ich habe sie geliebt): Liebesdrama voller großer Gefühle, typisch französisch. Gibt sicher ein festes Stammpublikum für derlei Stoffe, aber ich gehöre da nicht dazu.
The Proposal (Selbst ist die Braut): Wer hier regelmäßig vorbeiliest, weiß, dass ich auf RomComs ungefähr so gut zu sprechen bin wie Jermaine Jones auf Joachim Löw. Erst recht, wenn’s ein komplett unorigineller “Aus Scheinheirat wird Liebe”-Plot ist, der so wahnsinnig altbacken daherkommt wie hier. Würg.
Donnerstag, 30.07.2009
Schon seit den 50er Jahren gibt es diese Tradition: Einige Münchner Kinos schließen sich zusammen und zeigen im besucherschwachen Monat August ein Programm, das vor allem aus einer Best-Of-Auswahl des letzten Jahres besteht. In diesem Jahr sind weitere Kinos dazugekommen und das Programm differenziert sich weiter aus, so dass man langsam schon von einem richtigen kleinen Festival sprechen kann — freilich eines, das auf Uraufführungen verzichtet (es gibt diesmal allerdings einige Filme, die schon vor Bundesstart gezeigt werden).
Heuer gibt es in sieben Kinos (sechs in München, eins in Gräfelfing) insgesamt 87 Filme zu sehen, das Gros davon sind Highlights aus den letzten ein, zwei Jahren, überwiegend Arthouse-Filme bzw. “gehobener Mainstream”. Dazu kommen einige schöne kleine Filmreihen wie z.B. “Der Schnüfflerfilm” (u.a. mit The Big Sleep) oder eine Vampirfilmreihe (u.a. mit Near Dark und So finster die Nacht). An einigen Terminen bietet man auch Besonderes wie Gesprächsrunden und Vorträge.
Insgesamt ein sehr feines Unterfangen mit reichlich guten Filmen, dieses Jahr auch endlich mit verbesserter Öffentlichkeitsarbeit und einem schönen Webauftritt. So viele Gelegenheiten, verpasste Perlen nachzuholen oder Lieblingsfilme nochmal zu gucken, hat man so schnell nicht wieder.
Samstag, 25.07.2009
Unverlangt eingesandt — neulich lag im Briefkasten eine 16 Seiten dünne Zeitschrift, mit der Bitte um eine Blattkritik. Und weil mir das Heft am Ende besser gefiel als ich anfangs erwartete, will ich dem ausnahmsweise gerne nachkommen.
meinKinoprogramm (nur echt mit Camel-Case-Schreibweise) ist ein Spin-Off des Kostenlos-Magazins Kulturnews, das man immer wieder mal an Vorverkaufsstellen, in Kneipen oder Kultureinrichtungen aufliegen sieht, und dem ich nie sonderlich viel Beachtung geschenkt habe, weil man ja zu wissen glaubt, wie es um die redaktionelle Unabhängigkeit solcher Publikationen bestellt ist. Auch der Kino-Ableger der Kulturnews ist kostenlos und finanziert sich vermutlich über Anzeigen - bereits das Cover ist eine. Der Schwerpunkt besteht in einer Vorstellung der Kino-Neustarts des jeweiligen Monats, und zwar in sehr knapper Form und mit einem angenehm Schnickschnack-freien, reduzierten Layout. Für jede Kinowoche gibt es eine Einstiegsseite mit einem großen Foto, auf der jeder Film mit einem Satz und mit Sternchenwertung vorgestellt wird. Danach folgen Kurzvorstellungen der einzelnen Filme, wobei kleine Produktionen wie z.B. Kleine Tricks gleichrangig neben Blockbustern wie Harry Potter stehen. Was schonmal ein angenehmer Gegensatz zu anderen kostenlos verteilten Film-Blättchen ist.
Die große Überraschung ist dann, dass man bei den kurzen, schnell gelesenen 10- bis 15-zeiligen Texten tatsächlich von kleinen Filmkritiken sprechen kann, die eine klare Wertung enthalten und miese Filme nicht unnötig schönreden. In der Selbstdarstellung klingt das dann so: “schlägt die Brücke zwischen Mainstream und cineastischem Special Interest”, und das kann man durchaus so stehen lassen.
Wo gibt’s das Heft? Laut Homepage “in der Szenegastronomie und bundesweit in ausgewählten Kinos”, was immer das auch heißen mag. Abonnieren geht auch, kostet aber 21 Euro für 12 Hefte, was nicht gerade billig ist, zumal sämtliche Texte auch online stehen. Auf meinkinoprogramm.de sind die Kurzbesprechungen zusätzlich noch mit dem Kinoprogramm zahlreicher Städte verknüpft. Außerdem gibt es dort ein sogenanntes “Filmlexikon”. Dabei handelt es sich aber wohl eher um ein Archiv von Filmrezensionen, die sich in den letzten Jahren beim Bunkverlag (wo die Kulturnews ebenso wie U_mag und _ulysses erscheint) angesammelt haben.
Unentbehrlich ist meinKinoprogramm sicher nicht, denn gerade online herrscht kein Mangel an Filmbesprechungen und Programm-Services. Im gedruckten Bereich sieht das schon wieder anders aus. Für grundsätzlich Kino-Interessierte, die sich nicht in Special-Interest-Medien vertiefen und von Filmstarts jenseits von Ice Age und Transformers nur wenig mitbekommen, mag das Heft, so sie es denn in die Hände bekommen, durchaus eine Lücke schließen.
Freitag, 24.07.2009
Im Kino sehen:
Kleine Tricks: Vielleicht der Geheimtipp dieser Woche: ein kleiner charmanter Feelgood-Film aus Polen über einen vaterlosen Siebenjährigen und dessen Sicht auf das Leben.
Auf die DVD warten:
The Hangover (Hangover): Ein Junggesellenausflug nach Las Vegas endet in einem fürchterlichen Absturz, und so müssen unsere großen Jungs rekonstruieren, was letzte Nacht eigentlich passiert ist. Ein Film, der die Gemüter spaltet. Von der “besten Komödie des Jahres, ach was, seit Jahren” ist die Rede, aber auch vom “filmgewordenen Abistreich einer Streberschule”. Wie ich mich kenne, wird mir das eher weniger gefallen. Aber der Gag mit dem Phil-Collins-Drumsolo ist trotzdem klasse.
Che - Guerrilla: Zweiter Teil von Steven Soderberghs Che-Guevara-Biopic, der sich diesmal vor allem um dessen gescheiterte Bolivien-Mission dreht. Über den ersten Teil hörte man ja öfter, dass der Film ein wenig zu distanziert geraten sei, so dass daraus ein recht trockener Stoff wurde. Nunja, irgendwann mache ich mir wohl mal ein Che-Wochenende mit beiden Teilen auf DVD.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Salami Aleikum: Beim ersten Anblick des Trailers bin ich erschrocken und fragte mich, was das denn wieder für ein furchtbares Machwerk deutscher Witzekunst ist. Aber bei näherem Hinsehen stecken da eine ganze Menge Charme und viele originelle Ideen drin. Könnte tatsächlich ganz brauchbar sein.
Muss nicht sein:
The Universe of Keith Haring (Keith Haring): Doku über den vielleicht populärsten bildenden Künstler der 80er Jahre, hauptsächlich bestehend aus vielen Interviews mit Freunden und Familie.
Luck by Chance: Schöne Idee: Ein Bollywoodfilm über Bollywoodfilme, also eine ironische, mit Klischees spielende Nabelschau. Die aber halt am Schluss immer noch ein Bollywoodfilm ist, also auch eine große Lovestory mit allem drum und dran erzählen muss und selbstverständlich zweieinhalb Stunden lang dauert. Für Bollywoodfreunde sicher super, die verstehen dann auch die vielen Insidergags.
The Edge of Love (Edge of Love - Was von der Liebe bleibt): Keira Knightley und Sienna Miller als die beiden großen Lieben im Leben des walisischen Dichters Dylan Thomas. Sieht nach einem pompösen Zeitgeschichts-Drama mit den üblichen Zutaten aus, was meine Tasse Tee eher nicht ist.
Mullewapp - Das große Kinoabenteuer der Freunde: Ich war als Kind ja eher Fan von Na warte, sagte Schwarte. Aber die Freunde von Helme Heine sind auch schön. Leider ist dessen Zeichenstrich für den Trickfilm arg geglättet worden. Schade.
Mittwoch, 22.07.2009

Sacha Baron Cohen ist wieder da. Knapp drei Jahre nach dem Riesenerfolg Borat bringt er eine weitere Figur aus seiner Ali G Show auf die Kinoleinwand. Das Prinzip ist verblüffend ähnlich. Hier wie dort gibt Baron Cohen einen Ausländer, der alles andere als normal ist, schickt ihn auf eine Odyssee durch die USA und versucht mit Guerilla-artigen Auftritten und Provokationen am Rande der Schmerzgrenze Komik zu erzeugen.
Mit der Figur des überkandidelt-schwulen Österreichers Bruno, der unbedingt ein berühmter Star werden will, gelingt ihm das nicht mehr ganz so gut wie mit dem kasachischen Journalisten Borat. Vielleicht, weil inzwischen zu viele potentielle Opfer das Spiel durchschauen und allzu früh merken, dass sie hier veralbert werden. Vielleicht, weil dem Zuschauer das Konzept mittlerweile bekannt ist und der Überraschungseffekt weg ist. Vielleicht aber auch, weil die Figur eines überaus schrillen Möchtegern-Stars, der einfach nur berühmt werden will, viel weniger befremdlich ist als es ein Borat war. Brunoeske Gestalten sieht man leider Tag für Tag durch den Medienzirkus hampeln, darunter auch Exemplare, die sich kaum mehr satirisch übersteigern lassen.
Borat war immer dann am besten, wenn unverhofft Momente der Wahrhaftigkeit entstanden, wenn seine Gesprächspartner (oft im guten Willen) unglaubliche Sätze vom Stapel ließen und sich dadurch ihre eigenen Fettnäpfchen bauten. Ein paar dieser Momente gibt es auch in Brüno, nur leider nicht mehr so viele. Ein Highlight zum Beispiel die beiden “Charity-PR-Beraterinnen”, die schon bei der Aussprache des Wortes Darfur scheitern. Manch andere Szene verliert jedoch dadurch, dass man den Verdacht nicht loswird, dass sie nicht halb so spontan und überfallartig gedreht wurden, wie sie wirken wollen. Immer wieder hat man den Eindruck, dass hier einiges nach Drehbuch läuft und zumindest ein Teil der Beteiligten eingeweiht ist. Auch der Anteil der eindeutigen Spielszenen, die gar nicht erst so tun, als seien sie dokumentarisch, ist viel höher als in Borat.
Aber ob gestaged oder nicht, ob “authentisch” oder geskriptet: bei Brüno geht es vor allem darum, die Leute zum Lachen zu bringen. Und das gelingt dem Film insgesamt doch sehr gut, auch wenn die realsatirischen Szenen weniger geworden sind. Trotz der ein oder anderen Längen ist Brüno ein großer Spaß mit vielen Lachern vom Anfang (ein Scooter-Song!) bis zum Ende (der herrliche Videoclip “Dove of Peace” mit vielen prominenten Gaststars). Die Humorpalette reicht dabei von (teilweise extremen) Derbheiten über einfache Situationskomik bis zu brillanten Monty-Python-Momenten. Satirisch entlarvt wird die Homophobie von White-Trash-Amerikanern und selbsternannten “Gay Converters”, vor allem aber der Celebrity-Wahnsinn und das unbedingte Streben nach Prominenz, das z.B. bei manchen Eltern dazu führt, ihre Kinder für Fotoshootings auch unter extremsten Bedingungen anzubieten.
Das alles wird getragen von Rampensau Sacha Baron Cohen, der hier zweierlei unter Beweis stellt: Erstens, dass er sich wirklich für nichts zu schade ist und oft und gerne da hingeht, wo’s wehtut. Und zweitens, dass er ein echt guter Schauspieler ist, der diese irrsinnige Figur wirklich verkörpert. Allein für die Szene beim Wahrsager, in der pantomimische Pornografie nach Art des Luftgitarrespielens zum Besten gegeben wird, müsste es eigentlich einen Preis geben.
Ob der Film auch in der deutschen Synchronistation funktioniert, bezweifle ich, eher wird es eine rechte Quälerei sein. Die Originalfassung lohnt sich — denn Bruno spricht nicht nur ein lustiges, mit Fantasie-Deutsch-Bröckchen durchsetztes Englisch, es gibt auch etliche Dialoge auf “Deutsch”, nämlich zwischen Bruno und seinem Assistenten Lutz (Gustaf Hammarsten), die auf ihre ganz eigene Weise ziemlich komisch sind.
Sonntag, 19.07.2009
Auf die DVD warten:
Harry Potter and the Half-Blood Prince (Harry Potter und der Halbblutprinz): Der Trailer sieht schon recht schick aus, muss ich sagen. Bin allerdings überhaupt kein Potter-Fan, nachdem mich sowohl das erste Buch als auch der erste Film nicht besonders begeisterten. Werde mir wohl mal die ganze Reihe auf DVD ansehen, wenn sie abgeschlossen ist.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Birdwatchers - La terra degli uomini rossi (Birdwatchers - Das Land der roten Menschen): Die “roten Menschen”, das sind Ureinwohner von Brasilien, die in einem Reservat leben. Regisseur Marco Bechi erzählt von ihnen (gespielt von Laiendarstellern, denen er erstmal erklären musste, was ein Film ist), von weißen Großgrundbesitzern und von den Konflikten zwischen diesen Gruppen. Und er tut das, wie die Rezensionen lobend erwähnen, ohne klar Partei zu ergreifen.
Killshot: Die Namen klingen ja erstmal ganz gut. Eine Elmore-Leonard-Verfilmung von John Madden (Shakespeare in Love) mit Micky Rourke als Profikiller und Diane Lane. Wenn man dann aber hört, dass der Film seit über drei Jahren fertig ist, aber von den Weinstein-Brüdern immer wieder verschoben und schließlich direkt auf DVD veröffentlicht wurde, ahnt man nichts gutes. Die deutschen Rezensionen sind aber gar nicht mal so negativ.
Muss nicht sein:
Le Code a changé (Affären à la carte): Typisch französische Boulevardkomödie über einen Freundeskreis, der sich zum Diner trifft, und natürlich geht es dabei ganz viel um Wer mit Wem und Wann vielleicht oder doch nicht undsoweiter.
UmdeinLeben: “Der permativeste Film aller Zeiten” soll das laut Eigenwerbung sein. Auf der Suche nach der Bedeutung von “permativ” findet man einen Text von Harald Mühlbeyer bei Screenshot, der schreibt:
Das ist natürlich eigentlich nur einer dieser Inszenatoren-Neologismen, die was ganz Neues, Avantgardistisches suggerieren; was sich aber eben als doch nicht sooo originell und kreativ herausstellt.
Donnerstag, 09.07.2009
Heute aus aktuellem Anlass mit zwei neuen Kategorien.
Im Kino sehen, aber nur wenn dort die Original- oder OmU-Fassung läuft:
Brüno: Nach Borat der neue Streich von Sacha Baron Cohen, in dem er eine weitere Figur aus seiner Ali G Show ins Kino bringt: den schwulen Modereporter aus Österreich. Was man bisher so hört, ist das nicht ganz so brillant geworden wie Borat, dürfte aber immer noch recht vergnüglich sein. Vorausgesetzt, man erwischt ein Kino, das die Original-Tonspur aufführt.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Klang der Seele: Ein Porträt von vier Studenten, die Komposition an der Darmstädter Akademie für Tonkunst studieren. Ich hab’s ja nicht so mit klassischer Musik, aber mir gefällt das Leuchten in den Augen und die ehrliche Begeisterung für Musik, die man im Trailer schon ansatzweise erkennt.
Lass uns’n Wunder sein - auf der Suche nach Rio Reiser: Rio in allen Ehren, es kann eigentlich nicht genug Material über ihn geben. Viele Künstler seines Kalibers haben wir ja nicht. Andererseits ist das bereits der dritte Dokumentarfilm von Stefan Paul, der sich an Rio abarbeitet, da kann man schon mal fragen, ob nicht ein großer auch gereicht hätte. Und ob man wirklich Lust hat, Leuten wie Achim Reichel, den Scorpions, Claudia Roth und Daniel Cohn-Bendit im Kino zu begegnen.
Bellamy (Kommissar Bellamy): Regie: Claude Chabrol, Hauptrolle: Gerard Depardieu. Den Frankophilen unter uns genügen diese Argumente vielleicht schon für einen Kinobesuch. Es handelt sich um einen Krimi, bei dem weniger ein spannender Plot als vielmehr die Hauptfiguren bzw. die Schauspieler im Mittelpunkt stehen. Also möglicherweise sowas wie eine bessere Tatort-Folge?
Muss nicht sein:
La misma luna: Ernstes Thema (Illegale Einwanderung mexikanischer Familien in die USA), aufbereitet als rührseliges Familiendrama mit einem kleinen Jungen als Sympathieträger, und die Streicher jaulen dazu. Schmeckt ganz eklig nach Süßstoff.
Nicht gucken, wenn die deutsche Synchro läuft:
Brüno: Es ist eigentlich eine Frech- nein, eine Unverschämtheit, dem zahlenden Zuschauer überhaupt eine synchronisierte Version eines solchen Films anzubieten. In diesem Fall zerstört die Synchronisation ja nicht nur den dokumentarischen Charakter des Films und verhaut den ein oder anderen Gag — nein, hier wird eine der Stützen hinweggefegt, auf denen der Bruno-Charakter basiert. Dass er nämlich aus Österreich kommt und ein Kauderwelsch-Deppen-Englisch mit deutschen Einsprengseln spricht. Bei der SZ hat man das kapiert, hat auf die Übersetzung eines Bruno-Interviews verzichtet und lieber nur im Original online gestellt.
Mittwoch, 08.07.2009

Montreal in der Zukunft. Die globale Erwärmung hat dafür gesorgt, dass dort extrem viele Trüffel wachsen. Charles hat ein besonders gutes Näschen und findet mehr als alle anderen. Doch weil es so viele Trüffel gibt, wird man davon auch nicht reich. Die Dinge ändern sich, als ein mysteriöser Großkonzern mit allen Mitteln versucht, Charles anzuwerben. Dieser ist jedoch keine normale Firma — oder ist es etwa normal, Nerze in Umlauf zu bringen, die nicht nur kuschelig, sondern auch ziemlich bissig sind?
Truffe von Kim Nguyen ist ein sehr sehr seltsamer Film. Der Regisseur selbst, der beim Filmfest sein Werk vorstellte, nennt ihn eine “surrealistische Komödie”. Sein in Schwarz-Weiß gedrehter Film ist ein exzentrisches Zukunftsmärchen voller irrer Einfälle und rätselhafter Spinnereien. Nguyen erzählt, er habe versucht, möglichst viele Teile des Drehbuchs in einem Trance- oder Halbschlafzustand zu schreiben, kurz vor oder kurz nach dem Aufwachen. Konsequenterweise fühlen sich große Teile des Films wie lange Traumsequenzen an.
Daraus hätte ein überaus anstrengender Hirnfick werden können, der Zuschauer reihenweise aus dem Saal treibt. Doch Nguyen kriegt es irgendwie hin, den Zuseher bei der Stange zu halten, was vielleicht an den sympathischen Hauptfiguren, besonders aber am immer wieder aufblitzenden, skurillen Humor liegt. Auch wenn man den Film nicht im herkömmlichen Sinne “versteht”, hat man doch viel Spaß daran, weil er einen auf sehr originelle Weise gut unterhält. Dass der Film mit ca. 75 Minuten angenehm kurz ist, schadet auch nicht. Wenn dann im Abspann die bissigen Pelztierchen “I Put a Spell On You” singen, dann fühlt man sich auch ein bisschen verzaubert von diesem merkwürdigen, seltsamen Trüffeltrip.
Samstag, 04.07.2009

Ben ist Mitte Dreißig und gerade dabei, ein solider Familienmensch zu werden, mit Ehefrau, Eigenheim und Kinderwunsch. Sein alter Kumpel Andrew ist das genaue Gegenteil: Mitten in der Nacht steht er bei Ben in der Tür, nachdem er jahrelang in der Weltgeschichte umhergestrolcht ist und sich als (Lebens-) Künstler versucht hat. Andrews Rückkehr kitzelt bei Ben noch einmal die Lust aufs Abenteuer, bzw. die Angst vor einem Spießerleben hervor. Bei einer Party entsteht aus einer Kiff- und Schnapslaune eine komplett bescheuerte Idee. Ben und Andrew wollen zusammen einen Film für das “Humpfest” drehen, ein alternatives Indie-Porno-Kunstfestival. Ben ist der Ansicht, es wäre doch total verwegen und künstlerisch, einen Porno zu drehen, in dem es zwei Heteromänner miteinander tun.
Nachdem der Rausch ausgeschlafen und der Kater besiegt ist, bleibt immer noch die Idee vom Vorabend. Es ist eine Mischung aus Sturheit, Stolz und Scham, die dazu führt, dass weder Ben noch Andrew einen Rückzieher machen. Sie müssen und wollen da jetzt durch. Allerdings ist da noch Bens Frau Anna, der die Sache auch nicht verheimlicht werden soll …
Humpday von Lynn Shelton ist eine mit sehr einfachen Mitteln gedrehte Indie-Komödie, in der sehr viel über Sex gesprochen wird, aber so gut wie kein Sex zu sehen ist. Der Film verfügt über viel Situationskomik, sitzt aber auf einem sehr ernsthaften Fundament. Im Kern geht es um Beziehungen, um Lebensentwürfe, um Erwachsenwerden, um Ehrlichkeit. Die Dialoge, die dies vermitteln, wirken weitgehend improvisiert und machen daher einen sehr glaubhaften und realistischen Eindruck, auch wenn die Idee, um die sich der Film dreht, doch ganz schön weit hergeholt ist.
Ich hatte jedenfalls viel Spaß mit Ben und Andrew und mit diesem Film, den man zur neuen Mumblecore-Bewegung des US-Indiekinos zählen kann. Humpday schafft es, von Befindlichkeiten einer Generation zu erzählen, ohne langweilig, predigerhaft oder weinerlich zu sein. Aber auch, ohne in Zoten und Albernheiten abzudriften. Gut so.
Donnerstag, 02.07.2009
Auf die DVD warten:
Ice Age: Dawn of the Dinosaurs (Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los): Diesmal neu dabei: Dinosaurier, ein Weibchen für Scrat und 3D-Brillen für die Zuschauer (in bestimmten Kinos). Ist wahrscheinlich immer noch sehr solides Family-Entertainment und durchaus für einige Lacher gut, aber ich fand schon den zweiten Teil im Vergleich zum ersten eher so mittel.
9to5 - Days in Porn: Nichts für die Familie, sondern “Keine Jugendfreigabe”: Dokumentarfilmer Jens Hoffmann ging anderthalb Jahre lang ins San Fernando Valley, um hinter die Kulissen der dortigen Pornoindustrie zu schauen und mit ihren Protagonisten zu sprechen. Das Ergebnis soll ein nüchterner, recht interessanter Film sein: “Der Film hat zunächst einmal gar keine Haltung, sondern versucht, sich ein Bild zu machen,” schreibt Thorsten Funke bei critic.de. Was man bei einem Thema wie diesem nur begrüßen kann.
Madboy: Low-Budget-Film von Henna Peschel, dessen Rollo Aller-Filme (starring Rocko Schamoni) in Hamburg Kult sind und die schon lange auf meiner Liste stehen. Besonders irrwitzig: Der Film startet in Hamburg, Berlin, Köln — und ausgerechnet im Hirsch in Buchloe, meinem Heimatplaneten. Sachen gibt’s.
Vielleicht mal im Fernsehen:
The Haunting in Connecticut (Das Haus der Dämonen): Eher klassischer Geistergrusel als fieser Slasher. Zuerst dachte ich, dass wär schon wieder eines dieser sinnlosen Horror-Remakes. Dabei ist das hier gar keine Neuauflage. Originell oder innovativ ist es allerdings auch nicht, sondern, wenn man’s freundlich ausdrücken will, einfach sehr Oldschool.
Achterbahn: Doku über Norbert Witte, der mit einem Vergnügungspark grandios scheiterte und sich dann im Drogenhandel verstrickte. Sicherlich nicht uninteressant, aber doch eher was fürs TV.
Muss nicht sein:
La fille de Monaco (Das Mädchen aus Monaco): Sommerliche Dreiecksgeschichte um eine sexy Blondine, einen grauen Anwalt und seinen Bodyguard. Typisch französisch. Den Kritikern gefällt das überwiegend gut, mich interessiert’s eher gar nicht.
Hände hoch oder ich schieße: DEFA-Film von 1966 über einen Polizisten, der nichts zu tun hat, weil es kaum Kriminalität um ihn herum gibt. Dem Trailer nach ist das ein harmloses Komödchen, war aber anscheindend subversiv genug, um in der DDR verboten zu werden. Wer mag, kann den Film jetzt doch noch sehen.