Im Kino: Adam

Max Mayers Film Adam ist eine kleine, eher unspektakuläre Liebesgeschichte, die man fast als Romantic Comedy bezeichnen könnte, aber das trifft es (zum Glück) nicht ganz. Im Zentrum stehen Adam, ein junger Mann mit Asperger-Syndrom, der nach dem Tod seines Vaters plötzlich allein lebt, sowie Beth, Lehrerin, Kinderbuchautorin und Single, die als neue Nachbarin ins gleiche New Yorker Appartmenthaus einzieht. Es geht wie so oft um Kennenlernen, Verlieben und Entlieben. Hier allerdings auf sehr viel vorsichtigere Weise, denn eines der Hauptmerkmale von Asperger ist es, eigene Emotionen nicht ausdrücken zu können und die Emotionen seiner Mitmenschen nur begrenzt zu erfassen. Beide tasten sich also langsam heran an diese Beziehung. Dazu gibt es noch zwei Nebenplots — Adams Suche nach einem neuen Arbeitsplatz und ein Gerichtsprozess, der gegen Beths Vater geführt wird. Diese Handlungsstränge definieren die Figuren weiter aus, wären aber auch nicht absokut notwendig gewesen.

Schließlich sind es vor allem die Figuren, auf die der Film sich konzentriert. Adam (erstklassig gespielt von Hugh Dancy) ist ganz klar ein Sympathieträger, mit dem man mitfühlt. Mayer versucht ihn trotz seines Anders-Seins als einen normalen Menschen zu zeichnen, nicht als bemitleidenswertes Genie wie Dustin Hoffman in Rain Man, auch nicht als tragikomischen Helden: „I’m not Forrest Gump, you know?“, wie er selbst einmal sagt. Und Beth (Rose Byrne) wird überzeugend dargestellt als Frau, die zwischen ihren eigenen Wünschen und der Erwartungshaltung ihrer Eltern steht. Im Mittelpunkt steht gar nicht so sehr Adams Krankheit oder Behinderung (wenn man es denn so nennen mag) — es geht darum, wie Menschen lieben und was sie unter Liebe verstehen.

Der große Pluspunkt des Films ist der Schluss, der einen gesunden Mittelweg geht: Es gibt kein Happy End, aber ein kleines versöhnliches Licht darf am Ende eben doch scheinen. Im anschließenden Q&A ließ Max Mayer durchblicken, dass ein echtes Happy End für ihn unmöglich gewesen wäre und die positive Schlussnote auch nicht von Anfang an im Skript war. Sein Nachbar Alejandro González Iñárritu habe ihn aber darin bestärkt, dass das Ende, das letztlich gewählt wurde, genau das richtige sei.

Ich fand den Film sehr nett und unterhaltsam, aber vielleicht auch ein bisschen zu glatt und zu leicht bekömmlich, um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Hugh Dancy würde ich aber gerne wieder mal auf der Leinwand sehen.

 

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