Im Kino: Truffe (Truffles)

Montreal in der Zukunft. Die globale Erwärmung hat dafür gesorgt, dass dort extrem viele Trüffel wachsen. Charles hat ein besonders gutes Näschen und findet mehr als alle anderen. Doch weil es so viele Trüffel gibt, wird man davon auch nicht reich. Die Dinge ändern sich, als ein mysteriöser Großkonzern mit allen Mitteln versucht, Charles anzuwerben. Dieser ist jedoch keine normale Firma — oder ist es etwa normal, Nerze in Umlauf zu bringen, die nicht nur kuschelig, sondern auch ziemlich bissig sind?

Truffe von Kim Nguyen ist ein sehr sehr seltsamer Film. Der Regisseur selbst, der beim Filmfest sein Werk vorstellte, nennt ihn eine „surrealistische Komödie“. Sein in Schwarz-Weiß gedrehter Film ist ein exzentrisches Zukunftsmärchen voller irrer Einfälle und rätselhafter Spinnereien. Nguyen erzählt, er habe versucht, möglichst viele Teile des Drehbuchs in einem Trance- oder Halbschlafzustand zu schreiben, kurz vor oder kurz nach dem Aufwachen. Konsequenterweise fühlen sich große Teile des Films wie lange Traumsequenzen an.

Daraus hätte ein überaus anstrengender Hirnfick werden können, der Zuschauer reihenweise aus dem Saal treibt. Doch Nguyen kriegt es irgendwie hin, den Zuseher bei der Stange zu halten, was vielleicht an den sympathischen Hauptfiguren, besonders aber am immer wieder aufblitzenden, skurillen Humor liegt. Auch wenn man den Film nicht im herkömmlichen Sinne „versteht“, hat man doch viel Spaß daran, weil er einen auf sehr originelle Weise gut unterhält. Dass der Film mit ca. 75 Minuten angenehm kurz ist, schadet auch nicht. Wenn dann im Abspann die bissigen Pelztierchen „I Put a Spell On You“ singen, dann fühlt man sich auch ein bisschen verzaubert von diesem merkwürdigen, seltsamen Trüffeltrip.

 

Ein Gedanke zu „Im Kino: Truffe (Truffles)

  1. Mir ging´s ähnlich: mir fiel es ausgesprochen schwer den Film „einzuordnen“. Hirnfick trifft´s wohl recht gut. Mir fiel am Ende des Films die geringe Fraktion der Abspannsitzenbleiber auf; viele stürmten relativ schnell aus dem Saal, was ich als Missfallen bzw. Verstörtheit interpretierte. Cool fand ich den Interpretationsspielraum, den der Film bot. Inter alia: 1) Trüffelabbau als Symbol für menschlichen Nimmersatt bzgl. Rohstoffe oder 2) An den Kühlschrank gekettete Eltern von Charles als Bild für „Alte Menschen sind nutzlos in der modernen Gesellschaft und packen´s eh nicht mehr mitzuhalten“.
    Für mich ist der Film ein Paradebeispiel für die Art Filme , die langsam sacken, mit der Zeit im Hirn reifen und dabei gewinnen.
    Toll auch der Introsound. Gleich ein positiver akustischer Eindruck zu Beginn des Films.

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