Im Kino: Brüno

Sacha Baron Cohen ist wieder da. Knapp drei Jahre nach dem Riesenerfolg Borat bringt er eine weitere Figur aus seiner Ali G Show auf die Kinoleinwand. Das Prinzip ist verblüffend ähnlich. Hier wie dort gibt Baron Cohen einen Ausländer, der alles andere als normal ist, schickt ihn auf eine Odyssee durch die USA und versucht mit Guerilla-artigen Auftritten und Provokationen am Rande der Schmerzgrenze Komik zu erzeugen.

Mit der Figur des überkandidelt-schwulen Österreichers Bruno, der unbedingt ein berühmter Star werden will, gelingt ihm das nicht mehr ganz so gut wie mit dem kasachischen Journalisten Borat. Vielleicht, weil inzwischen zu viele potentielle Opfer das Spiel durchschauen und allzu früh merken, dass sie hier veralbert werden. Vielleicht, weil dem Zuschauer das Konzept mittlerweile bekannt ist und der Überraschungseffekt weg ist. Vielleicht aber auch, weil die Figur eines überaus schrillen Möchtegern-Stars, der einfach nur berühmt werden will, viel weniger befremdlich ist als es ein Borat war. Brunoeske Gestalten sieht man leider Tag für Tag durch den Medienzirkus hampeln, darunter auch Exemplare, die sich kaum mehr satirisch übersteigern lassen.

Borat war immer dann am besten, wenn unverhofft Momente der Wahrhaftigkeit entstanden, wenn seine Gesprächspartner (oft im guten Willen) unglaubliche Sätze vom Stapel ließen und sich dadurch ihre eigenen Fettnäpfchen bauten. Ein paar dieser Momente gibt es auch in Brüno, nur leider nicht mehr so viele. Ein Highlight zum Beispiel die beiden „Charity-PR-Beraterinnen“, die schon bei der Aussprache des Wortes Darfur scheitern. Manch andere Szene verliert jedoch dadurch, dass man den Verdacht nicht loswird, dass sie nicht halb so spontan und überfallartig gedreht wurden, wie sie wirken wollen. Immer wieder hat man den Eindruck, dass hier einiges nach Drehbuch läuft und zumindest ein Teil der Beteiligten eingeweiht ist. Auch der Anteil der eindeutigen Spielszenen, die gar nicht erst so tun, als seien sie dokumentarisch, ist viel höher als in Borat.

Aber ob gestaged oder nicht, ob „authentisch“ oder geskriptet: bei Brüno geht es vor allem darum, die Leute zum Lachen zu bringen. Und das gelingt dem Film insgesamt doch sehr gut, auch wenn die realsatirischen Szenen weniger geworden sind. Trotz der ein oder anderen Längen ist Brüno ein großer Spaß mit vielen Lachern vom Anfang (ein Scooter-Song!) bis zum Ende (der herrliche Videoclip „Dove of Peace“ mit vielen prominenten Gaststars). Die Humorpalette reicht dabei von (teilweise extremen) Derbheiten über einfache Situationskomik bis zu brillanten Monty-Python-Momenten. Satirisch entlarvt wird die Homophobie von White-Trash-Amerikanern und selbsternannten „Gay Converters“, vor allem aber der Celebrity-Wahnsinn und das unbedingte Streben nach Prominenz, das z.B. bei manchen Eltern dazu führt, ihre Kinder für Fotoshootings auch unter extremsten Bedingungen anzubieten.

Das alles wird getragen von Rampensau Sacha Baron Cohen, der hier zweierlei unter Beweis stellt: Erstens, dass er sich wirklich für nichts zu schade ist und oft und gerne da hingeht, wo’s wehtut. Und zweitens, dass er ein echt guter Schauspieler ist, der diese irrsinnige Figur wirklich verkörpert. Allein für die Szene beim Wahrsager, in der pantomimische Pornografie nach Art des Luftgitarrespielens zum Besten gegeben wird, müsste es eigentlich einen Preis geben.

Ob der Film auch in der deutschen Synchronistation funktioniert, bezweifle ich, eher wird es eine rechte Quälerei sein. Die Originalfassung lohnt sich — denn Bruno spricht nicht nur ein lustiges, mit Fantasie-Deutsch-Bröckchen durchsetztes Englisch, es gibt auch etliche Dialoge auf „Deutsch“, nämlich zwischen Bruno und seinem Assistenten Lutz (Gustaf Hammarsten), die auf ihre ganz eigene Weise ziemlich komisch sind.

 

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