Im Briefkasten: Kulturnews – meinKinoprogramm

Unverlangt eingesandt — neulich lag im Briefkasten eine 16 Seiten dünne Zeitschrift, mit der Bitte um eine Blattkritik. Und weil mir das Heft am Ende besser gefiel als ich anfangs erwartete, will ich dem ausnahmsweise gerne nachkommen.

meinKinoprogramm (nur echt mit Camel-Case-Schreibweise) ist ein Spin-Off des Kostenlos-Magazins Kulturnews, das man immer wieder mal an Vorverkaufsstellen, in Kneipen oder Kultureinrichtungen aufliegen sieht, und dem ich nie sonderlich viel Beachtung geschenkt habe, weil man ja zu wissen glaubt, wie es um die redaktionelle Unabhängigkeit solcher Publikationen bestellt ist. Auch der Kino-Ableger der Kulturnews ist kostenlos und finanziert sich vermutlich über Anzeigen – bereits das Cover ist eine. Der Schwerpunkt besteht in einer Vorstellung der Kino-Neustarts des jeweiligen Monats, und zwar in sehr knapper Form und mit einem angenehm Schnickschnack-freien, reduzierten Layout. Für jede Kinowoche gibt es eine Einstiegsseite mit einem großen Foto, auf der jeder Film mit einem Satz und mit Sternchenwertung vorgestellt wird. Danach folgen Kurzvorstellungen der einzelnen Filme, wobei kleine Produktionen wie z.B. Kleine Tricks gleichrangig neben Blockbustern wie Harry Potter stehen. Was schonmal ein angenehmer Gegensatz zu anderen kostenlos verteilten Film-Blättchen ist.

Die große Überraschung ist dann, dass man bei den kurzen, schnell gelesenen 10- bis 15-zeiligen Texten tatsächlich von kleinen Filmkritiken sprechen kann, die eine klare Wertung enthalten und miese Filme nicht unnötig schönreden. In der Selbstdarstellung klingt das dann so: „schlägt die Brücke zwischen Mainstream und cineastischem Special Interest“, und das kann man durchaus so stehen lassen.

Wo gibt’s das Heft? Laut Homepage „in der Szenegastronomie und bundesweit in ausgewählten Kinos“, was immer das auch heißen mag. Abonnieren geht auch, kostet aber 21 Euro für 12 Hefte, was nicht gerade billig ist, zumal sämtliche Texte auch online stehen. Auf meinkinoprogramm.de sind die Kurzbesprechungen zusätzlich noch mit dem Kinoprogramm zahlreicher Städte verknüpft. Außerdem gibt es dort ein sogenanntes „Filmlexikon“. Dabei handelt es sich aber wohl eher um ein Archiv von Filmrezensionen, die sich in den letzten Jahren beim Bunkverlag (wo die Kulturnews ebenso wie U_mag und _ulysses erscheint) angesammelt haben.

Unentbehrlich ist meinKinoprogramm sicher nicht, denn gerade online herrscht kein Mangel an Filmbesprechungen und Programm-Services. Im gedruckten Bereich sieht das schon wieder anders aus. Für grundsätzlich Kino-Interessierte, die sich nicht in Special-Interest-Medien vertiefen und von Filmstarts jenseits von Ice Age und Transformers nur wenig mitbekommen, mag das Heft, so sie es denn in die Hände bekommen, durchaus eine Lücke schließen.