Geist ist geil

Abwesenheitsnotiz

Samstag, 29.08.2009


Ich bin im Urlaub. Deswegen gibt es hier leider keine Trailerschau für die Filmstarts vom 27.8., und auch die kommenden beiden Wochen müsst ihr darauf verzichten. Der reguläre Betrieb geht hier voraussichtlich mit den Kinostarts vom 17. September weiter. Und wenn’s dann draußen wieder herbstelt und fröstelt, gibt’s hoffentlich auch sonst wieder ein bisschen mehr Inhalt auf diesem Blog.

In den drei kommenden Wochen starten etwa 30 Filme, aus denen ich hier mal ein paar interessante Rosinen herauspicke:

Für Leute wie mich: Brothers Bloom (ab 27.8.)
Eine Gaunerkomödie mit Adrien Brody, die nicht der Oberhammer, aber doch recht ansehnlich und hübsch geraten zu sein scheint. Meint z.B. Rochus Wolff bei critic.de.

Für Freunde von Kostümfilmen: Chéri - Eine Komödie der Eitelkeiten (ab 27.8.)
Hauptdarstellerin Michelle Pfeiffer, Regisseur Stephen Frears und Drehbuchautor Christopher Hampton begeben sich nochmal auf ähnliches Terrain wie damals bei Gefährliche Liebschaften. Das Spektrum der Kritiken reicht von fürchterlich bis großartig.

Für Rocker: It might get loud (ab 27.8.)
Robert Plant, Jack White und The Edge packen die Gitarren aus. Wem diese Namen nichts sagen, braucht sich mit dem Film nicht weiter zu beschäftigen, der Rest sucht sich ein Kino mit guter Soundanlage.

Für Hippies, Ex-Hippies, deren Sympathisanten und alle die Ang Lee mögen: Taking Woodstock (ab 3.9.)
Ang-Lee-Filme sind ja eigentlich immer einen Blick wert, meistens sind sie sogar sehr gut. Hier erzählt von Woodstock, das gerade wegen des 40. Jahrestags wieder in aller Munde ist. Und zwar aus der Sicht eines jungen Mannes, dessen Eltern ein Motel ganz in der Nähe jener Wiese haben.

Für die, die noch an Humor im deutschen Kino glauben: Whisky mit Wodka (ab 3.9.)
Manchmal haut’s ja doch hin mit dem Humor in deutschen Filmen. Bei Regisseur Andreas Dresen und einer Besetzung mit Henry Hübchen und Sylvester Groth stehen die Chancen so schlecht nicht. Es geht übrigens um Schauspielerei und Filmemachen, Doppelbödigkeiten sind also garantiert.

Für Kids: Wickie und die starken Männer (ab 9.9.)
Bully Herbigs Realverfilmung der Zeichentrickserie. Ist für Kinder vielleicht recht spaßig.

Für Mutige: Antichrist (ab 10.9.)
Lars von Trier schockt mal wieder alle, oder er versucht es zumindest. Heftiges Beziehungsdrama mit Horror-Anleihen. Im Kino werde ich mir das nicht antun, weil ich mich nicht zwei Stunden lang extrem unwohl fühlen möchte. In den vertrauten vier Wänden würde ich vielleicht einen Versuch wagen.

Für Science-Fiction-Fans: District 9 (ab 10.9.)
Der günstig produzierte Film aus Südafrika war ein großer Erfolg an den US-Kinokassen und sieht auf jeden Fall sehr interessant aus: Hier kommen die Aliens mal nicht als böse Invasoren, sondern als Flüchtlinge auf die Erde. Auf diese Apartheid-Parabel können sich anscheindend Kritik und Publikum einigen.

Für Anspruchsvolle: Sturm (ab 10.9.)
Der neue Film von Hans-Christian Schmid, über serbische Kriegsverbrecher vor dem Haager Tribunal. Könnte etwas trocken sein, aber was Schlechtes ist von Schmid eigentlich nicht zu erwarten.



Trailerschau für Filmstarts vom 20.8.

Freitag, 21.08.2009

Im Kino sehen:
Inglourious Basterds: Tarantino lässt es krachen und vergreift sich frech am Zweiten Weltkrieg. Nazi-Exploitation ohne Rücksicht auf historische Wahrheiten. Genau das, was nach viel zu vielen verkrampften Historiendramen à la Vorleser oder Untergang dringend gebraucht wird, um hier mal ordentlich durchzupusten. Oder, wie es Georg Seeßlen ausdrückt: “‘Pulp fiction’ bezwingt den faschistischen Todeskitsch.” Geek Heil!

Vielleicht mal im Fernsehen:
Fräulein Stinnes fährt um die Welt: Dokudramen mag ich im Fernsehen schon nicht, im Kino erst recht nicht. Allerdings spielt Sandra Hüller (Requiem) die Hauptrolle und das Thema ist nicht uninteressant: Es geht um Clärenore Stinnes und ihre Auto-Weltreise in den 20er Jahren.

Muss nicht sein:
Pink: Hannah Herzsprung spielt eine Frau mit drei Freunden, die sie alle der Reihe nach heiratet. Was eher Experimentelles von Rudolf Thome, also sozusagen: Kunst. Kann ich nichts mit anfangen.

Summertime Blues: Deutscher Teenager-Sommerfilm mit Scheidung der Eltern und Umzug und erster großer Liebe undsoweiter. Kommt sehr überraschungsarm und ohne irgendwelche neuen Ideen daher. Dafür mit einem 20jährigen Hauptdarsteller, der einen 15jährigen spielt.

Schreibe mir - Postkarten nach Copacabana: Hmm, eine Art exotischer Heimatfilm eines bayerischen Regisseurs, gedreht in Bolivien, inkl. bolivianisch-bayerischer Liebesgeschichte. Ich weiß nicht genau, was, aber irgendwas fehlt hier.

Horst Schlämmer - Isch kandidiere!: Alle Achtung für die perfekt funktionierende Marketingkampagne von Herrn Kerkeling und seinem Verleih. Die Sommerloch-geplagten Medien saugen Schlämmers Aktivitäten begierig auf und machen reichlich kostenlose Werbung. Teile der Sketchparade sind möglicherweise auch ganz lustig, aber über 90 Minuten im Kino brauche ich das nicht.

Tengri (Tengri - Das Blau des Himmels): Was ist eigentlich das Kino-Pendant zu “Weltmusik”? Ethno-Film? Der hier, aus Kirgisien, wäre so einer.



Im Kino: Public Enemies

Donnerstag, 20.08.2009

Michael Mann, Johnny Depp, Christian Bale und das Leben von John Dillinger, dem berühmten Bankräuber aus dem Chicago der 30er. Klingt eigentlich nach sehr guten Voraussetzungen. Und Public Enemies, das 140minütige Gangsterepos, ist auch kein richtig schlechter Film geworden — aber einer mit deutlichen Schwächen.

Kern der Geschichte ist ganz klar der Zweikampf zwischen dem Obergangster Dillinger, gesucht als Staatsfeind Nr. 1, und seinem Gegenspieler beim FBI (dessen Entstehungsgeschichte eng mit dem Fall Dillinger verknüpft ist), Melvin Purvis. Johnny Depp und Christian Bale verkörpern diese Widersacher mit strengem Blick und großer Kühle und Michael Mann inszeniert hier wieder mal ein Duell zweier Antagonisten, die sich vielleicht ähnlicher sind, als sie glauben — ein Thema, dass sich durch Manns Filmographie wie ein roter Faden zieht.

Besagter Kern des Films funktioniert dank reichlich Action und Spannung auch ziemlich gut. Schwieriger wird es beim Drumherum: Wo kommt dieser Dillinger her? Was treibt ihn an? Warum ist er das große Verbrechergenie? Was macht er besser als andere? Was war das Besondere an der Zeit der großen Depression? Warum wurde Dillinger von der Bevölkerung als eine Art Robin Hood verehrt? Wie funktionierten die tollen modernen Ermittlungsmethoden, die das FBI hier einsetzte? Alles Fragen, die der Film stellen und beantworten könnte, aber Mann scheint sich nicht sehr dafür zu interessieren. Die Charaktere im Film bleiben sehr unterkühlt, man kommt den Figuren nie wirklich nahe, so dass man sich als Zuschauer auch nicht so recht für sie interessiert. Am meisten Wärme bringt da noch Marion Cotillard als Dillingers Geliebte mit, aber das Drehbuch weiß mit ihr auch nicht viel anzufangen. Stattdessen immer wieder das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Dillinger und Purvis, Raubzüge, Gefängnisausbrüche. Und viel Geballer. Was mit der Zeit einfach ermüdend wirkt.

Ganz bei sich ist Mann vor allem bei den furios inszenierten (wenn auch zu lang und zu zahlreich geratenen) Schießereien — hier fällt besonders die Ästhetik auf, an der sich viele Kritiker auch sehr gestört haben. Public Enemies wurde mit HD-Videokameras gedreht. Statt majestätischem Cinemascope gibt es harte, direkte, wackelige In-your-Face-Bilder. Mir hat das gut gefallen, denn so entsteht eine enorme Unmittelbarkeit. Das museale, schinkenhafte, das viele Historienfilme mit sich bringen, als ob um die Kinoleinwand ein schwerer, kunstvoll verzierter Bilderrahmen hängen würde, fehlt hier komplett. Kein “Es war einmal”, sondern das sichere Gefühl, dass dieses “früher”, was wir hier sehen, einmal ein “heute” war.

So ist Public Enemies also durchaus einigermaßen sehenswert, vor allem im Vergleich zum sonstigen Angebot größerer Hollywood-Produktionen in diesem Sommer. Durchweg zufrieden wird man am Ende aber eher nicht sein, dafür verschenkt Michael Mann einfach zu viele Chancen.



Trailerschau für Filmstarts vom 13.8.

Freitag, 14.08.2009

Eine ausgesprochen gute Kinowoche für meinen Geschmack:

Im Kino sehen:
Coraline: Freue mich schon seit Monaten auf die 3D-Filmversion von Neil Gaimans Kinderbuch. Inszeniert von Henry Selick, der u.a. auch Nightmare Before Christmas gemacht hat, scheint das ein wunderschönes, ziemlich düsteres Schauermärchen in Stop-Motion geworden zu sein. Läuft in manchen Städten als 3D-Film, funktioniert aber sicher auch ganz gut in herkömmlicher Technik.

Ai no mukidashi (Love Exposure): Von der Berlinale-Berichterstattung Anfang 2009 ist bei mir nicht sehr viel hängengeblieben. Dass aber Love Exposure was ganz Besonderes und sehr Sehenswertes sei, wurde vielfach versichert, soviel weiß ich noch. Wer keine Angst vor 4 Stunden Japanisch mit Untertiteln hat, dürfte hier mit einem außergewöhnlichen Filmerlebnis und einer extrem unkonventionellen Liebesgeschichte belohnt werden.

Zack and Miri make a Porno: Ich mag den Kevin Smith ja immer noch, auch wenn alle seine Filme, die nach Chasing Amy kamen, eher Mittelmaß waren. Hier lässt er Seth Rogen und Elizabeth Banks aus finanzieller Verzweiflung zu Pornofilmern werden, und laut SpOn ist es “gut möglich, dass [dies] die romantischste Komödie ist, die überhaupt je gedreht wurde.”

Auf die DVD warten:
Hunger: Ein Film von Steve McQueen (nein, nicht der, der andere, ein britischer Videokünstler), der von dem Nordirischen Hungerstreik von 1981 erzählt. Wird allenthalben als sehr gelungen und eindringlich gelobt. Läuft allerdings nur in einer einzigen Kopie in Deutschland (Termine hier).

The Hurt Locker (Tödliches Kommando): Kathryn Bigelows Film über ein Bomben-Entschärfungskommando der US-Army im Irak versteht sich ganz klar als Action- und Spannungsfilm und dürfte als solcher auch sehr gut funktionieren. Wobei ich als Gutmensch immer ein bisschen Probleme damit habe, wenn reale Kriege als Kulisse für Unterhaltung dienen und die Soldaten als Helden gezeichnet werden.

Die PARTEI:

„Die PARTEI“ ist ein innovativer Propaganda-Dokumentarfilm im Stile Guido Knopps, der speziell für die ganz große deutsche Kinoleinwand geschaffen wurde. Unzählige Hochglanzbilder, Auf- und Untersichten verbinden sich mit einer mehrfach umgeschriebenen Filmmusik von Achim Treu zu einem unvergesslichen Epos im Stile Leni Riefenstahls.
Der Film, „Die PARTEI”, erfindet den Dokumentarfilm neu und mobilisiert gleichzeitig die politikverdrossenen Massen für die Sache der Partei Die PARTEI. Es wird (wahrscheinlich) viel gelacht werden, Gesellschaftskritik ist auch enthalten.

Zitat von der Film-Homepage, Rubrik “Zum Abschreiben für die Journalisten”

Vielleicht mal im Fernsehen:
For a moment freedom (Ein Augenblick Freiheit): Österreichisch-französische Koproduktion, die von diversen Flüchtlingsschicksalen erzählt, dies aber nicht als völlig ernstes, schweres Drama tut, sondern auch viel Humor beimengt, so dass laut B3-Kritikerin Magali-Ann Thomas “viel gelacht und geweint werden kann”.

Die Helden aus der Nachbarschaft: Komisch, den hatte ich schon vor ein paar Monaten hier aufgeführt, am 30.4.09. War damals vielleicht nur so ‘ne Vorpremiere und kein richtiger Kinostart.

Muss nicht sein:
Jasper und das Limonadenkomplott: Jasper ist ein Pinguin und kommt wohl regelmäßig in der Sendung mit der Maus. Jetzt auch als Film, damit die ganz kleinen auch mal wieder ins Kino können.

Coco avant Chanel (Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft): Biopic über die Modeschöpferin, also ein Kostümfilm in jeder Hinsicht. Soll ja Leute geben, die sowas interessant finden. Not me.

G.I. Joe - Rise of Cobra (G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra): Gehirnarme Spielzeugverfilmung mit viel Rumms und Bumms. Bereits gesehen und hier besprochen.



Im Kino: G.I. Joe: The Rise of Cobra (G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra)

Mittwoch, 12.08.2009

Was für ein blöder Film. Ich will eigentlich nicht allzu viele Worte verlieren, schließlich hat er mir bereits fast zwei wertvolle Stunden meines Lebens geraubt und das muss nicht noch unnötig verlängert werden. G.I. Joe: The Rise of Cobra basiert auf einer Puppe. Einer Puppe für Jungs, deshalb heißt sie nicht Puppe, sondern Actionfigur (now with eight articulation points!). Die Buben-Barbie kam 1964 in den USA auf den Markt, dort kennt sie jedes Kind, es gibt einen umfangreichen Figurenkosmos, TV-Serien, Comics usw. Bei uns wollte das Franchise nie so richtig populär werden, was auch daran liegen könnte, dass es sich im Endeffekt um Kriegsspielzeug handelt.

Der Film ist vor allem ein waffenstarrender Rüstungsporno, in dem es permanent kracht und scheppert. An Action herrscht weiß Gott kein Mangel, schließlich wollen die Bösen mal wieder die Erde erobern und die Guten müssen die Welt retten. Die Effekte sind aufwendig und sehen meistens leidlich gut aus (Höhepunkt ist vielleicht der “Money Shot”, in dem der Eiffelturm zerlegt wird), können aber ihre digitale Herkunft nie verhehlen und wirken daher immer wahnsinnig künstlich und blutleer.

Die Story geht ungefähr so (kann sein, dass da jetzt SPOILER kommen, vielleicht auch nicht, keine Ahnung, ist mir auch völlig wumpe): Der mächtige Rüstungskonzern M.A.R.S. hat eine extrem tolle und extrem gefährliche Nanotechnologie entwickelt, die er der NATO verkaufen will. Das klappt nicht so richtig, also will der M.A.R.S.-Boss (ein Schotte!) selbst Weltherrscher werden. Dazu muss er die Menschheit erstmal ordentlich einschüchtern und weltweite Angst säen. Deshalb hat er ein Team von extrabösen, tödlichen und gutaussehenden Spezialagenten, das “Team Cobra” angeheuert. Und weil einer seiner Vorfahren vor 400 Jahren mal gewaltig Stress mit den Franzosen hatte, ist das erste Angriffsziel natürlich das, was dem durchschnittlichen Hollywood-Drehbuchautor beim Stichwort Frankreich einfällt: der Eiffelturm. Aber, ceterum censeo, auch Moskau und Washington müssen zerstört werden.

Das zu verhindern obliegt den Guten, dem G.I. Joe-Team, einer Spezialeinheit der Army unter der Leitung von Dennis Quaid (hölzern wie niemals zuvor). Die besteht aus supertoll trainierten, gutaussehenden Spezialsoldaten mit supertoller Spezialausrüstung (z.B. ein Anzug wo unsichtbar macht oder ein Anzug wo voll schnell macht). Neu beim G.I. Joe ist Conrad, genannt Duke. Der staunt nicht schlecht, als er als auf die Baroness alias Ana trifft, die Oberkämpferin von Cobra im sexy Kampfanzug: Mit der war er doch mal verlobt! Aber als bei einem gemeinsamen Kampfeinsatz deren Bruder sein Leben lassen musste, war Schluss mit lustig und nix mit Heiraten. Ana wechselte die Seiten (für Laien daran zu erkennen, dass sie ihre Haarfarbe von blond nach schwarz änderte). Später stellt sich raus, dass der Bruder eigentlich noch lebt und er derjenige ist, der so richtig böse ist. Die Baroness dagegen war nur manipuliert und will wieder gut sein.

Dazwischen werden eine Menge Pixel in die Luft gejagt und ein hanebüchener Plot versucht verzweifelt, das ganze notdürftig zusammenzuhalten. Dass ein Film wie dieser hirnlos sein würde, war abzusehen und wäre auch verzeihbar. Wenn er dann aber auch noch komplett geist- und witzlos ist, keinerlei Charme oder Ironie besitzt und die Schauspieler agieren wie Roboter — dann muss man mal in die Filmographie von Regisseur Stephen Sommers schauen und findet dort neben The Mummy auch den miserablen Van Helsing. Passt also wie Arsch auf Eimer.

Zu befürchten ist allerdings, dass das Machwerk (zumindest in den USA) erfolgreich sein wird. Transformers hat bereits zweimal vorgemacht, dass die Leute sich gerne doofe Action-Blockbuster ansehen, die auf Spielzeug basieren. Eine Fortsetzung ist in The Rise of Cobra auch schon deutlich sichtbar angelegt. Es ist eine Drohung.

Abgelegt unter: geguckt
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Trailerschau für Filmstarts vom 6.8.

Donnerstag, 06.08.2009

Im Kino sehen:
Public Enemies: Michael Manns neuer Film, mit Johnny Depp als Ober-Bankräuber John Dillinger und Christian Bale als sein Gegenspieler. Ist mit Sicherheit besser als die meisten anderen “großen” Filmstarts dieses Sommers, aber rundherum überzeugt hat er mich auch nicht. Review folgt.

Auf die DVD warten:
Tropa de Elite: Der Berlinale-Gewinner 2008 (!) bekommt nun doch noch einen Kinostart. Der Film über eine Polizei-Eliteeinheit in Rio de Janeiro wurde zwiespältig aufgenommen, was nur konsequent ist, da er den Zuschauer mit einem Zwiespalt konfrontiert: ist das brutale Vorgehen der “Elite Squad” jenseits des Rechtsstaats zu verurteilen, oder handelt der Held in seinem Kampf gegen das Verbrechen doch richtig? Es dürfte interessant sein, sich diese Frage zu stellen. Siehe auch diese Rezension von Ekkehard Knörer.

Los Abrazos Rotos (Zerrissene Umarmungen): Der neue Almodóvar, wieder mit Penelope Cruz. Das sind schonmal zwei ziemlich gute Argumente, wobei sich die Kritiker weitgehend einig sind, dass dies nicht Almodóvars bester Film ist. Trotzdem: Melodramen mit einer guten Prise Humor kriegt kaum jemand so gut hin wie er. Cruz spielt hier eine Schauspielerin, es gibt also auch einige Film-im-Film-Szenen, was ja auch immer einen besonderen Reiz hat.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Maria, ihm schmeckt’s nicht!: Die Verfilmung von Jan Weilers Bestseller. Christian Ulmen spielt den Kerl, der in eine italienische Familie hineinheiratet. Ist sicher über und über voll mit Klischees, aber in seltenen Fällen kann mit Klischees ja auch sehr vergnüglich gespielt werden. Da ich Ulmen immer ganz gerne sehe, bin ich hier mal vorsichtig optimistisch.

Hotel Sahara: Dokumentarfilm, der afrikanische Auswanderwillige porträtiert, die über Gran Canaria versuchen, nach Europa zu gelangen, aber vorläufig in Mauretanien festsitzen. Der film-dienst lobt: “ein Film von eigenwilliger Schönheit”.



Auf DVD: Ben X

Dienstag, 04.08.2009

Ein Film über Vereinsamung bei Schülern, Mobbing, Jugendgewalt und Online-Rollenspiele. Man will sich gar nicht vorstellen, was daraus werden könnte, wenn sich ein öffentlich-rechtlicher Primetime-Fernsehfilm dieser Themen annähme. Der belgischen Produktion Ben X dagegen gelingt es, diese Punkte in einem ernsthaften fiktionalen Rahmen zu thematisieren, ohne allzu banal zu werden oder den erhobenen Zeigefinger zu schwingen.

Der Film erzählt aus der Sicht von Ben, einem Teenager mit Asperger-Syndrom, der hochintelligent, aber ein schwieriger Charakter ist. Ben wird in der Schule gehänselt bzw. von einigen auch extrem erniedrigt und von seiner alleinerziehenden Mutter nicht verstanden. Wohl fühlt er sich nur, wenn er am Rechner sitzt und das MMORPG Archlord spielt. Sein Avatar in dieser Fantasywelt ist einer der erfolgreichsten Helden des Spiels und trifft sich virtuell regelmäßig mit Scarlite. Das Mädchen, das diese Figur spielt, kündigt an, Ben im wirklichen Leben treffen zu wollen. Von Anfang an steuert der Film scheinbar unaufhaltsam auf eine große Katastrophe zu, findet dann aber zu einem sehr überraschenden, etwas pathetischen, aber doch überzeugenden Finale.

Zwischen den Szenen, die aus Bens Sicht erzählt werden (einschließlich Off-Kommentar von Ben als Ich-Erzähler) gibt es noch kleine Einsprengsel, die im Stil einer (Fake-) Dokumentation gemacht sind: kurze Interviewsequenzen mit Verwandten, Lehrern und Mitschülern, die zeitlich nach dem Ende der Story angelegt sind und rückblickend erzählen, wie es wohl “dazu” kommen konnte. Dieser erzählerische Kniff hilft, den Zuschauer auf die falsche Fährte zu führen und Spannung zu erzeugen.

Viel verdankt der Film aber auch der guten Idee, die Welt des (real existierenden) Rollenspiels Archlord mit einzubauen. Wir sehen nicht nur Ben beim Spielen in der virtuellen Welt, sondern auch viele Passagen, die sich in seinem Kopf abspielen. Reale Szenen finden dann ihre Entsprechung in der Fantasy-Welt. Diese Szenen wurden — mit dem Segen des Herstellers — eigens in Archlord erstellt und geben dem Film einen sehr eigenständigen, originellen Look. Die reale Welt mischt sich mit der des Computerspiels — auch bei Alltäglichkeiten wie dem Weg zur Schule. Obendrein machen auch die Schauspieler ihre Sache sehr gut, v.a. Greg Timmermans als Ben ist sehr glaubwürdig und überzeugend. Auch toll: die Musik (u.a. von Sigur Rós und dEUS).

Auf diese Weise schafft Regisseur Nic Balthazar einen Spagat: Ben X ist ein Film, den Pädagogen ohne Weiteres im Unterricht einsetzen können, der aber eben gerade nicht zu “pädagogisch” wirkt, so dass er auch für “normale” Zuschauer sehenswert bleibt. Sehr zu empfehlen.


 
 
 












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